Auszeit: Einfach mal abschalten

Der hektische Trubel der Zeit erfasst nicht nur Berufstätige – auch Rentner fühlen sich häufig gestresst und sehnen sich nach einer Auszeit.

Sie möchten sich einfach auf sich und ihre Bedürfnisse besinnen oder sich schlichtweg über einige Dinge klar werden. Dafür ist es für viele wichtig, den gewohnten Alltag und die bekannte Umgebung hinter sich zu lassen.

Wann eine Auszeit hilfreich sein kann, was es dabei zu beachten und vorzubereiten gilt und wie sich eine solche gestalten kann, möchten wir an dieser Stelle für Sie näher erläutern.

Auszeit: Einfach mal abschalten

Definition: Was gilt als Auszeit?

Bei Berufstätigen scheint es klar: Das tägliche Hamsterrad und das Fremdbestimmt-sein verlangt oftmals danach, sich eine Auszeit zu nehmen. Einfach mal einige Wochen oder Monate Pause machen und weg.

Doch Rentner? Die haben doch sowieso schon ihre Auszeit, möchten man meinen. Doch auch im Ruhestand läuft für viele das Hamsterrad weiter: Haushalt, familiäre Verpflichtungen, Freizeitstress – viele haben auch hier keine Gelegenheit zu Muße und zu Einkehr.

Daher nehmen sich auch viele im Alter eine Auszeit – die meisten sogar zu Beginn der Rente, um sich klar zu werden, wie sie den goldenen letzten Lebensabschnitt für sich bestreiten möchten.

Das muss nicht lange sein: Einige Wochen einfach mal raus aus dem Alltagstrott. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein bewusster und wichtiger Schritt.

Die Länge kann dabei beliebig variieren und ist nicht festgeschrieben. Viel wichtiger ist, in der Auszeit den Kopf frei zu bekommen und sich über Zusammenhänge klar zu werden, die sich im Alltag nur schwer reflektieren lassen. Abstand gewinnen – das geben daher auch die meisten Menschen als Grund für eine Auszeit an. Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern damit, sich auf sich selbst zu besinnen.

Im Übrigen können Sie sich auch zusammen mit Ihrem Partner eine Auszeit nehmen – der Begriff definiert sich nicht zwangsläufig über Einsamkeit. Das kann eine gemeinsame große Reise sein oder ein Aufenthalt in einem Kloster oder einer abgelegenen Berghütte – den Möglichkeiten sind dabei keine Grenzen gesetzt und verleihen der Partnerschaft neuen Schwung.

Allen gemeinsam ist, dass Sie eine Auszeit fernab von zuhause verbringen, wo Sie ansonsten auf kurz oder lang immer wieder von den gleichen Problemen, Gedanken und Belastungen eingeholt würden.

Gründe für eine Auszeit

Die Gründe, sich eine Auszeit zu nehmen, sind individuell unterschiedlich. Manch einer möchte sich über seine Ziele und die Zukunft klar werden, andere möchten sich schlichtweg erholen. Die häufigsten Anlässe für eine Auszeit sind dabei:

  • Reflexion
    Viele kennen das schwerdefinierbare Gefühl, in ihrem Kopf etwas aufräumen zu müssen. Die Grübeleien und die Gedanken kreisen irgendwie immer um das Gleiche, dennoch kommt man zu keinem Schluss. Eine Auszeit kann hier helfen und neue Impulse liefern – allein schon durch die neue Umgebung. Durch das Loslassen erhalten viele einen völlig neuen Schub in der Reflexion über ihr Sein. Sie schaffen es, ihren Weg zu hinterfragen und mitunter eine neue Richtung einzuschlagen. Mit einer Auszeit lernen Sie sich und Ihre Bedürfnisse besser kennen.
  • Gesundheit
    Anhaltender Stress, ständige Anspannung, teils körperliche Arbeit. Der Job kann der Gesundheit ganz schön schaden, sowohl psychisch als auch physisch. Im Ruhestand besteht daher für viele das Bedürfnis nach einer Auszeit. Sie wollen wieder ruhig durchschlafen, ihre ständige Gereiztheit oder das Gefühl der Überlastung hinter sich lassen. Meditationen, Wellness oder einfach nur körperliche Bewegung an der frischen Luft machen ihre Auszeit zu einer Erholung für Geist und Körper.
  • Horizonterweiterung
    Eine Auszeit kann auch eine gute Gelegenheit sein, um eine Fortbildung zu machen, für die während des Berufslebens einfach keine Zeit blieb. Diese kann Sie persönlich durchaus weiterbringen und Ihre Interessen endlich zur Geltung bringen. Das kann der Töpferkurs sein oder aber ein Sprachkurs im Ausland. Die Möglichkeiten sind hier grenzenlos – je nach Ihren persönlichen Vorlieben und Interessen. Es geht darum, einfach mal etwas Neues auszuprobieren.
  • Ruhebedürfnis
    Für die meisten Menschen bedeutet eine Auszeit vor allem eins: Erholung pur. Dies ist vor allem dann nötig, wenn Hobbys und Urlaub nicht mehr ausreichen, um neue Kraft zu tanken und die Energiereserven wieder aufzufüllen. Eine solch effektive Erholung kann anschließend für ganz neue Motivation sorgen. Nichtstun, Ausschlafen und einfach die Ruhe genießen – allein diese Bestandteile einer Auszeit geben Ihnen wieder neue Power.

Tipp: Planen Sie Ihre Auszeit

Wichtig ist, dass Sie für sich zuvor definieren, was das Ziel Ihrer Auszeit sein soll. Wenn der Zweck feststeht, ergibt sich daraus auch meist Ort und Dauer. Daher sollten Sie sich schon einige Wochen – im Idealfall einige Monate zuvor Gedanken über Ihre Auszeit machen:

  • Wie möchten Sie aus der Auszeit zurückkommen? Was möchten Sie damit erreichen?
  • Haben Sie mit Ihrem Umfeld, Ihrem Partner, Ihrer Familie über Ihre Auszeit gesprochen und dort die entsprechende Unterstützung?
  • Welche Orte bieten sich für Ihre Auszeit an? Wohin zieht es Sie? Welche Alternativen gibt es?
  • Wie lange soll die Auszeit mindestens dauern? Wie lange maximal? Welche Angebote gibt es diesbezüglich?
  • Ist die Auszeit finanzierbar? Welche Kosten fallen an? Sind zusätzliche Versicherungen nötig (zum Beispiel eine gesonderte Auslandsreisekrankenversicherung)?
  • Wie soll die Rückkehr aussehen? Möchten Sie Ihr Leben nach der Auszeit so weiter leben oder wollen Sie es anders gestalten?

Wie kann eine Auszeit konkret aussehen?

Eine Auszeit sollte Sie nicht von einem Stress in den anderen versetzen. Daher sind vor allem Ihre Bedürfnisse wichtig. Ein ausgedehnter Spaziergang am Morgen, Wellnessmassagen am Mittag oder eine Abendmeditation – hier können Sie sich nach Ihrem Gusto entscheiden.

Für viele ergibt sich Qualität einer Auszeit jedoch aus zwei Bestandteilen:

  • Der Tag ist nicht komplett mit Terminen versehen. Es bleibt also genug Zeit zur Erholung.
  • Die Rahmenbedingungen sind im Vorfeld geklärt. Um wesentliche Dinge wie Übernachtung und Essen müssen Sie sich also nicht gesondert kümmern.

Daher empfinden viele auch eine Kur als eine wertvolle Auszeit.

Tipp: Auszeit im Kloster

Ein ungewöhnlicher Weg für eine Auszeit ist ein Aufenthalt in einem Kloster. Gerade wer nichts mit dem christlichem Glauben anfangen kann, mag zwar zunächst skeptisch sein, aber eine bestimmte Konfession oder der Glaube an Gott sind nicht zwingend eine Voraussetzung, um im Kloster eine erfüllende Zeit finden zu können.

Vielmehr stehen Ruhe und Abgeschiedenheit im Fokus – die Konzentration auf die eigenen Gefühle, die Besinnung auf die eigenen Wünsche und die Gedanken daran, was jedem einzelnen wirklich wichtig ist.

Das Kloster gilt für solche Fragen schon traditionell als Rückzugsort für die innere Einkehr. Einige Klöster bieten dazu sogar spezielle Begleitungen oder Programme an – viele bieten den Alltag des Klosterlebens als Möglichkeit, zu sich selbst zu finden. Dabei ist häufig die Teilnahme an Gebetsstunden oder Gottesdiensten freiwillig. Auch die Länge eines Aufenthalts ist selten vorgegeben.

Wichtig ist vielmehr, dass alles, was ablenkt, tabu ist. Das gilt insbesondere für Kommunikationstechnik wie Laptop oder Smartphone. Statt der täglichen Lieblingsserie sollte es also besser ein Buch sein.

Das Prinzip des Ora et Labora (also: „Bete und Arbeite“) gilt in den Klöstern nach wie vor: Viele bieten eine Teilhabe am Klosteralltag an – von Gartenarbeit bis hin zu Gebetszeiten. Wer hier seine Auszeit verbringt, schätzt es, sich keine Gedanken über profane Dinge machen zu müssen – die Entscheidungen des Alltags sind weit weg, hier gilt ein anderer Rhythmus. Dies führt dazu, dass sie den Kopf abschalten können und die Atmosphäre der Palmgesänge als eine Art reinigende Meditation empfinden.

Zeiten der Stille und die Ruhe im eigenen Zimmer führen für viele zu der wichtigen Erkenntnis, was für sie wirklich im Leben von Bedeutung ist.

Klöster, die sich Besuchern öffnen, finden sich überall in Deutschland – hauptsächlich aber im katholischen Süden, der zudem landschaftlich besonders schön ist. Wir haben einige für Sie heraus gesucht:

  • Das Kloster der Franziskanerinnen vom göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach bietet Frauen Möglichkeiten zu Gebeten und zu Meditation. Eine Mitarbeit ist nicht möglich, daher ist der Aufenthalt kostenpflichtig.
  • In der Cistercienserinnen-Abtei in Lichtenthal können auch Ehepaare, Gruppen oder Familien unterkommen. Wer möchte, kann in Haus und Garten mitarbeiten, außerdem bieten sich Gelegenheiten zu persönlichen Gesprächen mit den Schwestern und sogar bei Bedarf zur Psychotherapie.
  • Die Benediktinerabtei St. Ulrich und Afra in Neresheim begrenzt die Aufenthaltszeit auf eine Dauer zwischen einer und drei Wochen. Willkommen sind hier Männer, die am Klosteralltag voll teilnehmen möchten. Dies beinhaltet auch eine Mitarbeit von vier Stunden täglich – dafür ist die Unterkunft kostenfrei.
  • Im Kloster Bad Wimpfen sind sechs Stunden täglicher Mitarbeit üblich – meist in Haus und Garten. Dafür müssen Sie nichts für den Aufenthalt bezahlen. Sowohl Männer als auch Frauen sind willkommen – gerne auch mit Kindern.
  • Das Bildungsforum Kloster Untermarchtal bietet zur Vollpension noch weitere Kreativseminare, Gesprächskreise und Meditationen an. Die Einzelgäste werden zudem durch eine Schwester persönlich begleitet.
  • Die Abtei Windberg bei Regensburg bietet ebenfalls eine persönliche Betreuung an. Eine Mitarbeit im Klosteralltag ist nicht möglich.
  • Die Abtei Ettal ist ein reines Männerkloster, bietet aber das volle Eintauchen in das Klosterleben. Ein kleiner Tagessatz deckt die Unkosten.
  • Das Haus Sankt Anton in Plein öffnet sich Familien aber auch Paaren und Einzelgästen. Eine persönliche Betreuung ist möglich, ebenso wie eine Mitarbeit. Auch hier ist jedoch ein Tagessatz für die Leistungen fällig.

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[Bildnachweis: Zigres by Shutterstock.com]
28. September 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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