Depression: Wenn die Seele streikt

Eine Depression ist längst kein Tabuthema mehr – zum Glück. Dennoch schämen sich immer noch viele Patienten, die an einer Depression leiden und auch gesellschaftlich scheint es noch nicht bei jedem angekommen zu sein, dass es sich um eine völlig normale Erkrankung handelt, wie etwa ein Bandscheibenvorfall.

Doch ab wann leidet man an einer Depression? Was ist noch Traurigkeit und emotionales Tief und ab wann beginnt eine Erkrankung, die behandelt werden muss?

Wir beleuchten das Thema genauer und zeigen Mittel und Wege, wie Sie oder Ihre Liebsten aus einer Depression wieder herauskommen können.

Depression: Wenn die Seele streikt

Definition: Was ist eine Depression?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in ihrer internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten unter dem Namen „ICD-10“ die Depression als eine „affektive Störung“ eingeordnet. Dies bedeutet, dass die Erkrankung einen negativen und langfristigen Einfluss auf die Gefühlslage der Betroffenen nimmt.

Emotionen wie vermeintlich grundlose Lustlosigkeit oder Traurigkeit halten sich so über mehrere Wochen und lassen sich auch durch Ablenkung oder Aufheiterung nicht in den Hintergrund drängen. In einer akuten Depression haben Betroffene Schwierigkeiten, selbst völlig alltägliche Dinge zu erledigen.

Die Depression verschwindet in der Regel nicht von alleine, sondern ist eine schwere und ernst zu nehmende psychische Erkrankung, die professioneller Hilfe bedarf. Denn die Betroffenen haben das häufig gar das Gefühl, völlig die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Allein mit Willenskraft oder Selbstdisziplin ist dies nicht in den Griff zu bekommen.

Dabei kann eine Depression unterschiedliche Ausprägungen haben: von einer leichten bis hin zu einer schweren Depression sind die Grenzen oft fließend. Häufig verläuft die Krankheit in Episoden, also Phasen, die sich zeitlich voneinander abgrenzen und mehrere Monate bis Jahre andauern können. Diese Episoden können vereinzelt auftreten aber auch ständig wiederkehren oder gar chronisch verlaufen.

Ungefähr zwölf Prozent aller Deutschen leiden in Ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression – die Krankheit ist also längst nichts Außergewöhnliches. Dabei sind Frauen mit ungefähr 15 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit circa acht Prozent.

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Test: Wie erkenne ich eine Depression?

Als Laie eine Depression zu erkennen, ist nicht leicht – tun sich doch selbst Mediziner häufig mit einer Diagnose schwer.

Es gibt aber eine Reihe von Anzeichen, die auf eine Depression hindeuten können. Diese müssen – gerade im Frühstadium – jede für sich noch nicht problematisch sein, aber in der Summe können sie ein Alarmzeichen sein – gerade, wenn sie länger als zwei Wochen andauern.

Ein kleiner Test soll Ihnen dabei helfen, eine eventuelle Depression bei sich oder anderen besser erkennen und einordnen zu können. Natürlich kann so ein Test nie eine umfassende medizinische oder psychologische Diagnose ersetzen, sondern nur ein Indiz dafür sein, dass eine professionelle Unterstützung sinnvoll sein kann. Dies ist höchstwahrscheinlich der Fall, wenn Sie die Mehrheit der Fragen mit „JA“ beantworten können:

  • Ich fĂĽhle ständig eine innere Unruhe und Anspannung.
  • Wenn ich Entscheidungen treffen soll, bin ich völlig ĂĽberfordert.
  • In den letzten Wochen bin ich sehr niedergeschlagen und kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte mal herzhaft gelacht habe.
  • Mir fehlt jegliche Energie oder Kraft, Dinge zu tun.
  • Ich ziehe mich von Freunden und anderen sozialen Kontakten zurĂĽck.
  • Ich leide an Konzentrationsmängeln und kann keine klaren Gedanken fassen.
  • Ständig kreisen Gedanken in meinem Kopf.
  • Dinge, an denen ich Freude hatte, machen mir keinen SpaĂź mehr.
  • Ich habe häufig körperliche Beschwerden wie Kopf-, Gelenk- oder RĂĽckenschmerzen, ohne dass ein bestimmter Grund dafĂĽr vorliegt.
  • Alltägliche Dinge wie Aufstehen, Waschen und Zähneputzen kosten mich Ăśberwindung.
  • Ich fĂĽhle mich nutzlos und an allem schuldig.
  • Ich schlafe schlecht, kann schwer einschlafen und wache zu frĂĽh auf.
  • Ich esse sehr viel mehr oder sehr viel weniger als frĂĽher.
  • Innerlich fĂĽhle ich mich absolut leer. Nichts ergibt fĂĽr mich noch einen Sinn.
  • Mein Interesse an Sexualität ist stark reduziert.
  • Meine Situation ist völlig hoffnungslos. Ă–fters habe ich darĂĽber nachgedacht, meinem Leben ein Ende zu setzen.
  • Morgens geht es mir meist schlechter, abends ein bisschen besser.
  • Ich trinke deutlich mehr Alkohol als frĂĽher.

All diese Fragen zielen auf drei Hauptsymptome und mehrere zusätzliche Symptome ab. Als Hauptsymptome bei Depression gelten Niedergeschlagenheit sowie Antriebs- und Interesselosigkeit.

Erkrankte verlieren in der Regel die innere Motivation, Dinge zu tun, die Ihnen bislang Freude bereitet haben und können sich noch nicht einmal zu alltäglichen Tätigkeiten wie dem Aufstehen oder einem Einkauf motivieren. Eine innere Leere beziehungsweise Kälte und gedrückte Stimmung machen sich breit; es fällt schwer, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu spüren.

Zusätzliche Symptome, die darüber hinaus auf eine Depression hindeuten können, sind:

  • Schuld- und MinderwertigkeitsgefĂĽhle
    Depressiven Menschen fehlt es oft an Selbstvertrauen. Sie fühlen sich nutzlos und sind ängstlich. Selbstzweifel begleiten sie Tag für Tag.
  • GrĂĽbeln und innere Unruhe
    Betroffene sind permanent am GrĂĽbeln und haben Schwierigkeiten, kleinste Entscheidungen zu treffen, so dass schlimmstenfalls keine Ergebnisse erreicht werden. Zugleich sind sie aber von einer andauernden Unruhe und Rastlosigkeit getrieben.
  • Pessimismus und Mangel an Freude
    Depressive Personen sind häufig nicht in der Lage, positiv in die Zukunft zu blicken. Stattdessen erwächst das Gefühl, dass die gegenwärtige Situation das Leben auf ewig bestimmen wird. Diese negative Grundhaltung legt sich wie ein Filter auf alles – sowohl rückblickend als auch aktuell wird alles als negativ eingestuft, der Blick für das Realistische geht völlig verloren. Das geht bis hin zu Suizidgedanken.
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
    Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist bei vielen Depressiven gestört. Spätes Einschlafen und ein Aufwachen mitten in der Nacht haben auch zur Folge, dass tagsüber das Konzentrationsvermögen ab- und die Vergesslichkeit zunimmt.
  • Appetitlosigkeit und Libidoverlust
    Wer an Depression erkrankt ist, leidet oft an vermindertem Appetit. Da nichts mehr Freude bereitet, ist auch das Essen kein VergnĂĽgen mehr. Ein Gewichtsverlust ist daher oft auch Folge einer Depression. Gleiches gilt auch auf die sexuellen BedĂĽrfnisse, was meist miteinander einher geht.
  • Körperliche Symptome
    Durch eine Depression ist nicht nur die Stimmung betroffen. Der Körper kann ebenfalls Symptome zeigen, ohne dass ein offensichtlicher medizinischer Grund dafür vorliegt. Dies kann sich auf vielerlei Arten äußern. Von Magen-Darmproblemen über Herzrasen, Atemstörungen, Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen bis hin zu Übelkeit und Schwindelgefühlen kann nahezu alles auftreten.

Gerade wenn eine Depression im höheren Alter auftritt, kommen die letztgenannten Symptome häufiger vor. Eine extreme Müdigkeit und andere körperliche Störungen, die aber in der Diagnose keinen Befund ergeben, zeichnet die Depression bei älteren Menschen aus.

Insbesondere im Alter entwickeln sich diese Symptome aber eher schleichend und treten seltener plötzlich zu Tage. Viele flüchten sich dann in den Alkohol, was die Probleme aber eher verstärkt als mildert.

Es muss aber nicht immer eine Depression vorliegen. Gründe für die oben genannten Symptome können auch andere Erkrankungen sein, wie zum Beispiel eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder der Nieren oder eine Mangelernährung. Ebenso können diese Anzeichen auf eine Angststörung oder gar auf eine beginnende Demenz hindeuten.

Eine ärztliche Abklärung ist daher dringend notwendig, um eine entsprechende Behandlung einleiten zu können.

Tipp: Erste Schritte bei einer Depression

Wer den Eindruck hat, am Beginn einer Depression zu stehen, sollte diese GefĂĽhle ernst nehmen. Es geht darum, dies nicht zu verheimlichen, sondern offen damit umzugehen und sich eine Vertrauenspersonen zu suchen.

Zudem sollten Sie Ihren Hausarzt oder einen Spezialisten aufsuchen. Für die erste Hilfe gibt es zudem verschiedene Telefonnummern, die Sie anrufen können:

  • Bei plötzlich auftretenden unbekannten Symptomen hilft der hausärztliche Notdienst unter der 116 117 weiter.
  • Die Telefonseelsorge ist ebenfalls rund um die Uhr erreichbar, wenn Sie sich verzweifelt oder ängstlich fĂĽhlen: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 sowie 0800/116 123.
  • Treten lebensbedrohliche Symptome wie Atemnot oder Herzprobleme auf, gilt es, den Notruf unter der 112 zu wählen.

Zudem können Sie gerade in der dunklen Jahreszeit die Lichtzufuhr erhöhen, um die Stimmung aufzubessern. Bewegung an der frischen Luft sowie eine Lichtdusche für daheim mit mindestens 2.500 Lux Beleuchtungsstärke, können eine erste Milderung verschaffen.

Auch Johanniskraut- und Lavendelpräparate können die Stimmung etwas aufhellen. All das ersetzt allerdings bei einer ernsten Depression jedoch keinesfalls den Gang zum Arzt.

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Was hilft langfristig gegen eine Depression?

Wer an einer Depression erkrankt, kommt um eine Therapie nicht herum. Psychiater und Psychotherapeuten arbeiten dabei meist mit einer kognitiven Verhaltenstherapie aber auch tiefenpsychologisch, um schädliche Verhaltensmuster zu identifizieren und neue Handlungsoptionen zu entwickeln.

In schweren Fällen werden zudem für eine gewisse Zeit bestimmte Medikamente, sogenannte Antidepressiva, verschrieben. Diese sind inzwischen weit entwickelt – schwere Nebenwirkungen oder Abhängigkeiten gehören der Vergangenheit an. Dennoch ersetzen sie nicht die Psychotherapie, sondern ergänzen sie bei Bedarf lediglich in der akuten Phase.

AuĂźerdem kann Bewegungstherapie helfen. Beim Sport wird das Hormon Serotonin ausgeschĂĽttet, das sich bei Depressionen als hilfreich erwiesen hat.

Entspannungsübungen runden die Therapie bei einer Depression ab. Zudem werden in Gesprächen neue Strukturen erarbeitet und eingeübt. Die Unterstützung der Angehörigen ist dabei ebenfalls ein wichtiger Bestandteil.

Info: Häufige Ursachen für eine Depression

Die genauen Ursachen für eine Depression sind noch nicht bis ins Letzte erforscht. Denn in vielen Fällen gibt es keinen klaren Auslöser, auf den sie sich zurückführen lässt – oft tritt eine Depression völlig unabhängig von äußeren Faktoren auf.

Es ist jedoch klar, dass für eine Depression ein Ungleichgewicht bei den körpereigenen Botenstoffen Serotonin, Dopamin und Noradrenalin verantwortlich sind. Dies kann erblich bedingt sein, aber auch von verschiedenen Risikofaktoren begünstigt werden:

  • Andere Erkrankungen wie Krebs, Hormonumstellungen, Demenz, Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Bluthochdruck oder Parkinson können Depressionen auslösen. Entweder direkt oder indirekt durch die dagegen eingenommenen Medikamente.
  • Auch chronischer Stress oder zurĂĽckliegende Traumata aus der Kindheit, sowie belastende Lebenssituationen wie der Tod oder die Trennung von einem geliebten Menschen können letztendlich fĂĽr eine Depression verantwortlich sein.
  • Eine Sucht wie zum Beispiel eine Alkoholabhängigkeit können ebenfalls in eine Depression fĂĽhren.
  • Chronische Schmerzen oder das Nachlassen des körperlichen und geistigen Leistungsvermögens im Alter sind ebenfalls nicht selten verantwortlich fĂĽr eine Depression.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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