Blutgruppe: Was sagt sie aus?

Wissen Sie eigentlich, welche Blutgruppe Sie haben? Und was sie bedeutet? Die wenigsten Menschen wissen das genau. Dabei kann das im Ernstfall lebensrettend sein. Nämlich dann, wenn Sie schnell eine Bluttransfusion benötigen.

Daher beleuchten wir an dieser Stelle das wichtige Thema der Blutgruppen genauer: Welche gibt es? Wer kann welche Blutgruppe bei einer Blutspende empfangen? Wie lässt sich die Blutgruppe bestimmen?

Blutgruppe: Was sagt sie aus?

Welche Blutgruppen gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Blutgruppe einzuteilen. Die beiden wichtigsten – da weltweit gebräuchlichsten – ist die Einteilung in die Blutgruppen A, B, AB und Null, sowie die Unterscheidung nach dem Rhesusfaktor (also positiv und negativ). Soweit werden die meisten Menschen das wissen.

Die Frage ist, was das genau bedeutet. Um das zu verstehen, muss man zunächst auf die roten Blutkörperchen schauen. Diese Zellen, die für den Sauerstofftransport in die Zellen verantwortlich sind, besitzen an ihrer Außenhaut (der sogenannten Membran) verschiedene Eiweiße (sogenannte Antikörper oder – gene), die sich in zwei Gruppen einteilen lassen: A oder B. Besitzen sie keine dieser Antigene, spricht man von Blutgruppe Null, besitzen sie beide, so hat diese Person die Blutgruppe AB. Je nach Zuordnung zu einer bestimmten Blutgruppe sieht auch die Oberflächenstruktur der roten Blutkörperchen unterschiedlich aus.

Zu den zwei Antigenen A und B gibt es noch einen weiteren Antikörper, der sich auf der Membran der Blutkörperchen befinden kann: Das sogenannte D-Antigen. Dieses ist bei manchen Menschen vorhanden, bei anderen nicht – völlig unabhängig von der Einteilung in die Blutgruppen A, B, AB oder Null. Das D-Antigen bestimmt den sogenannten Rhesusfaktor: Ist es vorhanden, so ist diese Person Rhesus-positiv, fehlt es, so ist sie Rhesus-negativ. Einfacherweise wird dies meist mit einem Plus- oder einem Minuszeichen gekennzeichnet.

In Deutschland sind die Blutgruppen unterschiedlich häufig verteilt. Im Einzelnen sieht die Verteilung folgendermaßen aus:

  1. 37 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe A+
  2. 35 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe 0+
  3. 9 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe B+
  4. 6 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe A-
  5. 6 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe 0-
  6. 4 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe AB-
  7. 2 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe B-
  8. 1 Prozent der Deutschen haben die Blutgruppe AB-

Wie vertragen sich die Blutgruppen miteinander?

Die Blutgruppe eines Menschen bleibt das ganze Leben lang gleich. Das bedeutet auch, dass er im Notfall, wenn er eine Blutspende benötigt, auch nur für bestimmte Blutgruppen empfänglich ist. Erhält er bei einer Bluttransfusion eine unpassende Blutgruppe, führt dies zu einer Verklumpung des Blutes und zu einer heftigen Immunreaktion. In vielen Fällen ist der Tod die Folge.

Ebenfalls spielt die unterschiedliche Blutgruppe bei der Abstammung eine Rolle, denn Blutgruppen sind erblich. Haben die Eltern zum Beispiel die Blutgruppe A und B, so kann das Kind niemals Blutgruppe Null haben. Entweder setzt sich in einem solchen Fall eine Blutgruppe durch oder es entsteht die seltene Mischform AB.

Wer nun wissen möchte, welche Blutgruppen im Falle einer Bluttransfusion zueinander passen, muss zunächst einmal bestimmen, ob er Spender oder Empfänger einer Blutspende ist. So gilt zum Beispiel die Blutgruppe Null negativ (0-) als Allzweckwaffe für Blutspenden. Ärzte sprechen salopp auch von „goldenem Blut“. Da sie keinerlei Antigene besitzt, die mit einer anderen Blutgruppe reagieren könnte, eignet sie sich für jede Transfusion.

Umgekehrt sieht es jedoch aus, wenn eine Person mit dieser Blutgruppe selbst auf eine Spende angewiesen ist. Für sie kommt keine andere Blutgruppe außer der eigenen in Betracht. Schaut man auf die obige Statistik, können also in Deutschland nur sechs Prozent der Blutspenden überhaupt für dieses Beispiel verwendet werden.

Die genaue Verträglichkeit sieht folgendermaßen aus:

  • Blutgruppe AB+
    Diese Gruppe kann jedes Blut empfangen, aber nur Personen mit der Blutgruppe AB+ selbst spenden.
  • Blutgruppe AB-
    Diese Gruppe kann das Blut aller Rhesus-negativen empfangen, also 0-, A-, B-, AB-. Spenden kann sie aber nur allen der Blutgruppe AB; egal, ob positiv oder negativ.
  • Blutgruppe A+
    Diese Gruppe kann die Blutgruppen A und 0 empfangen, unabhängig des Rhesusfaktors. Spenden kann sie der Blutgruppe A+ und AB+.
  • Blutgruppe A-
    Diese Gruppe kann die Blutgruppen A- und 0- empfangen. Spenden kann sie der Blutgruppe A und AB, unabhängig vom Rhesusfaktor.
  • Blutgruppe B+
    Diese Gruppe kann die Blutgruppen B und 0 empfangen, unabhängig des Rhesusfaktors. Spenden kann sie der Blutgruppe B+ und AB+.
  • Blutgruppe B-
    Diese Gruppe kann die Blutgruppen B- und 0- empfangen. Spenden kann sie der Blutgruppe B und AB, unabhängig vom Rhesusfaktor.
  • Blutgruppe 0+
    Diese Gruppe kann nur die Blutgruppe 0 empfangen, unabhängig vom Rhesusfaktor. Spenden kann sie allen Blutgruppen mit einem positiven Rhesusfaktor.
  • Blutgruppe 0-
    Diese Gruppe kann wie erwähnt jedem Menschen Blut spenden, jedoch nur Blut der selben Blutgruppe empfangen.

So lässt sich die Blutgruppe bestimmen

Soweit, so gut. Doch woher weiß man nun, welche Blutgruppe man selbst hat? Dies lässt sich in der Tat recht unkompliziert und zügig beim Hausarzt bestimmen. Wenn Ihr Blut aufgrund einer medizinischen Behandlung überprüft und analysiert werden muss, ist das in der Regel für Sie kostenlos, da dies von der Krankenkasse bezahlt wird. Andernfalls müssen Sie Kosten selbst tragen, die sich jedoch unter fünfzig Euro belaufen. Nach einer Wartezeit von etwa einer Viertelstunde steht Ihr Ergebnis dann fest.

Kostenlos und im Übrigen sehr viel eleganter ist eine Blutgruppenbestimmung im Rahmen einer Blutspende. Da Ihr Blut sowieso auf Reinheit und Blutgruppe untersucht werden muss, erhalten Sie auch im Anschluss auch gleich das Ergebnis der Blutuntersuchung mitgeteilt.

In beiden Fällen erhalten Sie einen Blutgruppenausweis, den Sie bei sich tragen können. Kommt es im Falle eines Unfalls dazu, dass Sie auf eine Bluttransfusion angewiesen sind, kann hier wertvolle Zeit eingespart werden, die ansonsten für eine Blutgruppenanalyse notwendig wäre. Und in solch einem Fall kann jede Minute entscheidend sein.

Tipp: Der Blutgruppen-Schnelltest für Zuhause

In Apotheken werden außerdem auch Blutgruppen-Schnelltests für ungefähr zwanzig bis dreißig Euro angeboten. Diesen Test können Sie problemlos daheim durchführen und Sie erhalten sofort ein Ergebnis. Solch ein Schnelltest ist jedoch nie zu einhundert Prozent sicher, weswegen er in dieser Form von Ärzten nicht genutzt wird. Wer es dennoch versuchen möchte – der Ablauf ist einfach:

  1. Sie stechen sich mit dem mitgelieferten, sterilen Stift in die zuvor desinfizierte Fingerkuppe und drücken etwas, bis ein Tröpfchen Blut kommt.
  2. Sie nehmen das Blut mit insgesamt vier kleinen Spateln ab und verteilen es nach der Gebrauchsanweisung auf vier Felder einer mitgelieferten Pappkarte. Diese ist mit verschiedenen Eiweißen versehen, mit denen das Blut entsprechend reagiert oder auch nicht. Dazu müssen Sie die Karte etwas hin und her drehen.
  3. Nach kurzer Zeit ergibt sich ein Muster, das Sie mit einem mitgelieferten Vordruck abgleichen können. Je nach optischer Verteilung können Sie dann ganz leicht Ihre Blutgruppe ablesen.
  4. Diese Karte lässt sich mit einer durchsichtigen Plastikfolie überkleben, sobald das Blut darauf getrocknet ist. So können Sie diese immer bei sich tragen.

Welche Blutgruppe ist die beste?

Die Frage nach der besten Blutgruppe ist naturgemäß nicht einfach zu beantworten. Zum einen ist es ja nicht so, dass Sie dabei eine Wahl hätten, so wie vor einem Supermarktregal. Zum anderen kommt es selbstverständlich auf die Perspektive an.

Jeder Arzt wird sich über Ihre Blutgruppe Null negativ freuen, da Ihr Blut für Blutspenden wahrhaft wertvoll ist. Im Gegenzug ist es für Sie sicher von Vorteil, wenn Sie die Blutgruppe AB positiv haben, damit Sie bei einer benötigten Bluttransfusion jedes Blut empfangen können.

Es gibt jedoch noch eine andere Perspektive. Verschiedene Forscherteams beschäftigen sich seit längerem damit, welchen Einfluss die Blutgruppe auf den Verlauf von Krankheiten hat. Dies ist zum Beispiel interessant in Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. So ergibt zum Beispiel eine Studie der Medizinischen Universität Graz, die von Eva Maria Matzhold und Thomas Wagner durchgeführt wurde, dass Personen mit der Blutgruppe Null (unabhängig vom Rhesusfaktor) anscheinend weniger heftig auf das Virus reagieren. Am heftigsten reagierten Personen mit der Blutgruppe A.

Dies betrifft wohl gemerkt nicht die Ansteckungsgefahr, sondern lediglich den möglichen Verlauf der Infektion. Diese Ergebnisse sind jedoch noch zu frisch, um eine hundertprozentige Aussagekraft zu haben. Weitere Studien sind in diesem Zusammenhang noch abzuwarten – ebenso die Frage, warum dies so ist.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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6. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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