Darmentzündung: Oft nicht so harmlos, wie man denkt.

Eine Darmentzündung ist äußerst unangenehm und wird gerade im Alter gerne unterschätzt. Dabei sind ungefähr ein Drittel der über 400.000 Patienten mit einer chronischen Darmentzündung älter als 60 Jahre. Zwar handelt es sich in vielen Fällen um vergleichsweise milde Verläufe, doch die Behandlung ist selten einfach, da die Entzündung oft schon Jahre schwelt. Weitere Krankheiten und deren Medikation erschweren eine Therapie häufig zusätzlich. Was Sie über die akute wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa wissen müssen, wie sie behandelt werden beziehungsweise wie man ihnen vorbeugt…

Darmentzündung: Oft nicht so harmlos, wie man denkt.

Anzeige

Akute Darmentzündung: Was essen?

Störungen der Verdauung und Bauchschmerzen gelten in Deutschland als Volkskrankheit. Circa zehn Prozent der Deutschen haben dauerhaft damit zu kämpfen. Oft ist eine Darmentzündung die Ursache. Dabei wird die schützende Schleimhaut an der Innenseite des Darms von Fremdkörpern wie Viren, Bakterien oder Pilzen angegriffen.

Die Immunabwehr des Darms reagiert darauf mit einer entsprechenden Entzündung an der betroffenen Stelle. Diese liegen meist im Dickdarm, seltener im Dünndarm. Zuweilen kann sich eine Darmentzündung sogar bis in den Magen ausbreiten – die sogenannte Gastroenteritis ist die Folge. Egal, ob die Entzündung lokal bleibt oder nicht – sie kann unangenehm und schmerzhaft sein.

Das bedeutet bei einer akuten Darmentzündung: Schonkost, um den Magen-Darm-Trakt nicht noch mehr zu belasten. Diese Lebensmittel sind gut bei Darmentzündung:

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Gemüse oder Getreide wie Leinsamen
  • Obst, sofern es nicht zu viel Säure enthält. Ideal sind Bananen.
  • Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren: Zum Beispiel Fisch
  • Trinken Sie viel. Am besten Wasser oder ungesüßten Tee

Bei einer akuten Darmentzündung die Magenschmerzen hervorruft, kann es hilfreich sein, vorrangig auf Breie oder Kleie zurückzugreifen. Körperliche Bewegung ist ebenfalls wichtig, Stress und Abführmittel sollten Sie hingegen meiden.

Einfluss der Ernährung auf die Darmflora

Der Darm ist mit Bakterien übersät: Circa 40 Billionen Darmbakterien kommen bei einem gesundem Menschen vor. Das sind ungefähr 200 Gramm. Diese Bakterien – Darmflora genannt – sind nicht schädlich, sondern im Gegenteil sehr nützlich. Sie helfen uns, die Nahrung zu verarbeiten und daraus die Nährstoffe zu separieren. Ohne sie wären wir nicht im Stande, unseren Körper mit ausreichend Vitaminen oder ähnlichen lebenswichtigen Bestandteilen zu versorgen.

Die Darmflora besteht dabei aus unterschiedlichen Arten von Bakterien: Es gibt welche, die eher Ballaststoffe verarbeiten können und andere, die zum Beispiel Zucker verarbeiten. Die Anzahl sollte nach Möglichkeit im Gleichgewicht sein beziehungsweise die Zahl der Ballaststoffverarbeitern überwiegen. Dies können wir steuern: Je mehr wir von den einen oder anderen Produkten mit unserer Nahrung zu uns nehmen, umso mehr ziehen wir dadurch die verschiedenen Bakterientypen an.

Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht, haben also zum Beispiel zuckerverarbeitende Bakterien die Oberhand, dann können sich Pilze ausbreiten und so eine Darmentzündung hervorrufen. Daher wird allgemein empfohlen, ballaststoffreiche sowie Vitaminreiche Kost zu sich zu nehmen. Mehr Informationen zum Thema der gesunden Ernährung erhalten Sie in unserem entsprechenden Artikel.

Symptome: Wie äußert sich eine Darmentzündung?

Die Gründe für eine Darmentzündung können äußerst unterschiedlich sein. Daher sind die Symptome und die Verläufe selten exakt miteinander vergleichbar. Eines kommt aber häufig vor: Durchfall. Da in aller Regel die Schleimhaut des Darms angegriffen ist, verliert diese die Fähigkeit, Wasser aus der verdauten Nahrung zu entziehen.

Zudem klagen die Betroffenen meist über weitere Beschwerden:

  • Starke Bauchschmerzen oder gar Krämpfe – meist im Unterbauch
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Kopf– und Gliederschmerzen

Da oft durch Erbrechen und Durchfall der Körper dehydriert ist, sollte auf jeden Fall für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gesorgt werden.

Nicht jede Darmentzündung hat jedoch Durchfall zur Folge. Aus diesem Grund werden kleinere Beschwerden oder Bauchschmerzen oftmals weniger ernst genommen.

Hausmittel: Was hilft schnell bei Darmentzündung?

Eine akute Darmentzündung lässt sich im frühen Stadium noch gut in den Griff bekommen, damit sie nicht chronisch wird und sich weiter ausbreiten kann.

Neben einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung hilft vor allem Ruhe. Der Verdauungstrakt reagiert sensibel auf Stress, Sorgen und Belastungen.

Klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen nicht ab, sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Selbst kleinere Beschwerden können ein Indiz auf eine ernstere Ursache sein, wenn sie länger als zwei Wochen anhalten. Der Arzt kann oftmals bereits nach einer ausführlichen Anamnese über Ihre Lebensgewohnheiten und Ihre Beschwerden eine fundierte Verdachtsdiagnose stellen. Eine Blut- und unter Umständen eine Stuhlprobe untermauern meist diese These.

Schmerzmittel oder Zäpfchen gegen Darmentzündung?

In vielen Fällen vergeht leider einige Zeit bis Betroffene sich mit einer Darmentzündung an den Arzt wenden. Viele ertragen langanhaltende Stuhlinkontinenz und die regelmäßige Bauchschmerzen, in dem sie täglich rezeptfreie Medikamente schlucken.

Dies ist keine gute Idee. Denn bei den meisten Medikamenten, die rezeptfrei erhältlich sind, handelt es sich um Schmerzmittel, die Darm eher schaden als nutzen. Ibuprofen oder Paracetemol sollten Sie aus diesem Grund meiden – egal ob als Tabletten oder Zäpfchen. Diese Mittel sind sowieso maximal nur als Kurzzeittherapie von höchstens drei Tagen gedacht.

Anzeige

Was löst eine Darmentzündung aus?

Die Ursachen für eine Darmentzündung können vielfältig sein. Je nachdem, welche Krankheitserreger oder Nahrungsbestandteile die Darmentzündung ausgelöst haben.

  • Viren sind der häufigste Auslöser. Die Ansteckung erfolgt in vielen Fällen über eine Schmierinfektion. Eine virale Darmentzündung heilt meist nach kurzer Zeit von alleine wieder ab.
  • Bakterien verursachen eher langwierigere und stärkere Beschwerden, kommen dafür seltener vor. Sie werden in vielen Fällen durch die Nahrung aufgenommen.
  • Darmentzündungen durch Pilze kommen dagegen schon öfter vor. Meist sind die Verursacher bestimmte Hefepilze, die ohnehin häufig im Darm zu finden sind. Ist das Immunsystem gestört, können sich diese ausbreiten und die Schleimhaut schädigen.

In allen Fällen kann das Immunsystem überreagieren. Wie und warum dies genau passiert, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Fest steht, dass Risikofaktoren wie Rauchen oder genetische Vorbelastungen förderlich dafür sind.

Kommt es zur Überreaktion des Immunsystems, wird die Darmentzündung chronisch. Eine sogenannte Autoimmunkrankheit wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa sind die mögliche Folge. Die Unterscheidung der beiden Krankheiten erfolgt darin, wo genau die Darmentzündung auftritt. Morbus Crohn tritt stellenweise an unterschiedlichen Orten des Verdauungssystems auf, Colitis Ulcerosa hingegen nur im Dickdarm und auch immer kontinuierlich im gleichen Abschnitt.

Wie gefährlich ist eine Darmentzündung?

In vielen Fällen ist eine akute Darmentzündung ungefährlich. Handelt es sich um einen viralen Infekt, muss dieser nicht weiter medikamentös behandelt werden. Unterstützt von ausreichend Flüssigkeitsaufnahme heilt dieser von alleine nach wenigen Tagen wieder aus.

Ist eine bakterielle Infektion der Auslöser für die Darmentzündung, wird diese mittels Antibiotika bekämpft. Zudem werden dem Körper bei schweren Durchfällen weitere Mineralstoffe und Elektrolyte zugeführt.

Handelt es sich hingegen um eine chronische Darmentzündung, ist die Behandlung deutlich aufwändiger. Falls eine Autoimmunreaktion des Körpers festgestellt wird, kommen kortisonhaltige Medikamente zum Einsatz. Diese werden entweder als Zäpfchen oder als Schaum anal verabreicht, seltener als oral eingenommene Tablette.

Hilft dies alles nichts, werden künstlich erzeugte Antikörper verschrieben. Diese sind inzwischen relativ gut verträglich und fördern kaum noch schwere Nebenwirkungen zu Tage. Erfolgt keine Behandlung der chronischen Darmentzündung, kann dies schlimmstenfalls dazu führen, dass eine Operation nötig wird.

Wie lange im Krankenhaus bei einer Darmentzündung?

Erst in diesen Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt unerlässlich. Wie lange dieser dauert, hängt von der Schwere der Operation ab. Wenn große Teile des Dünn- und/oder des Dickdarms operativ entfernt werden müssen, kann die stationäre Versorgung bis zu mehreren Wochen betragen.

Zur Diagnose muss man inzwischen nicht mehr stationär ins Krankenhaus. Diese erfolgt in aller Regel ambulant. Selbst dann, wenn im Verlauf der Untersuchung noch keine zuverlässige Diagnose gestellt werden kann und eine Darmspiegelung vorgenommen werden muss. Durch sie lässt sich eine Darmentzündung genau lokalisieren.

Darüber hinaus hilft eine Ultraschall-Untersuchung, andere Ursachen wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung auszuschließen. Diese wird ebenfalls ambulant in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus durchgeführt.

Anzeige

Weitere Darmerkrankungen

Neben Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gibt es weitere Darmerkrankungen, die zu chronischen Entzündungen führen können. Eine davon ist die Divertikulose. Hierbei handelt es sich um Ausstülpungen der Darmwand, die in der Regel keine Beschwerden verursachen und harmlos sind.

Es kann jedoch vorkommen, dass diese sich durch Bindegewebsschwächen im Darm im Alter verändern. Fehlernährungen können dann zu Entzündungen führen. Heftige Schmerzen im Unterbauch sowie Stuhlunregelmäßigkeiten sind die ersten Anzeichen.

Wird nicht behandelt, kann die Entzündung auf das umliegende Gewebe übergreifen und schlimmstenfalls zu einem Darmdurchbruch, einer Bauchfellentzündung oder gar eine Blutvergiftung führen. Zwar sind diese Fälle äußerst selten, aber wenn sie auftreten, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall.

Selbst wenn es nicht zu diesen Folgen kommt, können chronische Leiden wie eine Darmverengung oder eine Fistelbildung die langfristige Folge sein. Bei früher Erkennung und leichten Verläufen können Schonkost und Antibiotika die Entzündungen bekämpfen.

Seltenere Arten von Kolitis

Der Darm ist ein vielfältiges Organ. Aus diesem Grund reagiert er auf vielerlei verschiedene Krankheitserreger. Auf diese gilt es dabei ein besonderes Augenmerk zu legen:

  • Pseudomembranöse Kolitis
    Hierunter versteht man eine Darmentzündung, die durch Antibiotika ausgelöst wird. Meist verursacht sie lediglich Durchfall, in schweren Fällen kann es indes bis zum Darmdurchbruch kommen. Paradoxerweise wird diese Darmentzündung durch andere Antibiotika therapiert.
  • Ischämische Kolitis
    Kommt es im Darm zu einer Durchblutungsstörung (Ischämie), kann sich die betroffene Stelle entzünden. Auslöser ist in der Regel eine Verkalkung der Gefäße, die durch blutverdünnende Medikamente behoben werden kann.
  • Enterohämorrhagische Kolitis
    Vor einigen Jahren war diese Darmentzündung medial präsent unter der Kurzform: EHEC. Hierbei handelt es sich um einen Erreger, der über Fleisch oder Gemüse in den Darm gelangen kann und bei Menschen mit schwachem Immunsystem Durchfall und Krämpfe hervorrufen kann, die mitunter lebensbedrohlich werden können. Zum Glück ist diese Darmentzündung vergleichsweise selten.
  • Strahlenkolitis
    Wer an Krebs leidet und mittels Strahlentherapie behandelt wird, kann dadurch eine Darmentzündung bekommen. Die Symptome sind dabei eine abwechselnde Kombination aus Durchfall und Verstopfung. Kommt es dazu, ist die Therapie extrem langwierig und besteht aus Einläufen, Kortisonpräparaten und schlimmstenfalls einer Operation.
  • Kollagene Kolitis
    Eine kollagene Kolitis ist zum Glück äußerst selten. Sie ist eine Entzündung der Schleimhaut im Dickdarm. Die Ursache ist bislang ungeklärt. Betroffene leiden unter starken, chronischen Durchfällen. Kortison und Medikamente aus Aminosalycilsäure haben sich als hilfreich erwiesen, die Behandlung dauert dennoch viele Wochen oder gar Monate.
Anzeige

So können Sie einer Darmentzündung vorbeugen

Einer Darmentzündung lässt sich nur bedingt vorbeugen. Gerade einen viralen Infekt hat man sich schnell eingefangen. Da dieser selbstständig wieder ausheilt, ist eine solche Infektion zwar unangenehm, jedoch im Prinzip nicht weiter problematisch.

Um seinen Darm gegen andere Entzündungen zu wappnen, kann es helfen, die Darmflora durch eine gesunde Ernährung im Gleichgewicht zu halten. Viel Gemüse und Vollkornprodukte helfen dabei, so dass Nahrungsergänzungsmittel in aller Regel nicht erforderlich sind. Meiden Sie stattdessen zu viel Fleisch, Alkohol, Rauchen und Übergewicht.

Zwar ist immer wieder davon zu lesen, dass Vitamin D die Darmflora positiv beeinflusst, von einer künstlichen Zufuhr sollten gesunde Menschen indes absehen. Ausreichende Bewegung an der frischen Luft bei Tageslicht reicht in den allermeisten Fällen aus, damit der Körper genügend Vitamin D selbst produziert.

Spätestens ab Mitte 50 sollten Sie zudem regelmäßig Ihren Darm checken lassen. Sicher: Eine Darmspiegelung alle paar Jahre ist nicht angenehm. Sie dient aber dazu, nicht nur chronische Darmentzündungen, sondern auch Darmkrebs frühzeitig zu erkennen.

Was andere Leser noch gelesen haben

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: aslysun by Shutterstock.com]

Bewertung: 5/5 - 7897 Bewertungen.

Hier weiterlesen

Weiter zur Startseite