Beten: Was das Gebet bewirkt

Beten. Jeder kennt es, aber nicht jeder tut es. Viele Menschen leben in der Vorstellung, dass man nur in der Kirche betet. Das Gebet hat im alltĂ€glichen Leben kaum eine Bedeutung. Wir erlĂ€utern Ihnen, was das Gebet auslöst, wie man eigentlich betet – und dass das GesprĂ€ch mit Gott auch Ihnen Zuversicht schenken kann…

Beten: Was das Gebet bewirkt

Beten: Eine Definition

Im Beten wendet der Mensch sich verbal oder non-verbal an ein höheres Wesen. Das Gebet ist eine ureigenste GlaubensĂ€ußerung, es ist Praxis in allen Religionen. Vermutlich stammt das Wort Beten von dem Verb bitten ab. FĂŒr Christen ist das Beten Sprechen mit Gott. Der GlĂ€ubige sammelt sich innerlich und redet mit seinem Schöpfer.

Die Inhalte des Gebets können unterschiedlich sein. Es beinhaltet:

  • Dank
  • Lob
  • Anbetung
  • FĂŒrbitte

Auch die Ă€ußere Gestaltung kann diverse Formen annehmen. Das Gebet kann…

  • gemeinschaftlich oder ganz allein gesprochen werden.
  • vorformuliert sein oder frei vom Beter verfasst werden.
  • zu einem bestimmten Anlass oder im alltĂ€glichen Leben aus dem momentanen BedĂŒrfnis heraus gesprochen werden.

Warum beten wir?

Die meisten Menschen fangen an zu beten, wenn sie selber, Angehörige oder Freunde in eine Notlage geraten:

  • Wenn die Gesundheit gefĂ€hrdet, man selbst oder der geliebte Mensch dem Tode nah ist.
  • wenn der Jobverlust droht oder die Arbeitsstelle verloren ist.
  • wenn die eigene finanzielle Situation einem Ruin gleicht.
  • oder wenn das eigene Land, die Welt vom Krieg oder einer Pandemie bedroht wird.

Dann suchen viele Menschen Hilfe bei dem, der die missliche Situation wieder regeln kann.

Die einen beten dann aus Überzeugung, weil sie glauben, dass Gott (als das höhere Wesen) ihnen helfen kann. Die anderen versuchen es einfach mal. Und hoffen, dass sich etwas – positiv – verĂ€ndert.

Wenn Sie noch keine Erfahrungen mit dem Gebet gemacht haben, Sie es nur aus Messen oder Gottesdiensten kennen, stellen Sie sich wahrscheinlich die Frage: Ist das Gebet mehr als ein Reden gegen die Wand?

Schließlich sehen viele in der Regel nicht sofort eine VerĂ€nderung, nachdem sie ihr Gebet gesprochen haben.

Was bringt Beten?

Gebet ist eine spirituelle TĂ€tigkeit. Diese Frage kann man nicht wissenschaftlich mit klar definierten Gewinn beantworten. Der Glaubende wird sagen: Gott hört Sie – und das allein bringt schon Zuversicht in das aufgewĂŒhlte
Herz.

Wir möchten dennoch nÀher erlÀutern, warum das Gebet etwas bringt:

  1. ZunĂ€chst hilft uns das Gebet, weil wir aussprechen können, was uns bewegt. Sind die Probleme verschlossen in unserem Herz, wiegen sie schwer. Wenn wir aber sagen, was uns bewegt, wird uns von dieser Last etwas genommen. Beten wirkt an dieser Stelle befreiend, wie eine Art Psychohygiene. Durch das Reden mit Gott verarbeiten wir unsere GefĂŒhle.
  2. Es heißt, von den 100 Prozent der Dinge, um die wir uns Sorgen machen, treffen allenfalls zehn Prozent ein. Wer betet und seine Sorgen zu Gott bringt, hat demnach in 90 Prozent der FĂ€lle schon gewonnen. Das erinnert an das afrikanische Sprichwort: Hakuna matata – frei ĂŒbersetzt, heißt das: Es gibt keine Schwierigkeiten. In dem Augenblick, indem wir unsere Nöte zu Gott bringen und darauf vertrauen, dass er sich der Problematik annimmt, haben wir vermutlich schon in 90 von 100 FĂ€llen gewonnen, weil wir hoffnungsvoll und mit Leichtigkeit nach vorne schauen können.
  3. Bleiben noch die zehn Prozent der FĂ€lle ĂŒbrig, fĂŒr die sich nicht direkt eine Lösung findet. Wer betet, der glaubt daran, dass es ein höheres Wesen, einen Gott gibt. Glauben bedeutet zunĂ€chst einmal so viel, wie es fĂŒr möglich halten, dass es einen Gott gibt. Glauben ist ein Hoffen, eine Zuversicht auf etwas, was man nicht sieht.

Auch wir können Gottes Existenz nicht beweisen. Aber die Tatsache, dass im Judentum – der wohl Ă€ltesten Religion der Welt – im Christentum und im Islam zu einem einzigen (demselben) Gott gebetet wird, stimmt schon nachdenklich. Seit mehr als 5500 Jahren beten die Menschen zu einem Gott. Ist das nicht Grund genug, diesem Gott eine Chance zu geben?

Beten: Wie geht das?

Beten kann man zu jederzeit und ĂŒberall. Es braucht keine Vorbereitung und keine besondere geistliche Umgebung. Wer das Gebet als gewinnbringend fĂŒr sich erfahren, sich sammeln und fokussieren möchte, sollte einige Voraussetzungen beachten:

  1. Sich Zeit nehmen

    NatĂŒrlich können Sie ein Stoßgebet in den Himmel schicken. Nur Danke, Bitte oder ein Herr hilf mir! gen Himmel schicken. Wenn Sie sich aber gedanklich ausrichten möchten, sollten Sie sich ein paar Minuten mehr Zeit nehmen. Es braucht manchmal mehr als nur einen Moment, um das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen.

  2. Den richtigen Ort finden

    Suchen Sie sich einen ruhigen Platz in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus. Stellen Sie Fernsehen, Social Media – alles, was sie ablenkt – aus, sodass Sie zur Ruhe kommen können. Manche Menschen finden die Ruhe im Garten oder im Park auf einer Bank. Reisende suchen sich Kirchen, um in der Hektik innerlich einzukehren.

  3. Rituale nutzen

    Eine Kerze anzĂŒnden oder ein kleines Kreuz aufstellen sind ein sichtbares Zeichen fĂŒr den Beginn der Gebetszeit. Kleine Rituale helfen, um die Besinnlichkeit zu stĂ€rken. Einige Beter erleben es als nĂŒtzlich, wenn sie ein Gebetstagebuch, indem sie Tag fĂŒr Tag Dank und FĂŒrbitte festhalten.

  4. Die Gebetshaltung

    Die Bibel berichtet davon, dass die Menschen die unterschiedlichsten Haltungen einnahmen: Sie standen vor Gott (1. Mose 18,22), knieten (Daniel 6,10), warfen sich auf ihr Angesicht (4. Mose 16,22). Andere hoben die HĂ€nde zum Gebet (Psalm1 34,2). Jede Haltung ist Ausdruck einer Empfindung. Sie können fĂŒr sich selber entscheiden, wie Sie beten möchten

  5. Die Worte finden

    In der Bibel steht, dass der Gott wie ein Vater fĂŒr uns ist. Wir können zu ihm kommen, so wie wir sind und einfach unsere Bitten loswerden. Er wird Sie hören: „Wer da bittet, der empfĂ€ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Lukas 11,10) Von daher können Sie zu Gott sprechen, wie Sie mit Ihrem Vater sprechen wĂŒrden. Ganz natĂŒrlich. Wenn es Ihnen dennoch schwer fĂ€llt, können Sie auch die Gebete sprechen, die wir Ihnen weiter unten empfehlen.

  6. Einfach mal nichts sagen

    Es gibt Zeitpunkte, da wiegt die Last, die Trauer zu schwer. Dann können keine Worte mehr gesagt werden. Sie können Ihren ruhigen Ort, Ihre besinnliche Zeit dafĂŒr nutzen auch einfach vor Gott still zu werden und einmal nichts zu sagen. Viele haben in solcher intimen Zeit Kraft geschöpft.

  7. Zum Schluss: Amen

    Amen ist hebrĂ€isch und bedeutet So sei es. Wer am Ende seines Gebets „Amen“ sagt, verleiht seiner Überzeugung noch einmal Ausdruck: Er möchte entschlossen an Gott festhalten.

Warum legt man beim Beten die HĂ€nde zusammen?

Das HÀndefalten kommt vermutlich aus der germanischen Kultur. Wenn die Vasallen ihrem Herrn ihren Lehnseid versprachen, legten sie ihre HÀnde zusammen. Die zusammengelegten HÀnde legten sie wiederum als Zeichen ihrer Treue und AbhÀngigkeit in die HÀnde ihres Lehnsherrn.

Heute kennen wir diese Geste noch in der Priesterweihe: In die HĂ€nde des Bischofs legt der Weihekandidat seine zusammengelegten HĂ€nde und verspricht ihm Gehorsam und Ehrfurcht.

Diese Gebetsgeste wurde spĂ€ter vertieft durch ineinandergreifenden Finger. Der Betende bringt damit noch stĂ€rker seine Bindung zu Gott zum Ausdruck. Sie steht fĂŒr eine tiefe AbhĂ€ngigkeit von Gott.

Die bekannteste Abbildung von zusammengelegten HĂ€nden in der Kunst als Ausdruck des Betens sind die Betenden HĂ€nde von Albrecht DĂŒrer.

Bekannte Gebete

In Messen und Gottesdiensten werden gemeinsam laut Gebete gesprochen. Diese oft ritualisierten Gebete sind verbindend und stiften Gemeinschaft. Sie können aber auch von einem GlÀubigen allein gesprochen werden, wenn ihm schwer fÀllt etwas zu formulieren.

Die nachfolgenden Gebete sind konfessionslos und werden in Messen und Gottesdiensten der Katholiken und Protestanten gesprochen:

Das Vater unser

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tÀgliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

MatthÀusevangelium 6,9-13 (Die Bibel)

Der gute Hirte

Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grĂŒnen Aue
und fĂŒhret mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er fĂŒhret mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fĂŒrchte ich kein UnglĂŒck; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Psalm 23 (Die Bibel)

Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den AllmÀchtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmÀchtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der SĂŒnden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Irischer Segenswunsch

Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen,
der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schĂŒtzen,
der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der HeimtĂŒcke böser Menschen,
der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,
wenn du fÀllst und dich aus der Schlinge zu ziehen,
der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist,
der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,
wenn andere ĂŒber dich herfallen,
der Herr sei ĂŒber dir, um dich zu segnen.

[Bildnachweis: Villiers Steyn by Shutterstock.com]
19. April 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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