Campen: Comeback eines Reisestils

Das früher noch als spießig belächelte Campen erlebt seit einigen Jahren ein Comeback – nicht nur aufgrund der Pandemie. Der Umsatz an Zelten, Wohnmobilen und Wohnanhängern hat zuletzt stark zugenommen – Tendenz weiterhin steigend.

Warum besinnen sich immer mehr Urlauber darauf, wie ihre Eltern und Großeltern verreist sind? Wie sieht das Campen heutzutage aus? Welche Angebote erwarten Überzeugungs- sowie Neu-Camper?

Wir haben uns auf Spurensuche nach dem Phänomen Camping-Urlaub begeben und beleuchten den Markt und die Möglichkeiten, sowie die Argumente, die für oder gegen das Campen sprechen.

Campen: Comeback eines Reisestils

Definition: Was versteht man unter Campen?

Der Begriff Camping beziehungsweise das Campen leitet sich vom englischen Begriff „Camp“ ab – also eine provisorische Übernachtungsgelegenheit, die schnell auf- und abzubauen ist, aber dennoch einen gewissen Schutz vor Wind, Wetter und wilden Tieren bietet. Der ursprüngliche Wortstamm kommt aus dem Lateinischen: Campus bedeutet hier schlicht „Feld“.

In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begann Camping zum ersten Mal populär zu werden. Die Menschen konnten sich nach dem ersten Weltkrieg zum ersten Mal ein paar kleine Annehmlichkeiten leisten, zudem wurde in vielen Ländern der gesetzliche Urlaubsanspruch eingeführt. Die Regeneration in der Natur gewann an Bedeutung. So kam es, dass immer mehr Menschen für einige Tage oder zumindest übers Wochenende eine kleine Auszeit suchten, um beispielsweise an einem schönen See ihr Zelt aufzubauen und ihr Gummiboot zu Wasser zu lassen.

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte das Campen ein erstes Comeback, gerade in Deutschland. In den 50er-Jahren urlaubten die Bundesbürger zunächst in heimischen Gefilden, doch schon bald zog es sie auf die Campingplätze am Gardasee und im restlichen Norditalien.

Mit der Zeit wurde das kleine Zelt vielerorts durch den Wohnanhänger und später durch das Wohnmobil, den sogenannten „Camper“ ersetzt. Diese boten den Vorteil, dass es zumindest etwas mehr Platz und stabile Wände zur Übernachtung gab. Allerdings wurden mit der Zeit diese Camper auch zum Ärgernis für andere, da sie bei ihrer Alpenüberquerung meist kilometerlange Autokolonnen hinter sich her zogen.

Mit dem Aufkommen des Pauschalurlaubs und dem steigenden Einkommen bekam das Campen mehr und mehr den Ruf des spießigen Arme-Leute-Urlaubs. Doch seit einigen Jahren genießen es immer mehr Menschen, mit dieser Art von Ferien zurück zur Natur zu finden und vor allem unabhängig und frei zu sein.

Heute gibt es mannigfaltige Möglichkeiten für einen Camping-Urlaub:

  • Traditionelles Campen mit Zelt in der Natur – meist von Wanderern oder Radfahrern praktiziert
  • Campen auf einem Campingplatz, wovon manche inzwischen mit vielen Annehmlichkeiten ausgestattet sind
  • Glamping (Kurzform für „glamourous camping“), also das Luxuscamping mit zum Beispiel Wellness-Angeboten und noblen Restaurants
  • Das Wintercamping in Eis und Schnee
  • Dauercamping, das insbesondere in den USA für viele Rentner das eigene Heim komplett ersetzt hat
  • Aktivcamping mit speziellen Angeboten für den Abenteuerurlaub in Naturcamps in einer abgeschiedenen Gegend

Was Urlauber am Campen reizt

Wenn man Camping-Urlauber fragt, was sie am Campen reizt, dann erhält man meist als erstes die Antwort, dass dies vor allem das Freiheitsgefühl sei. Dies ist auch verständlich, denn man kann sich unabhängig von irgendwelchen Vorausbuchungen sowie Flug- oder Bahnplänen nahezu überall dort niederlassen, wo man möchte – sofern man sich an bestimmte Gesetze hält, also zum Beispiel nicht wild campt, was in vielen Ländern verboten ist. Inzwischen verfügt fast jeder kleinere Ort über einen Campingplatz.

Weitere Argumente, die für das Campen sprechen, sind zudem:

  • Natur
    Viele führen die Natur als Grund fürs Campen an. Man ist viel an der frischen Luft, kann den Sternenhimmel genießen und muss sich nicht am überfüllten Hotelbuffet drängeln. Ein Stück Romantik statt Massenunterkunft.
  • Gepäck
    Ein weiterer Vorteil vom Campen ist, dass die Urlauber insbesondere in einem Wohnmobil reichlich Gepäck mitnehmen können. So verfügen viele der Fahrzeuge über reichlich Stauraum für Vorräte oder die eigenen Fahrräder.
  • Heimat
    Obwohl der Camping-Urlaub fernab von zuhause stattfindet, haben die Camper dennoch immer ein Stück Heimat dabei – auch wenn alles mindestens zwei Nummern kleiner ist. Sei es das Essen, der Lieblingsliegestuhl oder schlichtweg im Falle des Zeltens der eigene Schlafsack, der für begrenzte Zeit zu einem sehr bescheidenen Heim wird.
  • Spontanität
    Heute hier, morgen dort: Zwar müssen beliebte Campingplätze in der Hochsaison meist auch schon Wochen oder gar Monate im Voraus gebucht werden, doch die meisten Camper genießen es, spontan in die Ferien fahren zu können. Dazu kommt die Abwechslung, bei Bedarf den Ort jederzeit wechseln zu können.

Tipp: Diese Trends bietet das Camping

Es ist sicherlich romantisch, traditionell im Zelt am Lagerfeuer in der Natur zu sitzen und Bohnen aus der Dose zu essen. Diese Rückbesinnung aufs Wesentliche übt für viele Urlauber immer noch seinen Reiz aus – gerade in jungen Jahren, wenn das Erleben und das Abenteuer im Vordergrund steht und nicht die Bequemlichkeit.

Im Alter jedoch möchten viele nicht auf ein Mindestmaß an Luxus verzichten. Daher hat sich das Angebot im Bereich Camping in den letzten Jahren dahingehend verändert.

Der Trend geht daher eindeutig zum Wohnmobil, dem Camper. Anders als in den USA ist die Nachfrage nach riesigen LKW-ähnlichen Ungetümen in Europa eher gering. Aufgrund der engen Städte, der Parkplatznot, den Mautgebühren und den Führerscheinanforderungen stehen kleine, günstige und kompakte Vans hoch im Kurs. Diese sind bisweilen top ausgestattet: Mit kleiner Nasszelle, Kochnische, Dachaufbau und sogar Solaranlagen.

Gute und wendige Einsteigermodelle sind bereits für um die 40.000 Euro zu haben. Wer sich kein solches Fahrzeug dauerhaft kaufen möchte, kann auch eines mieten: ab 75 Euro pro Tag inklusive Nebenkosten sind schon gute Modelle erhältlich. Für Langzeit-Camper gibt es zudem Abo-Modelle, die sich über drei, sechs oder neun Monate abschließen lassen.

Wenn man bedenkt, was eine Hotelübernachtung und ein Miet-PKW kosten, dann rechnet sich das schnell, auch wenn man die Gebühren für den Campingplatz noch hinzurechnen muss.

Ebenfalls im Trend liegen Klapp- oder Dachzelte für den eigenen PKW. Da auf den Straßen immer mehr übergroße Fahrzeuge der Kategorie SUV unterwegs sind, reicht das Platzangebot den meisten Camping-Urlaubern zum Übernachten. Das Duschen und die Verpflegung ist in der Regel auf dem Campingplätzen gewährleistet.

Nicht neu aber immer noch großer Beliebtheit erfreuen sich die Mobile Homes auf dem Campingplätzen. Für kleines Geld lassen sich komplette Bungalows mieten – eine weitaus günstigere Variante als eine Ferienwohnung, auch wenn die Optik von außen oft der eines Containers gleicht.

Kritik am Campen

Wo es Fans gibt, da gibt es auch immer Gegner. Die Kritik am Campen hält sich seit Jahrzehnten. Teils sehr unsachlich, aber mitunter auch mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten:

  • Gerade die großen Camper haben eine miserable CO2-Bilanz und sind somit genau das Gegenteil von nachhaltigem und ökologischem Urlaub.
  • Camping-Urlaube – gerade auf Campingplätzen – sind oft wenig erholsam. Insbesondere der Lärm der vielen anderen Urlauber wird weder durch eine Zeltwand, noch durch die Wände eines Campers oder eines Mobile Homes nennenswert gedämpft.
  • Auch wenn sich viele Campingplätze durchaus bemühen: Die Sanitäranlagen dort sind häufig Keimschleudern. Auch wenn auf Sauberkeit großen Wert gelegt wird – wo viele Personen auf engem Raum den gleichen Ort nutzen, entstehen eben Dreck und Infektionsherde.
  • Die Wetteranfälligkeit eines Camping-Urlaubs kann den Traum schnell zum Albtraum werden lassen. Wer bei Dauerregen das eigene Wohnmobil nicht verlassen kann, fühlt sich schnell eingesperrt. Erholung? Fehlanzeige!

Inwieweit sich Vor- und Nachteile beim Campen gegeneinander aufwiegen oder welche Argumente individuell von Bedeutung sind, kann nur jeder für sich beurteilen. Fakt ist: Am Camping spalten sich die Geister zwischen überzeugten Liebhabern und Camping-Hassern.

Tipp: Camping international

Wer mit dem Camper oder dem Zelt durch fremde Länder reist, sollte einiges beachten, denn nicht überall sind die Regelungen gleich. Ein kleiner Überblick über die beliebtesten Ziele zum Campen:

  • In Deutschland, Österreich, Kroatien und Italien ist das wilde Campen verboten. Das bedeutet, dass es nur auf ausgewiesenen Campingplätzen erlaubt ist, sich häuslich nieder zu lassen. Wer mit einem Camper unterwegs ist, kann dieses jedoch meist über Nacht auf einem Parkplatz abstellen – dort sollten Sie jedoch weder Vorzelt, noch Stühle oder Kochutensilien nach außen auspacken, da dies dann nicht mehr als Parken gilt sondern als Camping.
  • In der Schweiz ist es gestattet, sein Zelt überall oberhalb der Baumgrenze aufzubauen. Dieses Biwak darf jedoch nicht in die Natur eingreifen – in Nationalparks und Naturschutzgebieten ist es somit tabu und auch der Müll und andere Hinterlassenschaften müssen selbstverständlich wieder mitgenommen werden.
  • In den skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland herrscht das Jedermannsrecht. Dies bedeutet, dass es gestattet ist, auf unkultiviertem Gebiet mit dem Zelt zu campen, sofern ein Mindestabstand zum nächsten bewohnten Gebäude von 150 Metern eingehalten wird. Doch auch hier müssen Sie das Land genauso hinterlassen, wie sie es vorgefunden haben.

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[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
10. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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