Cholera: Gefahr in exotischen Gebieten

Fremde Länder locken mit allerhand Sehenswürdigkeiten. Leider sind gerade exotischere Regionen nicht immer frei von Risiken. Cholera ist so ein Risiko, das Sie eingehen, wenn Sie in bestimmte Gebiete reisen. In westlichen Zivilisationen stellt diese Krankheit keine Gefahr mehr dar. Aber mit der touristischen Erschließung ferner Länder werden Reisende wieder mit stärker mit den Erregern konfrontiert, so dass eine bakterielle Infektion mit dem Cholera-Erreger nicht unwahrscheinlich ist. Welche Symptome Cholera hat, wie Sie sich schützen können und wie eine Behandlung im Falle der Erkrankung verläuft…

Cholera: Gefahr in exotischen Gebieten

Definition: Was ist Cholera und wodurch wird es verursacht?

Cholera ist eine schwere Durchfallerkrankung, ausgelöst durch das Bakterium Vibrio cholerae. Betroffen sind davon sowohl Kinder als auch Erwachsene. Riskant sind für den Menschen vor allem die beiden Untergruppen O1 und O139. Wer sich damit infiziert, kann infolge an extremen Durchfall (sogenanntem „Reiswasserstuhl“) und starkem Erbrechen leiden.

Nicht immer merken Betroffene, dass sie sich mit Cholera infiziert haben – der Durchfall verläuft meist schmerzfrei und vier von fünf Erkrankten haben nur leichten Durchfall. Die Mehrheit der Erkrankten (die Techniker Krankenkasse gibt 90 Prozent an) hat überhaupt keine Symptome – allerdings werden die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden.

Was nicht weiter tragisch klingt, ist in den auftretenden Gebieten lebensbedrohlich: Wird nicht umgehend behandelt, kann Cholera einen tödlichen Verlauf nehmen. Der häufige Brechdurchfall führt dazu, dass die Erkrankten einen sehr starken Flüssigkeitsverlust erleiden, der mit einem massiven Elektrolytmangel einhergeht.

Cholera ist in Deutschland und in Österreich meldepflichtig. Hierzulande gab es in den letzten Jahren kaum Cholera-Erkrankungen – vor drei Jahren wurden zwei Fälle gemeldet, im Jahr davor gab es einen. Um eine Epidemie zu verhindern, gilt in Deutschland die Meldepflicht für:

  • Krankheitsverdacht
  • Nachweis
  • Erkrankung
  • Tod

Welche Gebiete sind besonders betroffen?

Cholera ist kein neues Phänomen. Bereits in der Antike wird von Krankheitsfällen in Indien berichtet, die vermutlich mit der Cholera zusammenhingen. Mitte des vorletzten Jahrhunderts hat ein italienischer Arzt namens Filippo Pacini erstmals das Bakterium beschrieben. Der deutsche Mikrobiologe Robert Koch wies nach, dass Cholera nach der Ausscheidung von Infizierten sich im Wasser weiterverbreitet.

Seitdem ist Cholera in mehreren Pandemien rund um die Welt aufgetreten, zuletzt die siebte, die seit 1961 an unterschiedlichen Orten zahlreichen Menschen das Leben kostet. Rund sechs Millionen Cholera-Fälle lassen sich jährlich weltweit nachweisen.

Der Ursprung des Cholera-Erregers liegt im indischen Gangesdelta. Von dort aus breitet es sich über Indien, China, Nepal und Bangladesh aus. Die Krankheit taucht aber auch in afrikanischen und südamerikanischen Ländern immer wieder auf. Es sind vor allem ärmere, wenig industrialisierte Regionen auf dieser Erde.

Massenweise Infektionen finden idealen Nährboden, wo Menschen dicht gedrängt auf engstem Raum bei schlechtem Zugang zu sauberen Wasser leben. Solche Bedingungen herrschen in Slums und Flüchtlingslagern, aber auch in Überschwemmungs- und anderen von Katastrophen heimgesuchten Gebieten.

Hauptproblem ist immer mangelnde Hygiene, denn Cholera wird durch verunreinigtes Wasser und infizierte Lebensmittel hervorgerufen. Länder und Gebiete, in denen kein getrenntes Trink- und Abwassersystem existiert, begünstigen die Entwicklung von Cholera. Gelangt der Stuhl von Infizierten ins Trinkwasser, kann sich leicht eine Epidemie verbreiten.

Auch in Fluss- und Meerwasser geleitete Abwässer stellen ein ernstzunehmendes Problem dar. Fische und Nahrungsmittel aus diesen Gewässern werden ebenfalls mit dem Cholerabakterium kontaminiert und gelangen über die Nahrungskette wiederum zum Menschen.

Wie verläuft die Infektion bei Cholera?

Es gibt verschiedene Wege, sich mit Cholera anzustecken, wobei immer der Mensch Träger ist, nie Tiere oder Insekten:

  • Aufnahme von verunreinigtem Trinkwasser/Essen
  • Kontakt mit stehenden (kontaminierten) Gewässern
  • Kontakt mit Fäkalien oder Erbrochenem von Erkrankten
  • Kontakt mit kontaminierten Oberflächen

Erfolgt die Ansteckung mit Cholera, kann dies innerhalb von 12 Stunden geschehen. Meist merken Betroffene innerhalb von zwei bis drei Tagen, manchmal auch erst nach fünf Tagen die Symptome. Wie eingangs erwähnt, merken viele Betroffene gar nicht unbedingt, dass sie sich mit Cholera infiziert haben. Sie zeigen keine Symptome.

Das Problem dabei: Sie dienen dennoch als Nährboden, scheiden die Bakterien bis zu zehn Tage lang wieder über den Stuhl aus und können so andere Menschen anstecken. Bricht die Infektion mit sämtlichen Symptomen aus, produzieren die Bakterien ein Gift, das die Darmzellen angreift.

Das macht sich folgendermaßen bemerkbar:

  • Schwerste Durchfälle
  • Erbrechen
  • Austrocknung
  • Blutdruckabfall
  • Schneller Puls
  • Niedrige Körpertemperatur
  • Kaum Urinausscheidung

Größtes Problem ist der rasante und immense Flüssigkeitsverlust: Innerhalb von 24 Stunden können Patienten 25 Liter Körperflüssigkeit verlieren. Durst, ausgetrocknete Haut und Schleimhäute, flache, unregelmäßige Atmung, Bewusstseinsstörungen – der Körper fällt in einen Schock, es kann zum Kreislaufversagen kommen.

So können Sie sich vor Cholera schützen

Der wirksamste Schutz liegt immer noch im Vorbeugen. Wie ausgeführt, sind es vor allem die hygienischen Bedingungen, die das Risiko einer Infektion bergen. Zur Vorbeugung gehören eine gute Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene, bei der Wasser und Lebensmittel vor dem Konsum abgekocht werden.

Das können Sie tun:

  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und vermeiden Sie den Kontakt mit den Schleimhäuten.
  • Verwenden Sie nur abgekochtes Wasser zum Trinken und Zähneputzen oder Trinkwasser.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel im Getränk.
  • Verzichten Sie auf Eis und rohe Speisen wie Salat.
  • Vermeiden Sie das Baden in öffentlichen Schwimmbädern oder Flüssen.

Vielleicht fragen Sie sich, ob es keine Impfung gegen Cholera gibt? Ja, es gibt eine Cholera-Impfung. Allerdings ist diese nur bedingt empfehlenswert. Das liegt daran, dass sie nur etwa ein halbes Jahr lang schützt und dann auch nur in 60 Prozent aller Fälle.

Leider ist auch eine überstandene Cholerainfektion kein Garant für Schutz gegen zukünftige: Es besteht nur eingeschränkte Immunität.

Die Cholera-Impfung kann als Schluckimpfung mit abgeschwächten oder als Totimpfstoff mit toten Erregern durchgeführt werden. Es werden zwar Antikörper gebildet, aber keiner der beiden Impfstoffe führt zum Vollbild von Cholera, also aller typischen Symptome. Die WHO gibt keine allgemeinen Empfehlungen für eine Cholera-Impfung.

Für Touristen sind Cholera-Impfungen meist nicht notwendig, da die hygienischen Standards in touristisch erschlossenen Gegenden und Hotels ausreichend sind. Empfehlenswert kann sie dennoch sein, wenn Sie bereits Vorerkrankungen haben oder als Ersthelfer in Katastrophengebieten oder Flüchtlingslagern aktiv sind. Hierzu sollten Sie Ihren behandelnden Arzt befragen.

Behandlung bei einer Choleraerkrankung

Wird Cholera rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen sowohl bei milden als auch schweren Krankheitsverläufen sehr gut.

Geschieht dies nicht, stirbt der Betroffene in mehr als der Hälfte aller Fälle. Vor allem Kinder können den hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust nicht gut kompensieren und sterben an Dehydrierung. Besonders anfällig sind auch bereits geschwächte, unterernährte oder vorerkrankte Menschen.

Eine erfolgreiche Behandlung der Cholera setzt daher vor allem beim Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes an.

Was Sie tun können, wenn Sie fürchten, an Cholera (oder einer anderen Durchfallerkrankung wie „Reisedurchfall“) erkrankt zu sein: Trinken, trinken, trinken! Dazu eignen sich Mineralwasser (wegen der Sauberkeit, aber auch der Elektrolyte) und gesüßte Tees.

Zusätzlich Salzstangen zu knabbern ist gut, weil das enthaltene Salz dabei hilft, das Wasser im Körper zu binden. Elektrolytlösungen aus der Apotheke helfen, den Verlust durch Erbrechen und Durchfall auszugleichen. Das alles sollte aber nur als Erste-Hilfemaßnahme gedacht sein. Bei oben beschriebenen Symptomen sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Häufig reicht das Trinken von Elektrolyt- und Zuckerlösungen bereits, dennoch kann der Flüssigkeitsverlust auch mit Infusionen ausgeglichen werden. Der Einsatz von Antibiotika wie Tetracykline, Ciprofloxacin oder Cotrimoxazol soll vor allem die Ausscheidungsdauer der Cholera-Erreger verkürzen und mindert gleichzeitig deren Ansteckungsfähigkeit.

Vorsicht geboten ist hingegen bei der Einnahme von Medikamenten wie Loperamid gegen Durchfall: Sie drosseln die Darmtätigkeit, das Cholera-Bakterium bleibt somit länger im Darm und vermehrt sich. Ist der Betroffene nachweislich von Cholera betroffen, ist eine Isolation unumgänglich, um andere vor einer Infektion zu schützen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Voyagerix by Shutterstock.com]
18. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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