Baltikum: Versteckte Perlen an der Ostsee

Das Baltikum, genauer gesagt die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, gelten noch als Geheimtipp für einen Urlaub an der Ostsee. Doch das dürfte jedoch nicht lang so bleiben, denn schon jetzt werden etliche Reisetouren und Kreuzfahrten dorthin angeboten und es dürften noch mehr werden. Denn die touristische Infrastruktur ist bereits beachtlich.

Wie Sie das Baltikum für sich entdecken, was Sie auf keinen Fall versäumen dürfen und was Sie auch sonst noch über die baltischen Staaten wissen sollten, zeigen wir Ihnen hier…

Baltikum: Versteckte Perlen an der Ostsee

Baltikum: Ein erster Überblick

Wenn man vom Baltikum spricht, so meint man in der Regel die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Dabei leitet sich der Begriff Baltisch streng genommen davon ab, Anrainer der Ostsee zu sein, weshalb früher auch andere Staaten, wie zum Beispiel Finnland (das ja streng genommen auch nicht zu Skandinavien gehört) dazu gezählt wurden.

Doch konzentrieren wir uns auf die drei kleinen Länder, die seit ihrem Austritt aus der Sowjetunion im Jahr 1991 unabhängig sind. Sie werden häufig in einem Atemzug genannt, doch trennen sie erhebliche Unterschiede. Daher betrachten wir die drei einmal etwas genauer von Nord nach Süd:

  • Estland

    Estland ist der kleinste Staat des Baltikums mit rund 1,3 Millionen Einwohnern. Es nimmt eine Art Sonderrolle innerhalb der drei Länder ein, da der Sprachstamm des Estnischen eher dem Finnischen ähnelt und keine Gemeinsamkeiten mit den anderen beiden Sprachen besitzt.

    Daher waren die Esten auch die Einzigen, die zur Zeit der UdSSR Westfernsehen (nämlich das Finnische) empfangen und verstehen konnten. Dies hat zur Folge, dass Estland auch heute als der offenste und aufgeschlossenste der drei Staaten gilt. Zudem ist der Lebensstandard der höchste.

  • Lettland

    Lettland besitzt mit Riga die größte Metropole des Baltikums. Hier wohnen rund 700.000 der insgesamt 1,9 Millionen Letten. Zu Sowjetzeiten war Riga nach Moskau und Sankt Petersburg der drittgrößte Industriestandord des Staates, doch diese Industrie ist so langsam dem Niedergang geweiht.

    So setzt Lettland, ähnlich wie Estland, heute vor allem auf die junge Generation und das Thema Digitalisierung und Startups. Dennoch gilt es im Vergleich zu den anderen beiden Ländern als wirtschaftlich eher arm.

  • Litauen

    Litauen ist der bevölkerungsreichste baltische Staat. Etwa 2,8 Millionen Einwohner zählt das Land – die meisten davon leben in der Hauptstadt Vilnius. International wahrgenommen wurde Litauen vor allem im Jahr 1989, als hier als erste Sowjetrepublik Unabhängigkeitsbestrebungen deutlich wurden.

    Und auch heute gilt das katholisch geprägte Litauen als das Land, das Mitteleuropa am Nächsten steht, da viele Polen im Land leben und nur verhältnismäßig wenige Russen (knapp fünf Prozent).

Die Russen spielen dann auch in allen drei Staaten des Baltikums eine Rolle. Im Zuge der Vereinnahmung durch die Sowjetunion im zweiten Weltkrieg wurden die Staaten gewissermaßen sowjetisiert, weshalb auch heute gerade in Estland und Lettland ungefähr ein viertel Russen wohnen, von denen insbesondere die ältere Generation weder die Staatssprache noch geschweige denn Englisch spricht und sich somit stark isoliert. Dies ist bis heute ein großes Problem innerhalb der Länder.

In den touristischen Gebieten und in der jungen Generation ist Englisch jedoch weit verbreitet, insofern werden Sie überall damit gut zurecht kommen und keinerlei Verständigungsprobleme haben.

Eine Reise ins Baltikum: Grundlegende Informationen

Da die Anreise auf dem Landweg doch etwas lang ist, ziehen es die meisten Urlauber vor, ins Baltikum zu fliegen. Zumeist landen sie auf dem größten Flughafen der drei Länder, in Riga, wo auch die Fluggesellschaft Air Baltic ihren Hauptsitz hat. Aber auch Tallinn wird oft aus Deutschland angeflogen.

Im Baltikums selbst sind die Busverbindungen hervorragend vernetzt. Luxuriöse Reisebusse der Unternehmen Ecolines und LuxExpress bringen Sie in jede größere Stadt – es ist also kein Auto notwendig. Wer nicht gerne individuell reisen möchte, kann auch eine feste Busrundfahrt bei einem Reiseunternehmen buchen.

Alle drei baltischen Staaten gehören zur Europäischen Union und der Eurozone. Sie müssen also kein Geld wechseln oder umrechnen. Zudem fallen auch keine Roaming-Gebühren fürs Telefonieren oder mobile Internet an. Das Mobilfunknetz ist vergleichsweise gut und stabil – gerade wenn man die Funklöcher aus Deutschland gewohnt ist.

Das Wetter im Baltikum

Die beste Reisesaison ist wenig überraschend der Sommer zwischen Juni und August. Aufgrund der nördlichen Lage ist es lange hell und es herrschen 20 bis 25 Grad. Regentage gibt es zwar, aber sie sind doch selten.

Die Winter beginnen im Baltikum früh und sind kalt und dunkel. Schnee ist keine Seltenheit und liegt gerade in Estland oft wochen- oder gar monatelang. Dennoch versprühen gerade die drei Hauptstädte auch im Winter einen ganz besonderen Reiz. Touren ins Umland sind allerdings weniger gut möglich.

Gesundheit im Baltikum

Die Gesundheitsversorgung Baltikum ist auf mitteleuropäischem Niveau. Die Versorgung mit Krankenhäusern und Ärzten ist ausreichend, der Standard der Behandlungen gut. Tropische Krankheiten gibt es keine und auch das Leitungswasser hat überall Trinkwasserqualität. Sie müssen sich bei einer Reise ins Baltikum also keine gesundheitlichen Sorgen machen.

Um dennoch Ihre persönliche Reiseapotheke entsprechend auszustatten, haben wir für Sie noch einmal eine Checkliste als PDF-Datei, die sich kostenlos herunterladen können.

Übernachtungen im Baltikum

Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten ist im Baltikum reichhaltig. Für jeden Geschmack ist etwas dabei und die Preise sind dabei oft günstiger als gedacht:

  • Gerade in den Städten gibt es unzählige Hotels für jeden Geschmack. Vom kleinen Familienhotel bis zum Hilton ist alles dabei.
  • Eine Überbleibsel aus der Sowjetzeit sind die vielen Ferienwohnungen auf dem Land, auf russisch Datscha genannt. Heute werden viele gut eingerichtete Datschen an Touristen vermietet, die so einen individuelle Unterkunft genießen können.
  • Zudem sind in vielen alten aber wieder hervorragend renovierten Herrenhäusern luxuriöse Landhotels untergebracht. Gerade in Estland sind diese Angebote weit verbreitet.

Das richtige Reisegepäck fürs Baltikum

Ihr Reisegepäck fürs Baltikum sollte für unterschiedliche Aktivitäten gewappnet sein: Auch immer Sommer kann es kühle Nächte geben – eine lange Hose und eine Jacke gehören also immer mit ins Reisegepäck. Wenn Sie den Herbst oder den Winter bevorzugen, sollten Sie ausreichend warme Kleidung einpacken – oftmals klettern die Temperaturen nicht über den Gefrierpunkt.

Eine Checkliste für Ihr Reisegepäck können Sie sich hier als PDF-Datei kostenlos herunterladen und ausdrucken.

Die Sehenswürdigkeiten im Baltikum

Die drei größten Sehenswürdigkeiten im Baltikum sind die Hauptstädte. Sie haben so einiges zu bieten:

  • Riga

    Riga besteht im Prinzip aus zwei Innenstädten: der hanseatisch geprägten Altstadt (siehe Titelbild) und der Neustadt mit ihren Jugendstilbauten. Keinesfalls versäumen sollten Sie die riesigen Markthallen, die für jeden Geschmack eine kulinarische Köstlichkeit bereit halten.

    Wer etwas entspannen möchte, sollte mit den Vorortzug für wenige Cent nach Jurmala fahren. Das Seebad bietet lange Strände und ist in zwanzig Minuten von Riga aus erreichbar – Züge fahren alle halbe Stunde.

  • Tallinn

    Tallinn gilt als DIE mittelalterliche Stadt schlechthin. Die verwinkelten Gassen, die von einer Stadtmauer umgeben sind, bezaubern insbesondere in den Abendstunden, wenn die Tagestouristen wieder auf ihre Kreuzfahrtschiffe verschwunden sind.

    Es empfiehlt sich, sich einfach treiben zu lassen und die Atmosphäre zu genießen. Interessant sind zudem das Schifffahrtsmuseum und das benachbarte ehemalige Sowjetgefängnis, in dem man einiges über das damalige Regime erfährt.

  • Vilnius

    Wenn Riga die Stadt des Jugendstils und Tallinn die Stadt des Mittelalters ist, so gilt Vilnius als Stadt des Barock und der Renaissance. Nahezu unendlich viele Kirchen fallen einem im Stadtbild auf.

    Aber auch das jüdische Erbe ist an vielen Ecken noch deutlich sichtbar. Vilnius gilt als die am wenigsten touristischste der drei Hauptstädte – zu unrecht eigentlich.

Insider-Tipps fürs Baltikum

Zwar sind Riga, Tallinn und Vilnius allein schon eine Reise ins Baltikum wert, dennoch sollten Sie es nicht versäumen, sich auch für weitere Highlights Zeit zu nehmen:

  • Fähre nach Helsinki

    Von Tallinn können Sie in einer Stunde mehrmals täglich nach Helsinki fahren. Da die Altstadt klein ist, reicht mitunter ein Tag für die finnische Hauptstadt. Versäumen Sie aber keinesfalls den Hafen mit dem Markt.

  • Ausflug nach Sankt Petersburg

    St. Peter-Line bietet von Helsinki einen dreitägigen visafreien Ausflug nach Sankt Petersburg an. Dies reicht, um einen Einblick in die Zarenstadt zu erhalten, inklusive einer Schnellbootfahrt zum Schloss Peterhof, das zwar im Sommer überlaufen, aber dennoch beeindruckend ist.

  • Lahemaa Nationalpark in Estland

    Wer lieber im Baltikum bleiben möchte, sollte von Tallinn aus einen Tagesausflug in den Lahemaa Nationalpark unternehmen. Moore und Wälder mit gigantischen Findlingen laden genauso zum Entspannen ein wie die Küste oder die üppigen Herrenhäuser.

  • Kurische Nehrung

    Das kurische Haff ist ein landschaftlicher Höhepunkt in Litauen. Endlose Sanddünen in einer sagenhaften Landschaft. Ein Tagesausflug sollte mindestens drin sein, wenn nicht mehr.

  • Sigulda

    Sigulda bildet das Zentrum des Gauja Nationalparks. Per Bus oder Zug ist das schöne Städtchen stündlich von Riga aus erreichbar. Es lohnt sich aber auch, mehrere Tage zum Wandern in diesem Gebiet zu bleiben.

[Bildnachweis: Nikolay Antonov by Shutterstock.com]
14. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite