Außergewöhnliche Belastungen: Definition, Möglichkeiten, Berechnung

Oft wird darüber geschimpft, wie groß der Teil des Einkommens ist, der für die Steuer verwendet wird. Doch wenn Sie Kosten in der Steuererklärung angeben, können Sie möglicherweise Steuern sparen. Eine Möglichkeit sind außergewöhnliche Belastungen, die gerade für Rentner, aber auch für alle anderen Steuerzahler absetzbar finanzielle Vorteile bieten können. Ob und in welchem Ausmaß Sie von außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung profitieren können, hängt dabei von mehreren Faktoren ab – allen voran muss es sich dabei tatsächlich um außergewöhnliche Belastungen handeln. Hier erfahren Sie, was außergewöhnliche Belastungen sind, welche Kosten Sie darunter bei der Steuer absetzen können und was Sie zum Thema wissen sollten…

Außergewöhnliche Belastungen: Definition, Möglichkeiten, Berechnung

Definition: Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Im Normalfall können Sie Ihre privaten Ausgaben und Kosten nicht in der Steuererklärung geltend machen. Sie können Ihr Geld ausgeben, wofür Sie möchten, doch wenn Sie sich einen neuen Fernseher kaufen, eine Reise buchen oder mit Freunden privat Essen gehen, wirkt sich dies nicht auf Ihre Steuerlast aus. Anders kann es bei sogenannten außergewöhnlichen Belastungen sein. Diese sind ebenfalls private Kosten, doch legt das Einkommenssteuergesetz (EStG) fest, dass außergewöhnliche Belastungen die Einkommensteuer ermäßigen können.

Ziel dabei ist ein Ausgleich, wenn dem einzelnen Steuerzahler deutlich höhere Ausgaben als vergleichbaren anderen Steuerpflichtigen entstehen. Konkret heißt es dazu in Paragraph 33 EStG:

Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands (außergewöhnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer dadurch ermäßigt, dass der Teil der Aufwendungen, der die dem Steuerpflichtigen zumutbare Belastung übersteigt, vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen wird.

Auch gibt das Gesetz vor, was es bedeutet, wenn solch außergewöhnliche Belastungen zwangsläufig anfallen. Dies ist der Fall, wenn sich der Steuerzahler den Kosten aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann. Die Ausgaben, die zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen, müssen also notwendig und unausweichlich für Sie sein.

Außergewöhnliche Belastungen: Welche Kosten können abgesetzt werden?

Welche Ausgaben konkret zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen, wird im Gesetz nicht genannt und es findet sich auch keine abgeschlossene Liste. Es fallen aber zahlreiche verschiedene Kosten zu den außergewöhnlichen Belastungen, die Sie möglicherweise von der Steuer absetzen können. Dazu zählen:

  • Krankheitskosten

    Viele Kosten, die bei einer Krankheit anfallen, werden von der zuständigen Krankenkasse übernommen – einige Krankheitskosten müssen jedoch selbst getragen werden. So können Arztkosten zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen, häufige Beispiele sind zudem Kosten für…

    • Brillen
    • Hörgeräte
    • Rollstühle
    • Behandlungen bei einem Heilpraktiker
    • Zuzahlungen bei verschriebenen Medikamenten
    • Akupunktur
    • Zahnprothesen

    Krankheitskosten können dabei nur als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden, wenn diese medizinisch notwendig sind. Vorbeugende Maßnahmen fallen nicht darunter. In Paragraph 64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) wird zudem geregelt, für welche Aufwendungen Sie bestimmte Nachweise erbringen und dem Finanzamt vorlegen müssen, um Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen angeben zu können.

  • Kurkosten

    Liegt eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung vor, können Ausgaben für eine Kur, die nicht übernommen und erstattet wurden, als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Darunter fallen…

    • Fahrtkosten zur An- und Abreise der Kur
    • Kurmittelkosten
    • Unterbringungskosten
    • Arztkosten
    • 80 Prozent der Verpflegungsmehraufwendungen
  • Pflegekosten

    Im Falle einer Pflegebedürftigkeit übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der Ausgaben – oft müssen darüberhinaus aber selbst weitere Kosten übernommen werden. Solche Pflegekosten können als außergewöhnliche Belastungen für die Steuer relevant sein. Dazu zählen beispielsweise…

    • Kosten für einen ambulanten Pflegedienst
    • Kosten für die stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim

    Um solche Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen anbringen zu können, muss die tatsächliche Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden. Dafür benötigen Sie eine Bescheinigung der Pflegekasse – auch kann die Pflegebedürftigkeit über die gesundheitlichen Merkmale blind oder hilflos mit den entsprechenden Merkzeichen B H im Schwerbehindertenausweis nachgewiesen werden.

  • Pflegepauschbetrag

    Übernehmen Sie selbst unentgeltlich die Pflege einer anderen Person, beispielsweise die Eltern oder andere Angehörigen, können Sie Ihre damit verbundenen Kosten ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angeben. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

    • Sie können die tatsächlichen Kosten inklusive der Belege ansetzen.
    • Sie können den Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro ansetzen.

    Um den Pflegepauschbetrag als außergewöhnliche Belastung nutzen zu können, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss es sich um die Pflege eines Angehörigen oder einer Ihnen nahe stehenden Person handeln, die zu pflegende Person muss hilflos oder blind – mit entsprechendem Merkzeichen im Ausweis – oder den Pflegerad 4 oder 5 haben. Zudem muss die Pflege zuhause bei der pflegebedürftigen Person erfolgen und Sie dürfen dafür nicht bezahlt oder auf andere Weise entlohnt werden.

  • Behindertenpauschbetrag

    Wenn Sie eine Behinderung haben, können Sie ebenfalls außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Wie beim oben genannten Pflegepauschbetrag können Sie auch hier wählen, ob Sie die tatsächlichen Kosten mit Belegen einzeln nachweisen wollen oder ob Sie sich dafür entscheiden, den Behindertenpauschbetrag anzusetzen.

    Wollen Sie den Pauschbetrag nutzen, darf aber keine Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machen. Diese sind mit dem Behindertenpauschbetrag abgegolten. Die Höhe des Behindertenpauschbetrags richtet sich nach dem festgestellten Grad der Behinderung:

    Grad der Behinderung Höhe des Pauschbetrags
    25 bis 30 310 Euro
    35 bis 40 430 Euro
    45 bis 50 570 Euro
    55 bis 60 720 Euro
    65 bis 70 890 Euro
    75 bis 80 1.060 Euro
    85 bis 90 1.230 Euro
    95 bis 100 1.420 Euro


  • Bestattungskosten

    Eine <Beerdigung kann teuer sein, weshalb Sie die Bestattungskosten möglicherweise als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen können. Sind Sie für die Kosten für die Beerdigung eines Angehörigen aufgekommen, können die damit verbundene Ausgaben, die den Wert des Nachlasses übersteigen, als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Auch eine mögliche Sterbegeldversicherung muss zunächst von den Kosten abgezogen werden. Zu den außergewöhnlichen Belastungen für Bestattungskosten zählen beispielsweise…

    • Grabstätte
    • Todesanzeige
    • Kränze und Blumen
    • Diese stehen in direktem Zusammenhang zur Bestattung. Andere Ausgaben, wie beispielsweise Bewirtung der Trauergäste, können nicht geltend gemacht werden.

    So werden außergewöhnliche Belastungen und zumutbarer Betrag berechnet

    Um zu ermitteln, welche Beträge als außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden können, muss zunächst bestimmt werden, wie hoch der sogenannte zumutbare Betrag ist. Dies ist der Teil der Kosten, von denen der Gesetzgeber annimmt, dass Sie selbst dafür aufkommen können. Erst wenn die Kosten diese Grenze des zumutbaren Betrags übersteigen, können Sie den übrig gebliebenen Betrag als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Ansonsten bleibt Ihre Steuerllast unberührt.

    Wie hoch der zumutbare Betrag ist, wird individuell ermittelt. Entscheidende Faktoren sind das Einkommen, der Familienstand und die Anzahl der Kinder. Zur Berechnung des zumutbaren Betrags wird dabei eine feste Tabelle benutzt:

    bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 Euro über 15.340 Euro bis 51.130 Euro über 51.130 Euro
    bei Steuerpflichtigen, die keine Kinder haben (Grundtarif) 5 Prozent 6 Prozent 7 Prozent
    bei Steuerpflichtigen, die keine Kinder haben (Splitting-Tarif) 4 Prozent 5 Prozent 6 Prozent
    bei Steuerpflichtigen mit einem oder zwei Kindern 2 Prozent 3 Prozent 4 Prozent
    bei Steuerpflichtigen mit drei oder mehr Kindern 1 Prozent 1 Prozent 2 Prozent


    Die Ermittlung findet dabei schrittweise über die verschiedenen Stufen statt. Anhand eines kurzen Beispiels erklären wir, wie der zumutbare Betrag und damit die Höhe der absetzbaren außergewöhnlichen Belastungen errechnet wird.

    Das Ehepaar Mustermann hat zwei Kinder und verdient zusammen im Jahr 55.000 Euro. Aus der Tabelle ergibt sich daraus zunächst: Bis zu einem Einkommen von 15.340 Euro werden bei zwei Kindern 2 Prozent als zumutbarer Betrag gesehen. Das macht 306,80 Euro.

    Für Einkommen bis 51.130 Euro werden 3 Prozent berechnet. Da 15.340 Euro des Einkommens aber bereits berücksichtigt wurden, müssen diese zunächst abgezogen werden. 51.130 Euro minus 15.340 Euro bleiben 35.790 Euro. 3 Prozent von diesem Betrag ergibt 1.073,70 Euro.

    Zuletzt müssen für Einkommen oberhalb von 51.130 Euro 4 Prozent angerechnet werden. Von den 55.000 Euro Gesamteinkommen müssen auch hier die bereits berücksichtigten 51.130 Euro abgezogen werden, übrig bleiben 3.870 Euro. 4 Prozent davon sind 154,80 Euro.

    Der zumutbare Betrag der Eheleute Mustermann beträgt somit insgesamt 1.535,30 Euro – die Summe der drei oben ermittelten Beträge. Alle Kosten für außergewöhnliche Belastungen, die über diesem zumutbaren Betrag liegen, können in der Steuererklärung absetzen.

    [Bildnachweis: by Shutterstock.com]
22. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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