Dankbarkeit: Der direkte Weg zu mehr Glück

Dankbar sein – das ist nicht immer einfach. Wenn das Leben schwer auf den Schultern liegt, der Körper nicht mitspielt, die finanziellen Sorgen plagen oder die Familie sich zerstritten hat, dann scheint es unmöglich, Dankbarkeit zu empfinden. Dabei bliebe der gedankliche Richtungswechsel nicht ohne Wirkung: Wer beschließt dankbar zu sein, erfährt Veränderung für seine Psyche und seinen Körper. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie durch Dankbarkeit wieder glücklich werden können…

Dankbarkeit: Der direkte Weg zu mehr Glück

Definition: Was ist Dankbarkeit?

Dank äußert sich simpel in dem Wort Dankeschön, wenn einem jemand einen Gefallen getan hat. Aber Dankbarkeit ist noch mehr. Es ist ein positives Gefühl, in dem Anerkennung an eine Person oder eine Situation schwingt. Jemand weiß zu schätzen, dass ihm immateriell oder materiell etwas geschenkt wurde.

Wofür können wir dankbar sein?

Wer sich über die kleinen Dinge im Leben freut, empfindet nachweislich mehr Glück. Eine dankbare Haltung im Leben führt zur Besinnung, zum Innehalten. Doch den Blick auf das Positive zu lenken, ist manchmal gar nicht so einfach: Wofür können wir Dankbarkeit empfinden?

  • für die eigene Gesundheit – dafür, dass man sich frei bewegen kann, die Kraft hat, Dinge zu unternehmen, die man möchte
  • für den Partner und für eine stabile Beziehung – für einen Menschen an der Seite, auf den man sich verlassen kann
  • für die eigenen Kinder – dafür, dass man sehen kann, wie sie erwachsen und selbständig werden und eine eigene Familie gründen
  • für das Zuhause – das Dach über dem Kopf, der Rückzugsort, an dem man Kraft schöpfen kann
  • für das Essen und Trinken – für den Luxus, mehr als nur eine Schüssel mit Reis und Wasser am Tag zu sich zu nehmen
  • für den Job – für ein regelmäßiges Einkommen, weil es Sicherheit schenkt
  • für die Freizeit – die ruhigen Phasen, in denen man Kraft für die Anstrengungen im Alltag schöpfen kann
  • für den Wohlstand – dafür, dass man mehr als das Nötigste, nur die Kleidung am Körper hat
  • für Frieden – dafür, dass man keine Furcht vor Terror und Krieg haben muss
  • für ein Lächeln – von jemanden, der es gerade gut mit einem meint
  • für das Leben an sich – für die vielen Erfahrungen, die sich im Laufe der Zeit sammeln

Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.
(Berthold Auerbach)

Dankbarkeit: Auswirkungen

Dankbarkeit wirkt sich auf unsere Physis und auf unsere Psyche aus. Kurz: Dankbarkeit macht uns gesund und glücklich. Eine dankbare Haltung prägt das körperliche Wohlbefinden, das Gehirn und die Lebenszufriedenheit. Dankbare Menschen sind optimistischer, einfühlsamer und belastbarer als andere. Warum ist das so? Einige Beispiele:

  • Dankbarkeit macht glücklich

    Dass Dankbarkeit verändert, wurde sogar in einer experimentellen Studie nachgewiesen: Robert Emmons und Michael McCullough teilten ihre Probanden in zwei Gruppen ein. Die einen sollten ein paar Minuten darüber nachdenken, wofür sie in ihrem Leben dankbar sind, die anderen sollten einfach an irgendetwas denken. Diese kurze Reflexionsübung wiederholten sie einmal wöchentlich, ganze zehn Wochen lang.

    Das Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Dankbaren über den gesamten Zeitraum des Experiments größeren Optimismus, mehr Motivation, sogar ihre Gesundheitswerte und die Immunabwehr verbesserten sich. Kurz: Die regelmäßigen, dankbaren Gedanken machten die Probanden glücklicher und gesünder.

  • Dankbarkeit verbessert Beziehungen

    Wie sich Dankbarkeit auf die Paarbeziehung auswirkt untersuchte die Psychologie-Professorin Sara Algoe von der Universität von North Carolina in Chapel Hill. Frisch verliebte Paare sollten zwei Wochen lang in ein Tagebuch schreiben, ob sie ihrem Partner an dem Tag etwas Gutes getan hatten, ob der Partner ihnen etwas Gutes getan hat und wie sie sich dabei gefühlt haben. Außerdem hielten sie fest, wie sehr sie sich mit ihrem Partner verbunden fühlten und wie sie über ihre Beziehung dachten.

    Das Ergebnis: Die Paare notierten, dass sie ihrem Partner zu 35 Prozent des Tages einen Gefallen taten oder zuvorkommend waren. Umgekehrt hatten sie zu 40 Prozent des Tages das Gefühl, ihr Liebster oder ihre Liebste würde mit ihnen genauso verfahren. Und beide berichteten jedes Mal darüber, wie dankbar sie dafür waren und dass sie sich mit ihrem Partner besonders verbunden fühlten.

    Das überrascht nicht: Wenn wir Dank gegenüber unserem Partner und auch unseren Kindern empfinden, motiviert uns das noch mehr Zeit miteinander zu verbringen. Ihr Stellenwert erhöht sich, die Beziehung zu ihnen wird uns wichtiger und auf beiden Seiten wächst das Vertrauen und das Gefühl der Zugehörigkeit.

  • Dankbarkeit senkt Stress

    Dankbarkeit macht sogar resistenter gegenüber Stress. Das konnten Untersuchungen von Martin Seligman und Tracy Stehen von der Universität von Pennsylvania nachweisen. Ihre Probanden mussten verschiedene Dankbarkeitsübungen durchführen, unter anderem einen Dankbarkeitsbesuch, bei dem sie einer Person einen Brief überreichten, in dem stand warum sie ihr dankbar sind. Eine andere Übung hieß Drei gute Dinge im Leben: Hier sollten die Probanden eine Woche lang täglich drei Dinge aufschreiben, für die sie dankbar sind.

    Fazit: Wer seine Wahrnehmung auf die positiven Erlebnisse lenkt, dankbar darauf zurückblickt, wird widerstandsfähiger gegenüber psychischen Erkrankungen und reduziert seinen Stress.

  • Dankbarkeit hilft gegen Schlafstörungen

    Die beiden Forscher Digdon und Koble konnten beweisen, dass Dankbarkeit die Schlafqualität enorm verbessert. Die Probanden mussten täglich fünfzehn Minuten lang notieren, wofür sie dankbar sind. Die Länge des Schlafes veränderte sich darauf signifikant. Sie fanden jede Nacht länger erholsamen Schlaf.

  • Dankbarkeit stärkt das Herz

    Paul J. Mills, Spezialist in der Psychoneuroimmunologie, entdeckte, dass Dankbarkeit die Gesundung seiner Herzpatienten unterstützte: Patienten, die an einer Herzinsuffienz im Stadium B hatten, aber keine körperliche Symptome zeigten, konnten mit Hilfe eines Dankbarkeitstagebuch ihre körperliche Verfassung verbessern. Anderen Studien zu Folge konnte eine dankbare Haltung das Risiko für einen Herzinfarkt senken.

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.
(Francis Bacon)

Dankbarkeit lernen: 3 Methoden

Bei so vielen guten Effekten lohnt es sich dankbar zu werden. Und das Gute ist, Dankbarkeit kann man lernen. Sie kann regelrecht wie ein Muskel trainiert werden. Wir haben einige erfolgreiche Methoden für Sie rausgesucht:

  1. Das Dankbarkeitstagebuch

    In diesem Tagebuch halten Sie jeden Abend fest: Wofür bin ich heute dankbar? Sinn der Übung ist, den Blick dafür zu schärfen, wofür es sich lohnt, dankbar zu sein. Dabei lenken wir unser Augenmerk weg von den negativen Erfahrungen des Tages hin zu den schönen positiven Dinge, die so leicht vergessen werden: Die warmen Sonnenstrahlen, die schöne Blume, das fröhliche Gezwitscher der Vögel, das freundliche Wort, das geschenkte Lächeln…

  2. Die 5-Finger-Methode

    Das Schöne an dieser Methode, die von der Psychologin Elsbeth Martindale entwickelt wurde, ist, man kann sie immer und überall durchführen. Sie brauchen dafür kein zusätzliches Material. Martindale empfiehlt diese Übung immer dann durchzuführen, wenn Sie gerade unzufrieden sind und einen kleinen Motivationskick benötigen. Sie werden schnell ein wenig Glück und Dank empfinden. Halten Sie Ihre Hand vor sich und stellen Sie sich zu jedem Finger eine bestimmte Aufgabe:

    • Kleiner Finger: Nennen Sie eine Sache, für die Sie in Ihrem Leben zutiefst dankbar sind.
    • Ringfinger: Erinnern Sie sich an eine Zeit und einen Menschen, den Sie aus tiefsten Herzen lieben oder geliebt haben sowie andere Menschen für die Sie innige Gefühle haben.
    • Mittelfinger: Nennen Sie eine Sache, die Sie für einen anderen Menschen getan haben und wofür Sie sich gut fühlen. Überlegen Sie sich, bei wem Sie das wiederholen können. Etwa heute.
    • Zeigefinger: Zeigen Sie auf etwas Schönes in der Natur. Entdecken Sie etwas in Ihrem Umfeld, das Sie inspiriert und begeistert.
    • Daumen (hoch): Benennen Sie etwas, worauf Sie stolz sind. Machen Sie sich Ihr Stärken und Talente bewusst – und seien Sie stolz auf sich.
  3. Das Gute im Schlechten sehen

    Vielleicht sind Sie in einer Lebensphase, die gerade belastend ist. Im Alltag fallen Ihnen nur die Dinge auf, die Sie traurig machen oder verärgern. Dann könnten diese Methode Ihnen helfen.

    • Beispiel: Sie sind schon lange schwer erkrankt.
      Fragen Sie sich: Was ist dennoch gut in meiner Situation?
      Die kompetenten Ärzte. Die fürsorgliche Krankenschwester. Meine Familie, die sich um mich kümmert.
    • Beispiel: Die Streitigkeiten in der Familie zerren an den Nerven.
      Fragen Sie sich: Was ist dennoch gut an dieser Situation?
      Ich kann mit allen Beteiligten reden, sie lassen sich von mir beeinflussen. Es reden immer noch alle miteinander.

    Dankbarkeit lernen, bedeutet auch bewusst die guten Aspekte zu suchen.

Dankbarkeit ausdrücken: Einfach mal Danke sagen

An der Fleischtheke lernt jedes kleine Kind Danke zu sagen, wenn es eine zusammengerollte Scheibe Fleischwurst bekommt. Bitte und Danke – das sind ganz gewöhnliche Höflichkeitsformeln in unserer Kultur, schon Kinder lernen sie zu nutzen. Es sind Türöffner. Kleine Worte mit großer Wirkung.

Dass es freundlicher ist, das Wort Bitte zu benutzen, wenn wir Hilfe benötigen, ist selbstverständlich. Aber wie oft bedanken wir uns für die Zuwendung, die uns zu teil wurde, für das Essen, das uns zu bereitet wurde, für den Telefonanruf, bei dem man sich nach uns erkundigt? Manchen Menschen ist es sogar unangenehm, sich zu bedanken. Sie freuen sich über ein Geschenk, aber wissen nicht, wie sie Danke sagen sollen.

Und dabei wird ein Danke so oft erwartet. Zurecht. Vielleicht ging dem eine Gabe voraus, eine Hilfestellung, ein offenes Ohr oder ein Kompliment. Es einfach nur als selbstverständlich hinzunehmen, kommt einem Affront gleich. Es entwertet die Freundlichkeit und Mühe des anderen. Es ist eine indirekte Geringschätzung. Danke sagen ist nicht nur eine gute Umgangsform – es ist ein Schmiermittel für soziale Interaktionen. Es ist Ausdruck für Achtung und Wertschätzung.

Viele Missverständnisse entstehen dadurch, dass ein Dank nicht ausgesprochen, sondern nur empfunden wird.
(Ernst R. Hauschka)

Wenn Sie sich über eine Unterstützung freuen, darüber, dass Ihnen beim Einkaufen oder bei Arztfahrt geholfen wurde, dann genieren Sie sich nicht, sondern sagen Sie es frei heraus: Danke für deine Hilfe, dass du dir die Zeit genommen und mich gefahren hast. Denn ein Dank sollte immer

  • ehrlich sein – keine gekünstelten Worte, sondern authentisch,
  • konkret formuliert – auf die Sache oder Hilfestellung bezogen,
  • persönlich ausgesprochen werden – also von Ihnen selber kommen.

Besonders freut sich der andere, wenn ihm ohne besonderen Anlass gedankt wird – für seine Verlässlichkeit, sein offenes Ohr, für seine lang währende Freundschaft. Überraschen Sie ruhig andere mit Ihrem Dank. Schreiben Sie Ihnen eine Grußkarte mit ein paar persönlichen Zeilen, drücken Sie Ihren Dank in einem Telefonat aus oder besuchen Sie ihn mit einem Blumenstrauß in der Hand und dem einfachen Wort Danke. Es wird seine Wirkung nicht verfehlen.

Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder; sie geben das Empfangene zehnfach zurück.
(August von Kotzebue)

[Bildnachweis: VGstockstudio by Shutterstock.com]
10. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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