Auswandern: Woanders neu beginnen

Vom Auswandern träumen viele. Realisieren tun es nur wenige. Zu groß ist oft die Furcht, Gewohntes, Familie und Freunde hinter sich zu lassen. Andere denken sich: „Endlich raus! Woanders ein neues Leben beginnen, den alten Ballast hinter sich lassen, eine neue Freiheit erleben.“ Doch ganz so unbedarft sollte man sich in das Abenteuer Auswandern nicht stürzen. Wir zeigen Ihnen, wohin man als Deutscher auswandern kann (auch mit wenig Geld) und worauf Sie achten sollten…

Auswandern: Woanders neu beginnen

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Wohin Auswandern mit wenig Geld?

Nach langen Jahren der harten Arbeit endlich die Früchte ernten: Für viele Rentner ist Auswandern ein Traum. Sei es, dass sie im Arbeitsleben keine Zeit dafür gefunden haben oder das Geld fehlte, sei es, dass sie sich im Laufe vieler Urlaube eine zweite Heimat erschlossen haben.

Doch in welches Land kann man mit wenig Geld auswandern? Beliebte Ländern unter Auswanderern sind gemäß der Expat Insider Studie, bei der 20.000 Auswanderer befragt wurden:

  • Ecuador
  • Taiwan
  • Vietnam
  • Portugal
  • Mexiko
  • Spanien
  • Singapur
  • Bahrain
  • Thailand
  • Malaysia
  • Tschechien

Alle Länder – mit Ausnahme von Spanien vielleicht – zeichnen sich durch vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten aus.

Auswandern als Deutscher Rentner: Weitere beliebte Ziele

Natürlich spielt Geld eine wichtige Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist jedoch der Wohlfühlfaktor. Wärmeres Klima, freundliche Mitmenschen, leichte Eingewöhnung – alles sogenannte Pull-Faktoren, die ein anderes Land attraktiv machen können. Daher stellt sich die Frage: Wo kann man als Deutscher am besten auswandern? Schaut man also auf den Faktor Lebensqualität und weniger aufs Geld, so ergibt sich eine andere Beliebtheitsliste für das Auswandern deutscher Rentner:

Dies ist schnell erklärt: Die Wahrscheinlichkeit, bestimmte Erkrankungen zu bekommen, wächst mit dem 60. Lebensjahr. Eine zentrale Rolle beim Auswandern spielt also die gesundheitliche Versorgung im jeweiligen neuen Heimatland.

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Auswandern: Unterstützung vom Amt?

Fürs Auswandern Geld vom Staat zu bekommen – das wünschen sich sicher manche. Doch Fakt ist: Der Staat belohnt das Auswandern nicht – warum sollte er auch.

Allerdings bestehen Ihre Ansprüche auf staatliche Leistungen in den meisten Fällen unabhängig vom Wohnort.

Dies betrifft vor allem die Rente. Sie ist an keine Bedingungen geknüpft bezüglich des Aufenthaltsortes. Anders als zum Beispiel Leistungen wie das Arbeitslosengeld, die Ihre Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt voraussetzen, können Sie also Ihre Rente auch in der Karibik beziehen.

Der Staat hilft Ihnen zudem auf andere Weise, wenn Sie auswandern möchten:

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Beratungsstellen: Auswandern mit Hilfestellung

Wie kann man am besten auswandern? Wie viel Geld braucht man um auszuwandern? Das Internet bietet viele Informationen, aber oft auch völlig ungefiltert. Individuelle Beratung und Unterstützung zum Auswandern gibt es bei speziellen Beratungsstellen. Ein guter Anlaufpunkt ist das Auswärtige Amt beziehungsweise das Bundesverwaltungsamt, das extra eine Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige eingerichtet hat.

Hier erhalten Sie bereits viele wichtige Informationen zu den Ländern. Zudem haben bereits zehn der 16 Bundesländer eigene Beratungsstellen mit teilweise länderspezifischem Schwerpunkt eingerichtet.

Und auch in Fragen einer möglichen Rückkehr sind diese Stellen ein guter Ansprechpartner – falls es am gewählten Wohnort doch einmal nicht so laufen sollte, wie gewünscht.

Auswandern: Das sollten Sie beachten

Eine der wichtigsten Voraussetzungen fürs Auswandern ist die sprachliche Verständigung. Alltagsvokabeln zu beherrschen, beim örtlichen Supermarkt einkaufen zu können oder Smalltalk mit dem Nachbarn halten zu können ist etwas anderes, als einem Arzt in einer Fremdsprache Beschwerden schildern zu müssen.

Entscheidend für die Wahl des geeigneten Landes ist außerdem die gesundheitliche Versorgung beziehungsweise Ihre Krankenversicherung. So sollten Sie eine internationale Krankenversicherung abschließen, um nicht im Ernstfall auf sämtlichen Kosten sitzenzubleiben. Allgemein gilt im EU-Ausland, dass sie als Rentner weiterhin krankenversichert sind.

Sollten Sie allerdings eine neue Beschäftigung aufnehmen, müssen Sie eine neue Krankenversicherung abschließen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Wie weit auswandern?

Sie sollten bei Ihren Überlegungen auch praktische Aspekte nicht vergessen. Die heutige Mobilität ermöglicht zwar viel, aber Hexenwerk kann sie auch nicht vollbringen. Wer nach Übersee auswandert, braucht für einen Rückflug deutlich länger als beispielsweise von Spanien nach Deutschland. Soll heißen: Innerhalb Europas können Sie vielleicht noch ein Bein in Deutschland haben.

Außerhalb sind regelmäßige Flüge nicht nur finanziell, sondern auch körperlich eine Belastung. Mit Jetlags werden Sie rechnen müssen, und die lassen sich mit zunehmenden Alter schwerer verarbeiten als noch in jungen Jahren.

Ist ein Visum zum Auswandern nötig?

Innerhalb Europas – vor allem in der Europäischen Union (EU) und Staaten wie Schweden und der Schweiz, die ein Abkommen getroffen haben – brauchen Sie kein Visum.

Wenn Sie in ein anderes Land auswandern wollen, ist es bereits schwieriger. Die Bestimmungen sind von Land zu Land unterschiedlich, das Magazin GEO nennt allein für Australien 150 (!) verschiedene Visa-Arten.

Daher lässt sich die Frage nach dem passenden Visum und den Voraussetzungen dafür unmöglich pauschal beantworten. Eine individuelle Beratung bietet auch in diesen Fällen das Auswärtige Amt.

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Tipps: So können Sie auswandern

Wenn Sie tatsächlich auswandern möchten, empfehlen wir Ihnen die drei wichtigsten Tipps zu beherzigen, ehe Sie konkret loslegen:

  • Hinterfragen Sie sich
    Bevor Sie auswandern, sollten Sie kritisch Ihre Motivation hinterfragen. Es geht nicht darum, die Lust an einer neuen Heimat zu verderben. Aber wer sich allzu blauäugig in ein Abenteuer stürzt, wird ein böses Erwachen haben. Seit Jahren gibt es zahlreiche Sendungen zum Auswandern im Fernsehen. Nicht selten wundert sich der Zuschauer über die Naivität mancher Auswanderer.

    In keinem Land der Erde wird es sonderlich geschätzt, wenn jemand die Landessprache nicht beherrscht und mit den Gepflogenheiten nicht vertraut ist. Ein Land vom Urlaub oder aus Romanerzählungen zu kennen ist nicht dasselbe, wie seinen Alltag dort zu gestalten.

  • Planen Sie Ihre Auswanderung
    Oft existiert bereits ein Vorwissen über das Land der Wahl. Auswandern ist aber etwas anderes als Urlaub. Wer im Urlaub immer schön in seinem Touristen-Ghetto geblieben ist, wurde vermutlich nie mit ausländischen Behörden konfrontiert. Auszuwandern heißt, eben auch die Bürokratie des jeweiligen Landes in Anspruch zu nehmen, und sei es nur, weil Sie Ihren Wohnsitz anmelden müssen.

    Land und Leute sollten Sie kennenlernen wollen, wenn sich langfristig aufhalten. Die Sprache zu beherrschen, ist nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, sondern eine Notwendigkeit – sei es bei Behördengängen, im (Arbeits-)Alltag oder um sich in die Gesellschaft zu integrieren. Machen Sie sich unbedingt damit vertraut, was Ihr Zielland an Vorgaben für Einwanderer hat.

  • Klären Sie Ihre Finanzen
    Holen Sie Informationen über das andere Land ein – wie funktioniert es? Stichwort: Soziales Netz. Wer zahlt was, woher beziehen Sie Ihre Einkünfte? Einen großen Unterschied macht auch das Zielland. Wer innerhalb der Europäischen Union auswandern will, darf sich im Rahmen der Freizügigkeit ohne Aufenthaltserlaubnis in einem EU-Land niederlassen und braucht auch keine Arbeitserlaubnis.

    Sie müssen lediglich sich innerhalb von drei Monaten bei einer zuständigen Behörde melden. Ihre Ansprüche auf Rente, die Sie in Deutschland erarbeitet haben, gelten im EU-Ausland als ausreichend. Anders sieht es aus, wenn Sie sich außerhalb der EU niederlassen wollen. Dann kann es sein, dass Sie genügend Liquidität nachweisen müssen, um nicht dem Staat auf der Tasche zu liegen.

Aus psychologischer Sicht: Gründe auszuwandern

In der Migrationsforschung wird von Push- und Pull-Faktoren gesprochen. Erstere sind solche, die Menschen dazu bewegen, ein Land zu verlassen. Druck infolge von Kriegen und Hunger besteht in diesem Kulturkreis nicht mehr. Aber es kann natürlich sein, dass es eine Weg-von-Motivation bei Ihnen gibt.

Genau dieser Ansatz ist aber riskant. Sie sollten also nicht schauen, was Sie hier alles nervt und ärgert, sondern mehr, womit das anvisierte Ziel locken kann. Was ist dort reizvoll? Wer diese Frage für sich nicht beantworten kann, läuft Gefahr, mit falschen Vorstellungen und Erwartungen auszuwandern und enttäuscht zu werden. Bedenken Sie: Das Gras auf der anderen Seite (des Zauns) ist immer etwas grüner und die Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer ein bisschen süßer.

Wer das für sich geklärt, sich gut informiert hat und willens ist, seinen Beitrag zur Gesellschaft im Heimatland beizutragen, der hat gute Karten, woanders glücklich zu werden.

Was bedeutet „auswandern“?

In einer globalisierten Welt gibt es viele Formen der Auswanderung. Vor einigen Generationen, als es es noch keine Autos gab und Reisen bestenfalls für reiche Bürger ein Luxusgut war, bedeutete Auswandern in den meisten Fällen etwas Endgültiges.

Oft waren es äußere Anlässe wie Unterdrückung, Hungersnöte oder mangelnde Glaubensfreiheit, die viele Deutsche im 17., 18. und 19. Jahrhundert – oft auf den amerikanischen Kontinent – auswandern ließen. Solche Reisen waren oft langwierig und beschwerlich, es musste viel Geld dafür angespart werden. Beides entscheidende Gründe dafür, dass die Zahl der Rückkehrer gering war.

Die Situation heutzutage ist anders. Es ist keine Seltenheit, dass Menschen für internationale Konzerne arbeiten und für einige Jahre ins Ausland geschickt werden. In diesem Fall ist weniger von Auswanderern, sondern vielmehr von Expats die Rede. Eine Auswanderung ist eine Option, aber nicht Hauptziel des Auslandsaufenthalts.

Andere wollen ihre Brücken hinter sich abbrechen, sind mit hiesigen Zuständen unzufrieden, haben keine Familie mehr oder wollen sich vielleicht beweisen, dass sie es woanders ebenfalls „schaffen können“. Sie suchen dauerhaft woanders eine neue Heimat.

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[Bildnachweis: Mila Supinskaya Glashchenko by Shutterstock.com]

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