Eingewöhnung Pflegeheim: So gelingt der Umzug

Ist ein Umzug unvermeidbar, sollten Angehörige und Pflegekräfte die Eingewöhnung im Pflegeheim so angenehm wie möglich gestalten. Meist erfolgt dieser Schritt, weil die pflegebedürftige Person nicht mehr allein leben kann, etwa bei fortgeschrittener Demenz. Dennoch ist ein Umzug für die Betroffenen oft einschneidend. Sie fühlen sich in ihren Entscheidungen beschnitten oder können ihre Lage nicht genau erfassen. Wir geben Tipps, wie die die Eingewöhnung im Pflegeheim erfolgen kann…

Eingewöhnung Pflegeheim: So gelingt der Umzug

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Konzept für Eingewöhnung im Pflegeheim

„Alte Bäume verpflanzt man nicht“, sagt ein altes Sprichwort. Das bringt das Dilemma auf den Punkt: Ältere Menschen möchten ihre vertraute Umgebung nicht verlassen. Dennoch lässt sich dies manchmal nicht vermeiden: Pflegende Angehörige sind überlastet, mit einem ambulanten Pflegedienst allein lässt sich der Alltag nicht mehr bewältigen. Dann ist gute Planung wichtig. Ein Konzept, wie der Umzug ablaufen kann, erleichtert die Eingewöhnung im Pflegeheim. Dazu folgende Tipps:

1. Treffen Sie eine gemeinsame Wahl

Das Thema ist schwierig und viele vermeiden es. Dabei verschiebt sich so das Problem nur. Zeichnet sich bereits ab, dass ein Umzug notwendig sein könnte, sollten Sie mit dem oder der Betroffenen reden. Sprechen Sie behutsam das Thema an, erklären Sie die Situation. Denn am schlimmsten ist für viele Betroffene das Gefühl, dass jemand über ihren Kopf hinweg Entscheidungen trifft. Das hat was von Entmündigung und geringer Wertschätzung.

Allerdings hängt die Reaktion des Betroffenen von der Einsichtsfähigkeit ab. Manche wollen oder können ihre Pflegebedürftigkeit nicht erkennen. Gegen den momentanen Willen des Pflegebedürftigen eine Unterbringung zu entscheiden, fällt schwer. Trotzdem kann es notwendig sein, um die eigene Überlastung zu vermeiden. Schauen Sie sich daher gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen verschiedene Einrichtungen an, verschaffen Sie sich einen Eindruck. Dafür können Sie Angebote für Aufnahme- und Erstgespräche nutzen.

2. Bereiten Sie den Umzug vor

Zur Eingewöhnung im Pflegeheim gehört, dass sich der Pflegebedürftige an die Pflege durch andere gewöhnt. Viele Pflegeheime bieten eine Kurzzeitpflege an. Zudem ermöglicht das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) ein Probewohnen. Nutzen Sie diese Chance, um die pflegebedürftige Person langsam an die Umgebung heranzuführen.

Auch gemeinsame Spaziergänge zur Einrichtung, Teilnahme an Gruppenaktivitäten oder Besuche der hauseigenen Cafeteria sind sinnvoll. Sie helfen dabei, ein Gespür für das Pflegeheim zu entwickeln. So kann sich die pflegebedürftige Person Schritt für Schritt an neue Wege und Räumlichkeiten gewöhnen. Und Sie gewinnen einen Einblick in den Alltag: Wie gehen die Mitarbeiter mit den Bewohnern um, welche Atmosphäre herrscht im Pflegeheim?

3. Stellen Sie Kontakt zum Personal und Bewohnern her

Gespräche mit der Heimleitung und dem Personal helfen bei der Eingewöhnung im Pflegeheim. Stellen Sie den neuen Bewohner vor: Was macht die Person aus, welche Dinge haben sie immer interessiert? Dabei sollten Sie Gewohnheiten und besondere Wünsche, aber auch mögliche Befürchtungen thematisieren. Geht ein Heim flexibel mit den individuellen Aufsteh- und Schlafenszeiten des Pflegebedürftigen um, erleichtert das die Eingewöhnung im Pflegeheim.

Führen Sie außerdem Gespräche mit anderen Bewohnern und binden Sie Ihren Pflegebedürftigen mit ein. So kann er sich an die neuen Gesichter gewöhnen und die Menschen kennenlernen. Gleichzeitig bringen Sie so wichtige Kenntnisse in Erfahrung, beispielsweise über Funktionen und Abläufe im Pflegeheim. Je transparenter diese sind, desto leichter kann sich Vertrauen entwickeln.

4. Erleichtern Sie die Orientierung

Wie gut die Eingewöhnung im Pflegeheim gelingt, ist auch eine Frage der Orientierung. Vor allem bei Pflegebedürftigen mit Demenz sollte das überprüft werden. Dazu schreiten Sie mit Ihrem Familienmitglied das Zimmer und den Weg zum Bad ab. Zeigen Sie ihm, wie er zum Speisesaal gelangt. Später beobachten Sie, wie gut er selbstständig zurechtkommt. Je besser die Orientierung, desto schneller lebt sich der Betroffene ein.

Das wiederum begünstigt, neue Kontakte zu knüpfen und den Verlust der eigenen vier Wände zu überwinden. Die Pflegeeinrichtungen kennen zudem verschiedene Maßnahmen, um die Orientierungsfähigkeit zu erleichtern, beispielsweise durch Farben oder Piktogramme. Anderenfalls wird der neue Bewohner von einer Pflegekraft zu den entsprechenden Räumen begleitet.

5. Geben Sie Zeit zur Eingewöhnung im Pflegeheim

Wie gut die Eingewöhnung im Pflegeheim gelingt, ist von vielen Faktoren abhängig. So auch der gesundheitlichen Verfassung und der Persönlichkeit des neuen Bewohners. Demenzerkrankungen wie Alzheimer führen häufig dazu, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen wandelt. So kann aus sonst friedliebenden Menschen plötzlich eine zunehmend gereizte oder streitsüchtige Person werden. In anderen Fällen ist jemand neuerdings ängstlich. All das kann sich darauf auswirken, wie jemand Veränderungen in seinem Lebensumfeld wahrnimmt.

War jemand früher Einzelgänger und auf Selbstständigkeit bedacht, kann sich das ins absolute Gegenteil verkehren. Mit fortschreitender Erkrankung lässt sich beobachten, dass Betroffenen die Nähe und Gemeinschaft zu anderen Menschen wichtig ist. Daher lässt sich nicht pauschal sagen, dass ein Umzug ins Pflegeheim um jeden Preis zu vermeiden ist. Besonders wenn Betroffene sich zuhause einsam fühlen, kann eine Pflegeeinrichtung ein Vorteil sein. Dennoch kann die Anfangsphase für alle Beteiligten herausfordernd sein. Zeigen Sie Verständnis für die Trauer und gestehen Sie sich ebenfalls schwierige Emotionen zu.

6. Schaffen Sie ein wohnliches Zuhause

Ohne eine persönliche Note hat eine Unterkunft im Pflegeheim den Charme eines Krankenhauszimmers. Das wissen auch die Pflegeheime, weshalb viele eine eigene Gestaltung ausdrücklich unterstützen. Die Eingewöhnung im Pflegeheim fällt der pflegebedürftigen Person viel leichter, wenn sich Vertrautes in der Umgebung wiederfindet. Alle Möbel lassen sich schwerlich unterbringen.

Aber es sollte Platz für den Lieblingssessel oder andere liebgewonnene Gegenstände sein. Geben Sie Ihrem Familienmitglied die Chance, ein bisschen in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen. Dazu können Sie beispielsweise Bilder an ähnlichen Plätzen aufhängen, Fotos der Enkel oder andere persönliche Gegenstände zur Dekoration aufstellen.

7. Halten Sie den Kontakt zum Pflegebedürftigen

Nichts ist trostloser als die Vorstellung, unerwünscht zu sein oder zur Last zu fallen. Viele Menschen bedrückt deshalb die Aussicht darauf, ins Pflegeheim ziehen zu müssen. Sie fürchten, aufs Abstellgleis geschoben zu werden und ihre Angehörigen nie wieder zu sehen. Um solche Ängste zu zerstreuen, ist es besonders wichtig, dass Sie den regelmäßigen Kontakt halten. Richten Sie dazu ein Telefon für Anrufe ein, besuchen Sie den Pflegebedürftigen.

Zu Feiertagen können Sie ihn – je nach gesundheitlicher Verfassung – mit nach Hause nehmen. Das Kontakthalten gilt natürlich ebenso für Freunde und Nachbarn oder ehemalige Kollegen. Idealerweise wechseln sich die Besuche ab. Achten Sie außerdem darauf, dass sie möglichst nicht zeitgleich zu den diversen Aktivitäten und Angeboten in der Unterkunft stattfinden.

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Alternativen zum Pflegeheim

Welche Art der Pflege für jemanden infrage kommt, damit setzen sich viele erst im konkreten Fall auseinander. Heutzutage ist das Pflege- oder Altenheim nur mehr eine von vielen Möglichkeiten. Noch dazu die unbeliebteste: Befragungen zufolge wollen viele Senioren am liebsten in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Neben dem sozialen Umfeld und dem gewohnten Viertel zählt vor allem der Wunsch nach Selbstbestimmung zu den wichtigsten Gründen.

Altenpflege Pflegebedürftige Nach Versorgungsart Statistik

Nur 20 Prozent aller Pflegebedürftigen kommen in stationären Pflegeeinrichtungen unter (siehe Grafik). Daher möchten wir hier drei weitere Alternativen vorstellen, mit denen Sie die Pflege Ihres Familienmitglieds sicherstellen können:

  • Polnische Pflegekräfte

    Hinter der landläufigen Bezeichnung „Polnische Pflegekräfte“ verbergen sich Pflegekräfte aus Osteuropa. Diese dürfen in der Regel keine medizinischen Leistungen erbringen, können aber die ambulante Pflege ergänzen. Etwa 3.000 Euro an Zusatzkosten müssen Sie einkalkulieren. Dafür wohnt die Pflegekraft beim Pflegebedürftigen und kann hauswirtschaftliche und leichtere pflegerische Aufgaben übernehmen.

  • Betreutes Wohnen

    Beim betreuten Wohnen ist zwar ein Umzug erforderlich. Allerdings ist der Grad der Selbstbestimmung deutlich höher als in einem Pflegeheim. Außerdem können Sie die Wohnung komplett nach eigenen Wünschen einrichten. Je nach Bedürftigkeit lassen sich verschiedene Leistungen hinzubuchen: Von einer gelegentlichen Haushaltshilfe bis hin zur mehrmals täglichen Pflege und der regelmäßigen Versorgung mit Mahlzeiten. Die Angebote richten sich je nach Variante. So kann betreutes Wohnen beispielsweise zum Angebot von Seniorenresidenzen oder Mehrgenerationenhäusern gehören. Die großen Vorteile: Bei dieser Wohnform wird das Sozialleben gefördert, gleichzeitig haben Pflegebedürftige Zugang zu pflegerisch-medizinischer Betreuung.

  • Senioren-WG

    Auch eine Senioren-WG kann eine Alternative zum Pflegeheim sein. Hier treffen Bewohner auf Gleichgesinnte und unterstützen sich gegenseitig. Meist sind sie Pflegeheimen angegliedert. Dann können die WG-Bewohner auf ambulante Dienste zurückgreifen. Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit kann das allerdings ähnlich kostenintensiv wie ein Platz im Pflegeheim sein. Vorteil ist wie beim betreuten Wohnen eine stärkere Selbstbestimmung und individuellere Gestaltung der Wohnung.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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