Die Tafel: Essen verteilen für Bedürftige

Die Tafel ist gelebte Nachhaltigkeit: Statt unverkäufliche Lebensmittel wegzuschmeißen, sammelt sie diese ein und verteilt sie an Bedürftige. Das sind vor allem Rentner, Arbeitslose, Großfamilien und Geflüchtete. Dabei baut die Hilfsorganisation vor allem auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen. Was dieses Ehrenamt auszeichnet und wie Sie sich dort einbringen können…

Die Tafel: Essen verteilen für Bedürftige

Anzeige

Was genau macht die Tafel?

Menschen in schwierigen Situationen versorgt die Tafel mit Lebensmitteln. Diese werden so im Supermarkt oder der Bäckerei nicht mehr verkauft und würden anderenfalls weggeschmissen. Grund dafür ist entweder das nur noch kurze Haltbarkeitsdatum. Oder die Packung ist leicht beschädigt. Zum Teil stammen die Lebensmittel auch aus der Überproduktion. Allen diesen Produkten gemeinsam ist jedoch, dass sie einwandfrei sind.

Die Tafel ist eine vergleichsweise junge Hilfsorganisation. In Deutschland gründete Sabine Werth mit ihrer Initiativgruppe „Berliner Frauen“ 1993 die erste Tafel. Im Laufe der Jahre entstanden weitere Tafeln, so dass insgesamt rund 1.000 im ganzen Bundesgebiet existieren. Etwa doppelt so viele Ausgabestellen verteilen die Lebensmittel an die Bedürftigen. Die Tafeln sind keine Behörde oder Amt angegliedert, daher erstreckt sich ihre Aufgabe einzig auf die Unterstützung mit Lebensmitteln.

Anzeige

Die Tafel als Ehrenamt: So können Sie helfen

Spenden sind immer willkommen. Was Sie spenden, entscheiden Sie: Ob Geld, Lebensmittel oder Ihre Zeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Denn ohne die zahlreichen Helfer könnten die Tafeln ihre Arbeit nicht vollbringen. Etwa 60.000 Menschen tun dies bereits – darunter Senioren, Arbeitslose und Schüler ebenso wie Hausfrauen oder Berufstätige. Unterstützung ist in diesen Bereichen möglich:

  • Fahrer
    Sie holen die Lebensmittel und Produkte bei den Sponsoren/Spendern ab oder bringen diese zu Hilfsbedürftigen, die nicht mobil sind.
  • Lager
    Hier sichten und sortieren Sie die Produkte, packen sie gegebenenfalls portionsweise ab.
  • Ausgabe
    Sie tragen dafür Sorge, dass jeder Berechtigte Lebensmittel erhält und kontrollieren den Ausweis.
  • Verarbeitung
    Einige Tafeln arbeiten mit der Suppenküche zusammen oder bieten einen warmen Mittagstisch an.
  • Kinderbetreuung
    Kinderbetreuung in Form von Spielen, aber auch Nachhilfe bei Hausaufgaben gehören ebenfalls zum Angebot vieler Tafeln.
  • Deutschkurse
    Die Tafeln leisten Integrationsarbeit, beispielsweise indem ehrenamtliche Lehrer Deutschkurse für Flüchtlinge anbieten.
  • Seniorentreff
    Als Orte der Begegnung schließen sie ausdrücklich ältere Mitbürger ein. Daher können Seniorentreffs oder spezielle Ausflüge zum Repertoire gehören.
  • Öffentlichkeitsarbeit
    Daneben besteht die Chance, die Tafeln in ihrer Außendarstellung zu unterstützen und die Werte zu vertreten.
Anzeige

Häufige Fragen und Antworten zum Ehrenamt

Wie viele Stunden dürfen Ehrenamtliche arbeiten?

Als Rentner dürfen Sie so viel ehrenamtlich arbeiten, wie Sie möchten. Manche Ehrenämter haben einen Zeitaufwand von wenigen Stunden im Monat, andere von wenigen Stunden pro Woche. Berufstätige sollten den Umfang der Tätigkeit mit ihrem Arbeitgeber klären, sofern er den Bereich der Nebenberuflichkeit überschreitet.

Was gilt noch als Nebentätigkeit?

Als Nebentätigkeit gilt alles, was bis zu maximal einem Drittel der Vollzeit-Erwerbstätigkeit zeitlich in Anspruch nimmt. Je nach Arbeitszeit sind dies zwischen 11 und 14 Stunden pro Woche.

Beispiel: Sie leiten in Ihrem Urlaub eine Jugendfreizeit leiten, die über zwei Wochen 24-Stunden am Tag andauert. Dies ist als Ehrenamt zu werten, wenn das zeitliche Engagement aufs ganze Jahr gesehen unter einem Drittel Ihres Hauptberufs bleibt.

Ist ein Ehrenamt bei Arbeitslosigkeit möglich?

Auch Arbeitslose können ein Ehrenamt ausüben. Allerdings hat der die Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit immer Vorrang. Daher ist auch der Bezug von Arbeitslosengeld an einige Vorgaben geknüpft: Sofern Ihr Ehrenamt mehr als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt, müssen Sie dies der Arbeitsagentur melden.

Zudem darf die Aufwandsentschädigung nicht den Betrag von 200 Euro pro Monat überschreiten. Andernfalls wird Ihnen dies auf die Leistungen der Agentur für Arbeit angerechnet.

Was gilt hinsichtlich Ehrenamtspauschale und Sozialversicherung?

Die Ehrenamtspauschale ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Allerdings muss sie in der Steuererklärung aufgeführt werden. Dafür muss es sich um eine ideelle Tätigkeit handeln, etwa die Mitarbeit bei der Tafel.

Wer als aktiver Fußballer von seinem Verein eine Zahlung erhält, muss diese also voll versteuern und bei der Sozialversicherung angeben. So etwas fällt nicht unter die Ehrenamtspauschale.

Wie belegt man das soziale Engagement?

Um das soziale Engagement bei einer Prüfung belegen zu können, ist letztlich die Satzung des Vereins oder der Institution entscheidend. Dazu muss der Vorstand die Ehrenamtspauschale dem Ehrenamtlichen aktiv bestätigen.

Weiteres Kriterium ist die pauschale Zahlung der Aufwandsentschädigung. Eine Bezahlung nach Stundenlohn ist keine ehrenamtliche Tätigkeit mehr, sondern ein Nebenjob.

Wie wird die Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung angeben?

Die Ehrenamtspauschale geben Sie dort in der Steuererklärung an, wo Sie auch Ihre hauptberuflichen Einnahmen eintragen. Bei Selbstständigen ist dies die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), bei Arbeitnehmern die Anlage N.

Übersteigen die Einnahmen durch das Ehrenamt die Höhe der Pauschale, so muss der darüberliegende Betrag als Nebeneinnahme eingetragen werden.

Kann ich das Ehrenamt steuerlich absetzen?

Zusätzlich können Sie durchs Ehrenamt entstandene Aufwendungen als Betriebskosten beziehungsweise Werbungskosten absetzen. Wer jedoch für die ehrenamtliche Tätigkeit bereits von einer Steuerbegünstigung profitiert (beispielsweise dem Übungsleiterfreibetrag) kann die Ehrenamtspauschale nicht anwenden.

Doppeltes Profitieren für die gleiche Tätigkeit ist ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Kombination mehrerer Ehrenämter. Der Gesamtbetrag für alle Tätigkeiten zusammen erhöht sich nicht – die Ehrenamtspauschale bleibt immer bei den 840 Euro.

Bin ich im Ehrenamt versichert?

Bei einer Mitarbeit in einer sozialen Organisation, in Vereinen sowie Körperschaften öffentlichen Rechts sind Sie in der Regel gesetzlich unfall- und krankenversichert. Zudem haben alle Bundesländer für ehrenamtlich Tätige Sammelverträge zur Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Fragen Sie Ihre Organisation vorab, ob ausreichender Versicherungsschutz (Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Haftpflichtversicherung) existiert. Gegebenenfalls müssen Sie selbst tätig werden. Das gilt auch für ehrenamtliches Engagement im privaten Bereich: Wer also im Rahmen der Nachbarschaftshilfe oder als Leihoma mit den Nachbarskindern etwas unternimmt, muss sich selbst versichern.

Argumente für die Tafeln

Die Tafeln setzen sich zwar vorrangig für Menschen in Not ein. Aber sie haben gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Nachfolgend möchten wir Ihnen ein Überblick geben, was dieses Ehrenamt so wichtig macht:

  • Finanzieller Spielraum

    Durch ihre Arbeit stellen die Tafeln nicht nur die Versorgung mit Lebensmitteln sicher. Sie ermöglichen im geringen Umfang auch einen finanziellen Spielraum. Denn das an den Lebensmitteln gesparte Geld können die Menschen an anderer Stelle für dringend benötigte Dinge einsetzen. Zusätzlich bieten sie die Möglichkeit zur Begegnung: Von Armut Betroffene können ihr Netzwerk ausbauen. Das dient ihnen wiederum als moralische Stütze und kann dazu beitragen, ihre Lage zu verbessern.

  • Nachhaltige Wirtschaft

    Außerdem ist die Arbeit der Tafeln ein Lehrstück in Sachen Nachhaltigkeit: Tonnenweise landen Lebensmittel in Deutschland im Müll – und das, obwohl sie noch verzehrbar wären. Damit sind ihr Anbau, der Einsatz von Energie, Dünger und Wasser völlig umsonst gewesen. Gleichzeitig sind hierzulande Menschen von Armut bedroht. Indem sie sozial benachteiligten Menschen helfen, bilden die Tafeln eine Brücke zwischen Verschwendung einerseits und Bedürftigkeit andererseits. Wäre die Lage nicht so prekär, könnte man fast schon von einer Win-win-Situation sprechen.

  • Wertschätzender Umgang

    Die Weiterverwendung von Lebensmitteln (und anderen Produkten) ist zudem ein Zeichen der Wertschätzung: In den letzten Jahren wurde verstärkt alles auf Überfluss und Konsum getrimmt. Kleidung und Möbel haben eine deutlich geringere Halbwertszeit als noch vor 30 oder 50 Jahren. Dabei ist vieles intakt. Lebensmittel haben vielleicht kleinere Schönheitsfehler wie eine beschädigte Packung. Auch zeigt das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ja keinen Verfall an. Vielmehr bietet es eine Orientierung, bis wann ein Nahrungsmittel in jedem Fall (bei korrekter Lagerung) haltbar ist. Oft ist es aber länger frisch. Auf vielen Packungen ist daher zu lesen, dass der Verbraucher erst daran riechen und probieren sollte, bevor er ein Produkt entsorgt.

  • Soziale Kontakte

    Die Tafeln sehen sich als Orte der Integration. Häufig finden sich Zugewanderte unter den Kunden. Kulturelle und sprachliche Barrieren erschweren es ihnen, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Die Tafeln übernehmen hier mehrere Funktionen: Sie sind einerseits Anlaufstelle, andererseits Ort der Kommunikation und Begegnung. Die hier erfahrene Unterstützung hilft den Menschen, ihren Alltag besser zu bewerkstelligen.

Dilemma der Hilfsorganisation

Das Hauptproblem: Es gibt keine staatlichen Zuschüsse. Lediglich der Dachverband erhält für einige Projekte Gelder vom Bund. Zusätzlich gibt es einige Kommunen, die teilweise finanziell bezuschussen. Die Tafeln agieren also rein spendenbasiert. Das heißt, Mitglieder, Sponsoren und Spender beteiligen sich an der Finanzierung.

Seit Jahren klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer wieder auseinander. Die Gleichzeitig zieht der Staat sich immer mehr aus der Verantwortung. Davon zeugen der jährliche Armutsbericht und die wachsende Nachfrage bei den Tafeln. Verstärkt wird dies durch die Coronakrise und den Krieg in der Ukraine. Für die Tafeln bedeutet das: Bei gleichem Angebot und gestiegener Nachfrage müssen sie die vorhandenen Mittel pro Person verringern. Oder aber es können keine Neukunden aufgenommen werden.


Anzeige

Was kostet das Essen bei der Tafel?

In der Regel ist das Essen bei der Tafel kostenlos. Manchmal erheben die Ausgabestellen jedoch einen geringfügigen, symbolischen Betrag (zum Beispiel zwei Euro). Diesen entrichten die Tafelkunden bei Erhalt an der Kasse. Dieser Obolus ist ein kleiner Beitrag zu den Kosten, die der Organisation trotz der Lebensmittelspenden entstehen: Nämlich Spritkosten durch den Einsatz von Fahrzeugen für die Abholung der Lebensmittel bei den Supermärkten.

Zum Erhalt berechtigt sind alle diejenigen, die ein geringes Einkommen aufweisen. Von Altersarmut bedrohte Rentner, aber auch Großfamilien, Arbeitslose und Asylbewerber zählen dazu. Die Ausgabe richtet sich nach dem jeweiligen Wohnbezirk. Um die Nahrungsmittel in Empfang nehmen zu können, müssen die Tafelkunden ihre Bedürftigkeit belegen können. Wer unterhalb der Einkommensobergrenze liegt, erhält einen Berechtigungsausweis. Üblicherweise sind Menschen als bedürftig anerkannt, wenn sie eine der folgenden Leistungen beziehen:

  • Grundsicherung
  • Sozialhilfe
  • Arbeitslosengeld / Hartz IV
  • Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

Was gibt es in der Tafel?

Zum überwiegenden Teil gibt es in der Tafel Lebensmittel. Das spiegelt sich auch im englischen Begriff „Food Bank“. Die genauen Produkte der Tafel wechseln jedoch ständig. Welche Lebensmittel am Ausgabetag in welchem Umfang vorliegen, lässt sich nie im Voraus sagen, denn sie bestehen aus Spenden. Im Wesentlichen zählen Bäckereien, Supermärkte und Discounter zu den Lieferanten. Daher besteht das Angebot vor allem aus deren Sortiment.

Im geringen Umfang können auch Sachmittel zu den verteilten Produkten zählen. In der Regel steht die Ausgabe bedürftigen Menschen einmal in der Woche zur Verfügung. Manche Tafeln bieten zudem mehr. Hier können Armutsbetroffene günstige Kleidung, Haushaltswaren oder Möbel erwerben. Auch können eine warme Essensausgabe, Bringdienst und Kinderbetreuung zum Aufgabenspektrum gehören. Abhängig ist dies von den örtlichen Möglichkeiten und Platz.

Andere Formen der Tafel

Hilfsbedürftigen mangelt es nicht nur an Lebensmitteln, sondern vielen Dingen des alltäglichen Lebens. Da sie nur über geringe finanzielle Mittel verfügen, können sie das wenige Geld nicht so einsetzen, wie sie es benötigen. Mit den Produkten der Tafel lässt sich zwar die Not etwas lindern. Meist ist es aber so, dass man nehmen muss, was man kriegt – eine Auswahl gibt es nicht beziehungsweise nur in geringem Umfang.

Daher gibt es mittlerweile andere Hilfsorganisationen, die sich am Gedanken der Tafel orientieren. Dazu gehört beispielsweise die Medikamententafel in Solingen und Dülmen. Hier können Bedürftige rezeptfreie Medikamente zum stark reduzierten Preis erhalten. Ebenfalls als eingetragener Verein organisiert ist die Tiertafel. Diese hat aber nichts mit den Tafeln zu tun. Ziel ist die Unterstützung von Bedürftigen mit Haustieren. Hierzu stehen kostenlose Futter- und Sachmittelspenden für die Tiere nebst Beratung zur Verfügung.

Weiterführende Artikel

[Bildnachweis: Herbstlust.de]

Empfehlungen der Redaktion