Beziehung: Was ist wichtig in der Partnerschaft?

Eine Beziehung gibt Geborgenheit und vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden – im Idealfall. Denn manche Beziehungen beginnen rosig, enden aber in einem Rosenkrieg. Überhaupt haben sich Beziehungsmodelle verändert: Blieben Paare früher oft bis ans Lebensende zusammen, sind Scheidungen heutzutage keine Seltenheit mehr. Wer das verhindern will, muss an seiner Beziehung arbeiten. Was dafür wichtig ist und was eine Beziehung von einer Partnerschaft unterscheidet, erfahren Sie hier.

Beziehung: Was ist wichtig in der Partnerschaft?

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Definition: Was genau ist eine Beziehung?

Wann zwei Menschen eine Beziehung führen und wann noch nicht, lässt sich zum Teil nur schwer sagen. Gehen sie den offiziellen Weg über eine Hochzeit oder Verlobung, ist die Antwort klar. Zwischen dem Kennenlernen, sich sympathisch finden und einander näherkommen passieren allerdings viele Dinge. Erst nach und nach erlangt ein Paar die Stufe der Beziehung. Und wo die genau beginnt, definieren Paare für sich.

In einer Liebesbeziehung gilt das allgemein frühestens mit dem ersten Kuss. Manche vertreten die Ansicht, dass erst Sex miteinander Zeichen für ein festes Verhältnis sei. Gleichzeitig ist Sexualität nicht das einzige Merkmal, sonst wäre es lediglich eine Sexbeziehung. Im allgemeinen Verständnis kommen auf der intimen Ebene noch Leidenschaft und Zärtlichkeit hinzu. Aber auch Verlässlichkeit, gemeinsame Werte und Ziele zeichnen eine ernsthafte Beziehung aus.

Partnerschaft oder Beziehung?

Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass viele Begriffe Synonyme für Beziehung sind: Partnerschaft, Verhältnis, Liebes- oder Zweierbeziehung. Alle diese Begriffe lassen sich synonym verwenden – oder genauer ausdifferenzieren:

  • Beziehung

    Dieser Begriff besagt in seiner neutralen Bedeutung, dass ein Mensch Verbindungen zu einem anderen oder mehreren Menschen pflegt. Soziale oder zwischenmenschliche Beziehungen haben wir beispielsweise mit Freunden, zu unseren Nachbarn oder Kollegen. Der Begriff kann aber auch romantisch gemeint sein, etwa wenn jemand sagt, dass er eine „Beziehung führt“. Im Gegensatz zu den vorgenannten zeichnet sich diese Beziehungsart meist durch Romantik und Nähe aus.

  • Verhältnis

    Es kommt auch hier auf sprachliche Feinheiten an: Wir stehen in einem Verhältnis zu bestimmten Menschen (verwandtschaftlich, freundschaftlich…). Wenn jemand aber sagt, dass er ein Verhältnis hat, ist oft von einer Affäre die Rede. Meist handelt es sich dabei um flüchtige Liebschaften und nichts Ernstes.

  • Zweier- oder Liebesbeziehung

    Ebenfalls deutlich romantischer Natur sind Zweier- beziehungsweise Liebesbeziehungen. Während Beziehungen zwischen zwei Menschen meist auf Exklusivität ausgelegt sind, kann der Begriff Liebesbeziehung sich theoretisch auf romantische Gefühle zu mehreren Menschen beziehen.

  • Partnerschaft

    Der Begriff Partnerschaft kann ebenfalls eine neutrale Bedeutung haben. Ist die Liebesbeziehung zu einer anderen Person gemeint, soll er die Ernsthaftigkeit betonen. Der Begriff kommt häufiger bei unverheirateten Paaren vor, da diese seltener von ihrem „Mann“ oder ihrer „Frau“, sondern von Partner und Partnerin statt Freund und Freundin sprechen.

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Phasen einer Beziehung

Verschiedene Experten haben sich Gedanken über die Beschaffenheit von Beziehungen gemacht. Eines der bekanntesten Phasenmodelle stammt vom Paartherapeuten Roland Weber. Der identifiziert fünf verschiedene Phasen. Wenngleich diese sich nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen lassen: Die Einteilung gibt einen Überblick darüber, welche Phasen Paare meist durchlaufen.

1. Verliebtheit

Die Phase der Verliebtheit ist durch Schmetterlinge im Bauch und die sprichwörtliche „rosarote Brille“ gekennzeichnet: Beide Partner sind auf Wolke sieben und finden sich perfekt. Paare wollen am liebsten jede freie Minute miteinander verbringen und kapseln sich von ihrem sozialen Umfeld ab. Durchschnittlich drei bis 18 Monate dauert diese Phase.

2. Entzauberung

Meistens im zweiten Jahr der Beziehung beginnt die Phase der Entzauberung. Die Verliebtheit klingt ab, nun kehrt der Alltag ein. Beide beginnen, Macken und weniger erfreuliche Eigenheiten am jeweils anderen zu entdecken. Das kann nerven und führt zu Streit.

3. Machtkämpfe

In dieser Phase kommt es auf die Belastbarkeit der Beziehung an. Die Schwächen des Partners treten klar zutage. Vielen kommen nun erste Zweifel: Ist der Partner wirklich der richtige für mich? Es kommt häufiger zu Streitigkeiten, weil einer den anderen verändern will. Oft zeichnen sich diese Machtkämpfe im dritten Beziehungsjahr ab und erstrecken sich über mehrere Jahre. Schaffen Paare es nicht, ihre Konflikte beizulegen, münden sie in einer Beziehungskrise oder sogar dem Ende.

4. Persönlichkeitsentwicklung

Haben Paare es dank ihrer Kompromissfähigkeit bis hierhin geschafft, führen sie eine etablierte Beziehung. In diesem Fall kann man getrost von einer Partnerschaft sprechen. Meist sind beide zwischen vier und fünf Jahren zusammen. Die Partner haben die Schwächen und Fehler ihres Partners akzeptiert, die Machtkämpfe sind Schnee von gestern. Das eröffnet neue Kapazitäten für eigene Ziele und Projekte.

5. Liebe

Daran schließt sich die letzte Phase an, die durch tiefe Liebe gekennzeichnet ist. Nachdem beide miteinander einige Höhen und Tiefen durchgemacht haben, sind sie zu einem Team geworden. Man weiß, was man aneinander hat, schätzt die Verlässlichkeit, genießt das Vertrauen und die tiefe Verbundenheit. An diesem Punkt beschließen Paare, dauerhaft zusammenbleiben zu wollen.

Anzahl der Phasen und Dauer

Diese Darstellung ist natürlich idealtypisch. Ebenso wenig, wie sich die Phasen immer eindeutig voneinander abgrenzen lassen, lässt sich die Dauer exakt festmachen. Auch haben andere Modelle sechs Phasen und schalten vor die Verliebtheitsphase noch die Kennenlernphase. Die gehört aber strenggenommen nicht zur Zweierbeziehung – jedenfalls nicht, wenn man Kennenlernen als erste oberflächliche Begegnungen definiert.

Diese sind häufig durch fehlende Nähe charakterisiert: Denn noch bevor man sich persönlich begegnet kann man sich ebenso gut virtuell kennenlernen und lange Gespräche führen – beispielsweise über Singlebörsen. Ob es dann aber persönlich funkt und weitergeht, entscheidet sich erst später.

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Was ist wichtig in einer Beziehung?

Eine Beziehung bedeutet Beziehungsarbeit. Das fällt in der Verliebtheitsphase noch leicht, weil die Hormone dafür sorgen, dass man seinen Partner umwerfend findet. Spätestens wenn die Macken zutage treten, müssen Paare den Willen haben, ihre Beziehung fortzusetzen. Wenn Sie diese fünf Tipps beherzigen, können Sie ihre Partnerschaft aus der Phase der Machtkämpfe in die Phase der innigen Liebe überführen:

1. Freiraum lassen

Wer seine Beziehung beleben will, muss dem anderen auch mal Freiraum lassen – und ebenso eigene Interessen pflegen. Beide Partner sollten ihre eigenen Freundschaften und Hobbys pflegen.

2. Augenhöhe beibehalten

Beide Partner sollten gleichermaßen an Entscheidungen mitwirken können. Das muss nicht zwangsläufig denselben Bereich betreffen. Wichtig ist jedoch, dass nicht einer den anderen dominiert. Das schürt nur Unzufriedenheit und Minderwertigkeitsgefühle. Eine Beziehung auf Augenhöhe hingegen sorgt für Ausgleich.

3. Zeit miteinander verbringen

Ob in der Phase des Nestbaus oder im Ruhestand: Zeit zu zweit ist die Basis für eine glückliche Ehe. Gemeinsame Unternehmungen schaffen Erlebnisse zu zweit und verbinden. Schon fühlt sich die Beziehung und der Partner vertrauter an, auch sammeln Sie so Gesprächsstoff.

4. Konflikte lösen

Essentiell für eine funktionierende Beziehung sind Konflikte, die Sie gemeinsam mit Ihrem Partner oder Partnerin lösen. Vielleicht muss nicht jede Nichtigkeit ausdiskutiert werden. Entsteht aber der Eindruck, dass nur eine Meinung zählt, führt das auf Dauer zu großen Problemen.

5. Leidenschaft wachhalten

In langjährigen Beziehungen muss nicht zwangsläufig tote Hose herrschen. Intimität lässt sich zwar nicht nur an Sex festmachen. Aber Leidenschaft und Erotik sollten auch nicht auf der Strecke bleiben. Beide Partner sollten sich gegenseitig hin und wieder ihre Aufmerksamkeit versichern. Beispielsweise durch kleine Liebesbotschaften, Blumen oder Komplimente. Auch zärtliche Gesten wie Händchen halten stärken die Beziehung.

Beziehung retten oder beenden?

Obige Tipps können eine Beziehung retten – Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie rechtzeitig erkennen, wann es kriselt. Und dass beide Partner daran interessiert sind, ihrer Beziehung eine neue, positive Wendung zu geben. Manchmal schaffen Paare das trotz aller Bemühungen nicht allein.

In so einem Fall können Sie auf eine Paartherapie oder Eheberatung zurückgreifen. Mithilfe eines Therapeuten schauen Sie gemeinsam auf die Konflikte und lernen einen neuen Umgang miteinander. In anderen Fällen kann es jedoch sein, dass Sie die Beziehung beenden müssen. Beispielsweise wenn dem Beziehungsende ein gravierender Vertrauensbruch vorausgeht. Manche Menschen können in solchen Situationen nicht verzeihen.

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Neue Beziehungsmodelle begünstigen Wechsel

Jeder Mensch will geliebt werden – diese „Aufgabe“ überträgt man gerne einem festen Partner. Der soll nicht einfach nur Lebensgefährte, sondern Seelenverwandter und Geliebter in einem sein. Das romantische Ideal ist gesellschaftlich gesehen noch eine recht neue Erfindung. Bis ins 20. Jahrhundert war es auch hierzulande keine Seltenheit, reine Versorgungsehen einzugehen. Oder man heiratete unter strategischen Gesichtspunkten – wie im Adel auch heute teilweise noch üblich. Erst mit der Epoche der Romantik rückten Emotionen wie Leidenschaft und Liebe stärker in die öffentliche Wahrnehmung. Liebesbeziehungen waren zunehmend die Regel.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sorgten zudem zwei Faktoren für umwälzende Veränderungen: In der Gesellschaft im Allgemeinen und in Zweierbeziehungen im Speziellen. Eine veränderte Sexualmoral und „die Pille“ zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften traten eine sexuelle Revolution los. Vorehelicher Geschlechtsverkehr war keine Ausnahme mehr und ließ sich nötigenfalls leichter verbergen. Zum anderen stieg die Erwerbstätigkeit von Frauen im Vergleich zum vorigen Jahrhundert an. Eine Ehe zum Zwecke der Absicherung war damit nicht mehr zwangsläufig notwendig.

Lebensabschnittsgefährte statt Ehepartner

Die beschriebenen Veränderungen wirken sich auf das Beziehungsleben von Menschen aus. Zu Zeiten der eigenen Großeltern war es noch üblich, dass Paare ihre Beziehung (aus Liebe) durch ein Ehegelöbnis besiegelten. Selbst wenn die Liebe irgendwann erloschen war, blieben sie meist zusammen – aufgrund innerer und äußerer Umstände. Genau die sind weggefallen: Paare wohnen unverheiratet zusammen, Frauen verdienen ihr eigenes Geld. Es besteht keine Notwendigkeit mehr, aus anderen Gründen als Liebe zusammenzubleiben.

Dementsprechend häufig kommt es zu Trennungen. Am ehesten ist das an der Scheidungsrate zu erkennen. Lag diese noch bei knapp 11 Prozent in den 1960er Jahren, ließen sich kurz nach der Jahrtausendwende mehr als die Hälfte aller Paare (51,92 Prozent) scheiden. Derzeit liegt die Quote mit knapp 40 Prozent wieder etwas niedriger. Dennoch ist ein klarer Trend erkennbar: Paare trennen sich leichter. Selbst noch nach der Silberhochzeit. Im letzten Jahr gab es die meisten Scheidungen unter Paaren, die mehr als 26 Jahre miteinander verheiratet waren.

Vielfältige Beziehungsmodelle

Viele Ehepaare kommen im Schnitt aber noch nicht mal über sieben Jahre. Und beginnen anschließend mit einem neuen Partner eine neue Beziehung. Je nach Alter gründen viele noch einmal eine Familie – Männer wie Frauen. Es entstehen Patchworkfamilien: Ein Partner bringt Kinder aus der vorherigen Ehe/Beziehung mit in die neue. Manchmal kommen neue Geschwister hinzu. Wer heutzutage 30 Jahre alt ist, hat mehr Beziehungen (und Trennungen) hinter sich als ein 60-Jähriger – auch wenn der rein altersmäßig doppelt so viel Zeit hatte. Soziologen sprechen daher auch von seriellen Beziehungsmustern im Vergleich zur früheren Kontinuitätsbiografie.

Und nicht nur die Anzahl hat sich geändert: Auch mit Blick auf die Beziehungsformen ist die Gesellschaft deutlich transparenter und offener geworden. Natürlich sind Seitensprünge, Affären oder offene Beziehungen keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Allerdings hat die Akzeptanz zugenommen. Erkennbar ist das nicht nur an Seitensprungportalen im Internet, sondern auch an öffentlich diskutierten Beziehungsmodellen wie Polyamorie.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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