Altersdiskriminierung: So können Sie sich wehren

Der Zeitgeist der Gesellschaft fokussiert sich immer stärker auf junge Menschen. Altersdiskriminierung zeigt sich im Alltag daher in vielen Situationen. Mit Jugend werden zumeist Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit und frische Ideen verbunden. Ältere Menschen haben dagegen eher selten eine Lobby. So zeigt die Werbung ältere Menschen häufig nur in Zusammenhang mit Seniorenprodukten; alle anderen Produkte werden von jungen und attraktiven Menschen beworben. Und auch im Berufsleben gilt man bereits spätestens ab Ende 40 als „älter“. Altersdiskriminierung zeigt sich in Job und Alltag auf unterschiedliche Arten. Doch Sie können etwas dagegen tun…

Altersdiskriminierung: So können Sie sich wehren

Definition Altersdiskriminierung: Benachteiligung aufgrund des Alters

Definition Altersdiskriminierung: Benachteiligung aufgrund des AltersDas Wort Diskriminierung stammt von dem lateinischen Verb discriminare. Dieses Fremdwort bedeutet soviel wie: trennen, unterscheiden oder abgrenzen. Das klingt zunächst nach einer neutralen Bedeutung und ist es auch, denn erst im Laufe der Zeit wurde der Begriff zunehmend negativ bewertet.

Dies gilt insbesondere beim Thema Altersdiskriminierung. Als Synonyme werden häufig auch Begriffe verwendet wie:

  • Ausgrenzung aufgrund des Alters
  • Benachteiligung aufgrund des Alters
  • Geringschätzung aufgrund des Alters
  • Herabsetzung aufgrund des Alters

Altersdiskriminierung lässt sich in vielen Bereichen beobachten. So ist sie nicht nur im Alltag allgegenwärtig, sondern zum Beispiel auch bei der Wohnungssuche, im Gesundheitswesen, bei der Tarifberechnung einer Versicherung und im Beruf.

Selbstverständlich spielt das Alter im Leben häufig eine zentrale Rolle. Das beginnt bei der Einschulung und setzt sich fort beim legalen Erwerb von Rauschmitteln wie Tabak und Alkohol, beim Führerschein oder beim Wahlrecht. Doch das ist noch keine Altersdiskriminierung. Unter ihr versteht man eine gesellschaftliche oder wirtschaftliche Benachteiligung einer Person aufgrund ihres Lebensalters.

Zwar kann theoretisch jede Altersgruppe diskriminiert werden, doch häufig wird mit dem Begriff die Ausgrenzung einer Gruppe ober- oder unterhalb eines bestimmten Alters assoziiert. Betrachtet man die Diskriminierung aufgrund eines vermeintlich zu hohen Alters, wären die Begriffe Altendiskriminierung beziehungsweise Seniorenfeindlichkeit exakter, auch wenn diese im Alltag kaum verwendet werden. Im anglo-amerikanischen Raum wird daher der Fachbegriff ageism verwendet.

Doch selbst wenn Altersdiskriminierung oft vorkommt und scheinbar für einige bereits zum normalen gesellschaftlichen Umgang gehört, muss man sie nicht einfach hinnehmen. Das umgangssprachlich als Antidiskriminierungsgesetz bezeichnete Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) richtet sich gegen Diskriminierung jeder Art bietet eine rechtliche Handhabe gegen eine Benachteiligung aufgrund…

  • der ethnischen oder kulturellen Herkunft,
  • der Religion oder Weltanschauung,
  • einer Behinderung,
  • der sexuellen Identität,
  • des Alters oder
  • des Geschlechts.

Während die meisten genannten Diskriminierungsgründe oft nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe betreffen, ist der Alterungsprozess etwas, das jeden Menschen ereilt. Daher ist also auch jeder ein potenzielles Opfer von Altersdiskriminierung. Oder wie es die Deutsche Seniorenliga formuliert: Die Täter von heute sind die Opfer von morgen.

Einige Vorschriften mit Altersgrenzen dienen jedoch auch dem Schutz der entsprechenden Personen. So etwa das Verkaufsverbot von Alkohol an Minderjährige oder Tabak an unter 16-Jährige. Auch das Arbeitsrecht sieht Kinder und Jugendliche bis zu ihrem 18. Lebensjahr als besonders schutzwürdig an, daher gelten gemäß Jugendarbeitsschutzgesetz für diese Altersgruppen andere Vorschriften und Gesetze als für über 18-Jährige.

Man könnte in diesem Zusammenhang von positiver Altersdiskriminierung sprechen, wenn beispielsweise längere Pausen oder mehr freie Wochenenden als bei anderen Arbeitnehmern gewährt werden.

Hier soll es jedoch hauptsächlich um die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres höheren Alters gehen, ohne dass ein sachlicher Grund vorliegt.

Altersdiskriminierung kann sich unterschiedlich äußern

Einer repräsentativen Studie zufolge ist jeder Fünfte bereits wegen seines Alters diskriminiert worden. Dabei ist es zunächst zweitrangig, ob die Befragten zu jung oder zu alt waren – sie hatten einfach nicht das passende Alter.

Wie bei allen Formen der Diskriminierung kann sich Altersdiskriminierung im Sprachgebrauch äußern, beispielsweise bei Beleidigungen oder bei bestimmten Bezeichnungen. Daneben gibt es die institutionalisierte Altersdiskriminierung in Form von Regeln und Vorschriften.

Regelungen, die Altersgrenzen beinhalten, sind in den unterschiedlichsten Bereichen bekannt. In Fällen wie etwa dem Wahlrecht oder dem Besitz des Führerscheins stehen diese Grenzen immer wieder zur Debatte. Gerade der Führerschein wird im Zusammenhang mit älteren Menschen häufig diskutiert, da ihnen eine geringere Reaktionsfähigkeit und damit ein höheres Unfallrisiko unterstellt wird. Dabei belegen Untersuchungen, dass erst bei über 80-Jährigen das Unfallrisiko wieder auf das Niveau von 18- bis 24-Jährigen, der Altersgruppe, mit den höchsten Unfallquoten, fällt.

Altersdiskriminierung im Alltag

Rentner und Senioren sind tagtäglich einer Vielzahl an kleinen und größeren Diskriminierungen ausgesetzt. Das beginnt damit, dass sie mitunter von Fremden despektierlich als Oma, Opa oder ähnliches tituliert werden oder dass andere Menschen ungefragt einfach genervter, lauter und langsamer sprechen, weil sie einen aufgrund des ersten optischen Eindrucks für nicht mehr aufnahmefähig halten.

Auch die Tarife der Versicherungen verändern sich, da die Statistiken aussagen, dass ältere Menschen in sämtlichen Bereichen ein höheres Risiko darstellen. Insbesondere Frauen sind in diesem Bereich doppelt betroffen. Zudem werden beispielsweise Transplantate von Krankenkassen bei Senioren häufig abgelehnt.

Auch bei der Suche nach einer Wohnung werden von vielen Vermietern eher junge, solvente Mieter bevorzugt – der Generation 60 plus wird anscheinend häufig ein eigenständiges und finanziell unabhängiges Leben gar nicht mehr zugetraut.

Grund sind oftmals oberflächliche Vorurteile, die von Medien unterschwellig noch befeuert werden. Für die Anerkennung der Lebensleistung von Senioren scheint vielerorts kein Platz mehr zu sein.

Das belegt auch ein Blick in unsere Städte: Die Städteplanung realisiert oft nur unzureichend, dass die Gesellschaft älter wird. Erkennbar ist das an geringer Barrierefreiheit im öffentlichen Leben:

  • zu hohe Bordsteinkanten
  • schlecht ausgebaute Bürgersteige
  • keine Rolltreppen oder Aufzüge in öffentlichen Gebäuden
  • holprige Bodenbeläge wie zum Beispiel Kopfsteinpflaster anstatt geteerte Wege
  • keine altersangemessene Infrastruktur wie fußläufig erreichbare Geschäfte oder Ärzte
  • schlecht ausgebautes Nahverkehrsnetz

Selbstverständlich treffen diese Defizite nicht nur ältere Personen, sondern auch junge Menschen, die beispielsweise gehbehindert sind wie Rollstuhlfahrer. Ebenso junge Frauen und Männer mit Kinderwagen.

Altersdiskriminierung zeigt sich außerdem bei der Vernachlässigung in der Pflege oder bei der Vergabe von Krediten, die älteren Menschen trotz vorliegender Sicherheiten nicht gewährt werden.

Altersdiskriminierung im Job

Altersdiskriminierung äußert sich offen aber auch unterschwellig. Insbesondere im Beruf zeigt sich Altersdiskriminierung sehr häufig nicht sofort auf den ersten Blick, sondern eher sukzessive. Lange Zeit war man gefragter Ansprechpartner, doch je näher der Renteneintritt rückt, umso mehr wird man behandelt wie jemand, der sowieso nichts mehr auf die Reihe bekommt und zu alt ist, um mit den schnelllebigen, technischen Entwicklungen mithalten und diese verstehen zu können.

So gibt es einige Merkmale und Indizien, an denen Sie festmachen können, dass in Ihrer Firma der Nährboden für ein Klima der Altersdiskriminierung vorhanden sein kann:

  • Anstellung

    Im Arbeitsleben haben Arbeitnehmer häufig nicht das „richtige“ Alter. Altersdiskriminierung findet sich bei Berufsanfängern, die als zu jung erachtet und deshalb nicht eingestellt werden. Das Gleiche passiert allerdings paradoxerweise auch älteren Arbeitnehmern, denen keine Chance gewährt wird, weil der Arbeitgeber geringere Leistungsfähigkeit vermutet. Manchmal wird älteren Angestellten während eines Arbeitsverhältnisses sogar ein Umstieg auf eine Teilzeitbeschäftigung nahegelegt, um dem Nachwuchs Platz zu machen.

  • Stellenangebote

    Wer klare Altersangaben in einer Stellenanzeige aufgibt, verstößt gegen das AGG. Eine Formulierung wie „Projektleiter zwischen 30 und 45 Jahren gesucht“ ist unzulässig. Aber selbst Formulierungen wie „Junges dynamisches Team sucht ebensolchen Kollegen“ kann bei Nichtberücksichtigung eines Bewerbers den Arbeitgeber in Erklärungsnot bringen. Der muss nämlich dann nachweisen, dass die Ablehnung nichts mit Altersdiskriminierung zu tun hatte, sondern objektive Beweise dafür vorlegen.

  • Kinderwunsch

    Die Frage nach dem Kinderwunsch oder einer Schwangerschaft bei Frauen ist im Vorstellungsgespräch bekanntermaßen verboten. Eine Form von Altersdiskriminierung liegt vor, wenn grundsätzlich junge Frauen im gebärfähigen Alter ausgesiebt werden. Zwar wird dies die wenigsten vob Ihnen in diesem Zusammenhang betreffen, dennoch kann eine solche Praxis ein Hinweis darauf sein, dass in Ihrer Firma eine Kultur der Ungleichbehandlung vorherrscht.

  • Abfindung

    Im Falle einer Abfindung kann das Alter einem Arbeitnehmer ebenfalls zum Nachteil gereichen. Die Höhe richtet sich meist nach Lebens- und Dienstalter, heißt: Je länger ein Arbeitnehmer beschäftigt war und je älter er ist, desto höher fällt diese Abfindung aus. Dies kann als Altersdiskriminierung gegenüber jüngeren und kürzer Beschäftigten gesehen werden. Sieht der Sozialplan des Unternehmens vor, dass solche höheren Abfindungen nur bis zu einer altersmäßigen Höchstgrenze gezahlt werden, kann sich dies für ältere Arbeitnehmer nachteilig auswirken, indem die Berechnungsgrundlage für die Abfindung zu ihren Ungunsten geändert wird.

  • Bezahlung

    Bis vor wenigen Jahren wurde bei Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst beim Gehalt noch nach Alter unterschieden. Das bedeutet, dass nicht Leistung oder Position, sondern einzig ein höheres Lebensalter zwischen Arbeitnehmern derselben Tarifgruppe einen Unterschied ausmachen konnte. Mit Ablösung des Bundes-Angestelltentarifvertrages durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) wurde diese Unterscheidung sowohl für Angestellte als auch für Beamte als eine Form der Altersdiskriminierung abgeschafft. Unabhängig davon ist es nach wie vor erlaubt, das Gehalt mit der Dauer des Arbeitsverhältnisses zu steigern. Ein höheres Gehalt gemäß Dienstalter ist demnach keine Benachteiligung, gemäß Lebensalter aber schon.

Altersdiskriminierung: So sollten Sie reagieren

Altersdiskriminierung: So sollten Sie reagierenWer aufgrund seines Alters diskriminiert wird und sich daher unfair behandelt fühlt, ist verständlicherweise wütend und frustriert. Früher verband man das Alter früher noch mit Begriffen wie Gelassenheit, Weisheit oder Lebenserfahrung. Heute existieren hingegen eher negative Assoziationen. Höheres Alter wird inzwischen viel öfter mit Gebrechlichkeit und Vergesslichkeit assoziiert.

Da Alter keine richtige Lobby hat, wissen viele von Altersdiskriminierung Betroffene oft nicht um ihre Möglichkeiten. Dabei sollten Sie wissen, dass Sie Anspruch auf Entschädigung und Schadensersatz haben, sofern ein Verstoß gegen das AGG vorliegt.

Um diesen einzufordern, müssen Sie innerhalb von zwei Monaten nach der Diskriminierung dem entsprechenden Unternehmen oder der Person eine schriftliche Mitteilung Ihrer Forderungen übergeben.

Tipps, wo Sie sich Hilfe bei Altersdiskriminierung holen können:

  • Antidiskriminierungsstelle

    Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, kurz ADS, steht ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite. Betroffene können telefonisch um Hilfe suchen: 030 18555-1865, per Fax: 030 18555-41865 oder sich per E-Mail an die Berater wenden: beratung@ads.bund.de. Zudem finden Sie Informationen auf der entsprechenden Homepage.

  • Betriebsrat

    Findet die Altendiskriminierung im Beruf statt und existiert im Unternehmen ein Personal- oder Betriebsrat, dann sollten Sie Kontakt zu diesem aufnehmen und den Fall besprechen. Zudem bieten Gewerkschaften Beratungen auf diesem Feld an.

  • Organisationen

    Neben einer parteilichen Organisation, die gezielt die Interessen älterer Bürger vertritt, den sogenannten „Grauen“ (früher auch als „Graue Panter“ bekannt), gibt es verschiedene Vereine, so beispielsweise die Deutsche Seniorenliga. Sie informieren zu Gesellschaft und Politik ebenso wie zu Gesundheit, Sicherheit und weiteren Themen.

[Bildnachweis: Krakenimages.com by Shutterstock.com]
19. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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