Apoplex: Erste Hilfe beim Schlaganfall

Ein Apoplex – zu deutsch Schlaganfall oder auch Hirnschlag – ist eine der meist unterschätzten Erkrankungen. Pro Jahr erleiden ihn in Deutschland durchschnittlich 200.000 Personen. Tendenz steigend. Dies sind vor allem Senioren, aber auch junge Menschen sind nicht davon ausgenommen, einen Schlaganfall zu bekommen.

Wie ein Apoplex entsteht, welche Symptome sich äußern, wie er behandelt wird und wie Sie vorbeugen können…

Apoplex: Erste Hilfe beim Schlaganfall

Definition: Was ist der Apoplex?

Ein Apoplex entsteht, wenn Bereiche des Gehirns für längere Zeit nicht durchblutet werden. Damit erhalten die betroffenen Hirnareale und -zellen keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr und sind in Ihren Funktionen eingeschränkt. Je nachdem, wie lange die Durchblutungsstörung anhält, sterben die Zellen häufig ganz oder teilweise ab.

Diese Funktionseinschränkungen zeigen sich zum Beispiel durch teilweise Lähmungen. So kann es vorkommen, dass Gliedmaßen einseitig nicht mehr bewegt werden können, der Mund nicht mehr wie gewünscht zu steuern ist oder Sehstörungen eintreten.

Grundsätzlich steigt das Risiko, an einem Apoplex zu erkranken mit zunehmendem Lebensalter, weshalb Frauen statistisch auch häufiger einen Schlaganfall erleiden. Dennoch gibt es immer wieder auch jüngere Menschen, die dem Infarkt im Gehirn zum Opfer fallen. Gerade bei Ihnen werden durch einen Apoplex oftmals auch Depressionen ausgelöst.

Ursachen für einen Apoplex

Vier Fünftel aller Schlaganfälle gehen auf eine Mangeldurchblutung (einer sogenannten Ischämie) von bestimmten Hirnarealen zurück. Entweder verstopfen Blutgerinnsel die kleinen Äderchen im Gehirn oder die Gefäße verengen sich Ablagerungen zunehmend, bis kein Blut mehr durchfließen – umgangssprachlich spricht man hier von „Verkalkung“.

Zwanzig Prozent der Patienten erleiden Ihren Apoplex aufgrund einer Hirnblutung. Diese wird meist durch ein platzendes Gefäß hervorgerufen, das durch entweder durch Bluthochdruck, Gewalteinwirkung oder Drogenmissbrauch dem Druck nicht standhalten kann und so einen Bluterguss verursacht, der auf die Hirnareale drückt.

Symptome bei einem Apoplex

Da ein Apoplex überall im Gehirn vorkommen kann, können auch die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein – je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist und wie groß diese ist. Zu den häufigsten Symptomen bei einem Schlaganfall zählen:

  • Taubheitsgefühle und Lähmungen einer bestimmten Region (meist im Gesicht oder einer Extremität), einer Körperhälfte oder gar des kompletten Körpers
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Schwindelgefühle
  • Kopfschmerzen

Erste Hilfe bei einem Schlaganfall

Wer bei sich selbst, seinem Partner, Verwandten oder Bekannten eine oder mehrere dieser Symptome bemerkt, sollte schnell handeln. Bei einem Apoplex gilt: Jede Minute zählt!

Um einen Schlaganfall schnell erkennen zu können, haben sich drei einfache Hilfsmittel für Ersthelfer bewährt:

  1. Bitten Sie den Betroffenen, zu lächeln. Bemerken Sie eine deutliche Ungleichheit zwischen beiden Mundwinkeln, liegt der Verdacht auf einen Apoplex nahe.
  2. Bitten Sie den Betroffenen, Ihnen beide Hände mit nach oben gestreckten Handflächen über Kreuz entgegen zu strecken (Kreuzgriff). Bemerken Sie dabei Probleme oder nehmen Sie einen unterschiedlich starken Händedruck war, ist dies ebenfalls ein Zeichen für einen Schlaganfall.
  3. Bitten Sie den Betroffenen, einen einfachen, kurzen Satz nachzusprechen. Bereitet ihm dies Probleme, kann dies durch einen Apoplex verursacht werden.

Je früher ein Schlaganfall erkannt wird und medizinische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, umso eher können Hirnareale gerettet und somit dauerhafte Schädigungen abgemildert oder sogar ganz vermieden werden. Wird ein Apoplex nicht zügig behandelt, führt er in vielen Fällen zum Tod.

Daher gilt bei einem Verdacht auf Schlaganfall:

  • Setzen Sie SOFORT einen Notruf an (Telefonnummer 112).
  • Merken Sie sich die Uhrzeit, zu der die Symptome zuerst bemerkt wurden.
  • Lassen Sie den Patienten nicht alleine und beruhigen Sie ihn.
  • Befreien Sie den Betroffenen von enger Kleidung aber auch Zahnprothesen, um das Atmen zu erleichern.
  • Lagern Sie den Patienten ruhig mit leicht erhöhtem Oberkörper, in Sie zum Beispiel seinen Rücken auspolstern.
  • Sollte der Betroffene erbrechen oder bewusstlos werden, dann legen Sie ihn umgehend in die stabile Seitenlage.
  • Bei Atemstillstand führen Sie eine Herzdruckmassage durch (100 bis 120 mal pro Minute fest mit beiden Händen auf den unteren Brustkorb drücken bis der Rettungsdienst zur Stelle ist).
  • Stehen Sie dem eintreffenden Rettungsdienst für Rückfragen zur Verfügung.

Untersuchung und Therapie bei einem Apoplex

Da bei einem Verdacht auf Schlaganfall schnell gehandelt werden muss, wird der Notarzt noch vor Ort umgehend Herzschlag, Bewusstsein und Blutdruck sowie die typischen Symptome prüfen.

Im Krankenhaus werden dann eingehende neurologische Untersuchungen durchgeführt um den Verdacht zu bestätigen oder auszuschließen und gegebenenfalls die Regionen des Hirnschlags zu lokalisieren. Dabei werden verschiedene Tests zu Koordination, Sprach- und Sehvermögen, Nervenempfindungen und Reflexen durchgeführt.

Zudem wird eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) und unter Umständen eine Ultraschalluntersuchung angeordnet, um ein umfassendes Bild vom Inneren des Kopfes zu erhalten. So können die Mediziner die Lage und den Umfang eines Schlaganfalls genau bestimmen. Ferner untersuchen die Ärzte das Blutbild, um die Ursache zu bestimmen.

Als Therapie kommen dann je nach Ursache aber auch Schwere des Apoplex unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, die auch miteinander kombiniert werden können:

  • Lyse-Verfahren: Mittels einer Infusion werden Blutgerinnsel aufgelöst. Diese Therapie ist allerdings nur wirksam, wenn sie bis spätestens vier Stunden nach dem Apoplex eingeleitet wird und kein Bluthochdruck vorliegt.
  • Thrombektomie: Hier wird ein dünner Katheter bis zum Blutgerinnsel geschoben und dies entfernt. Dies geschieht unter vorsichtig unter Röntgenkontrolle.
  • Konservative Therapie: Bei kleineren Schlaganfällen reichen häufig auch Bettruhe und die Gabe von Abführmitteln aus, um beim Stuhlgang weiteren Druck zu verhindern.
  • Operation: Liegt ein schwerer Apoplex vor, muss operiert werden. Der offene Eingriff ist jedoch mit entsprechenden Risiken verbunden, so dass die Erfolgschancen auch vom Alter und Allgemeinzustand des Betroffenen abhängen.

Vorsorge vor einem Schlaganfall

Um einem Apoplex vorzubeugen, geht es in erster Linie darum, Risikofaktoren zu minimieren. Dazu zählen insbesondere die Lebensgewohnheiten. Wir empfehlen daher:

  • Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fett und Zucker
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • Regelmäßige Bewegung
  • Reduzierung von Übergewicht
  • Regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks
  • Bei Frauen: Verzicht auf die Anti-Baby-Pille und andere Hormonpräparate

Reha nach einem Apoplex

Nach einem Schlaganfall ist für die allermeisten Patienten Rehabilitation angesagt. Es geht darum, die Lebensgewohnheiten so zu verändern und den Körper soweit wieder fit zu machen, dass eine geordnete Rückkehr in den Alltag möglich ist.

Da das Risiko nach einem Apoplex exorbitant höher ist, einen zweiten zu erleiden, geht es in der Reha nicht nur darum, die Funktionseinschränkungen zu verringern oder gar komplett zu heilen, sondern auch darum, zu lernen, wie mit der Krankheit zukünftig umzugehen ist.

Im Falle einer schwerwiegenden Funktionsstörung wie einer dauerhaften Lähmung wird den Betroffenen zudem beigebracht, wie Sie mit Hilfsmitteln (barrierefreie Badewanne, Rollator, Gehstock oder Rollstuhl) umgehen können.

Je nach Schwere des Apoplex und der Gesamtsituation findet die Reha entweder stationär, teilstationär oder ambulant statt. Ist eine intensive ärztliche, pflegerische und therapeutische Betreuung notwendig, so ist ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik unumgänglich. Kann der Patient zuhause wohnen, werden die Therapien meist ambulant durchgeführt.

In beiden Fällen helfen Ergotherapeuten bei der Verbesserung der motorischen und sensorischen Fähigkeiten. Dabei werden die betroffenen Körperpartien stimuliert und unterstützt, so dass entweder die alten, erkrankten Bereiche wieder reaktiviert werden oder gesunde Hirnareale nach und nach lernen, die entsprechenden Tätigkeiten zu übernehmen.

Außerdem werden Reflexe geschult, in dem sie gezielt ausgelöst und gefördert werden. Nerven werden gereizt und Muskeln gestärkt. Physiotherapeutische Übungen, die nach Ende der Reha vom Patienten beibehalten werden müssen, ergänzen dabei den Prozess.

Liegen neurologische Störungen des Erinnerungsvermögens, der Sprache oder der Aufmerksamkeit vor, wird zudem parallel mit kognitiven Übungen gearbeitet. Mittel verschiedener Lernstrategien muss dem Patienten mitunter gerade das Sprechen wieder völlig neu beigebracht werden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: SpeedKingz by Shutterstock.com]
15. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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