Altersteilzeit: So können Sie früher in Rente gehen

Während sich die einen darüber Gedanken machen, wie sie noch bis 70 oder länger arbeiten können, überlegen die anderen bereits, wie sie am schnellsten in den Vorruhestand kommen. Altersteilzeit ist in diesem Zusammenhang eine attraktive Möglichkeit. Allerdings müssen dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, sich schrittweise aus dem Arbeitsleben zurück zu ziehen, sollte auf jeden Fall gut durchrechnen, ob es sich wirklich lohnt, früher in Rente zu gehen. Wieviele Modelle zur Altersteilzeit es gibt, welche Vor- und Nachteile diese haben, ob Sie einen Rechtsanspruch darauf haben, wo Sie Informationen her bekommen und wie es funktionieren kann…

Altersteilzeit: So können Sie früher in Rente gehen

Definition: Was ist Altersteilzeit?

Definition: Was ist Altersteilzeit?Altersteilzeit ist für Arbeitnehmer eine Möglichkeit, die Arbeitszeit schrittweise auf die Hälfte zu vermindern und so einen gleitenden Übergang in die Rente zu bekommen.

Das ist insbesondere deshalb reizvoll, weil der Eintritt ins Rentnerdasein für viele Menschen einen erheblichen Einschnitt bedeutet, der so abgefedert werden kann. Die Rahmenbedingungen zur Altersteilzeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind im sogenannten Altersteilzeitgesetz (AltTZG) festgehalten.

Für den angehenden Rentner bedeutet die Altersteilzeit konkret, dass die restliche Arbeitszeit bis zur Rente halbiert wird. Um finanziellen Verluste jedoch so gering wie möglich zu halten, wird das reduzierte Gehalt vom Arbeitgeber aufgestockt und so zusätzliche Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt.

Von dieser Regelung profitieren sowohl Arbeitgeber, als auch Arbeitnehmer:

  • Der Arbeitnehmer gewinnt mehr Zeit, die er gemäß seiner Vorlieben frei gestalten kann.
  • Der Arbeitgeber profitiert während der Altersteilzeit vom Know-how des älteren Arbeitnehmers, kann jedoch sicherstellen, dass ein Nachfolger entsprechend eingearbeitet wird.

Auf diese Weise bietet die Regelung zur Altersteilzeit dem Unternehmen eine Möglichkeit, jüngeren Arbeitnehmern einen Arbeitsplatz bereit zu stellen, ohne unbedingt eine zusätzliche Personalstelle schaffen zu müssen. Darüber hinaus sind jüngere Arbeitnehmer meist deutlich günstiger, da sie geringere Gehälter gezahlt bekommen.

Welche Voraussetzungen gelten für die Altersteilzeit?

Unter drei bestimmten Voraussetzungen können Sie als Arbeitnehmer die Altersteilzeit für sich in Anspruch nehmen. Dafür müssen Sie…

  • älter als 55 Jahre sein
  • noch mindestens drei Jahre bis zur Rente haben
  • in den letzten fünf Jahren mindestens 1.080 Kalendertage sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein

Ob Sie sich dabei in einer Beschäftigung in Voll- oder in Teilzeit befinden, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Wichtiger ist vielmehr, wie lange Sie eine Altersteilzeit in Anspruch nehmen können:

So beträgt die maximale Dauer der Altersteilzeit sechs Jahre und die minimale Dauer drei Jahre. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Arbeitslosigkeit während dieser Zeit ebenfalls als versicherungspflichtige Beschäftigung zählt, sofern in dieser Zeit ALG I, ALG II oder eine andere Entgeltersatzleistung bezogen wurde.

Falls Sie die oben genannten Voraussetzungen erfüllen, sollten Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung zur Altersteilzeit treffen. Dabei ist zu bedenken, dass die Zeitspanne mindestens bis zum frühestmöglichen Zeitpunkt reichen muss, zu dem Sie in Rente gehen können, also maximal für die angesprochene Dauer von sechs Jahren vor Renteneintritt.

Gibt es einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit?

Gibt es einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit?Gesetzlich besteht kein Anspruch auf Altersteilzeit. Es besteht lediglich die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis mit Ihrem Arbeitgeber eine individuelle Vereinbarung zur Altersteilzeit zu vereinbaren. Zudem enthalten viele Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge, wie zum Beispiel der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst (TvöD), klare Regelungen zur Altersteilzeit.

So können zum Beispiel Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst in Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber bereits ab der Vollendung des 55. Lebensjahres in Altersteilzeit gehen. Mit der Vollendung des 60. Lebensjahres existiert zudem ein tarifvertraglicher Anspruch auf Altersteilzeit.

Wie funktioniert die Altersteilzeit?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Modelle, mit denen eine Altersteilzeit möglich ist:

  • Blockmodell

    Das Blockmodell funktioniert in zwei Phasen. In der ersten Phase arbeitet der Arbeitnehmer bei reduzierten Bezügen regulär wie bisher weiter. In der zweiten Phase der Altersteilzeit hat er komplett frei, erhält jedoch weiterhin das reduzierte Gehalt bis zum gesetzlichen Renteneintritt. Wenn Sie beispielsweise eine Altersteilzeit über einen Zeitraum von sechs Jahren vereinbaren, dann arbeiten Sie nur in den ersten drei Jahren.

  • Teilzeitmodell

    Beim Teilzeitmodell – auch als Gleichverteilungsmodell bezeichnet – reduziert der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit Schritt für Schritt und arbeitet so beispielsweise nur noch halbe Tage. Wie sich diese Teilzeit gestaltet, müssen Sie mit dem Arbeitgeber individuell klären. Eine Aufteilung in bestimmte Arbeitstage und freie Tage ist ebenso denkbar.

90 Prozent aller Arbeitnehmer entscheiden sich für das Blockmodell, denn so können sie eher in Rente gehen, haben aber diesbezüglich geringere Abzüge, als wenn sie komplett aufhören würden zu arbeiten. Es ist jedoch zu beachten, dass Ausfallzeiten aufgrund von Krankheit im Blockmodell nachzuarbeiten sind (Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf: AZ 7 Ca 515/09).

Egal für welches Modell Sie sich entscheiden: Während dieses Zeitraums erhalten Sie nur noch Ihr halbes Gehalt plus einer mindestens 20-prozentigen Aufstockung durch den Arbeitgeber. Diese Aufstockung kann je nach Vereinbarung auch höher ausfallen oder weitere Entgeltbestandteile wie geldwerte Vorteile beinhalten.

Wie wirkt sich der Aufstockungsbetrag auf Steuer und Sozialabgaben aus?

Die Aufstockung ist grundsätzlich sozialversicherungs- und steuerfrei.

Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, deren Höhe sich aus 80 Prozent des Regelarbeitsentgelts berechnet, also des halben Gehaltes, das Ihnen während der Altersteilzeit ausgezahlt wird.

Rechner zur Altersteilzeit: Wie sieht es finanziell aus?

Rechner zur Altersteilzeit: Wie sieht es finanziell aus?Für viele mag sich nun die eine oder andere konkrete Frage auftun, ob sich eine Altersteilzeit finanziell lohnt. Dabei sollte jeder für sich zwei Fragen abklären:

  • Um wieviel reduziert sich mein Gehalt?
  • Wie kann ich mein Gehalt während der Altersteilzeit berechnen?

Darauf kann es keine pauschale Antworten geben. Eine erste, individuelle Orientierung zu möglichen finanziellen Auswirkungen kann Ihnen der Teilzeitrechner des Bundesministerium für Arbeit und Soziales liefern. Zudem sollten Sie diese Fragen mit Ihrem Sachbearbeiter bei der Rentenversicherung abklären.

Darauf müssen Sie bei der Planung der Altersteilzeit achten

Wer in Altersteilzeit gehen möchte, muss im Vorfeld einiges beachten. Zunächst ist es wichtig, sich einen Überblick über die persönlichen Möglichkeiten zu verschaffen. Um sich bestmöglich absichern zu können und keine wichtige Information zu übersehen, sollten Sie mit unterschiedlichen Stellen Rücksprache halten.

Wir empfehlen daher folgende Vorgehensweise:

  1. Klären Sie Ihre Finanzen

    Insbesondere dann, wenn Sie in der Vergangenheit keine großen finanziellen Rücklagen bilden konnten, könnte es unter Umständen mit einer Altersteilzeit eng werden. Bis vor wenigen Jahren gab es von der Arbeitsagentur noch Förderleistungen für Arbeitnehmer, die in Altersteilzeit gegangen sind. Diese gelten inzwischen allerdings nicht mehr.

    Um einen genauen Überblick zu erhalten, sollten Sie nicht nur Ihre Ersparnisse berücksichtigen, sondern auch Ihre Ausgaben prüfen: Wieviel müssen Sie an Fixkosten wie Miete und Versicherung zahlen, welche Abonnements, Verträge, Ausgaben für Benzin oder Ähnliches kommen hinzu? Welche Lebenshaltungskosten haben Sie? Ein Haushaltsbuch kann in diesem Zusammenhang helfen.

  2. Sprechen Sie mit der Rentenversicherung

    Bevor Sie eine wie auch immer geartete Regelung mit Ihrem Arbeitgeber unterschreiben, sollten Sie das Gespräch mit einem Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung suchen und die entsprechenden Modalitäten abklären. Wenn zum Beispiel in dem Vertrag, den Sie mit dem Arbeitgeber geschlossenen haben, das Ende der Altersteilzeit nicht an den tatsächlichen Rentenbeginn angepasst wurde, bekommen Sie Schwierigkeiten, da die Rente wird noch nicht ausbezahlt wird und eine Lücke droht.

    Sprechen Sie daher mit den zuständigen Beratern und lassen Sie prüfen, in wie weit die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen bei Ihnen erfüllt sind. Es steht Ihnen zusätzlich frei, in der Beratungsstelle Probeberechnungen über die zu erwartende Rentenhöhe nach der Altersteilzeit erstellen zu lassen. Auskünfte dazu bekommen Sie unter der kostenlosen Servicetelefon-Nummer der Deutschen Rentenversicherung: 0800 1000 4800.

  3. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber

    Nachdem Sie Ihre persönlichen Rahmenbedingungen abgeklärt haben, sollten Sie in Erfahrung bringen, ob eine Altersteilzeit in Ihrem Unternehmen grundsätzlich möglich ist und ob diese vielleicht sogar bereits in einem Tarifvertrag oder einer möglichen Betriebsvereinbarung festgehalten ist.

    Zudem sollten Sie abklären, um welchen Betrag (ausgehend vom Minimum) Ihr Chef bereit ist, Ihr Altersteilzeitgehalt und die Rentenbeiträge aufzustocken. Klären Sie außerdem, welches der beiden Altersteilzeitmodelle umsetzbar ist: Blockmodell oder Teilzeitmodell?

[Bildnachweis: Krakenimages.com by Shutterstock.com]
10. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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