Berliner Testament: Nachlassregelung für Ehepaare

Stirbt der eine Ehepartner, will er meist den anderen gut versorgt wissen. Das sogenannte Berliner Testament ist eine Möglichkeit, den Nachlass so zu regeln, dass der verbliebene Ehepartner seinen Lebensstandard beibehalten kann. Gibt es allerdings gemeinsame Kinder, hat das Berliner Testament für sie meist nachteilige Konsequenzen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Besonderheiten dieser Nachlassregelung und zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen…

Berliner Testament: Nachlassregelung für Ehepaare

Definition: Was ist das Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist eine Möglichkeit zur Nachlassregelung für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, sich gegenseitig zum Alleinerben zu bestimmen. Das hat zur Folge, dass im Falle des Todes der hinterbliebene Partner bis auf den Pflichtteil der Kinder alles erbt.

Das ist insofern bedeutsam, als üblicherweise beziehungsweise ohne entsprechende Regelung die gesetzliche Erbfolge gilt. Kommt anstelle des Berliner Testaments beispielsweise die gesetzliche Erbfolge zum Tragen, dann erbt im Todesfall der hinterbliebene Partner lediglich die Hälfte des Nachlasses, im Falle einer Gütertrennung sogar weniger.

Das Berliner Testament ändert also die gesetzliche Erbfolge ab, die sich nach dem Güterstand und der Anzahl der Kinder richtet:

Je 50 Prozent gehen an den hinterbliebenen Ehepartner und Kinder. Gibt es keine gemeinsamen Kinder aber andere Verwandte des Verstorbenen, beispielsweise Geschwister, dann erbt der Ehepartner nach gesetzlicher Erbfolge 75 Prozent des Nachlasses. Existiert eine Gütertrennung, splittet sich der Nachlass nach der Anzahl der Kinder.

Wird stattdessen das Berliner Testament eingesetzt, werden die Kinder faktisch enterbt. Der hinterbliebene Partner erbt alles, die Kinder werden zu Schlusserben. Erst wenn der zweite Elternteil ebenfalls verstorben ist, erben sie.

Was muss bei Stiefkindern im Berliner Testament beachtet werden?

Familien, in denen Kinder aus erster Ehe oder vorherigen Beziehungen stammen, gehören zur Normalität. Aus gesetzlicher Sicht jedoch macht es einen Unterschied, ob es sich im Erbfall um leibliche Kinder oder Stiefkinder handelt.

Im Berliner Testament gehen Stiefkinder grundsätzlich leer aus, es sei denn, Sie sorgen mit entsprechenden Klauseln vor. Möglich ist das, indem Stiefkinder als Nacherben eingesetzt werden. Sie erben dann wie die leiblichen Kinder, die Schlusserben, wenn der zweite Elternteil verstirbt.

Wann ist ein Berliner Testament sinnvoll?

Beim Berliner Testament handelt es sich um ein Gemeinschaftstestament, bei dem Erbengemeinschaften ausgeschlossen werden. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Immobilien ins Spiel kommen.

Im Todesfall könnte die gesetzliche Erbfolge beispielsweise dazu führen, dass der hinterbliebene Partner die Kinder des Verstorbenen aus dem Nachlass auszahlen muss.

Besteht dieser Nachlass allerdings lediglich aus einer Immobilie, die noch dazu vom hinterbliebenen Partner selbst bewohnt wird, sind Komplikationen absehbar. Das würde nämlich in letzter Konsequenz bedeuten, dass ein Haus entgegen seiner eigenen Interessen veräußert werden muss.

Muster: Gibt es ein Berliner Testament zum Abschreiben?

Zunächst einmal der Hinweis: Diese Seite kann keine verbindliche Rechtsberatung leisten, aber die Informationen werden nach bestem Wissen sorgfältig zusammengestellt. Für das Berliner Testament gilt grundsätzlich, dass es handschriftlich selbst verfasst werden muss.

Sie werden hier zwar nachfolgend eine einfache Variante eines Berliner Testaments zum Abschreiben finden, jedoch hat eine am Computer erstellte Fassung keinerlei Gültigkeit. Auch ein Ausdruck mit Unterschrift reicht allein nicht. Bedenken Sie außerdem, dass ein Gemeinschaftstestament Ihre individuelle Lage berücksichtigen muss.

Ihre familiäre Konstellation (Kinder, Stiefkinder) und Ihr Vermögen (eher klein/groß, mit/ohne Immobilien) müssen entsprechend in eine eigene Fassung einfließen. Ebenso müssen je nachdem bestimmte Klauseln zusätzlich ergänzt werden.

Zum kostenlosen Download für das Berliner Testament (einfache Variante) (PDF) geht es HIER.

Vor- und Nachteile des Testaments

Nicht umsonst gilt das Berliner Testament als ein Klassiker unter der den erbrechtlichen Verfügungen, denn es bietet einige Vorteile:

  • Sicherung des Lebensstandards

    Statt beispielsweise ein Haus wegen einer Erbengemeinschaft veräußern zu müssen, kann der Hinterbliebene darin bis zu seinem Ableben weiter wohnen. Angesichts eines angespannten Wohnmarktes oft ein segensreicher Aspekt.

  • Transparenz für Erben

    Ist das Berliner Testament erst einmal verfasst, kann es nur gemeinsam durch beide Partner geändert werden. Dazu muss das alte Testament vernichtet und ein neues aufgesetzt werden. Wünscht nur einer der beiden Ehepartner Änderungen, geht dies lediglich über den notariellen Widerruf. Im Todesfall eines Ehepartners sind keine Änderungen möglich, lediglich kann der hinterbliebene Partner entscheiden, das Erbe nicht anzutreten.

  • Anfertigung ohne Notar

    Wenngleich es aufgrund diverser Fallstricke nicht empfehlenswert ist: Theoretisch können Sie das Berliner Testament selbst aufsetzen, eine notarielle Beglaubigung ist nicht verpflichtend. Entscheiden Sie sich ein öffentliches Testament aufsetzen zu lassen, werden Sie nicht nur entsprechend beraten, sondern haben Rechtssicherheit. Die Höhe der Kosten hängt vom Gesamtvermögen ab.

Allerdings sollten die Nachteile nicht unerwähnt bleiben:

  • Verringerung des Freibetrags

    Den Kindern steht im Falle des Ablebens ein Pflichtanteil zu, der im Berliner Testament dieser nicht außer Kraft gesetzt wird. Verzichten die Kinder nun zugunsten des lebenden Elternteils auf Ihren Pflichtanteil, entstehen steuerliche Nachteile bei der Erbschaftssteuer, da sie den Freibetrag von 400.000 Euro (pro Erbfall!) nicht in Anspruch nehmen.

    Das kann dazu führen, dass der hinterbliebene Partner Erbschaftssteuer zahlen muss. Stirbt dieser irgendwann, fällt den Kindern als Schlusserben das gesamte Vermögen auf einmal zu. Statt auf einen Teil muss der (nun einmalige) Freibetrag von 400.000 Euro auf den Gesamtnachlass angewendet werden. Das kann bedeuten, dass der Freibetrag überschritten wird und ebenfalls Erbschaftssteuer gezahlt werden muss.

    Tipp: Um Freibeträge ausschöpfen zu können, wäre im Fall von zu vererbenden Immobilien beispielsweise eine Möglichkeit, den Kindern das Erbe zu übertragen und im Gegenzug lebenslanges Nutzungsrecht zu erhalten.

  • Nichtberücksichtigung neuer Partner

    Wird das Berliner Testament verfasst, gehen viele Ehepaare davon aus, dass sie gemeinsam alt werden. Ebenso gut könnte es aber sein, dass ein Partner deutlich vor dem anderen stirbt und der hinterbliebene Partner eine neue Partnerschaft eingeht. Ein neuer Ehe- oder Lebenspartner bliebe ohne entsprechende Vorkehrungen unberücksichtigt.

    Tipp: Solche Eventualitäten sollten beim Verfassen des Berliner Testaments mitgedacht werden. Eine Wiederverheiratungsklausel kann regeln, wie das Erbe im Falle einer Wiederverheiratung aufgeteilt wird – beispielsweise kann das gesamte Erbe oder nur ein Teil auf die Kinder verteilt werden.

  • Gültigkeit im Ausland

    Oft verbringen Paare ihren Lebensabend im Ausland. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Berliner Testament nicht zwangsläufig im Ausland anerkannt wird, so beispielsweise in Italien oder Frankreich. In Österreich hingegen ist so ein Gemeinschaftstestament zwar möglich, allerdings nur für Ehepaare, nicht jedoch für Lebenspartnerschaften. Dem Berliner Testament entspricht in englischsprachigen Ländern wie Großbritannien, USA oder Südafrika der mutual will (auch joint will genannt).

    Tipp: Stellen Sie sicher, dass sich das Berliner Testament auf deutsches Erbrecht bezieht.

Pflichtteil und Strafklausel im echten Berliner Testament

Auch wenn das Berliner Testament vorerst die Kinder oder andere Erbberechtigte enterbt, gibt es einen sogenannten Pflichtteil, wenn ein Elternteil stirbt. Nicht immer ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ungetrübt – und so kann es passieren, dass Kinder vom hinterbliebenen Elternteil ihren Pflichtteil fordern.

Ähnlich wie bei der gesetzlichen Erbfolge kann das allerdings dazu führen, dass der hinterbliebene Ehepartner finanziell unter Druck gerät: Dann nämlich, wenn der Nachlass lediglich aus einer (womöglich von ihm oder ihr selbst bewohnten) Immobilie besteht. Diese müsste veräußert werden, um den Pflichtanteil an die Kinder auszahlen zu können.

Das führt allerdings den Grundgedanken des Berliner Testaments ad absurdum; denn ursprünglich ging es ja einmal darum, den Ehepartner abzusichern – also auch ein Dach über dem Kopf zu garantieren. Ein echtes Berliner Testament hat deshalb eine sogenannte Strafklausel beziehungsweise Pflichtteilstrafklausel ausgestattet.

Diese dient genau genommen der Abschreckung der erbberechtigten Kinder: Falls ein Kind auf den Pflichtanteil besteht, so bekommt es ihn. Stirbt allerdings der zweite Elternteil, so erhält es ebenfalls nur den Pflichtanteil und nicht – wie ohne die Strafklausel denkbar – das vollständig mögliche Erbe.

Die sogenannte Jastrowsche Klausel trägt noch zur Verschärfung der Pflichtteilstrafklausel bei. Sie ist dazu gedacht, dass demjenigen Kind, das noch vor Ableben des zweiten Elternteils seinen Pflichtteil fordert, keine Vorteile im Vergleich zu den Kindern entstehen, die ihren Pflichtteil nicht einfordern.

[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]
14. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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