Beten: Was das Gebet bewirkt

Gerade dann, wenn die Not am größten ist, wenden wir uns wieder dem zu, der uns geschaffen hat – im Gebet. Viele Menschen leben in der Vorstellung, man könne nur in der Kirche beten. Das stimmt so nicht. Das Gebet ist nicht abhängig von heiligen Hallen. Beten kann jeder überall und es gibt Hoffnung, ganz besonders in schwierigen Lebenssituationen. Wir möchten Ihnen beschreiben, was das Gebet bewirkt, wie man betet – und dass das Gespräch mit Gott auch Ihnen heute Zuversicht schenken kann.

Beten: Was das Gebet bewirkt

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Beten für Frieden

Das Leid, insbesondere im Krieg in der Ukraine, ist manchmal kaum in Worte zu fassen. Selbst die Bibel spricht dann von „unaussprechlichen Seufzern“.

Gebet für Frieden in der Welt

Wir möchten Sie einladen, egal ob Sie Christ, Jude oder Moslem sind, mit uns für den Frieden zu beten, denn für den Gläubigen gibt es nur einen, der wahren Frieden schenken kann. Das ist Gott.

Du unser Gott, der du der Schöpfer von allem bist,
heute stehen wir vor dir.

Worte können kaum beschreiben, was wir empfinden:

Diese Ungerechtigkeit, die wir sehen, lässt uns aufschreien.
Das Leid, das wir sehen, treibt uns Tränen in die Augen.

Wir möchten aufstehen und vor dich treten für die, die allein sind.

Herr nimm du dich derer an, die Angst haben – und schenken ihnen deinen Frieden in ihre Herzen.
Herr, kümmere dich um die, welche vor Kummer weinen – und tröste sie mit deinem tiefen Trost.
Herr, sieh ihre Sorgen – und schenke ihnen Zuversicht, dass du ihre Probleme lösen wirst.

Gott, wir stehen hier mit betenden Händen.
Unsere Hände sind leer, aber du kannst sie nutzen – für deinen Frieden.
Gebrauche du uns überall dort, wo wir helfen können.

Unser Einfluss scheint so klein:
Deshalb bitten wir dich für die Verantwortlichen aller Länder.
Schenke ihnen Weisheit und Ideen, wie sie agieren sollen,
damit wieder Frieden herrscht.
Und Gott bewahre uns – und alle anderen Menschen – vor der Willkür Einzelner.

Wir brauchen deinen Schutz.

Gott, du bist unsere Hoffnung.
Du bist der, der Leid in Freude umwandeln kann.
Und deshalb bitten wir dich für alle, die deine Hilfe jetzt dringend benötigen:

Greife du ein.

Amen.

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Beten: Eine Definition

Das ist jedem klar: Im Beten wenden wir uns verbal oder non-verbal an ein höheres Wesen. Das Gebet ist eine ureigenste Glaubensäußerung – und es ist Praxis in allen Religionen. Vermutlich stammt das Wort Beten von dem Verb ‚bitten‘ ab. Für Christen ist das Beten ‚Sprechen mit Gott‘. Der Gläubige sammelt sich innerlich und redet mit seinem Schöpfer.

Die Inhalte des Gebets können unterschiedlich sein:

  • Dank
  • Lob
  • Anbetung
  • Fürbitte

Auch die äußere Gestaltung kann diverse Formen annehmen. Das Gebet kann…

  • gemeinschaftlich oder ganz allein gesprochen werden.
  • vorformuliert sein oder frei vom Beter verfasst werden.
  • zu einem bestimmten Anlass oder im alltäglichen Leben aus dem momentanen Bedürfnis heraus gesprochen werden.
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Warum beten wir?

Die meisten Menschen fangen an zu beten, wenn sie selber, Angehörige oder Freunde in eine Notlage geraten:

  • Wenn die Gesundheit gefährdet, man selbst oder der geliebte Mensch dem Tode nah ist,
  • wenn der Jobverlust droht oder die Arbeitsstelle verloren ist.
  • wenn die eigene finanzielle Situation einem Ruin gleicht.
  • oder wenn das eigene Land, die Welt vom Krieg oder einer Pandemie bedroht wird.

Dann suchen viele Menschen Hilfe bei dem, der die Macht hat, die äußerst schwierige Situation wieder in Ordnung zu bringen.

Die einen beten dann aus Überzeugung, weil sie glauben, dass Gott (als das höhere Wesen) ihnen helfen kann. Die anderen versuchen es einfach mal. Und hoffen, dass sich etwas – positiv – verändert.

Wenn Sie noch keine Erfahrungen mit dem Gebet gemacht haben, Sie es nur aus Messen oder Gottesdiensten kennen, stellen Sie sich wahrscheinlich die Frage: „Ist das Gebet mehr als ein Reden gegen die Wand?“

Schließlich sehen viele nicht sofort eine Veränderung, nachdem sie ihr Gebet gesprochen haben.

Was bringt Beten?

Gebet ist eine spirituelle Tätigkeit. Diese Frage kann man nicht wissenschaftlich mit klar definierten Gewinn beantworten. Der Glaubende wird sagen: Gott hört Sie – und das allein bringt schon Zuversicht in das aufgewühlte Herz.

Wir möchten dennoch näher erläutern, warum das Gebet etwas bringt:

  1. Zunächst hilft uns das Gebet, weil wir aussprechen können, was uns bewegt. Sind die Probleme verschlossen in unserem Herz, wiegen sie schwer. Wenn wir aber sagen, was uns bewegt, wird uns von dieser Last etwas genommen. Beten wirkt an dieser Stelle befreiend, wie eine Art „Psychohygiene“. Durch das Reden mit Gott verarbeiten wir unsere Gefühle.
  2. Es heißt, von den 100 Prozent der Dinge, um die wir uns Sorgen machen, treffen allenfalls zehn Prozent ein. Wer betet und seine Sorgen zu Gott bringt, hat demnach in 90 Prozent der Fälle schon gewonnen. Das erinnert an das afrikanische Sprichwort: „Hakuna matata“ – frei übersetzt, heißt das: „Es gibt keine Schwierigkeiten.“ In dem Augenblick, indem wir unsere Nöte zu Gott bringen und darauf vertrauen, dass er sich der Problematik annimmt, haben wir vermutlich schon in 90 von 100 Fällen gewonnen, weil wir hoffnungsvoll und mit Leichtigkeit nach vorne schauen können.
  3. Bleiben noch die zehn Prozent der Fälle übrig, für die sich nicht direkt eine Lösung findet. Wer betet, der glaubt daran, dass es ein höheres Wesen gibt, das sich um uns Menschen bemüht. Glauben bedeutet zunächst einmal so viel, wie es für möglich halten, dass es einen Gott gibt, der auch heute wirkt. Wenn Sie sich in einer Notlage befinden, können Sie eigentlich nur gewinnen, wenn Sie Gott eine Chance geben, in Ihrem Leben einzugreifen.

Auch wir können Gottes Existenz nicht beweisen. Aber die Tatsache, dass im Judentum – der wohl ältesten Religion der Welt – im Christentum und im Islam zu einem einzigen (demselben) Gott gebetet wird, stimmt schon nachdenklich. Seit mehr als 5500 Jahren beten die Menschen zu einem Gott. Ist das nicht Grund genug, diesem Gott eine Chance zu geben?

Beten: Wie geht das?

Beten kann man zu jederzeit und überall. Es braucht keine Vorbereitung und keine besondere geistliche Umgebung. Wer das Gebet als gewinnbringend für sich erfahren, sich sammeln und fokussieren möchte, sollte einige Voraussetzungen beachten:

  1. Sich Zeit nehmen
    Natürlich können Sie ein Stoßgebet nach oben senden. Nur „Danke“, „Bitte“ oder ein „Herr hilf mir!“ gen Himmel schicken. Wenn Sie sich aber gedanklich ausrichten möchten, sollten Sie sich ein paar Minuten mehr Zeit nehmen. Es braucht manchmal mehr als nur einen Moment, um das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen.
  2. Den richtigen Ort finden
    Suchen Sie sich einen ruhigen Platz in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus. Stellen Sie Fernsehen, Social Media – alles, was sie ablenkt – aus, sodass Sie zur Ruhe kommen können. Manche Menschen finden die Ruhe im Garten oder im Park auf einer Bank. Reisende suchen sich Kirchen, um in der Hektik innerlich einzukehren.
  3. Rituale nutzen
    Eine Kerze anzünden oder ein kleines Kreuz aufstellen sind ein sichtbares Zeichen für den Beginn der Gebetszeit. Kleine Rituale helfen, um die Besinnlichkeit zu stärken. Einige Beter erleben es als nützlich, wenn sie ein Gebetstagebuch, indem sie Tag für Tag Dank und Fürbitte festhalten.
  4. Die Gebetshaltung
    Die Bibel berichtet davon, dass die Menschen die unterschiedlichsten Haltungen einnahmen: Sie standen vor Gott (1. Mose 18,22), knieten (Daniel 6,10), warfen sich auf ihr Angesicht (4. Mose 16,22). Andere hoben die Hände zum Gebet (Psalm 134,2). Jede Haltung ist Ausdruck einer Empfindung. Sie können für sich selber entscheiden, wie Sie beten möchten
  5. Die Worte finden
    In der Bibel steht, dass Gott wie ein Vater für uns ist. Wir können zu ihm kommen, so wie wir sind und einfach unsere Bitten loswerden. Er wird Sie hören: „Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Lukas 11,10) Von daher können Sie zu Gott sprechen, wie Sie mit Ihrem Vater sprechen würden. Ganz natürlich. Wenn es Ihnen dennoch schwer fällt, können Sie auch die Gebete sprechen, die wir Ihnen weiter unten empfehlen.
  6. Einfach mal nichts sagen
    Es gibt Zeitpunkte, da wiegt die Last, die Trauer zu schwer. Dann können keine Worte mehr gesagt werden. Sie können Ihren ruhigen Ort, Ihre besinnliche Zeit dafür nutzen auch einfach vor Gott still zu werden und einmal nichts zu sagen. Viele haben in solcher intimen Zeit Kraft geschöpft.
  7. Zum Schluss: Amen
    „Amen“ ist hebräisch und bedeutet „So sei es“. Wer am Ende seines Gebets „Amen“ sagt, verleiht seiner Überzeugung noch einmal Ausdruck: Er möchte entschlossen an Gott festhalten.

Warum legt man beim Beten die Hände zusammen?

Das Händefalten kommt vermutlich aus der germanischen Kultur. Wenn die Vasallen ihrem Herrn ihren Lehnseid versprachen, legten sie ihre Hände zusammen. Die zusammengelegten Hände legten sie wiederum als Zeichen ihrer Treue und Abhängigkeit in die Hände ihres Lehnsherrn.

Heute kennen wir diese Geste noch in der Priesterweihe: In die Hände des Bischofs legt der Weihekandidat seine zusammengelegten Hände und verspricht ihm Gehorsam und Ehrfurcht.

Diese Gebetsgeste wurde später vertieft durch ineinandergreifenden Finger. Der Betende bringt damit noch stärker seine Bindung zu Gott zum Ausdruck. Sie steht für eine tiefe Abhängigkeit von Gott.

Die bekannteste Abbildung von zusammengelegten Händen in der Kunst als Ausdruck des Betens sind die ‚Betenden Hände‘ von Albrecht Dürer.

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Bekannte Gebete

In Messen und Gottesdiensten werden gemeinsam laut Gebete gesprochen. Diese oft ritualisierten Gebete sind verbindend und stiften Gemeinschaft. Sie können aber auch von einem Gläubigen allein gesprochen werden, wenn ihm schwer fällt etwas zu formulieren.

Die nachfolgenden Gebete sind konfessionslos und werden in Messen und Gottesdiensten der Katholiken und Protestanten gesprochen:

Das Vater unser

„Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.“
(Matthäusevangelium 6,9-13)

Der gute Hirte

Ein Psalm Davids.
„Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“
(Psalm 23)

Das apostolische Glaubensbekenntnis

„Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.“

Irischer Segenswunsch

„Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen,
der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen,
der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen,
der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,
wenn du fällst und dich aus der Schlinge zu ziehen,
der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist,
der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen,
der Herr sei über dir, um dich zu segnen.“

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