Blutarmut: Der Leistungsschwäche auf der Spur

Der Begriff Blutarmut ist eigentlich ungenau. Handelt es sich doch dabei nicht um einen Mangel an Blut, sondern vielmehr um eine zu geringe Anzahl von roten Blutkörperchen beziehungsweise Blutfarbstoff. Dadurch kommt es zu einem Nährstoffmangel, der durchaus bedrohlich werden kann.

Wie es zu einer Blutarmut kommt, wie sie sich äußert und was Sie dagegen tun können, soll an dieser Stelle genauer beleuchtet werden.

Blutarmut: Der Leistungsschwäche auf der Spur

Was ist Blutarmut?

Die Blutarmut – medizinisch als Anämie bezeichnet – ist ein Mangel an Hämoglobin (also dem Molekül, das für den roten Blutfarbstoff verantwortlich ist) beziehungsweise an Erythrozyten (also den roten Blutkörperchen). Beide Werte können miteinander zusammenhängen, müssen es aber nicht. Beides führt zu einem deutlichen Absinken der Menge an Blutzellen, des sogenannten Hämatokritwertes.

Durch die niedrigen Werte kann weniger Sauerstoff in die Zellen hinein- und weniger Kohlendioxid aus diesen abtransportiert werden. Die Folge ist eine Unterversorgung an Nährstoffen: Die Zellen können nicht mehr wie gewohnt arbeiten, der Stoffwechsel ist gestört. Dies äußert sich bei vielen Betroffenen in einer allgemeinen Schwächung. Das betrifft zum einen das Allgemeinbefinden, zum anderen auch die Leistungsfähigkeit.

Da eine Blutarmut nur die roten und nicht die weißen Blutkörperchen betrifft, ist die Immunabwehr in der Regel nicht eingeschränkt. Das Blut, das im Körper zirkuliert, ist also nicht weniger geworden, nur die Zusammensetzung ist nicht mehr so wie sie sein sollte. Dies bringt den kompletten Organismus schließlich aus dem Gleichgewicht.

Symptome von Blutarmut

Da die Körperzellen nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden, macht sich dies in einem schwachen Allgemeinzustand bemerkbar. Je nachdem, welche Bereiche vorrangig davon betroffen und eventuell sowieso schon durch andere Beeinträchtigungen geschwächt sind, kommt es zu einem oder mehrerer folgender Symptome:

  • Müdigkeit
    Der ganze Körper fühlt sich trotz ausreichend Schlaf müde und schlapp an. Es kommt in der Folge zu Konzentrationsschwächen.
  • Kopfschmerzen
    In unserem Gehirn merken wir eine Unterversorgung am schnellsten, da hier die meiste Energie benötigt wird. Starke, schwer lokalisierbare Kopfschmerzen sowie Schwindelgefühle sind die Folge.
  • Herz-Kreislauf-Probleme
    Da der Körper nach mehr Sauerstoff verlangt, erhöht sich die Atemfrequenz. Es kommt zu Kurzatmigkeit und bei der geringsten Belastung zu Herzrasen. Mittelfristig kann dies zu einem Herzinfarkt führen.
  • Hautblässe
    In den Hautzellen sieht man die Unterversorgung mitunter auch von Außen. Die Haut wird weiß, fahl und wirkt weniger elastisch, da sich die Blutgefäße darin verengen.
  • Schweißausbrüche
    In Folge der Blutarmut arbeitet unser Organismus auf Hochtouren, selbst wenn wir ruhig da sitzen. Dies hat schon bei der geringsten Belastung eine erhebliche Schweißbildung zur Folge.

Wenn Sie über mehrere Wochen unter einem oder mehreren dieser Symptome leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und abklären lassen, ob es sich dabei um Blutarmut handelt.

Tipp: Blutarmut vorbeugen

Blutarmut ist häufig die Folge von Mangelernährung. Gerade Folsäure, Eisen und das Vitamin B12 sind dabei oft nicht in ausreichender Menge im Körper vorhanden.

Bevor Sie aber vorschnell zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, sollten Sie sich vielmehr Gedanken über eine ausgewogene Ernährung machen. Womöglich reicht es schon, den Speiseplan etwas umzustellen. Einige Nahrungsmittel, die bei Blutarmut helfen können, sind zum Beispiel:

  • Spinat
  • Salat
  • Kohlgemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Spargel
  • Leber
  • Fisch
  • Eier
  • Milchprodukte
  • Vollkornprodukte
  • Nüsse

Blutarmut: die Ursachen

Der Grund, warum es zur Blutarmut kommt, ist immer ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Neubildung von Blutzellen und dem Abbau der alten Zellen. Dies kann zwei verschiedene Gründe haben:

  • Veränderungen der Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden – hervorgerufen durch Knochenmarkserkrankungen, Mangelernährung oder Nierenerkrankungen
  • Überproportionaler Verlust der roten Blutkörperchen durch äußere oder innere Blutungen, Infektionen, Überlastung der Milz, bestimmte Medikamente oder allgemeine Störungen des Stoffwechsels

Dabei kommt eine Erkrankungen der Stammzellen im Knochenmark eher selten vor. Viel häufiger ist eine Veränderung, die durch eine Mangelernährung hervorgerufen wird. Wird diese behoben und dem Organismus wieder vermehrt das fehlende Eisen, Vitamin B 12 sowie Folsäure zugeführt, funktioniert die Blutbildung wieder normal.

Gerade Eisenmangel ist dabei relativ häufig die Ursache für Blutarmut. Insbesondere Personen, die unter Darmerkrankungen leiden oder sich vegetarisch ernähren, müssen diesen Stoff anderweitig zuführen, um den Mangel auszugleichen.

Liegt die Ursache für die Blutarmut hingegen in einem zu starken Verlust der Blutzellen, gilt es, zunächst diese zu behandeln. Bei Blutungen (zum Beispiel durch Geschwüre) oder einer Vergrößerung der Milz werden ansonsten zu viele der Zellen dauerhaft aus dem Körper geschwemmt.

Untersuchungen und Therapie bei Blutarmut

Wenn Sie mit den oben genannten Symptomen Ihren Arzt aufsuchen, wird dieser zunächst im Gespräch eine sogenannte Anamnese erheben. Dies bedeutet, dass er sich ein Bild macht, welche Gewohnheiten, Vorerkrankungen und eventuelle medikamentöse Behandlungen bei Ihnen vorhanden sind. Dies ist wichtig, damit er bereits einen ersten Verdacht auf eine eventuelle Blutarmut vermuten und Sie gezielt darauf hin untersuchen kann.

Zudem wird Sie Ihr Arzt auch körperlich untersuchen. Dies beginnt mit der Inaugenscheinnahme der Haut und der Schleimhäute – zum Beispiel in Mund und Augen, sowie mit dem Abhören von Herzschlag und der Messung von Puls und Blutdruck. Auf diese Weise kann er gegebenenfalls eine Blutarmut als Ursache mitunter ausschließen.

Verhärtet sich jedoch der Verdacht, benötigt der Arzt weitere Parameter, um eine Blutarmut und eine eventuelle Ursache genau feststellen zu können. Diese zeigen sich nur im sogenannten „kleinen Blutbild“. Ihnen wird also Blut abgenommen und im Labor genau untersucht. Dabei wird genau auf die Anzahl der roten Blutkörperchen und des roten Blutfarbstoffs geachtet, um den Hämatokritwert bestimmen zu können.

Je nach Höhe dieser Werte kann dann im Anschluss genau eine Blutarmut diagnostiziert werden. Um wiederum die exakte Ursache feststellen zu können, sind weitere Untersuchungen im Labor nötig. So wird unter dem Mikroskop sowohl die Zusammensetzung des Blutes als auch das Erscheinungsbild der Blutzellen analysiert. Diese Analyse ist auch als „großes Blutbild“ bekannt.

Je nachdem, welches Ergebnis sich daraus ergibt, wird eine entsprechende Therapie eingeleitet:

  • Zeigt sich ein Eisenmangel oder ein Mangel an Vitamin B 12 oder Folsäure, werden entsprechende Nahrungsergänzungspräparate verschrieben beziehungsweise eine Ernährungsumstellung empfohlen.
  • Zeigen sich Hinweise auf eine Blutung, sind weitere Untersuchungen notwendig. Womöglich liegt der Blutarmut eine Darm-Erkrankung oder ein unentdecktes Magengeschwür zugrunde, welches entsprechend behandelt werden muss. Unter Umständen muss auch eine Bluttransfusion erfolgen.
  • Ist die Ursache eine Infektion oder ein Parasitenbefall, so müssen diese medikamentös bekämpft und ursächlich behandelt werden.
  • Sind bestimmte Medikamente für die Blutarmut verantwortlich, ist es dringend erforderlich, dass die Medikation für den Patienten entsprechend angepasst wird.
  • Liegt der Blutarmut eine Nierenschädigung zu Grunde, so muss diese entsprechend behandelt werden. Näheres dazu finden Sie in unserem entsprechenden Artikel über Nierenschmerzen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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[Bildnachweis: Phonlamai Photo by Shutterstock.com]
16. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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