Ambulanter Pflegedienst: Angebot, Erstattung, Auswahl

Wer pflegebedürftig wird, möchte gerne so lange wie möglich zuhause bleiben. Ein ambulanter Pflegedienst bietet diese Chance.

Doch auch dieser Service hat seine Grenzen, selbst wenn er mehrmals täglich vorbeikommt.

Wann und wie Sie einen ambulanten Pflegedienst zur Unterstützung anfordern können, was von der Pflegeversicherung bezahlt wird, wie Sie den geeigneten Anbieter finden und worauf Sie bei Vertragsabschluss Wert legen sollten…

Ambulanter Pflegedienst: Angebot, Erstattung, Auswahl

Was leistet ein ambulanter Pflegedienst?

Ein ambulanter Pflegedienst bietet Unterstützung und Pflege in den eigenen vier Wänden. Damit werden nicht nur die Pflegebedürftigen, sondern auch deren Angehörige entlastet und unterstützt.

Um weiterhin in der vertrauten Umgebung bleiben zu können, bietet der Pflegeanbieter eine Reihe von Leistungen an. So zum Beispiel:

  • Körperpflege
  • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
  • Bewegungsübungen
  • Betreuung und Hilfe bei Alltagstätigkeiten
  • Medikamentengabe und Injektionen
  • Verbandwechsel
  • Beratung der Angehörigen und der Pflegebedürftigen
  • Unterstützung bei der Haushaltsführung
  • Verhinderungspflege

Diese Pflegeleistungen können entweder vorübergehend – zum Beispiel nach einem Unfall – oder längerfristig stattfinden. So kann ein Umzug in ein Heim deutlich herausgezögert oder sogar komplett vermieden werden.

Je nach Pflegegrad und Notwendigkeit kommt der ambulante Pflegedienst mehrmals pro Woche, ein- bis dreimal täglich oder ist sogar rund um die Uhr erreichbar, zum Beispiel per Hausnotruf.

Was genau notwendig ist, entscheidet der Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in einer Prüfung.

Auf diese Weise werden die Angehörigen deutlich entlastet beziehungsweise allein lebende Pflegebedürftige können im gewohnten Umfeld versorgt werden.

Wieviel der ambulanten Pflegeleistungen werden bezahlt?

Wer die Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch nehmen möchte, muss mindestens über einen bestätigten Pflegegrad zwei verfügen, damit die Pflegeversicherung die Kosten übernimmt.

Dabei gibt es allerdings Höchstsätze, die eine Grundversorgung abdecken. Was an extra Wünschen darüber hinaus geht, muss aus der eigenen Tasche oder mittels einer privaten Pflegezusatzversicherung bezahlt werden.

Folgende Höchstsätze pro Monat gelten dabei aktuell (Stand 2020) je nach Pflegegrad:

  • Bei Pflegegrad zwei: 689 Euro
  • Bei Pflegegrad drei: 1298 Euro
  • Bei Pflegegrad vier: 1612 Euro
  • Bei Pflegegrad fünf: 1995 Euro

Dazu kommt der sogenannte Entlastungsbetrag von maximal 125 Euro pro Monat, der gesondert zu beantragen ist. Dieser Betrag soll sicherstellen, dass die Grundleistungen der ambulanten Pflege gewährleistet sind.

Dieser Entlastungsbetrag kann auch auf die folgenden Monate übertragen werden, falls er nicht ausgeschöpft wird.

Tipp: So finden Sie einen geeigneten ambulanten Pflegedienst

Ein ambulanter Pflegedienst ist theoretisch schnell gefunden: In den gelben Seiten finden sich für jeder Stadt und Region oftmals ein Dutzend oder mehr Anbieter.

Nachdem der MDK Ihren Pflegegrad und somit die Leistungen festgelegt hat, haben Sie dabei die freie Auswahl. Jeder ambulante Pflegedienst in Deutschland erfüllt dabei grundlegende Qualitätskriterien, sonst hätte er erst gar keine Zulassung bekommen. Zudem werden diese vom MDK auch regelmäßig überprüft.

So ist also die Frage, wie Sie den geeigneten Anbieter aus dieser Auswahl finden. Dazu haben wir einige Tipps fürs richtige Vorgehen:

  • Lassen Sie sich ein genaues Angebot über die Leistungen inklusive Kostenvoranschlag geben. Dies macht auch mögliche Zuzahlungen über die Höchstsätze hinaus transparent.
  • Lassen Sie sich die Zulassung und die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen des ambulanten Pflegedienstes zeigen, um sicherzustellen, dass die Leistungen über die Pflegeversicherung abzurechnen sind.
  • Holen Sie sich mehrere Angebote zum Vergleich ein, um einen Überblick zu haben. Die Pflegekassen verfügen zudem über Vergleichslisten, die Sie kostenfrei anfordern oder im Internet abrufen können. Hier sehen Sie auch die Noten, die der MDK bei den Prüfungen vergeben hat.
  • Fragen Sie auch nach dem Angebot eines Hausnotrufs, um die Versorgung im Notfall zu gewährleisten.

Wichtig ist zudem, dass Sie sich die Meinung und Empfehlung anderer Pflegebedürftigen einholen, denen Sie vertrauen. Persönliche Erfahrungswerte sind immer ein guter Orientierungspunkt.

Wer in seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis niemanden kennt, der mit Empfehlungen dienen kann, für den ist auch das Internet ein guter Ratgeber. Je nach Kasse finden Sie einen guten Überblick unter folgenden Seiten:

In jedem Fall sollten Sie Ihre Angehörigen aber mit in die Entscheidung einbeziehen und deren Meinung zu Ihrer Auswahl einholen. Gerade wenn der Partner einen Teil der Pflege übernimmt, sollte dieser mit dem Pflegeanbieter gut harmonieren. Nur so ist eine optimale Pflege gewährleistet.

Angebote ambulanter Pflegedienste

Die ambulanten Pflegeanbieter unterscheiden sich grundsätzlich darin, ob sie sich in öffentlicher, freier oder privatgewerblicher Trägerschaft befinden. Das bedeutet, dass die Anbieter entweder von Kommunen oder Kirchen getragen sind, von gemeinnützigen Vereinen und Wohlfahrtsorganisationen oder privatwirtschaftlichen Anbietern, die auf Gewinn ausgerichtet sind.

Letzteres klingt zunächst wenig vertrauenswürdig, muss jedoch nicht unbedingt schlechter sein, da ein privatgewerblicher Anbieter häufig flexibler agieren und reagieren kann.

Insofern muss die Trägerschaft nicht unbedingt ausschlaggebend für Ihre Wahl sein, es sei denn, Sie haben persönliche Präferenzen – zum Beispiel für einen kirchlichen Träger aufgrund Ihres Glaubens.

Vielmehr sollten Sie einen Blick auf die Größe des ambulanten Pflegedienstes werden. Je kleiner die Personaldecke ist, umso schwieriger ist es für den Anbieter, im Notfall flexibel zu reagieren und die Versorgung ausreichend zu gewährleisten – selbst bei einem noch so großen Einsatz der Mitarbeiter. In Zeiten von Krankheit geraten kleine Pflegedienste daher oft an ihre Grenzen.

Andererseits kann es sein, dass Sie bei großen Anbietern auch nur als eine Nummer unter vielen gelten. Eine persönliche Betreuung und ein Vertrauensverhältnis kommt bei dieser Anonymität mitunter zu kurz.

Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl sollte auch sein, wie lange ein ambulanter Pflegedienst auf dem Markt tätig ist. Erfahrung ist ein wichtiger Bestandteil für Qualität.

Andererseits müssen sich junge Unternehmen auf dem hart umkämpften Markt behaupten und bieten daher in einigen Fällen mehr Engagement, als die alteingesessenen Pflegeanbieter.

Achten Sie zudem darauf, ob ein ambulanter Pflegedienst über Spezialisierungen oder Zusatzqualifikationen verfügt, die Ihnen hilfreich sein können.

Tipp: Abschluss eines Vertrages zur ambulanten Pflege

Ist ein geeigneter ambulanter Pflegedienst gefunden, geht es um den Vertragsabschluss. Bei der Vertragsgestaltung sollten Sie unbedingt genau hinsehen, was die allgemeinen Geschäftsbedingungen – das sogenannte Kleingedruckte – angeht.

Daher sollten Sie nach dem Erstgespräch mit dem Berater des Pflegeanbieters auch um einen Mustervertrag zur Ansicht bitten, um sich alles in Ruhe und genau durchlesen zu können, ehe Sie sich entscheiden und letztendlich unterschreiben.

Lassen Sie sich keinesfalls unter Druck setzen. Ein ambulanter Pflegedienst, der seriös arbeitet, lässt Ihnen bei der Entscheidung Zeit. Lassen Sie sich gegebenenfalls die Leistungen und Klauseln, die Sie nicht verstehen, ausführlich erklären.

Zudem sind beim Vertragsabschluss noch weitere Dinge wichtig, auf die Sie achten sollten:

  • Vertragspartner
    Wichtig ist, dass Ihr Vertragspartner auch der Leistungserbringer ist. So wird verhindert, dass Arbeiten an Subunternehmer ausgelagert werden. Auf der anderen Seite sollten Sie als Pflegebedürftiger als zweiter Vertragspartner stehen.
  • Haftung
    Wichtig ist, dass im Vertrag auch Haftungsfragen klar geregelt sind – zum Beispiel für Schäden im Haushalt oder in der Pflegeleistung (ein häufiger Streitfall ist beispielsweise das Wundliegen, der sogenannte Dekubitus), die durch die Mitarbeiter des Pflegedienstes verursacht werden. Achten Sie darauf, dass hier die gesetzlichen Regelungen gelten und nicht durch einen Passus ausgeschlossen sind, der eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit vorsieht.
  • Kündigung
    Grundsätzlich sollte der Vertrag kein konkretes Beendigungsdatum enthalten, da Sie nicht wissen können, wie lange Sie auf die Leistungen des ambulanten Pflegedienstes angewiesen sind. Eine Kündigungsfrist sollte jedoch klar vereinbart sein. Üblich sind dabei 14 Tage. Aber auch die Bedingungen für eine fristlose Kündigung von Ihrer Seite sollten klar geregelt werden – zum Beispiel bei einem Vertrauensverlust. Zudem sollte im Vertrag deutlich werden, dass bei einem Umzug in ein Pflegeheim oder im Todesfall der Vertrag automatisch endet.



Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Kinga by Shutterstock.com]
23. Juli 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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