Alzheimer: Symptome, Verlauf, Behandlung und Vorbeugung

Eine Krankheit, die man nicht sehen kann: Alzheimer schleicht sich in das Leben, macht den Menschen wirr, nimmt ihm die Selbständigkeit und löscht am Ende eine ganze Persönlichkeit aus. Dennoch gibt es Möglichkeiten, Alzheimer zu begegnen, den Verlauf zu verlangsamen und die Patienten zu stärken. Wir informieren Sie über erste Anzeichen, Symptome, Behandlungsformen, Verlauf und wie Sie selber Alzheimer vorbeugen können…

Alzheimer: Symptome, Verlauf, Behandlung und Vorbeugung

Welche Symptome hat Alzheimer?

Alzheimer ist eine hirnorganische Krankheit. Dementsprechend zeigen sich die Symptome vor allem in den schwindenden geistigen Fähigkeiten.

  • Gedächtnisverlust

    Betroffene hören Informationen, sie entfallen ihnen aber direkt wieder. Es fällt anderen auf, dass sie Termine vergessen und Verabredungen nicht einhalten. Die Patienten spüren selber, dass etwas nicht stimmt und fragen häufiger nach, wann und wo etwas stattfindet. Oft machen sie sich dann Erinnerungsstützen in Form von schriftlichen Notizen oder sie geben viele Informationen in ihr Handy ein.

    Kennzeichnend ist auch, dass sie Gegenstände verlegen und sie nicht wieder finden. Meistens finden sich die Dinge an merkwürdigen Stellen wieder. Der Haustürschlüssel liegt im Wäschekorb, die Brille im Kühlschrank.

  • Sprachstörungen

    Alzheimer-Patienten können immer schwerer Unterhaltungen folgen. Manchmal sitzen sie schweigend dabei, wollen nicht auffallen. Wenn sie sich am Gespräch beteiligen, kann es sein, dass sie sich inhaltlich wiederholen oder plötzlich aufhören zu reden, weil sie nach einem Wort suchen. Es kommt vor, dass sie Dinge falsch benennen und merkwürdige Umschreibungen nutzen.

    Diese Sprachprobleme manifestieren sich auch in der Schriftsprache: Hier zeigen sich auch inhaltliche Wiederholungen, abgebrochene Sätze und merkwürdige Formulierungen.

  • Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme

    Patienten mit Alzheimer sind verwirrt, was den Zeit und Ort betrifft. Sie vergessen Daten, oder können Ereignisse nicht mehr in ihren Verlauf einsortieren. Außerdem können sie vergessen, wo sie gerade sind, wie sie dahin gelangt sind oder wohin sie eigentlich wollten.

  • Wahrnehmungsstörungen

    Alzheimer-Patienten erkennen oft ihnen sehr wohl bekannte Menschen nicht mehr wieder. Die Gesichter sind ihnen fremd. Ihnen fällt es schwer Farben zu unterscheiden, Muster und Kontraste zu definieren.

  • Störung des Denk- und Urteilvermögens

    Wie sie über Situationen urteilen oder Entscheidungen treffen, verändert sich. Leider nicht in eine positive Richtung. Alzheimer-Patienten lassen sich eher zu unnötigen Verträgen drängen, zum Beispiel beim Handykauf oder sie achten nicht mehr auf Körperhygiene, waschen sich tagelang nicht und bekommen einen unangenehmen Körpergeruch. Sie beurteilen das Wetter falsch und entscheiden sich für Winterkleidung im Sommer.

  • Probleme mit gewohnten Tätigkeiten

    Auf einmal benötigen die Betroffenen mehr Zeit für Dinge, die sie immer routiniert erledigt haben. Im Alltag verhalten sie sich planlos und schwerfällig, vielleicht auch konfus.

    Bankgeschäfte lassen sich nicht mehr mit Leichtigkeit durchführen. Sie planen ihre Arbeit im Haushalt keineswegs zielstrebig. Beim Kochen fällt ihnen nicht mehr ein, welche Zutaten sie benötigen oder sie verwechseln beim Backen Zucker mit Salz.

  • Veränderungen der Persönlichkeit

    Orientierungslosigkeit und Vergesslichkeit verändern den Menschen auf Dauer. Häufiges Anecken, in Konflikt geraten, geht nicht spurlos an ihnen vorüber. So werden Alzheimer-Patienten oft misstrauisch, verwirrt, aggressiv oder auch ängstlich und traurig.

  • Rückzug aus dem sozialen Leben

    Ihre Vergesslichkeit, ihr Sprachprobleme, die Wahrnehmungsprobleme und die Reaktionen von Angehörigen und Freunden verunsichern Alzheimer-Patienten. Sie können Ereignisse nicht mehr richtig einsortieren, wollen nicht auffallen oder permanent in Konflikt mit anderen geraten, deshalb ziehen sie sich zurück. Große Feiern überfordern sie. Vereinsleben wird zu anstrengend. Sie isolieren sich zusehends selber.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sporadische Gedächtnislücken können bei Senioren schon mal auftreten. Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob sie altersbedingt oder krankheitsbedingt sind und auf Alzheimer hinweisen.

Warnsignale sollten Sie aber dennoch ernst nehmen, um rechtzeitig der Krankheit zu begegnen. Wenn Alzheimer frühzeitig behandelt wird, kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns länger aufrecht erhalten werden. Folgende Fragen können eine erste Orientierung bieten:

  • Verlegen Sie Gegenstände an merkwürdige Stellen?
  • Können Sie Gesprächen schlechter folgen? Verstehen Sie nicht mehr, worüber sich die anderen unterhalten?
  • Vergessen Sie häufiger Namen und Termine?
  • Fallen Ihnen manchmal die passenden Worte nicht ein?
  • Haben Sie schon mal die Orientierung verloren? Wussten sie plötzlich nicht mehr, wo sie sich gerade befinden?
  • Fällt es Ihnen schwer einfache Rechnungen zu lösen?
  • Leiden Sie unter Stimmungsschwankungen, ohne dass ein ersichtlicher Grund vorliegt?

Solche Situationen können Warnsignale für Alzheimer sein, sind aber auch Symptome für andere Erkrankung. Ein Hausarzt wird bei der Abklärung helfen und den Betroffenen gegebenenfalls zu einem Neurologen überweisen. Wichtig ist, dass eine nahestehende Person den Patienten zum Arzt begleitet, damit relevante Informationen nicht vergessen und auch weitere Auskünfte über den Zustand des Patienten gegeben werden können.

Was sollten Sie den Arzt fragen?

Was sollten Sie den Arzt fragen?Hilfreich ist es den Arztbesuch gedanklich vorzubereiten. Sammeln Sie schriftlich, wo Sie die Störung des Gedächtnisses erlebt und was Sie in den letzten Monaten verunsichert hat. Überlegen Sie sich auch, was sie den Arzt fragen möchten.
Fragen könnte sein:

  • Wie kann Alzheimer diagnostiziert werden?
  • Wie wird Alzheimer behandelt?

Darüberhinaus sollten Sie den Arzt informieren, welche Medikamente aktuell eingenommen werden und welche anderen Krankheiten vorliegen. Wichtig: Vergessen Sie nicht Ihre Krankenkassenkarte.

Wie wird Alzheimer diagnostiziert?

Der Arzt wird untersuchen, ob Störungen

  • des Gedächtnisses
  • der Orientierung, im Empfinden für Zeit und Ort
  • in der räumlichen Leistung (Auto einparken, Kleidung anziehen, Krawatte binden)
  • der Sprache, insbesondere in der Wortfindung
  • oder des Denk- und Urteilvermögens

vorliegen. Hierzu wendet er standardisierte Tests an, befragt aber auch die nächsten Bezugspersonen, die Angehörigen und Freunde. Folgende Fragen könnte er an sie richten:

  • Hat sich das Verhalten des Patienten verändert?
  • Schwankt seine Stimmung?
  • Hat sich seine Persönlichkeit verändert?
  • Zieht der Patient sich zurück?
  • Nimmt er nicht mehr Rücksicht auf Familienangehörige?

Welche Tests werden zur Diagnose von Alzheimer angewendet?

  • Uhrentest

    Der Uhrentest ist eine erste, einfach durchzuführende Methode, um festzustellen, ob ein Patient Probleme im Gedächtnis und in der Wahrnehmung hat. Man benötigt hierfür nur ein Papier und einen Stift. Der Patient soll einen Kreis zeichnen und die zwölf Ziffern einer Uhr an der richtigen Stelle einfügen. Danach soll er eine genannte Uhrzeit mit dem Stunden- und Minutenzeiger eintragen. Die Auswertung dieses Tests gehört jedoch in ärztliche Hände, denn eine nicht korrekte Zeichnung kann auch andere Gründe haben wie z.B. zitternde Hände bei Parkinson.

  • DemTEct

    DemTEct steht für „Demenz-Detektions-Test“. Mit diesem Test können frühzeitig kognitive Störungen im Erinnerungs- und Denkvermögen festgestellt werden. Dieser Test ersetzt aber keinesfalls eine ausführliche ärztliche Untersuchung.

    Der DemTEct besteht aus fünf Teilen:

    1. Wiederholung einer Wortliste: Es gibt zwei Durchgänge. In jedem Durchgang werden die gleichen zehn Wörter langsam vorgelesen. Der Patient soll jedes Mal möglichst viele Wörter wiedergeben können.
    2. Umwandlung von Zahlen in Zahlwörter und umgekehrt: Dem Patient wird eine Zahl genannt, diese soll er als Zahlwort aufschreiben. Umgekehrt wird ihm auch ein Zahlwort gesagt, dass er als Ziffer aufschreiben soll.
    3. Aufgabe – Im Supermarkt: Der Patient soll innerhalb einer Minute möglichst viele Gegenstände aufzählen, die es in einem Supermarkt gibt.
    4. Rückwärtswiederholung einer Zahlenfolge: Dem Patienten wird eine Zahlenfolge genannt, die er rückwärts wiederholen soll. Es sind mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden möglich.
    5. Wiederholung der Wortliste aus Aufgabe 1: Der Patient wird aufgefordert, die Wörter aus der ersten Aufgabe zu nennen.

    Für jede richtig genannte Antwort erhält der Patient einen Punkt. Eine altersabhängige Auswertung zeigt, ob ein Verdacht auf Alzheimer vorliegen könnte.

  • MMST

    Der Mini-Mental-Status-Test können schnell kognitive Störungen älterer Menschen erfasst werden. Er dauert dreißig Minuten und untersucht sechs Bereiche der Gedächtnisfähigkeit.

    1. Orientierung: Es werden zehn Fragen gestellt, bei denen es im Endeffekt darum geht, ob der Patient weiß, wo er sich gerade befindet.
    2. Merkfähigkeit: In einem kleinen Gedächtnistest werden drei Gegenstände genannt, die der Patient wiedergeben soll. Es gibt maximal sechs Versuche.
    3. Aufmerksamkeit und Rechenfähigkeit: Der Patient soll fünf kleine Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis Einhundert lösen.
    4. Erinnerungsfähigkeit: Drei Gegenstände aus der Aufgabe 2 soll der Patient erinnern.
    5. Sprache: Dem Patient werden Gegenstände gezeigt, die er benennen, und Sätze gesagt, die wiederholen soll. Außerdem werden ihm Kommandos mündlich gesagt und schriftlich gezeigt, die er durchführen muss.
    6. Wahrnehmung: Der Patient soll zwei gegebene Fünfecke nachzeichnen.
Neben den Gedächtnistests wird der Arzt noch weitere Diagnoseuntersuchungen durchführen:
  • Untersuchung der Blutwerte

    Dem Arzt ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die die gleichen Symptome haben, deshalb wird er die Blutwerte des Patienten untersuchen. Beispielsweise kann eine Erkrankung der Schilddrüse oder des Stoffwechsels zu ähnlichen Symptomen führen. Die Krankheit Alzheimer ist jedoch nicht durch Blutwerte nachweisbar.

  • Bildaufnehmende Verfahren

    Eine Aufnahme des Gehirns wichtig, deshalb muss der Patient sich einer Computertomographie (CCT) und Kernspintomographie (MRT) unterziehen. Die Aufnahmen zeigen oft, dass sich das Hirnvolumen bei den Schläfen- und Scheitellappen vermindert haben. Im frühen Stadium ist noch nichts zu sehen.

  • Untersuchung des Nervenwassers

    Seit kurzem besteht die Möglichkeit Eiweiße im Nervenwasser zu erkennen. Amyloid Protein und Tau-Protein können nachgewiesen werden. Nervenwasser wird mit einer Kanüle aus der Lendenwirbelsäule genommen werden. Diese Untersuchung ist nicht ohne Folgen. Einstichstelle kann schmerzen, manchmal wird der Ischiasnerv gereizt und der Untersuchte bekommt Kopfschmerzen.

Wie sollte die Diagnose mitgeteilt werden?

Wie sollte die Diagnose mitgeteilt werden?Die Diagnose Alzheimer kann auf Menschen beängstigend wirken, weil sie die eigene Endlichkeit vor Augen führt. Nicht jeder kann damit umgehen. Und dennoch: Jeder hat das Recht darauf, seine Diagnose mitgeteilt zu bekommen.

Gerade bei depressiv veranlagten und ängstlichen Menschen ist hier die Feinfühligkeit des Arztes gefragt. Bei der Aufarbeitung können Therapeuten und Selbsthilfegruppen hilfreich sein.

Was ist die Ursache für Alzheimer?

Die Krankheit Alzheimer ist besser zu verstehen, wenn man sich zunächst vor Augen führt, wie wir denken. Unser Gehirn besteht aus einem Netzwerk aus über 100 Milliarden Nervenzellen.

Diese Nervenzellen sind mit sogenannten Synapsen verbunden. Durch Botenstoffe werden über die Synapsen von Nervenzelle zu Nervenzelle Informationen weitergeleitet und dann an verschiedenen Orten des Gehirns weiterverarbeitet.

Leidet ein Mensch unter Alzheimer, so sind in der Regel zu allererst die Synapsen betroffen. Die Nervenzellen können nicht mehr richtig miteinander kommunizieren, Informationen werden nicht weitergeleitet und im Verlauf der Erkrankung sterben die Nervenzellen ganz ab.

Diese Veränderung des Gehirns kann mit Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht. Auf den Aufnahmen kann man sehen, dass bis zu zwanzig Prozent des Gehirns im Verlauf der Erkrankung absterben.

Warum sterben diese Nervenzellen ab? Letztendlich sind daran Eiweißablagerungen schuld. Warum sich Eiweiß ablagert, ist nicht klar, klar aber ist, wie es sich ablagert:

  • Plaques: Harte Stücke von Beta-Amyloid bilden sich zwischen den Nervenzellen und in den Blutgefäßen. Eigentlich sollte es sich dort nicht ablagern, sondern abgebaut werden. Nun aber hemmen die Plaques die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Energie. Die Nervenzellen werden nicht mehr ausreichend versorgt und sterben.
  • Tau-Fibrillen: In den Nervenzellen des Gehirns eines Alzheimer Patienten befinden sich Tau-Fibrillen; das sind gedrehte Fasern aus Tau-Protein, die sich nicht mehr auflösen. Sie stören die Prozesse in den Nerven des Gehirns, die Nerven können sich nicht mehr stabilisieren und transportieren keine Informationen, so dass diese sterben.

Wer war Alois Alzheimer?

Wer war Alois Alzheimer?Schon im vorletzten Jahrhundert wurde Alois Alzheimer am 14. Juni 1864 in Marktbreit geboren. Er studierte Medizin in Würzburg und Tübingen. Zunächst arbeitete er als Assistenzarzt, unteranderem an der „Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt am Main.

In München machte er im Jahr 1906 eine eigenartige Entdeckung, als eine seiner Patientin, Auguste Deter verstarb. Vor ihrem Tod war sie sehr verwirrt und vergesslich. Alois Alzheimer untersuchte das Gehirn der Verstorbenen und entdeckte eine Veränderung ihrer Hirnrinde. Ihre Hirnrinde war geschrumpft und er fand dort Plaques; das sind Eiweißablagerungen.

Alois Alzheimer war der Erste, der die Krankheit des Vergessens wissenschaftlich beschrieb. Zu seiner Enttäuschung wurden seine Ergebnisse nicht ernst genommen. Man glaubte, die Erkrankung habe keinen biologischen Ursprung, sondern sei auf einen unzüchtigen Lebenswandel zurückzuführen. Erst um 1960 erinnerte man sich wieder an die Alzheimersche-Krankheit.

Alt wurde Alois Alzheimer nicht: Er verstarb mit 51 Jahren im Jahr 1915 in Frankfurt.

Ist Alzheimer genetisch bedingt?

In weniger als ein Prozent aller Fälle ist Alzheimer genetisch bedingt und wurde vererbt. In diesen seltenen Fällen sind die Gene an bestimmten Stellen verändert und es existiert eine Mutation. Diese führt zu einer Überproduktion von Amyloid.

Ist in einer Familie die erbliche Form von Alzheimer aufgetreten, wird sie mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit weitergegeben. Wer so eine Mutation erbt, wird unausweichlich Alzheimer bekommen. Die Symptome treten in diesem Fall auch vor dem Alter von 60 Jahren auf.

Was sind die Risikofaktoren für Alzheimer?

Das Alter ist der größte Risikofaktor: Um so älter ein Mensch ist, umso größer ist sein Risikofaktor an Alzheimer zu erkranken.

Darüber muss man sich bewusst werden, dass alles, was das Herz schädigt, auch Auswirkungen auf das Gehirn hat. Schließlich ist das Gehirn davon abhängig, dass es ausreichend vom Herz mit Blut beziehungsweise Sauerstoff versorgt wird.

Das Herz wird geschädigt durch:

  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • übermäßige Konsum von Alkohol
  • und Übergewicht

Diese Faktoren führen zu:

  • Gefäßerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen

Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte verändern die Gefäße und beeinträchtigen letztendlich das Herz – und damit auch das Gehirn.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?In der alltäglichen Umgangssprache werden Demenz und Alzheimer oft synonym verwendet. Der Begriff Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Ohne Geist.

Demenz ist also ein Überbegriff für alle Krankheiten, bei denen die Gehirnleistung nachlässt. Zwei Drittel aller Demenzen sind Alzheimer. Andere bekannte Formen der Demenz sind die vaskuläre Demenz oder die Lewy-Körperchen-Demenz.

Wie verläuft Alzheimer?

Allgemein heißt es, dass Alzheimer vier Stadien durchläuft, wobei im ersten Stadium oft noch nicht offensichtlich ist, dass der Patient an Alzheimer erkrankt ist.

  1. Leichte Gedächtnisstörungen

    Auf einmal hat der Patient leichte Gedächtnislücken. Sie fallen ihm selbst und den Angehörigen auf und sind auch in Tests nachweisbar. Aber der Patient findet sich im Alltag noch gut zurecht und benötigt keine Hilfe.

  2. Frühes Stadium

    Der Patient verlegt Gegenstände; ein Zeichen dafür, dass Störungen im Kurzzeitgedächtnis beginnen. Er kann einem Gespräch schlechter folgen und sich Informationen nicht merken. Manchmal findet er nicht das richtige Wort und vergisst, was er gerade sagen wollte.

    Teilweise leidet der Patient unter Stimmungsschwankungen, er wird leicht depressiv und reizbar.

    Alltägliche Aufgaben kann der Patient noch alle durchführen, bei kompliziertere Aufgaben braucht er Hilfe. Den Betroffenen ist es peinlich, dass sie scheinbar unselbständiger werden. Sie ziehen sich zurück und wollen ihre Probleme verdecken.

  3. Mittleres Stadium

    Alzheimer manifestiert sich nun: Nicht nur das Kurzzeitgedächtnis ist nun gestört, auch das Langzeitgedächtnis. Der Patient kann sich immer weniger an entscheidende Ereignisse aus seinem Leben erinnern, zum Beispiel an den eigenen Beruf, die Hochzeit oder Geburt der Kinder. Manchmal hat er noch kleine Lichtblicke und erinnert sich noch an Erlebnisse aus seiner Kindheit oder Jugend.
    Zusehends verliert der Patient die Fähigkeit sich zu orientieren. Selbst in seinem eigenen Heim findet er sich nicht mehr zurecht; erkennt auch Angehörige nicht mehr.

    Selbständig kann er nun gar nicht mehr leben und benötigt permanent Betreuung.

    Er wird zu einer großen Belastung für seine Angehörigen. Sein Verhalten, seine ganze Persönlichkeit hat sich tiefgreifend verändert. Er spürt seine eigene Hilflosigkeit und wird gereizt, nervös, misstrauisch und aggressiv. Er leidet unter einer großen inneren Unruhe, schläft nicht mehr richtig und läuft rastlos hin und her. Sein Zeitgefühl verschwindet: Der Tag wird zur Nacht; die Nacht wird zum Tag.

  4. Spätes Stadium

    Der Patient hat nun seinen Körper gar nicht mehr unter Kontrolle. Er kann sich nicht bewegen, seine Gliedmaßen versteifen sich und es können Krampfanfälle auftreten. Der Betroffenen kann seine Blase und seinen Darm nicht mehr kontrollieren. Er ist 24 Stunden am Tag pflegebedürftig. Er kann kaum noch sprechen, selbst das Kauen, Schlucken und sogar das Atmen fallen ihm schwerer.

    Sein Immunsystem ist geschwächt, und sein Körper ist anfällig für Infektionen. Letztendlich sterben viele Alzheimer-Patienten an einer Lungenentzündung.

Wie wird Alzheimer behandelt?

Zunächst wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Die vorhandenen Ressourcen sollen genutzt werden, das betrifft sowohl die vorhandenen Fähigkeiten des Patienten als auch die Unterstützungsmöglichkeiten in der Familie, durch Partner und weitere Angehörige.

Wenn der Plan entwickelt wird, fragt der Arzt nach…

  • Aggressivität
  • Unruhezuständen
  • Depressiven Verstimmungen
  • Antriebsarmut,
  • Störungen im Tag- und Nachtrhythmus
  • Täuschung der Sinne
  • Wahnhaften Überzeugungen

Dann entscheidet er, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Zum Einen wird er eine medikamentöse Behandlung vorschlagen, zum Anderen wird er zu den unterschiedlichsten Therapien raten. Auch eine Beratung für direkte Angehörige ist sinnvoll.

Die medikamentöse Behandlung

Durch die Gabe von Medikamenten soll sofern möglich…

  • die weitere Schädigung des Gehirns verhindert werden.
  • die geistige Leistungsfähigkeit stabilisiert werden.
  • den Patienten die Möglichkeit gegeben werden, ihren Alltag besser zu bewältigen
    Verhaltensstörungen gemildert werden.

Hat ein Patient Alzheimer, haben sich in seinem Gehirn zwei Neurotransmitter, Botenstoffe im Gehirn verändert. Diese Veränderungen können teilweise durch Medikamente ausgeglichen werden.

Den beiden veränderten Neurotransmitter mangelt es entweder an Acetylcholin oder sie haben einen Überschuss an Glutamat. Diese werden im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung medikamentös behandelt.

  1. Medikamentöse Behandlung bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung an Alzheimer

    Im Anfangsstadium wird gerne ein pflanzliches Präparat verschrieben – Ginkgo biloba. Es soll die Durchblutung verbessern und Nervenzellen schützen. Bei hoher Dosierung soll sich die Gedächtnisleistung verbessern und Alzheimer-Patienten können alltägliche Arbeiten wieder besser bewältigen. Nebenwirkung von Ginkgo sind Magenbeschwerden und Kopfschmerzen.

    Das Gehirn benötigt Acetylcholin als Botenstoff, damit Signale im Gehirn gut übertragen werden können. Bei Alzheimer-Patienten wird er nicht mehr ausreichend produziert. Dieser Mangel soll ausgeglichen werden. Das Enzym Acetylcholinesterase hemmt den Abbau. Dadurch kann die geistige Leistungsfähigkeit bis zu ein Jahr erhalten werden und Allzheimer-Patienten können etwas länger alltägliche Arbeiten verrichten.

    Es muss aber einem bewusst sein, dass die Nervenzellen immer noch weiter absterben.

    Auf dem Markt in Deutschland sind unter anderem diese drei Produkte erhältlich:

    • Donepezil: Diese Tabletten wirken schon bei niedriger Dosierung, haben aber folgende Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Durchfall.
    • Galantamin: Diese Tabletten wirken erst bei mittlerer oder höherer Dosierung, haben jedoch diese Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Durchfall.
    • Rivastigmin: Dieses Medikament gibt es als Tabletten oder Pflaster. Sie wirken erst bei mittlerer oder höherer Dosierung und haben auch Nebenwirkung: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Durchfall. Der Vorteil des Pflasters ist, dass der Magen-Darm-Trakt nicht so gereizt wird, allerdings kommt es zu Juckreiz oder Rötungen an der Stelle.
  2. Medikamentöse Behandlung bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung an Alzheimer

    Das Gehirn benötigt Glutamat als Botenstoff im Gehirn. Der Glutamatspiegel kann bei Alzheimer erhöht sein. Damit der Überträgerstoff Glutamat nicht weiter die Nervenzellen schädlich dauerstimuliert wird Memantin eingesetzt.

    Es schützt die Nervenzellen und verlangsamt den Krankheitsprozess. Die Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung sollen so gestärkt werden. Gemeinhin sagt man Memantin nach, dass durch die Einnahme dem Patienten die alltagspraktischen Fähigkeiten etwas länger erhalten bleiben. Aber auch hier sterben die Nervenzellen weiter ab. Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Unruhe, erhöhter Blutdruck und Verstopfung.

    Es werden noch andere Medikamente eingesetzt, Diese sollen dann schwieriges Verhalten mindern. Aber Achtung: Weitere Medikamente sollten nur verabreicht werden, wenn diese Verhaltensweisen akut auftreten und eine unvertretbare Belastung für Angehörige, pflegende Personen darstellen oder Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegt. Bei Depression und Antriebslosigkeit und Depression werden Antidepressiva, bei Unruhe, Aggressivität und Sinnestäuschungen werden Neuroleptika verschrieben.

Die nicht-medikamentöse Behandlung

Grundsätzlich kann Alzheimer nicht geheilt werden. Eine Behandlung ohne Medikamente kann Verhaltensstörungen abschwächen, geistige Leistungsfähigkeit fördern und den Erhalt der Alltagsfähigkeiten unterstützen. Man sagt ihr sogar nach, dass sie ähnlich gute Ergebnisse erzielt, wie die Gabe von Medikamenten. Im Endeffekt ist das Zusammenspiel von beidem notwendig.

Hier die wichtigsten Behandlungsformen:

  • Gedächtnistraining

    Das Gedächtnistraining soll die Aufmerksamkeit unterstützen, das Erinnern und Denken fördern. Es findet allein oder Gruppen statt. Hier werden durch Spiele die Merkfähigkeit und Konzentration trainiert. Wichtig: Nicht nur das verbale Gedächtnis darf herausgefordert werden, das Training muss ganzheitlich erfolgen, mit Bewegung und Aktion, damit es erfolgreich ist. Eine einseitige Förderung auf das verbale Gedächtnis konzentriert, ruft Überforderung hervor.

  • Logopädie

    Alzheimer Patienten sind besonders durch Wortfindungsprobleme beeinträchtigt. Logopädie verbessert diese Wortfindung, aber auch die Aussprache und das Sprachverständnis.

    Treten später Schluckstörungen auf, kann der Logopäde auch hier helfen.

  • Ergotherapie

    Ergotherapie hat das Ziel, den Patienten darin zu unterstützen länger selbständig zu bleiben und seine Fähigkeiten zu erhalten: Körperpflege, Ankleiden, Bewältigung von Aufgaben im Haushalt.

  • Physiotherapie

    Hier trainiert der Patient seine Koordination, seine Kraft und seine Ausdauer. Er übt sich sicher zu bewegen und Stürze zu vermeiden.

  • Verhaltenstherapie

    Zunächst arbeitet der Verhaltenstherapeut mit dem Patienten, um ihn durch positive Anreize dazu zu bewegen, sein Verhalten zu ändern.

    Später arbeitet der Therapeut mehr mit den nahestehenden Personen, um sie darin anzuleiten, wie sie das selbständige Verhalten des Patienten fördern können.

Wie kann man Alzheimer vorbeugen?

Jeder hat die Möglichkeit der Krankheit Alzheimer vorzubeugen. Hier die wichtigsten Tipps dazu:

  • Regelmäßige Bewegung

    Dabei muss es sich nicht um eine intensive Einheit in einem Sportstudio handeln.

    Es geht um die alltägliche Bewegung: Treppensteigen statt den Aufzug zu benutzen, zu Fuß den Arztbesuch wahrnehmen, den kleinen Einkauf nicht im Auto sondern mit dem Fahrrad machen, Gartenarbeit, Tätigkeiten im Haushalt, Spaziergängen oder Wanderungen. Bewegung hält den Geist fit.

  • Gesunde Ernährung

    Auch sie reduziert das Risiko an Alzheimer zu erkranken. Neben der Bewegung eine wichtige Säule, um das Risiko zu mindern. 20 Prozent unseres alltäglichen Energiebedarfs geht an das Gehirn. Das Gehirn benötigt neben der Kohlenhydrate Omega-3-Fettsäuren und Eiweiß.

    Vergessen Sie überdies nicht, ausreichend zu trinken. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit sind ein Muss für den Tag.

  • Geistiges Training

    Das regelmäßige Lösen von Kreuzworträtseln, Sudoku und Puzzles sind Möglichkeiten, den Geist wachzuhalten. Ein gutes Buch lesen, regelmäßig die Nachrichten studieren und vielleicht sogar noch eine Sprache lernen fordert ebenso heraus.

    Überdies gibt es zahlreiche kulturelle Angebote: Führungen durch Museen, Lesungen in Büchereien, der Besuch in einem Konzert – allesamt halten sie den Geist fit, geben dem Gehirn Futter, um zu arbeiten. Auch der regelmäßige, gesellige Abend beim Kartenspiel mit Freunden kann herausfordern. Reisen – sei es auf einer Kreuzfahrt oder allein – geben dem Gehirn zudem Stoff zum Verarbeiten.

  • Zwischenmenschliche Kontakte

    Geselligkeit minimiert das Risiko an Alzheimer zu erkranken, das haben einige Studien nachgewiesen. Es ist eben nicht gut, wenn der Mensch allein ist. Auch und gerade im Alter.

    Hier droht oft Vereinsamung, wenn ein Lebenspartner stirbt. Nicht gut. Pflegen Sie daher regelmäßig Freundschaften. Depressive Stimmung fördert ansonsten Alzheimer. Wer einsam ist, sollte überlegen, wie er Psychohygiene betreiben kann.

    Es gibt zudem seelsorgerliche Beratung in Kirchen oder in schwierigeren Fällen Therapien. Auch die Familie kann halt bieten. Am besten ist, man sucht die Nähe der Angehörigen, telefoniert regelmäßig mit einander, organisiert Familienzusammenkünfte, Feiern an den Festtagen.

  • Regelmäßige Check-Ups

    Erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes und Herzrhythmusstörungen stellen gesundheitliche Risikofaktoren für Alzheimer da. Wer regelmäßig seinen Körper vom Arzt seines Vertrauens überprüfen lässt, minimiert so auch sein Risiko an Alzheimer zu erkranken.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Liderina by Shutterstock.com]
2. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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