Affäre: Definition, Bedeutung, Phasen

Eine Affäre kann eine Beziehung ernsthaft bedrohen – trotzdem ist der Reiz des Verbotenen manchmal stärker. Sowohl Männer als auch Frauen gehen das Risiko ein. Auf der anderen Seite kann sie der Beginn einer neuen Beziehung sein. Was genau eine Affäre ist, wann es mehr ist und welche Phasen einer Affäre typisch sind…

Affäre: Definition, Bedeutung, Phasen

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Definition: Was genau ist eine Affäre?

Der Begriff Affäre wird im Deutschen in verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Er stammt aus dem Französischen und bedeutet im Deutschen „Angelegenheit“. Einerseits beschreibt der Begriff ein skandalöses Vorkommnis in der Politik, Verwaltung, Wirtschaft oder Medien (Wikipedia), wovon breite Teile der Gesellschaft Wind bekommen.

Andererseits bezeichnet Affäre ein Liebesabenteuer. Dem haftet ebenfalls etwas Anrüchiges an, da es gegen gesellschaftlich weit verbreitete Moralvorstellungen verstößt. Um diese Bedeutung soll es nachfolgend gehen. Meist findet die amouröse Liebelei außerehelich statt und/oder ist nur auf Sex ausgelegt. Sie ist länger als ein One-Night-Stand, aber kürzer als eine Beziehung.

Bedeutung einer Affäre

Die Bedeutung des Begriffs ist vielschichtig:

  • Seitensprung
    Findet eine Affäre neben einer bestehenden Partnerschaft statt, kann sie ein Synonym für einen Seitensprung sein. Denn in der Regel sind Beziehungen auf sexuelle Exklusivität ausgelegt: Nur diese zwei Personen tauschen intime Zärtlichkeiten untereinander aus. Denkbar allerdings auch, dass ein Paar in einer offenen Beziehung lebt. Treue ist in dem Fall nicht an sexuelle Treue gebunden. In dem Fall kann die Affäre mit ausdrücklicher Billigung des Partners existieren.
  • Liebelei
    Ebenso gut bezeichnet Affäre aber auch eine sexuelle Verbindung zwischen zwei (ungebundenen) Menschen, die nichts Ernsthaftes planen. Sie hat dann nichts mit Fremdgehen zu tun. Aber es ist von vornherein klar, dass diese Verbindung oberflächlicher Natur ist. Der Vorteil liegt für beide Personen darin, dass sie auf Sex und Nähe nicht verzichten müssen. Gleichzeitig können sie ihre Unabhängigkeit wahren, gehen keinerlei Verpflichtungen ein.
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Emotionale Affäre: Harmlose Liaison?

Bisher haben wir vor allem die sexuelle Komponente betrachtet. Manchmal gibt allerdings auch die emotionale Affäre: Eine gebundene Person hegt romantische Gefühle für eine andere. Im Gegensatz zum Seitensprung bleibt es für gewöhnlich dabei. Sex spielt keine Rolle, nicht mal ein Kuss wird ausgetauscht. Aber auf der emotionalen Ebene sind sich die Personen sehr nah. Die Gedanken kreisen nicht um den eigenen Partner, sondern um die andere Person. Für wichtige Themen ist nicht der eigene Partner erste Anlaufstelle, sondern die andere Person.

Die Grenzen zwischen Freundschaft und emotionaler Affäre sind fließend. Ein Indiz für letzteres ist, wenn Sie sich mehr als nur eine platonische Beziehung vorstellen können. Inwieweit eine emotionale Affäre harmloser als die herkömmliche ist, lässt sich daher nicht allgemeingültig sagen. In manchen Fällen folgen Gedanken irgendwann Taten. Vor allem wenn sich herausstellt, dass der andere ebenso empfindet. Liegt knisternde Erotik in der Luft, bleibt es irgendwann nicht mehr bei Blicken und Lächeln. Insofern kann aus einer emotionalen eine de facto Affäre werden.

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Phasen einer Affäre

Oft lässt sich bei einer anfänglichen Liaison ein gewissermaßen idealtypischer Verlauf beobachten. Allerdings gibt es keine exakten Regeln, die einzelnen Phasen können unterschiedlich lange dauern. Wir beschreiben diese Phasen näher, um ein besseres Verständnis sowohl bei Paaren als auch Singles zu ermöglichen. Bei bestehenden Partnerschaften lässt sich so gegebenenfalls intervenieren und eine Beziehung retten:

1. Anfangsphase

Zu Beginn pflegen beide Personen noch einen unauffälligen, neutralen Umgang. Dass sich hier etwas anbahnt, wissen unter Umständen noch nicht einmal die Beteiligten. Hat einer der beiden eine feste Beziehung, kriselt es bereits länger. Die Partner haben aufgehört, sich für ihre Liebesbeziehung zu engagieren.

2. Vertiefungsphase

Irgendwann „kippt“ das neutrale Verhältnis: Das Interesse und die Neugier am anderen steigt, der Kontakt wird stärker. Nun sind die Begegnungen nicht zufälliger Natur, sondern werden gezielt durch Treffen, Nachrichten oder Telefonate gesucht. In der Spannungsphase ist die Liaison noch eine emotionale Affäre. Besteht jedoch eine Partnerschaft zu einer anderen Person, ist der potenzielle Fremdgeher gleichzeitig darum bemüht, ein Geheimnis zu wahren. Oft sind die Themen bereits intimer Natur, Probleme bespricht man nicht mehr mit dem Beziehungspartner.

3. Überschreitungsphase

Meist ist es nur eine Frage der Zeit, bis den tiefen Gesprächen sexueller Kontakt folgt. Damit überschreiten beide eine rote Linie. Zum einen ist nun klar, dass diese Beziehung keine rein freundschaftliche mehr ist. Zum anderen markiert die sexuelle Untreue im Fall einer bestehenden Partnerschaft oft einen Wendepunkt. Der Betrüger hat meist ein schlechtes Gewissen. Hat er oder sie sich emotional weit von seinem Beziehungspartner entfernt, findet womöglich ein Abwägen ab: alte Beziehung beibehalten oder aus der Affäre mehr machen?

4. Enttarnungsphase

In dieser Phase fliegt die Affäre auf. Das kann ganz unterschiedlich passieren und ist abhängig vom Typus. Manche möchten ihren Fehltritt beichten. In anderen Fällen versuchen sie, die Liaison zu verheimlichen. Vor allem bei langfristigen Affären kann das nur gelingen, wenn der betrügende Part logistisch und organisatorisch versiert, der Betrogene wenig misstrauisch und naiv ist. Es kommt aber auch vor, dass der treue Part seinem Partner hinterher schnüffelt oder verräterische Signale entdeckt. Deshalb lässt sich diese Phase auch als „Point of no return“ beschreiben: Die Karten liegen auf dem Tisch, nun kann es kein „weiter so“ geben.

5. Entscheidungsphase

Haben zwei Singles eine Liaison, merken beide in dieser Phase eine Veränderung. Meist entwickelt eine Person tiefergehende Gefühle für die andere und möchte das Verhältnis intensivieren, in eine Partnerschaft überführen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn beide viel Zeit miteinander verbringen und nicht nur das Bett, sondern gemeinsame Interessen und Hobbys teilen. Schwierig allerdings, wenn der andere Part seine Unabhängigkeit beibehalten und das Ganze unverbindlich halten möchte.

Findet das Liebesabenteuer neben einer Beziehung statt, ist Beziehungsarbeit angesagt. Das Paar muss für sich entscheiden, ob es weitermachen oder beispielsweise eine Beziehungspause einlegen will. Der Fremdgeher überlegt, ob er seine Affäre beendet und in die Beziehung investiert. In manchen Fällen ringen sich Paare zu einer Paartherapie durch.

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Gründe: Wieso kommt es zu einem Verhältnis?

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, ob eine Liaison Auslöser einer Beziehungskrise ist oder doch eher deren Symptom. Ob nun verheiratet oder in einer Lebensgemeinschaft: Für die meisten Menschen ist ein außereheliches (beziehungsweise außerpartnerschaftliches) Techtelmechtel ein No-go. Und dennoch kommt es selbst in langjährigen Beziehungen vor. Die drei häufigsten Gründe:

Geringe Nähe

Eine typische Redewendung besagt, dass Männer durch Sex Nähe suchen, Frauen hingegen für Sex Nähe benötigen. Experten kommen daher zu dem Ergebnis, dass in jedem Fall Nähe eine wichtige Rolle spielt. Ein Mangel an Nähe ist wiederum häufiges Symptom kriselnder Beziehungen. Das lässt sich besonders auf sexueller Ebene beobachten. Frust im Bett ist einer der häufigsten Gründe fürs Fremdgehen.

Keine Themen

Wächst die Distanz zwischen Paaren, ist das eine potenzielle Lücke für eine dritte Person. Das gilt umso mehr, wenn nicht nur der Alltag eingekehrt ist, sondern sich das Paar nichts mehr zu sagen hat. Kommunikation ist das A und O in einer Beziehung, selbst bei Streit. Manche Paare streiten aber noch nicht einmal mehr – dabei ist die Abwesenheit von Konflikten kein Zeichen für eine harmonische Beziehung. Manchmal ist es lediglich ein Ausweichverhalten. Trifft dann ein Partner auf eine dritte Person, fühlt er sich plötzlich verstanden.

Besseres Selbstwertgefühl

Manch eine zerrüttete Partnerschaft ist durch Demütigungen und mangelnden Respekt gekennzeichnet. Eine Affäre mit einer anderen Person gibt dem geknickten Selbstwertgefühl wieder Auftrieb. Plötzlich ist man wieder begehrenswert und interessant für jemanden. Ein Gefühl, das dem geknickten Ego wieder Auftrieb gibt und an der alten Beziehung zweifeln lässt.

Kann aus einer Affäre eine Beziehung werden?

Ob aus einer Affäre eine ernsthafte Beziehung wird, hängt von der Ausgangssituation und den Beteiligten ab. Sind beide ungebunden und offen für eine feste Partnerschaft, steht dem nichts entgegen. Manchmal ist eine Affäre aber von vornherein als etwas rein Sexuelles definiert. Kommen dann Gefühle ins Spiel, ist es meist das Ende. Findet eine Affäre neben einer festen Partnerschaft statt, betrifft die Entscheidungsphase nicht nur den Beziehungspartner, sondern auch eine dritte Person. Der oder die Geliebte macht sich oft Hoffnungen, die Rolle des festen Partners einnehmen zu können. Ganz allgemein gilt aber, dass betrügende Ehemänner oder Ehefrauen sich nur selten für die/den Geliebte(n) entscheiden.

Eine amerikanische Studie untersuchte die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer Liaison eine glückliche Beziehung entwickelt. Das Ergebnis: In der überwiegenden Mehrheit bleibt der fremdgehende Part bei seinem Beziehungspartner. Selbst bei denen, wo sich eine Beziehung entwickelte, kam es in 75 Prozent der Fälle hinterher zur Scheidung. Ein Grund dafür könnte die Konfliktscheu sein. Denn an der alten Beziehung zu arbeiten bedeutet, alte Konflikte aufzuarbeiten. Wer das nie gelernt hat, kann dieses Wissen auch in der nächsten Beziehung nicht einsetzen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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