Arbeiten im Alter: Tipps, die Sie beachten sollten

So mancher zählt die Jahre, bis er endlich in Rente gehen kann. Einige streichen sogar die einzelnen Tage ab, die sie auf diesem mühsamen Weg hinter sich gebracht haben. Doch immer öfter rückt auch auf der anderen Seite das Arbeiten im Alter in den Mittelpunkt. Gemeint sind Arbeitnehmer, die sich nicht sofort beim Erreichen des Rentenalters in den Ruhestand verabschieden, sondern in verschiedenen Formen weiterhin am Arbeitsleben teilnehmen wollen. Aber was muss dabei beachtet werden und wie kann man den Arbeitgeber davon überzeugen, dass man auch weiterhin die Qualifikation und Leistungsfähigkeit mitbringt, die für eine gute Arbeit nötig ist? Wir geben einige Tipps…

Arbeiten im Alter: Tipps, die Sie beachten sollten

Arbeiten im Alter: Warum ist das ein Thema?

Die einen können es kaum nachvollziehen, für die anderen ist es wiederum eine wichtige Herzensangelegenheit: Arbeiten im Alter. Die Anzahl der Arbeitnehmer, die auch im Rentenalter noch erwerbstätig sind, ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Zwar handelt es sich dabei immer noch um eine kleine Minderheit, doch die Zahl derer, die nach dem Renteneintritt weiterarbeiten möchten, nimmt kontinuierlich zu.

Die Statistiken lassen sich dabei durchaus unterschiedlich interpretieren. Wenn man die gestiegene Zahl der älteren Arbeitnehmer betrachtet, gibt es mit Sicherheit einen gesellschaftspolitischen Aspekt. In vielen Fällen ist Arbeiten im Alter darauf zurückzuführen, dass aufgrund von zu geringen Renten ein Zusatzverdienst auch im Alter lebensnotwendig ist.

Wenn die Rente nicht ausreicht, um die anfallenden Kosten zu decken oder um den eigenen, gewohnten Lebensstandard halten zu können, bleibt in vielen Fällen keine andere Möglichkeit, als auch im Alter noch einen Job anzunehmen. Zumeist belaufen sich diese Tätigkeiten auf wenige Stunden pro Woche, um die eigenen Finanzen aufzubessern.

Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, dass dies der einzige Auslöser sei. In vielen Fällen geht die Initiative vom Arbeitnehmer selbst aus. Viele von ihnen möchten ihre Tätigkeit nicht einfach so plötzlich mit Erreichen de Rentenalters aufgeben. Diese sogenannten Silver Worker sehen im Gegenteil einen Teil ihrer Identität darin, weiterhin beruflich tätig zu sein.

Etliche Beschäftigten fühlen sich noch fit und rüstig genug, um in ihrem Job aktiv bleiben zu können. Darüber hinaus sind sie motiviert, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterhin dem Unternehmen zur Verfügung stellen zu wollen.

Das spiegelt sich auch in den Zahlen und Statistiken zum Arbeiten im Alter wider: Besonders hoch ist der Anteil der Akademiker und Selbstständigen, die auch nach dem Erreichen des Rentenalters noch weiterarbeiten möchten. Entweder weil sie die Geschäfte der eigenen Firma weiterhin leiten wollen oder weil sie immer noch sehr an ihrem Beruf hängen.

Arbeiten im Alter: Für viele Senioren nicht möglich

Obwohl das Arbeiten im Alter zugenommen hat, bleibt es auf die Gesamtheit der Arbeitnehmer weiterhin eine Ausnahme. Die Mehrheit der Arbeitnehmer geht sogar frühzeitig in Rente.

Häufig sind gesundheitliche Gründe für eine Frühverrentung ausschlaggebend. Gerade wer das komplette Berufsleben lang körperlich hart gearbeitet hat, ist im Alter selten dazu in der Lage, dies fortzuführen.

So unterscheidet sich das tatsächliche Rentenalter vom gesetzlichen. Für männliche Arbeitnehmer liegt es bei circa 64 Jahren, für weibliche bei rund 63 Jahren.

Dennoch ist ein Trend zur Arbeit im Alter erkennbar. Mehr als 60 Prozent der Rentner können sich vorstellen, weiterhin beruflich oder ehrenamtlich aktiv zu sein. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl in Zukunft noch steigern wird.

Regionale Unterschiede bei den Jobs im Alter

Neben dem Bildungsgrad und der Art der Beschäftigung hat auch auch der Wohnort einen nachweisbaren Einfluss auf die Arbeit im Alter. Daher gibt es deutlich messbare Unterschiede zwischen den Bundesländern.

So ist insbesondere ein deutlicher Gegensatz zwischen Ost und West festzustellen: Im Osten des Landes arbeiten deutlich weniger Menschen im Alter, als im Westen. Die geringste Quote hat dabei Sachsen-Anhalt mit einem Anteil von circa zwölf Prozent Erwerbstätigen zwischen 65 und 70 Jahren.

In Baden-Württemberg hingegen sind es knapp zwanzig Prozent und damit beinahe jeder Fünfte, der nach der Rente zumindest teilweise weiterhin berufstätig ist und den Zeitpunkt des dauerhaften Ruhestandes so nach hinten verschiebt.

Solche Unterschiede sind in erster Linie durch die allgemeinen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt der jeweiligen Region zu erklären: Je besser die wirtschaftliche Lage und je mehr Stellen dadurch in einer Region zu besetzen sind, umso mehr Möglichkeiten gibt es, um sich auch im Alter noch eine Beschäftigung zu suchen.

Darüber hinaus sind die Lebenshaltungskosten ein weiterer Faktor. Gerade in teuren Regionen sind sie ein Grund, um weiterhin beruflich tätig zu sein.

Arbeiten im Alter: Der Arbeitsmarkt für Senioren

Viele Unternehmen haben die Entwicklungen hin zum Arbeiten im Alter erkannt. Trotz der Erkenntnis dieses Trends, fehlt ihnen nicht selten ein klares Modell, welches das Arbeiten im Alter systematisch möglich macht und unterstützt.

Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, eine weiterführende Beschäftigung anzustreben anstatt sofort in Ruhestand zu gehen, muss sich dementsprechend mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, die ihm in diesem Zusammenhang zur Verfügung stehen. Eine Vollzeittätigkeit ist nur in den seltensten Fällen möglich beziehungsweise gewünscht.

Gerade wer also zusätzlich zu seiner Rente etwas verdienen möchte, muss in diesem Zusammenhang eine wichtige Grenze beachten: Die sogenannte Hinzuverdienstgrenze. Diese liegt zur Zeit bei 6.300 Euro pro Jahr, also 525 Euro pro Monat.

Bis zu dieser Summe müssen Sie keinerlei Abzüge bei der Rente beachten. Alles, was darüber hinaus geht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Daher empfiehlt es sich, genau auf die Beschäftigung zu schauen, bevor Sie sie annehmen. Wir stellen Ihnen drei mögliche Alternativen vor:

  • Arbeiten Sie ehrenamtlich

    Eine ehrenamtliche Tätigkeit ist in den unterschiedlichsten Bereichen denkbar: Sowohl Vereine als auch gemeinnützige Organisationen sind immer auf der Suche nach motivierten Helfern.

  • Arbeiten Sie in Teilzeit weiter

    Es ist auch möglich, auf Teilzeit-Basis in Ihrem Job weiterzuarbeiten. In diesem Zusammenhang besteht allerdings die große Herausforderung, Ihren Vorgesetzten davon zu überzeugen.

  • Suchen Sie sich eine geringfügige Beschäftigung

    Wenn Sie nicht mehr für ihren letzten Arbeitgeber oder sogar in einer komplett anderen Tätigkeit arbeiten möchten, können Sie sich auch eine geringfügige Beschäftigung suchen. So können Sie außerdem neue Erfahrungen sammeln und bleiben auch gedanklich länger fit.

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Arbeiten im Alter: Mögliche Jobs für Senioren

Es gibt diverse Möglichkeiten, um im Alter arbeiten zu können. Ältere Menschen finden häufig auf speziellen Jobbörsen entsprechende Angebote. Jobs im Alter finden sich zum Beispiel auf Seiten wie dem Deutschen Seniorenportal oder auf Rent-a-Rentner.

Diese Angebote bieten die Möglichkeit, gezielt nach Jobs für Rentner und Aufgaben für Senioren zu suchen. So sind zum Beispiel folgende Tätigkeiten möglich:

  • Babysitter
  • Berater
  • Gartenhilfe
  • Haushaltshilfe
  • Hundesitter
  • Inventurhilfe
  • Reinigungskraft
  • Verkaufshilfe
  • Zeitungsausträger

Außerdem können Senioren auch bei gemeinnützigen Organisationen, kirchlichen und sozialen Trägern, Nachbarschaftshilfen oder ähnlichen Einrichtungen ehrenamtlich oder für kleines Geld wertvolle Arbeit leisten. Viele Rentner schätzen die Dankbarkeit und den menschlichen Umgang in diesen Bereichen und setzen ihre Arbeitskraft daher gerne für eine gute Sache ein.

Mit 80 noch arbeiten: Was muss ich beachten?

Wer im Alter noch arbeiten möchte, kann dies theoretisch unbegrenzt lange tun, solange die Gesundheit es erlaubt und die Freude an der Tätigkeit vorhanden ist. Mit 80 noch berufstätig zu sein, klingt zwar zugegebenermaßen sehr extrem, soll aber durchaus auch schon vorgekommen sein.

Allerdings werden die meisten älteren Arbeitnehmer merken, dass sie zunehmend weniger leistungsfähig werden und sich häufiger schonen und langsam machen sollten. Das ist ihr gutes Recht und sollte von ihnen daher auch deutlich eingefordert werden.

Es gibt jedoch einen wichtigen Punkt, den Arbeitnehmer im Rentenalter berücksichtigen müssen: nach Eintritt des offiziellen Rentenalters zahlt die Krankenversicherung kein Krankengeld mehr aus. Im Gegensatz dazu sinken aber auch die Beiträge.

Zudem kann die Krankenkasse bei längerer Arbeitsunfähigkeit vom Versicherten verlangen, dass ein Rentenantrag gestellt wird und er seine die Arbeit niederlegt.

So überzeugen Sie Ihren Arbeitgeber

Wenn Sie sich dafür entschieden haben, dass Sie gerne noch weiter bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt sein möchten, dann stellt sich die Frage, wie Sie diesen von Ihren Plänen überzeugen können. Solange Sie nichts anderes verlautbaren lassen, wird dieser davon ausgehen, dass Sie ihm planmäßig zum Datum Ihres Renteneintritts nicht mehr zur Verfügung stehen.

Daher empfiehlt es sich, dass Sie frühzeitig aktiv sollten. Suchen Sie unbedingt das Gespräch bevor die Stelle neu ausgeschrieben wird. Um Ihren Vorgesetzten von Ihren Plänen überzeugen zu können, sollten Sie in diesem Zusammenhang jedoch einige wichtige Fragen überzeugend beantworten können.

  • Was zeichnet mich aus?

    Legen Sie dar, welchen Nutzen das Unternehmen durch Ihre Arbeit und insbesondere durch Ihre Erfahrung hat. Zeigen Sie, wie Ihre Leistungen weiterhin zum Erfolg beitragen können. Je besser Sie Ihre Qualitäten darstellen werden, umso eher wird Ihr Chef geneigt sein, Sie weiter beschäftigen zu wollen.

  • Was macht mich besonders?

    Es ist wichtig, Ihrem Chef zu verdeutlichen, warum Sie nicht einfach durch einen beliebigen anderen Mitarbeiter zu ersetzen sind. Eine Möglichkeit könnte sein, dass Sie Ihr umfangreiches Wissen erfolgreich an den Nachwuchs weitergeben können. Oder auch, dass Sie mit Ihren Know-How nach wie vor absolut auf dem neuestem Stand sind.

  • Warum will ich weitermachen?

    Mit Sicherheit wird Ihnen Ihr Gesprächspartner diese Frage stellen. Immerhin möchte er Ihre Motivation kennen, trotz Ruhestand weiter arbeiten zu wollen. Darum sollten Sie gerade auf diese Frage vorbereitet sein. Seien Sie offen und ehrlich und zeigen Sie, welche Rolle die Tätigkeit in Ihrem Leben spielt und welche Bedeutung sie für Ihre Identität hat.

Arbeiten im Alter: Europaweit im Trend

Auch außerhalb Deutschlands lässt sich eine verstärkte Entwicklung hin zur Arbeit im Alter beobachten. Während sich der Anteil der berufstätigen Rentner hierzulande in den letzten Jahren zwar erhöht hat, die Zahl sich aber immer noch auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau bewegt, scheint das Arbeiten im Alter gerade in einigen anderen europäischen Ländern schon beihnahe zur Regel zu werden.

Gerade im hohen Norden stehen viele Arbeitnehmer auch mit über 65 Jahren noch mit beiden Beinen im Berufsleben. So arbeitet beispielsweise in Estland beinahe jeder Dritte noch im Alter. In Schweden und Großbritannien sind es ebenfalls über 20 Prozent.

Deutschland befindet sich derzeit mit einer Quote von um die 15 Prozent knapp über dem europaweiten Durchschnitt. Es ist allerdings anzunehmen, dass diese Entwicklungen der letzten Jahre weitergehen wird und damit zu rechnen ist, dass diese Zahl weiter steigt.

[Bildnachweis: shurkin_son by Shutterstock.com]
11. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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