Ehrenamt Hospiz: Vergütung, Voraussetzung, Aufgaben

Das Ehrenamt im Hospiz lebt von der Solidarität und dem Mitgefühl derer, die dort tätig sind. Ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen stünden viele Sterbenskranke und ihre Angehörigen oft allein da. Und obwohl viele Freiwillige mit Herzblut ihr Ehrenamt im Hospiz ausüben, wären weitere Helfer willkommen. Denn noch ist es vor allem eine Frauendomäne. Wir stellen diese Tätigkeit vor: Welche Voraussetzungen Interessenten mitbringen sollten und welche Aufgaben auf sie zukommen. Außerdem gehen wir auf die Vergütung ein.

Ehrenamt Hospiz: Vergütung, Voraussetzung, Aufgaben

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Was ist ein Hospiz?

Hospize sind stationäre Einrichtungen, die sterbenskranke Menschen aufnehmen. Diese erfahren hier eine Rundumversorgung, damit es ihnen in der schwersten Phase ihres Lebens an nichts mangelt. Deshalb sind sie nicht nur funktional, sondern auch mit Blick auf die Atmosphäre angenehm gestaltet.

Zentrales Element ist die Sterbebegleitung, denn dazu fehlt in Pflegeheimen mitunter die Zeit. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung erhalten Sterbenden und ihre Angehörigen hier psychosoziale Betreuung. Diese erbringen Sozialarbeiter, Geistliche, Psychologen und eben Ehrenamtliche.

Letztere werden auch als Sterbe- oder Hospizbegleiter bezeichnet. Sie stehen allerdings nicht nur in Krankenhäusern und Hospizen, sondern auch ambulant schwerkranken Patienten und ihren Angehörigen bei.

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Vergütung im Hospiz Ehrenamt

Eine Vergütung fürs Ehrenamt im Hospiz im Sinne eines Gehalts gibt es nicht. Aber Hospizbegleiter können eine Aufwandsentschädigung oder eine Auslagenersatz erhalten:

  • Aufwandsentschädigung
    Als Aufwandsentschädigung kann der Verein oder die Organisation, bei der Sie tätig sind, beispielsweise die Ehrenamtspauschale zahlen. Mitglieder können so bis zu 840 Euro im Jahr erhalten. Das Besondere: Diese Pauschale ist steuer- und sozialabgabenfrei.
  • Auslagenersatz
    Beim Auslagenersatz (auch Aufwendungenersatz) erstattet man Ihnen exakt die Kosten zurück, die Ihnen durch das Ehrenamt im Hospiz entstanden sind. Das können sowohl Material-, Porto-, Telefon als auch Reisekosten sein. Auch wenn Sie Ihren Privatwagen für Vereinszwecke nutzen, lässt sich das angeben. Diese Rückerstattung ist gemäß § 3 Nr. 50 Einkommenssteuergesetz (EStG) steuerfrei. Allerdings müssen Sie die Belege für Ihre Ausgaben aufheben, um die Auslagen nachweisen zu können. Sollten Sie die Auslagen nicht erstattet bekommen, können Sie diese in der Steuererklärung als Werbungskosten absetzen.

Wie Sie außerdem finanziell profitieren

Wer seine Zeit für ein Ehrenamt einsetzt, dem sollen zumindest keine finanziellen Nachteile entstehen. Daher lässt sich die Ehrenamtspauschale auch mit dem Minijob oder Hartz 4 kombinieren. Wichtig hier nur, dass sie nicht am Stück, sondern monatlich ausgezahlt wird, um etwaige Grenzen nicht zu überschreiten. Auf diese Weise können nicht nur Rentner und Hausfrauen, sondern auch Arbeitslose und Studierende ein Ehrenamt im Hospiz ausüben.

Da Geld selten vorrangiges Motiv im Ehrenamt ist, verzichten einige Mitglieder darauf. Die Pauschale, die ihnen zustünde, spenden sie dem Verein zurück. Selbst das honoriert der Gesetzgeber. Wer sich eine Spendenquittung geben lässt, kann diese Aufwandsspende als Sonderausgabe in der Steuererklärung absetzen. Möglich auch eine Rückspende, wenn Sie bereits die Pauschale erhalten haben: In dem Fall ebenfalls mit einer Spendenquittung bestätigen lassen.

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Häufige Fragen und Antworten rund ums Ehrenamt

Wie viele Stunden dürfen Ehrenamtliche arbeiten?

Als Rentner dürfen Sie so viel ehrenamtlich arbeiten, wie Sie möchten. Manche Ehrenämter haben einen Zeitaufwand von wenigen Stunden im Monat, andere von wenigen Stunden pro Woche. Berufstätige sollten den Umfang der Tätigkeit mit ihrem Arbeitgeber klären, sofern er den Bereich der Nebenberuflichkeit überschreitet.

Was gilt noch als Nebentätigkeit?

Als Nebentätigkeit gilt alles, was bis zu maximal einem Drittel der Vollzeit-Erwerbstätigkeit zeitlich in Anspruch nimmt. Je nach Arbeitszeit sind dies zwischen 11 und 14 Stunden pro Woche.

Beispiel: Sie leiten in Ihrem Urlaub eine Jugendfreizeit leiten, die über zwei Wochen 24-Stunden am Tag andauert. Dies ist als Ehrenamt zu werten, wenn das zeitliche Engagement aufs ganze Jahr gesehen unter einem Drittel Ihres Hauptberufs bleibt.

Ist ein Ehrenamt bei Arbeitslosigkeit möglich?

Auch Arbeitslose können ein Ehrenamt ausüben. Allerdings hat der die Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit immer Vorrang. Daher ist auch der Bezug von Arbeitslosengeld an einige Vorgaben geknüpft: Sofern Ihr Ehrenamt mehr als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt, müssen Sie dies der Arbeitsagentur melden.

Zudem darf die Aufwandsentschädigung nicht den Betrag von 200 Euro pro Monat überschreiten. Andernfalls wird Ihnen dies auf die Leistungen der Agentur für Arbeit angerechnet.

Was gilt hinsichtlich Ehrenamtspauschale und Sozialversicherung?

Die Ehrenamtspauschale ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Allerdings muss sie in der Steuererklärung aufgeführt werden. Dafür muss es sich um eine ideelle Tätigkeit handeln, etwa die Mitarbeit bei der Tafel.

Wer als aktiver Fußballer von seinem Verein eine Zahlung erhält, muss diese also voll versteuern und bei der Sozialversicherung angeben. So etwas fällt nicht unter die Ehrenamtspauschale.

Wie belegt man das soziale Engagement?

Um das soziale Engagement bei einer Prüfung belegen zu können, ist letztlich die Satzung des Vereins oder der Institution entscheidend. Dazu muss der Vorstand die Ehrenamtspauschale dem Ehrenamtlichen aktiv bestätigen.

Weiteres Kriterium ist die pauschale Zahlung der Aufwandsentschädigung. Eine Bezahlung nach Stundenlohn ist keine ehrenamtliche Tätigkeit mehr, sondern ein Nebenjob.

Wie wird die Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung angeben?

Die Ehrenamtspauschale geben Sie dort in der Steuererklärung an, wo Sie auch Ihre hauptberuflichen Einnahmen eintragen. Bei Selbstständigen ist dies die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), bei Arbeitnehmern die Anlage N.

Übersteigen die Einnahmen durch das Ehrenamt die Höhe der Pauschale, so muss der darüberliegende Betrag als Nebeneinnahme eingetragen werden.

Kann ich das Ehrenamt steuerlich absetzen?

Zusätzlich können Sie durchs Ehrenamt entstandene Aufwendungen als Betriebskosten beziehungsweise Werbungskosten absetzen. Wer jedoch für die ehrenamtliche Tätigkeit bereits von einer Steuerbegünstigung profitiert (beispielsweise dem Übungsleiterfreibetrag) kann die Ehrenamtspauschale nicht anwenden.

Doppeltes Profitieren für die gleiche Tätigkeit ist ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Kombination mehrerer Ehrenämter. Der Gesamtbetrag für alle Tätigkeiten zusammen erhöht sich nicht – die Ehrenamtspauschale bleibt immer bei den 840 Euro.

Bin ich im Ehrenamt versichert?

Bei einer Mitarbeit in einer sozialen Organisation, in Vereinen sowie Körperschaften öffentlichen Rechts sind Sie in der Regel gesetzlich unfall- und krankenversichert. Zudem haben alle Bundesländer für ehrenamtlich Tätige Sammelverträge zur Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Fragen Sie Ihre Organisation vorab, ob ausreichender Versicherungsschutz (Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Haftpflichtversicherung) existiert. Gegebenenfalls müssen Sie selbst tätig werden. Das gilt auch für ehrenamtliches Engagement im privaten Bereich: Wer also im Rahmen der Nachbarschaftshilfe oder als Leihoma mit den Nachbarskindern etwas unternimmt, muss sich selbst versichern.

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Ausbildung: Voraussetzung für ein Ehrenamt im Hospiz

Für einen menschenwürdigen Umgang mit dem Tod braucht es besonderes Einfühlungsvermögen. Um ein Ehrenamt im Hospiz ausüben zu können, durchlaufen Hospizbegleiter eine intensive Ausbildung. Sowohl Hospizvereine als auch ambulante Hospizdienste bieten entsprechende Kurse an. Diese werden teilweise als Schulung, Ausbildung, Vorbereitungs- oder Befähigungskurs bezeichnet. Die Dauer richtet sich nach der jeweiligen Organisation. Anfallende Kosten übernimmt die Organisation für gewöhnlich, wenn der Absolvent danach das Ehrenamt wenigstens ein Jahr lang ausübt. Inhalte der Ausbildung sind unter anderem:

  • Hintergründe zur Hospizbewegung
  • Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen
  • Kommunikation und Körpersprache
  • Supervision
  • Austausch mit anderen Ehrenamtlichen
  • Reflexion über eigene Wertvorstellungen
  • Bewusstsein über die eigene Helferpersönlichkeit
  • Ausgleich im Privaten

Wer sich beispielsweise für eine Ausbildung bei den Maltesern entscheidet, durchläuft zunächst einen Grundkurs. Darauf folgt eine Praxisphase und anschließend ein Vertiefungskurs. Insgesamt benötigen Interessierte dafür sieben Monate.

Persönliche Voraussetzungen für Hospizbegleiter

Der Tod ist in unserer Gesellschaft oft tabuisiert. Früher starben Familienmitglieder häufig im Beisein ihrer Lieben. Die moderne Gesellschaft mit ihrer Erwerbstätigkeit, aber auch medizinischem Fortschritt und Mobilität hat den Tod vom menschlichen Dasein entkoppelt. Wer ein Ehrenamt im Hospiz ausüben und direkt mit Betroffenen arbeiten möchte, benötigt eine gewisse psychische Stabilität. Daher sollte er in den letzten 12 Monaten nicht selbst in Trauer gewesen sein.

Wichtig außerdem, dass Sie keine Angst vor Nähe oder Ekel verspüren. Berührungen sind für Menschen existenziell. Sterbende mal in den Arm zu nehmen oder übers Gesicht zu streicheln, sollte kein Problem darstellen. Daneben sind Empathie und Belastbarkeit, aber auch eine achtsame und herzliche Haltung sowie die Fähigkeit zur inneren Abgrenzung wichtig.


Aufgaben im Hospiz Ehrenamt

Hauptaufgabe ist es, den letzten Lebensweg der Betroffenen so angenehm wie möglich zu gestalten. Das beinhaltet ausdrücklich ein würdevolles und schmerzfreies Dasein, weshalb spezielle Palliativabteilungen dem Hospiz oft angeschlossen sind. Solche pflegerischen Aufgaben fallen allerdings in den Zuständigkeitsbereich des Pflegepersonals. Ehrenamtliche Hospizbegleiter bringen sich so ein:

Gesellschaft

In erster Linie sind Ehrenamtliche für die Hospizbewohner einfach da, verbringen Zeit mit Ihnen, erfüllen Wünsche. Dinge, an denen der Betroffene noch Spaß hat wie singen, spielen oder Ausflüge. Auch Themen wie Vergänglichkeit, Verlust und Sterben beschäftigen Sterbende. Beim Ehrenamt im Hospiz ist Raum für solche Gespräche.

Ansprechpartner

Manchmal fällt den Sterbenden das Sprechen schwer. Durch aktives Zuhören können Sterbebegleiter zwischen Patient und Angehörigen oder Patient und Ärzten vermitteln. Zudem helfen Hospizbegleiter dem Sterbenden dabei, letzte wichtige Dinge zu erledigen.

Unterstützung

Auch über den Tod des Patienten hinaus unterstützen Sterbebegleiter mitunter die Angehörigen, etwa bei Planung der Beerdigung und Trauerbewältigung.

Vereinsorganisation

Zu den ehrenamtlichen Aufgaben im Hospiz gehört nicht nur die direkte Arbeit mit den Betroffenen. Auch organisatorische Arbeit fällt ins Ehrenamt eines Hospizes. Typische Aufgaben können die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins sowie Tätigkeiten in der Hospizküche oder am Empfang sein. Auch die Pflege der Vereinswebseite oder Verwaltungsaufgaben fallen als Arbeiten an. Diese Bereiche können eine Alternative für Menschen sein, die sich die Tätigkeit als direkter Hospizbegleiter nicht zutrauen, sich dennoch sinnvoll im Hospiz Ehrenamt einbringen wollen.

Hospiz Ehrenamt finden: Wohlfahrtsverbände & Hospize

Wer sich für das Ehrenamt im Hospiz engagieren möchte, findet schnell entsprechende Einrichtungen. Da sind einerseits örtliche Hospize ebenso wie die großen Wohlfahrtsverbände in der Nähe. Dazu zählen beispielsweise:

  • Arbeiterwohlfahrt
  • Caritas
  • Diakonie
  • Malteser
  • Rotes Kreuz

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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