Bauchfett: Das oft unterschätzte Risiko

In den 50er-Jahren galt der Wohlstandsbauch noch als Statusobjekt, der zeigen sollte, dass es einem finanziell gut ging und man sich etwas leisten konnte. Heute gilt Übergewicht und dabei insbesondere das Bauchfett als Gesundheitsrisiko.

Denn es hat sich inzwischen herausgestellt, dass es einen Unterschied macht, wo sich die Fettpolster bilden. Zwar ist Übergewicht nie gut, doch das Bauchfett ist noch einmal besonders gefährlich.

Warum das so ist und was Sie gegen Bauchfett unternehmen können? Wir verraten es Ihnen.

Bauchfett: Das oft unterschätzte Risiko

Warum ist Bauchfett so gefährlich?

Bierspoiler, Wampe, Kessel, Schnitzelfriedhof, Ranzen – es gibt viele Spitznamen für das Bauchfett. Die meisten verharmlosen dabei den Wohlstandsspeck, der sich im Laufe des Lebens in der Körpermitte ansammelt. Durch einen langsameren Stoffwechsel, hormonelle Veränderungen oder schlicht durch zu wenig Bewegung und zu viel ungesunde Ernährung, bildet sich bei vielen Menschen (insbesondere Männern) mit den Jahren Bauchfett.

Das sieht zum einen in den Augen etlicher Menschen unschön aus und macht die Betroffenen schwer und unbeweglich, aber viel schlimmer: Bauchfett ist extrem ungesund. Denn Fetteinlagerungen sind nicht gleich Fetteinlagerungen. Gerade das Viszeralfett (so der Fachbegriff für das Bauchfett) produziert gefährliche, entzündungsfördernde Hormone sowie Fettsäuren und umgibt lebenswichtige Organe wie Leber, Darm oder Bauchspeicheldrüse. Diese Vorgänge führen zu diversen Gefahren und Risiken:

  • Bauchfett erhöht den Blutdruck, sowie den Insulin- und Cholesterinwert.
  • Bauchfett kann Diabetes fördern.
  • Bauchfett führt langfristig zu einer Fettleber.
  • Bauchfett belastet das Herz-Kreislauf-System.
  • Bauchfett verstopft die Arterien und kann zu Embolien und Thrombosen führen.
  • Bauchfett erschwert das Atmen und kann Asthma begünstigen.
  • Bauchfett ist förderlich für das Wachstum von Krebszellen.
  • Bauchfett kann Alzheimer fördern.
  • Bauchfett erhöht das Apoplex-Risiko.

Daher ist es inzwischen medizinisch belegt, dass alleine der Body-Mass-Index (BMI) nur sehr begrenzte Aussagekraft für das Gesundheitsrisiko eines Menschen besitzt. Entscheidend ist vielmehr, WO sich das Fett einlagert. Bei vielen Frauen entwickeln sich die Fettpolster an den Beinen und Hüften (im Volksmund als „Hüftgold“ bezeichnet). Sie gelten daher von der Körperform her als Birnentyp. Männliche Körper lagern das Fett viel häufiger am Bauch ein: der sogenannten Apfeltyp entsteht.

Diese Fetteinlagerungen schütten deutlich mehr Hormone aus, als jene an den Hüften. Hier spielen insbesondere Adiponektin und Leptin eine große Rolle. Denn diese sind für unseren Appetit und unser Hungergefühl sowie für unseren Blutzuckerspiegel verantwortlich. Da sich bei übergewichtigen Personen die Produktion dieser Hormone mit Zeit stark verändert, kommt es im Laufe der Jahre im Gehirn zu einer Resistenz. Es entwickelt sich ein Teufelskreis: Mehr Bauchfett sorgt auch für mehr Hunger und somit für noch mehr Essen.

So können Sie Ihr Bauchfett loswerden

In der Werbung sieht man sie regelmässig: die Bauch-weg-Trainingsgeräte oder die Bauch-weg-Diäten. Fakt ist: Ein gezieltes Abnehmen nur am Bauch ist nicht möglich – es sei denn durch eine Operation. Abnehmen tun wir entweder am gesamten Körper oder gar nicht. Meist ist sogar das Gegenteil der Fall: Personen die hungern, verlieren zunächst Muskelmasse, ehe der Körper an die Fettreserven geht. Daher scheinen zuerst unsere Arme und Beine abzunehmen, die Bauchpolster sich jedoch hartnäckig zu halten.

Deshalb kann es gar keine spezielle Bauchfett-weg-Methode geben. Es ist aber sehr wohl möglich, dass Sie gesund abnehmen können. Ein paar Tipps dazu:

  • Ernährungsumstellung
    Verzichten Sie so gut es geht dauerhaft auf die liebgewonnenen Leckereien in denen viel Zucker, Weißmehl und gesättigte Fette stecken. Limonaden, Chips, Süßigkeiten aber auch Alkohol sollten weitgehend tabu sein. Stattdessen sollten Sie zu Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und eiweißhaltigen Nahrungsmitteln greifen. Insgesamt ist es wichtig, dass Sie die aufgenommene Menge an Kalorien deutlich reduzieren.
  • Sport
    Muskeln sind ein guter Fettverbrenner. Leider nicht genau das, was direkt daneben liegt. Es reicht also nicht, wenn Sie Ihre Bauchmuskeln trainieren, um das Bauchfett loszuwerden. Vielmehr sollten Sie Ihren ganzen Körper ausgewogen in Bewegung halten: Schwitzen sie mindestens dreimal pro Woche je eine Stunde ordentlich beim Ausdauersport. Strenges Nordic-Walking eignet sich am besten, aber auch Schwimmen. Zudem sollten Sie mit Krafttraining ebenso häufig Ihre Muskeln stärken und den Abbau verhindern – insbesondere die großen Muskelpartien an den Beinen, dem Po und dem Rücken.
  • Alltag
    Neben den sportlichen Aktivitäten sollten Sie die Bewegung auch in den Alltag integrieren: „Treppe statt Aufzug, Fussmarsch statt Auto“ – so muss das Motto lauten. Außerdem ist es wichtig, dass Sie den Stress reduzieren. Denn das Stresshormon Cortisol führt dazu, dass der Appetit steigt und sich Bauchfett bildet. Auch auf ausreichend Schlaf sollten Sie in diesem Zusammenhang achten. Wer nachts unter Schlafstörungen leidet, dem hilft vielleicht mittags ein kurzes Powernapping.
  • Flüssigkeit
    Oft ist unser Hungergefühl eigentlich ein Anzeichen, dass wir zu wenig getrunken haben. Daher ist es wichtig, dass Sie über den Tag verteilt regelmässig mindestens zwei Liter trinken. Aber bitte nur Getränke ohne zusätzliche Kalorien. Ungesüßter Tee oder Wasser (gerne auch mit Geschmack, aber bitte ohne Zucker) sind hier die besten Möglichkeiten.
  • Protokoll
    Viele Menschen nehmen gar nicht mehr wahr, was Sie den Tag über so essen. Meist geschieht das nebenher, ohne dass sie sich bewusst darauf konzentrieren. Ein Ernährungsprotokoll, das Sie immer bei sich führen, hilft Ihnen, jeden Snack und jede Mahlzeit nachhaltig zu visualisieren. Wenn Sie dann dort auch noch Ihre sportlichen Aktivitäten penibel eintragen, haben Sie ein ideales und unbestechliches Medium zur Kontrolle und Motivation. Solche Protokolle gibt es im Übrigen auch digital als Gesundheitsapps.

Ursachen von Bauchfett

Die Ursachen von Bauchfett liegen leider nicht ausschließlich nur in unserer Ernährung begründet. Denn der eine scheint schon zuzunehmen, wenn er die Sahnetorte nur schief anschaut und jeder Bissen scheint direkt ohne Umweg über den Magen direkt in die Fettpolster zu wandern. Andere wiederum können anscheinend essen was sie wollen, ohne dass sie nur ein Gramm an Gewicht zulegen.

Neben dem Alter sind dafür auch die genetischen Voraussetzungen ein wesentlicher Grund. Das können Sie zwar nicht beeinflussen, es sollte Sie aber auch nicht demotivieren, Ihr Bauchfett in den Griff zu bekommen. Denn wer die obigen Tipps entsprechend befolgt, schafft es auch langfristig, seinen Bauchumfang zu reduzieren.

Gerne wird auch ein übermässiger Bierkonsum als Ursache für die Entwicklung von Bauchfett angeführt. Phytohormone, die im Hopfen vorkommen, standen tatsächlich lange Zeit im Verdacht, dies zu begünstigen. Diese Theorie ist inzwischen weitestgehend widerlegt. Allerdings regt Bier durchaus den Appetit an und führt somit indirekt dazu, dass wir an Bauchfett zulegen, da wir mehr essen als notwendig.

Im Moment gehen die Ernährungsmediziner davon aus, dass insbesondere eiweißarme und kohlenhydratreiche Kost die vermehrte Fetteinlagerung am Bauch begünstigt. Stress und damit ein erhöhter Cortisolspiegel sind ebenfalls dafür verantwortlich.

Tipp: Bauchfett vorbeugen

Wer dem Bauchfett vorbeugen möchte, der sollte die oben genannten Tipps selbstverständlich ebenfalls beherzigen. Insbesondere eine verminderte Kalorienaufnahme im Alter und eine adäquate und gesunde Ernährung stellen die beste Prophylaxe gegen die Bildung von Bauchfett dar.

Basische, entzündungshemmende Ernährung zeichnet sich dadurch aus, dass sie viele Antioxidantien enthält (also Vitamine und Spurenelemente wie sie in Obst, Gemüse, Nüssen und bestimmten Ölen vorkommen), sowie Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium. Auch auf die ausreichende Menge an Omega-3-Fettsäuren sollten Sie achten.

Auf diese Weise verhindern Sie nicht nur Übergewicht, sondern sorgen auch für eine gesunde Darmflora und können das Risiko von Darmentzündungen erheblich minimieren.

So lässt sich das Bauchfett bestimmen

Die Frage, die sich nun viele stellen mögen: Habe ich bereits zu viel Bauchfett oder ist das noch im Rahmen? Um Ihr Gesundheitsrisiko genau bestimmen zu können, bedarf es selbstverständlich einer Blutabnahme und eingehenden ärztlichen Laboranalyse. Ihren Hausarzt können wir an dieser Stelle selbstverständlich nicht ersetzen.

Aber wir können Ihnen einen gewissen Überblick geben: Messen Sie mit einem Massband ihren Bauchumfang. Dies tun Sie am besten auf der Höhe des Bauchnabels. Dabei sollten Sie sich nicht selbst betrügen und etwa den Bauch einziehen. Atmen Sie ganz normal und ruhig.

Liegt Ihr Wert als Frau deutlich über 80 Zentimeter beziehungsweise als Mann über 95 Zentimeter, sollten Sie schon hellhörig werden. Ab einem Wert von 90 Zentimetern bei Frauen und 105 Zentimetern als Mann haben Sie definitiv zu viel Bauchfett.

Wer es noch genauer braucht, der kann den Bauchumfang noch in Verhältnis zur Körpergröße setzen. Teilen Sie den ersten Wert einfach durch den zweiten. In jungen Jahren sollte das Ergebnis die 0,5 nicht übertreffen. Ab 50 Jahren kann man hier etwas großzügiger sein und den Grenzwert auf 0,6 heraufsetzen. Dies sollte dann aber wirklich der Maximalwert sein.

Was andere Leser noch gelesen haben

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Zania Studio by Shutterstock.com]
3. Dezember 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite