Ehrenamt: Tätigkeiten, Vorteile, Aufwandsentschädigung

Wer ein Ehrenamt ausübt, stellt seine Arbeitskraft einer gemeinnützigen Organisation oder hilfsbedürftigen Menschen freiwillig und ohne Vergütung zur Verfügung. Die Motivation und die Vorteile für ein Ehrenamt sind ebenso unterschiedlich wie die Auswahl an ehrenamtlichen Jobs. So muss es nicht unbedingt ein Verein sein. Wie Sie ehrenamtliche Tätigkeiten in der Nähe finden, was es in Bezug auf Steuer und Versicherung zu beachten gibt und welche Aufwandsentschädigung bei einem Ehrenamt üblich ist, zeigen wir Ihnen an dieser Stelle genauer.

Ehrenamt: Tätigkeiten, Vorteile, Aufwandsentschädigung

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Ehrenamtliche Jobs: Was gibt es für Ehrenämter?

Rund 40 Prozent der Deutschen (circa 31 Millionen Menschen) engagieren sich in einem Ehrenamt. Oft werden dafür auch die Begrifflichkeiten „Bürgerschaftliches Engagement“ oder „Freiwilligenarbeit“ gewählt. Ohne sie würde unser Sozialwesen vermutlich zusammenbrechen. Viele dieser Ehrenamtlichen sind dabei Rentner, die nach einer neuen Aufgabe suchen.

Doch was gibt es für Ehrenämter? Die Auswahl ist hier durchaus vielseitig. Einige Beispiele:

  • Mitarbeit bei der freiwilligen Feuerwehr
  • Aktivitäten in der Kirchengemeinde
  • Trainer oder Betreuer in Sportvereinen
  • Soziales Engagement in der Geflüchtetenhilfe oder bei einer Tafel
  • Engagement in der Seniorenhilfe und in Seniorentreffs
  • Hausaufgabenhilfe
  • Umweltschutz und -aktivismus
  • Leihoma
  • Erwachsenen vorlesen
  • Menschen mit Handicap spazieren fahren
  • Anleiten von Wandergruppen
  • Aufgaben in Faschingszünften beziehungsweise Karnevalsvereinen
  • Besuch von Bewohnern eines Altenheims oder Hospizarbeit
  • Seelsorger
  • Leitung von Erste-Hilfe-Kursen
  • Tätigkeit als Schöffe bei Gericht

Ehrenamtliche Tätigkeit in der Nähe finden

Aber wie finde ich eine ehrenamtliche Tätigkeit in meiner Nähe? Wer ein Ehrenamt finden möchte, kann sich zunächst einmal an die Stadt- oder Gemeindeverwaltung wenden. Aber auch die großen sozialen Träger sind gute Ansprechpartner wie zum Beispiel:

  • Caritas
  • Diakonie
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband

Diese Träger-Organisationen haben den Vorteil, dass sie ein breites Angebot an ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie eine gute Betreuung bieten.

Wer dort nicht fündig wird, kann sich aber auch bei anderen Organisationen auf die Suche machen:

  • Freiwillige Feuerwehr
  • Kulturelle Einrichtungen
  • Umweltverbände
  • Sportvereine
  • Örtliche Kirchengemeinde

Zudem finden sich in Anzeigenblättern und an Aushängen immer wieder private Gesuche nach Nachbarschaftshilfen, Freizeitbegleitungen, Kinderbetreuungen oder ähnliches.

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Ehrenamt: Vorteile und Motivation

Doch was bringt mir das Ehrenamt? Die Motivation, ein Ehrenamt auszuüben, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die häufigsten Vorteile, welche die Freiwilligen zu ihrem Engagement motiviert, sind dabei:

  • Erfahrungen
    Sich zuhause vor dem Fernseher zu setzen und sich berieseln zu lassen, ist für viele Menschen nichts, was sie dauerhaft glücklich macht. Sie möchten neue Erfahrungen machen und etwas erleben. Ein Ehrenamt bietet dazu etliche, unterschiedliche Möglichkeiten.
  • Dankbarkeit
    Ein Ehrenamt hat immer etwas damit zu tun, anderen Menschen zu helfen. Der Altruismus ist also ein wesentlicher Treiber. Im Gegenzug erfahren die Ehrenamtlichen von den Menschen, die sie unterstützen, oft unendlich viel Dankbarkeit.
  • Sozialleben
    Neue Freunde finden, Austausch mit Gleichgesinnten – dieser Aspekt macht für viele einen großen Reiz aus, den ein Ehrenamt bietet. Durch das Engagement wird das Leben bereichert und abwechslungsreich.
  • Weiterentwicklung
    Auch erlernt man im Ehrenamt neue Kenntnisse und Fähigkeiten. Die persönliche Weiterentwicklung ist für viele Ehrenamtliche ein unschätzbarer Vorteil ihrer Tätigkeit.
  • Abwechslung
    Es muss ja nicht bei einem Ehrenamt bleiben. Das, was das Ehrenamt von vielen Berufen abhebt, ist die Abwechslung und die Vielseitigkeit, die sich hier bietet. Da Sie Ihre Arbeitskraft freiwillig und unentgeltlich zur Verfügung stellen, können Sie auch frei darüber entscheiden, wo und wie Sie sich ausleben.
  • Ausgleich
    Raus aus dem Trott – für viele ist das Ehrenamt ein Ausgleich von tagtäglichen Stress und einem Beruf, der sie nur einseitig belastet aber nicht ausfüllt. Es ist eine Win-Win-Situation: Die Ehrenamtlichen können in ihrer Freizeit mit einem Hobby anderen Menschen helfen.
  • Selbstwertgefühl
    Wer gebraucht wird, fühlt sich meist gut. Durch die Anerkennung und das direkte Feedback ergibt sich für viele Menschen Lebensfreude und ein Sinn in ihrem Leben. Die Folge ist, dass sie sich selbst für die Gesellschaft als wertvoller betrachten.
  • Gutes Gewissen
    Nicht zu verschweigen ist auch, dass das Ehrenamt oft auch als eine Art Ablasshandel betrachtet wird. Gerade wer in seinem bisherigen Leben viel auf Kosten anderer und der Gesellschaft gelebt hat, hat womöglich ein schlechtes Gewissen und will etwas zurückgeben. Diese Motivation ist zwar auf den ersten Blick sehr egoistisch, aber wenn es im Endeffekt der guten Sache dient, spricht nichts gegen diese Ehrlichkeit.

Ehrenamtliches Engagement als wichtige Säule der Gemeinschaft

Die Tendenz in Bezug auf das ehrenamtliche Engagement ist leider rückläufig. Viele Verbände und Vereine klagen darüber, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich betätigen.

Dabei ist das Ehrenamt eine wichtige Säule der Gesellschaft. Viele Angebote sind in ihrer Vielfalt und in ihrer Flexibilität gar nicht durch Festanstellungen zu stemmen. Die Träger sind daher auf das Ehrenamt angewiesen.

Nicht zuletzt geht es dabei auch darum, über den Tellerrand des eigenen Lebens hinauszuschauen und Verantwortung für die Gemeinschaft zu tragen, in der man lebt. In einer Gesellschaft, die sich jedoch durch die modernen Medien zunehmend individualisiert und viele nur noch auf sich und ihre persönliche „Blase“ schauen, gestaltet sich die Suche nach Ehrenamtlichen schwierig.

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Ehrenamt mit Aufwandsentschädigung

Der Grund für ein Ehrenamt ist nicht das Geld. Dennoch haben viele von den Ehrenamtlichen Auslagen wie zum Beispiel Fahrtkosten. Diese erhalten sie häufig in Form einer Entschädigung vom Verein oder der Institution, in der sie sich engagieren, erstattet.
Hierbei muss man zwei unterschiedliche Arten der Aufwandsentschädigung beachten:

  • Die Ehrenamtspauschale
    Dabei handelt es sich um eine Möglichkeit, bis zu 840 Euro im Jahr (umgerechnet also 70 Euro pro Monat) komplett steuerfrei für eine ehrenamtliche Tätigkeit zu bekommen. Allerdings muss das Ehrenamt bei einer gemeinnützigen Organisation ausgeübt werden. Private Tätigkeiten fallen leider nicht darunter.
  • Übungsleiterpauschale
    Wer sich ehrenamtlich im pädagogischen Bereich engagiert, kann bis zu 3.000 Euro pro Jahr (also 250 im Monat) als Übungsleiterfreibetrag geltend machen. Das bedeutet, auch dieser Betrag ist steuerfrei. Auch die ehrenamtliche Zuwendung für pflegebedürftige Menschen fällt darunter. Dennoch gilt auch hier: Es muss sich bei dem Ehrenamt um die Arbeit für eine Organisation handeln, deren Gemeinnützigkeit staatlich anerkannt ist.

Wie viele Stunden darf man ehrenamtlich arbeiten?

Als Rentner dürfen Sie theoretisch so viel ehrenamtlich arbeiten, wie Sie möchten. Wer jedoch noch berufstätig ist, sollte den Umfang der Tätigkeit mit seinem Arbeitgeber klären, sofern er den Bereich der Nebenberuflichkeit überschreitet.

Als Nebentätigkeit gilt alles, was bis zu maximal einem Drittel der Vollzeit-Erwerbstätigkeit zeitlich in Anspruch nimmt. Je nach Arbeitszeit sind dies also meist zwischen 11 und 14 Stunden pro Woche.

Die zeitliche Bemessung gilt auf das ganze Jahr gesehen. Wenn Sie also in Ihrem Urlaub eine Jugendfreizeit leiten, die über zwei Wochen 24-Stunden am Tag andauert, so ist dies durchaus als Ehrenamt zu werten, wenn das zeitliche Engagement auf zwölf Monate gesehen unter einem Drittel Ihres Hauptberufs bleibt.

Ehrenamt in der Arbeitslosigkeit

Wer arbeitslos gemeldet ist, muss ebenfalls zeitlich einiges beachten: Sofern Ihr Ehrenamt mehr als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt, müssen Sie dies der Arbeitsagentur melden.

Zudem darf die Aufwandsentschädigung nicht den Betrag von 200 Euro pro Monat überschreiten. Andernfalls wird Ihnen dies auf die Leistungen der Agentur für Arbeit angerechnet.

Ehrenamtspauschale und Sozialversicherung

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Ehrenamtspauschale nicht nur für die Steuererklärung relevant ist: Sie ist auch sozialversicherungsfrei.

Aber auch hier gilt: Es muss sich um eine ideelle Tätigkeit handeln, wie zum Beispiel die Mitarbeit bei der Tafel. Wer als aktiver Fußballer von seinem Verein eine Zahlung erhält, muss diese also voll versteuern und bei der Sozialversicherung angeben – sie fällt nicht unter die Ehrenamtspauschale.

Um dieses soziale Engagement bei einer Prüfung belegen zu können, ist letztlich die Satzung des Vereins oder der Institution entscheidend. Dazu muss durch den Vorstand die Ehrenamtspauschale dem Ehrenamtlichen aktiv bestätigt werden.

Ebenfalls ist entscheidend, dass die Aufwandsentschädigung pauschal geleistet werden muss. Eine Bezahlung nach Stundenlohn ist keine ehrenamtliche Tätigkeit mehr, sondern ein Nebenjob.

Ehrenamtspauschale in der Steuererklärung angeben

Wer die Ehrenamtspauschale in Anspruch nehmen möchte, muss dies in seiner Steuererklärung angeben. Und zwar dort, wo Sie auch Ihre hauptberuflichen Einnahmen eintragen. Bei Selbstständigen ist dies die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), bei Arbeitnehmern die Anlage N. Übersteigen die Einnahmen durch das Ehrenamt die Höhe der Pauschale, so muss der darüber liegende Betrag als Nebeneinnahme eingetragen werden.

Zusätzlich zur Ehrenamtspauschale können Aufwendungen, die durch das Ehrenamt entstehen, als Betriebskosten beziehungsweise Werbungskosten abgesetzt werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang jedoch: Falls Sie für die ehrenamtliche Tätigkeit bereits von einer weiteren Steuerbegünstigung profitieren, zum Beispiel dem Übungsleiterfreibetrag, so können Sie die Ehrenamtspauschale nicht geltend machen. Ein doppeltes Profitieren für die gleiche Tätigkeit ist also ausgeschlossen.

Das gleiche gilt für die Kombination mehrerer Ehrenämter. Der Gesamtbetrag für alle Tätigkeiten zusammen erhöht sich nicht – die Ehrenamtspauschale bleibt immer bei den 840 Euro.

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Bin ich im Ehrenamt versichert?

Die Frage, wie genau Sie im Ehrenamt versichert sind, lässt sich pauschal schwer beantworten. Bei einer Mitarbeit in einer sozialen Organisation oder in einem Verein sind Sie gesetzlich unfall- und krankenversichert.

Im privaten Rahmen greifen diese Versicherungen nicht. Wer also im Rahmen der Nachbarschaftshilfe oder als Leihoma mit den Nachbarskindern spielt oder etwas unternimmt, muss sich selbst um die Unfallversicherung, eine Privathaftpflichtversicherung oder gegebenenfalls eine Berufsunfähigkeitsversicherung kümmern.

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[Bildnachweis: herbstlust.de]

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