Enkeltrick & Varianten: Was tun bei Betrugsversuch?

Der Enkeltrick ist eine beliebte Betrugsmasche am Telefon. Er kann viel Ärger bedeuten und Senioren um ihr sauer verdientes Geld bringen: Unter Vortäuschen falscher Tatsachen erschleichen sich Betrüger so das Vertrauen ahnungsloser älterer Menschen. Das muss aber nicht sein: Wir zeigen Ihnen, welche Enkeltrick Varianten es gibt und wie Sie sich schützen können…

Enkeltrick & Varianten: Was tun bei Betrugsversuch?

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Definition: Was ist der Enkeltrick?

Beim Enkeltrick ruft eine Person mit Betrugsabsichten bei einem älteren Menschen an und gibt sich als Enkel, Neffe (daher auch Neffentrick) oder naher Verwandter aus. Durch geschicktes Vorgehen kommen die Betrüger an hilfreiche Informationen. Diese helfen ihnen, mithilfe einer ebenfalls erfundenen Notlage gutgläubige, hilfsbereite oder bereits demente Senioren in eine Falle zu locken.

Einmal hineingetappt, händigen die Opfer den Betrügern Geld oder Wertgegenstände aus. Dies geschieht in dem Glauben, dass sie tatsächlich ihrem Verwandten damit helfen.

Wie funktioniert der Enkeltrick?

Die Täter wählen vor allem deshalb Senioren aus, weil sie auf deren Vergesslichkeit und Mitleid spekulieren. Meist funktioniert der Enkeltrick so:

  1. Recherche

    Der Betrüger ermittelt über das Telefonbuch die Telefonnummer eines potenziellen Betrugsopfers. Kriterium hierfür sind Vornamen, die Rückschlüsse auf ältere Jahrgänge zulassen.

  2. Anruf

    Der eigentliche Trick liegt nun im Anrufverhalten: Der Betrüger meldet sich nicht mit Namen. Stattdessen sagt er beispielsweise: „Rate mal, wer hier ist!“ Beginnt nun der Angerufene damit, laut potenziell infrage kommende Verwandte aufzuzählen, hat der Betrüger einen Hinweis, bei dem er einhaken kann.

  3. Story

    Als nächstes folgt eine mehr oder weniger glaubwürdige Geschichte. Typisches Merkmal: Es ist immer größte Eile und Dringlichkeit geboten. Der Anrufer befindet sich immer gerade in einer Notlage, die meist finanzielle Hilfe erfordert.

  4. Abschluss

    Der Enkeltrick verläuft für den Betrüger erfolgreich, wenn es ihm gelingt, das Opfer zur Übergabe von Geld oder Wertgegenständen gegenüber eines Dritten zu bewegen. Das ist deshalb wichtig, da bei einem persönlichen Treffen die falsche Identität des Anrufers sofort auffliegen würde.

Das Ganze funktioniert oft höchst professionell: Nicht selten sind Banden aus dem Ausland involviert, die mit mehreren Handys und Beteiligten vorgehen.

Enkeltrick Varianten aktuell

Der obige Ablauf gehört zu den „Klassikern“ des Enkeltricks. Er kann dadurch variieren, dass der Anrufer vorgibt, eine andere nah verwandte Person (Sohn, Tochter, Nichte, Neffe) zu sein. Daneben gibt es aktuell weitere Varianten:

  • Angebliche Warnung vor Enkeltrick

    Bei dieser Enkeltrick-Variante ruft zunächst der Betrüger an und gibt sich als Enkel aus. Kurze Zeit darauf erfolgt ein Anruf, bei dem sich der oder die Anrufer als Polizei ausgeben, die den Enkeltrick aufgedeckt hätten. Mithilfe weiterer Geschichte erläutern sie dem Opfer nun, warum es nun dennoch die im ersten Anruf geforderte Summe bereitstellen soll: Mal benötigt der vorgebliche Polizist das Geld, um den Betrüger in eine Falle zu locken. In einer anderen Variante kommen Polizisten vorbei und zählen das Geld – das anschließend verschwunden ist. Oder sie bringen das Opfer derart in Bedrängnis, dass es aufgrund des Drucks den falschen Polizisten das Geld aushändigt.

  • Enkeltrick per Whatsapp

    Die Polizei warnt zudem vor einer neuen Enkeltrick-Variante, nämlich dem Betrug über Messenger-Dienste wie Whatsapp. Hierbei erhält der Senior von einer unbekannten Telefonnummer eine Nachricht mit folgendem (sinngemäßen) Inhalt: „Hallo Mama/Oma, ich habe ein neues Handy. Bitte speichere die neue Handynummer ab.“ In den folgenden Nachrichten schildert die vermeintliche Tochter/Enkelin beziehungsweise der vermeintliche Sohn/Enkel eine Notlage. Aufgrund des neuen Gerätes fehlten nun die Daten fürs Online Banking und man benötige eine bestimmte Summe. Wie immer beim Enkeltrick folgt darauf das Versprechen, dass das Geld natürlich zurückgezahlt werde.

Geschickter Psychomix sorgt für Druck

Den Geschichten liegt immer ein Notfall zugrunde, der für entsprechenden Druck sorgt. Besonders perfide das Spiel mit der Angst: Entweder hat der vermeintliche Enkel im Ausland selbst einen Unfall gehabt und benötigt nun Unsummen für die Behandlung, da er nicht versichert ist. Tipp: Schon allein diesen Wahrheitsgehalt dürfen Sie anzweifeln, da zumindest im EU-Ausland jede Behandlung durch die Krankenkasse abgedeckt ist.

Eine Variante ist die Geschichte, dass der Enkel oder Neffe eine andere Person im Ausland angefahren habe und für dessen Operation nun viel Geld benötige. Angst und Druck bauen die Täter zusätzlich dadurch auf, indem sie mit der Polizei im Falle des Nichthandelns drohen. Als Angerufener sollten Sie in jedem Fall Ihre Verwandten und/oder die Polizei verständigen. Exaktes Vorgehen siehe folgende Tipps:


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Was tun bei Enkeltrick?

Viele Senioren sind im Falle eines mutmaßlichen Enkeltricks aufgeregt und nervös. Niemand möchte sich übers Ohr hauen lassen. Dazu sind manche zunächst unsicher, ob nicht doch etwas Wahres an der Geschichte dran ist. In der Regel ist aber Skepsis angebracht: Vor allem, wenn der Anrufer das Opfer unter Druck setzt. Erreicht Sie ein solcher Anruf, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Verweigern Sie Ratespielchen, bei denen Sie den Namen des Anrufers erraten sollen.
  • Falls möglich, notieren Sie sich unbekannte Nummern vom Display.
  • Stellen Sie Fragen zur Kontrolle, die nur Ihr Verwandter beantworten kann.
  • Zweifeln Sie die Identität an, brechen Sie das Gespräch ab.
  • Rufen Sie den angeblichen Enkel oder Verwandten unter der Ihnen bekannten Telefonnummer an.
  • Bestehen Sie immer auf ein persönliches Treffen.
  • Lassen Sie sich nicht mit einem Stellvertreter abspeisen, auch nicht in einer „Notlage“.
  • Gewähren Sie Fremden keinen Zugang zu Ihrer Wohnung.
  • Kommen Sie niemals telefonischen Zahlungsaufforderungen nach.
  • Verständigen Sie die Polizei nach verdächtigen Anrufen unter 110.

Diese zehn Tipps können helfen, um im Fall eines suspekten Anrufs einen Enkeltrick zu verhindern. Sollten Sie dennoch dem Drängen nachgegeben haben, versuchen Sie sich so viele Details wie möglich zu merken: Autokennzeichen, Aussehen und Geschlecht der Person.

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So können Sie den Enkeltrick vorbeugen

Im besten Fall beugen Sie den Enkeltrick durch diese Maßnahmen vor:

  • Sensibilisierung

    Kinder sollten ihren betagten Eltern davon erzählen und sie vor solchen Betrugsmaschen warnen. Hilfreich auch, wenn für bestimmte Notfälle Verhaltensregeln ausgemacht werden.

  • Aufmerksamkeit

    Bemerken Sie einen aufgeregten, vielleicht schon etwas hilfsbedürftigen Nachbarn, sollten Sie empathisch nachfragen. Wer sich bereits jahrzehntelang kennt, wird bei bestimmten Geschichten skeptischer reagieren als jemand, der emotional gerade im Ausnahmezustand ist.

  • Datenschutz

    Lassen Sie Ihren Namen aus (elektronischen) Telefonbüchern streichen. Geben Sie keine persönlichen Informationen weiter: Weder Telefonnummern, Adressen oder Kontodaten.

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Enkeltrick steht unter Strafe

Der Enkeltrick ist nur eine von vielen Betrugsmaschen, denen ältere Menschen zum Opfer fallen. Einige Betrüger gaukeln etwa romantische Gefühle vor (sogenannte „Scammer“ oder „Romantic Scammer“). Andere wirken besonders vertrauenswürdig, indem sie vortäuschen, Polizeibeamte oder Angestellte bei den Stadtwerken zu sein.

In allen diesen Fällen handelt es sich um eine Form des Betrugs, die nach § 263 des Strafgesetzbuches (StGB) strafbar ist. Der Enkeltrick kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe bestraft werden.

Opfer schweigen oft aus Scham

Eine zentrale Statistik, wie viele Menschen jährlich diesem Betrug zum Opfer fallen, gibt es nicht. Für Schleswig-Holstein verzeichnete die Polizei in diesem Jahr bisher 440 Fälle, davon 94 erfolgreiche. Die Polizei geht aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher liegt.

Viele Straftaten kommen erst gar nicht zur Anzeige: Die Opfer empfinden zu große Scham, weil sie womöglich das Erbe ihrer Kinder an Betrüger verloren haben.

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[Bildnachweis: rio haduki by Shutterstock.com]

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