Entscheidungen in der Liebe: Herz oder Kopf?

Ein Gastbeitrag von Sofia Müller

Wir können nicht wählen, in wen wir uns verlieben. Aber wir können bewusste Entscheidungen rund um unusere Herzensangelegenheiten treffen. Wenn Sie das nicht bisher gemacht haben, dann wird es höchste Zeit! Rationale Entscheidungen in der Liebe? Hört sich wie ein Widerspruch an, können aber enorm nützlich sein… Welche Entscheidungen das sind und wie man sie treffen sollte, können Sie herausfinden, indem Sie weiterlesen…

Entscheidungen in der Liebe: Herz oder Kopf?

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Welche Entscheidungen muss man in der Liebe treffen?

Auch wenn es in der Liebe vorrangig um Gefühle geht: Es gibt auch ein paar sinnvolle Entscheidungen, die beide bewusst treffen sollten. Angefangen bei der Art der Beziehung (offen oder monogam?), wie man gemeinsam leben möchte, bis hin zu Entscheidungen über Finanzen oder im Falle einer Krise: Möchte man in der Beziehung bleiben oder wird es Zeit für einen Neuanfang? Das alles sind wichtige Fragen, die beide gemeinsam und gut überdenken sollten. Sie sind wichtige Voraussetzungen für eine glückliche und erfolgreiche Partnerschaft.

Um es leichter für Sie zu machen, finden Sie im folgenden Entscheidungen und Orientierungsfragen zur verschiedenen Themen, die Ihnen dabei helfen können, schwere Entscheidungen in der Liebe leichter zu treffen.

1. Mit welcher Erwartungshaltung gehe ich in die Partnerschaft?

Wenn Sie jemanden kennenlernen oder wenn Sie erkennen, dass er oder sie Gefühle für Sie hat, müssen Sie nicht gleich Ihr ganzes Leben mit der Person verplanen. Aber in dem Moment, wenn Sie realisieren, dass die Beziehung ernst wird, sollten Sie darüber nachdenken, was Sie von dem Partner und der Beziehung erwarten. Diese folgenden Fragen können dazu erste Denkanstöße liefern, um die richtigen Entscheidungen zu treffen:

  • Was denken Sie über klassische und alternative Beziehungskonzepte?
  • Wie viel Zeit sollte ein Paar zusammen oder getrennt verbringen?
  • Welche Rolle spielt der Sex in der Beziehung?
  • Sollte ein Paar alles miteinander teilen?
  • Oder braucht jeder eine gewisse Art von Privatsphäre?
  • Wie viel Zeit will ich mit Freunden/Familie des Partners verbringen?

Über diese Punkte sollte generell ein Konsens zwischen den Partnern herrschen, um häufige Konflikte zu vermeiden.

2. Teilen wir generelle Lebenseinstellungen?

Gemeinsamkeiten sind wichtig für eine Beziehung. Ähnliche Ziele, Werte und Wünsche machen es leichter, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Natürlich kann eine Beziehung funktionieren und sogar glücklich und erfolgreich sein, wenn man nicht jede Meinung teilt. Auch zu den Lebensfragen gilt es wieder, dass Sie sich gemeinsam darüber klar werden – nicht zuletzt, um sich besser zu verstehen.

  • Was bedeutet für mich Lebensglück?
  • Was sind meine Ziele, die ich im Leben unbedingt erreichen möchte?
  • Wann bin ich vollkommen glücklich?
  • Oder: Was fehlt mir noch zum vollkommenen Glück?
  • Wie gehe ich mit negativen Gefühlen um?
  • Wo sehen sie mich in 5 Jahren?
  • Gibt es Dinge, bei denen ich kompromisslos bin?
  • Wo sind meine roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen?

3. Wie soll das gemeinsame Leben aussehen?

Je weiter sich die Beziehung entwickelt, desto tiefgreifender werden die Fragen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Einer der größten Schritte und wahrscheinlich einige der wichtigeren Entscheidungen in der Liebe und Beziehung betreffen die Themenbereiche „Wohnen“ und „Kinder“: Beantworten Sie die folgenden Fragen zunächst für sich selbst und tauschen Sie sich danach mit Ihrem Partner aus, um die Ansichten zu vergleichen.

  • Möchte ich mit meinem Partner zusammenwohnen?
  • Wo möchte ich wohnen, wenn wir zusammenziehen: bei mir oder beim Partner?
  • Wohnung oder Haus? Stadt oder Land?
  • Plane ich einen längeren Auslandsaufenthalt?
  • Möchte ich Haustiere haben? Welche?
  • Gehört die Heirat zu einer festen Beziehung unbedingt dazu?
  • Oder geht es auch ohne Trauschein?
  • Habe ich Kinder aus einer früheren Beziehung?
  • Wie soll das Verhältnis zu den Kindern geregelt sein?

4. Welche Ansichten habe ich zu Finanzen und Karriere?

Das Thema Geld und Finanzen kann auch das glücklichste Pärchen entzweien und zu Beziehungsproblemen führen. Deshalb ist eine klare Auseinandersetzung mit diesem Thema enorm wichtig. Auch hierzu finden Sie einige Fragen, auf die Sie sich einigen sollten, um zukünftige Probleme betreffend Finanzen und Karriere zu vermeiden.

  • Wie möchten wir die Kosten teilen, wenn wir zusammenwohnen?
  • Möchten wir ein gemeinsames Konto haben?
  • Worin würden wir investieren?
  • Brauchen wir ein eigenes Auto?
  • Wollen wir viel sparen oder das Leben in vollen Zügen genießen?
  • Ist es für uns wichtiger, materielle Sachen zu kaufen oder zu reisen?
  • Würden wir wegen der Karriere des anderen umziehen?
  • Oder würden wir dann eine Fernbeziehung führen?
  • Wenn eine(r) wegen der Karriere kaum noch die Familie sieht: Ist das okay?

5. Wie gehen wir mit Krisen um?

Solange man glücklich und verliebt ist, ist es leichter Entscheidungen in der Liebe zu treffen. Wenn es aber zu Beziehungsproblemen oder zu einer ausgewachsenen Beziehungskrise kommt und die Gefühle verrückt spielen, wird es schwer, kluge Entscheidungen zu treffen. Auch für diese Situationen sollten Sie vorbereitet sein. Die folgenden Fragen helfen wieder dabei…

  • Warum lassen sich Paare scheiden?
  • Was wäre für ich ein echter Killer?
  • Gibt es etwas, was ich nicht verzeihen könnte?
  • Wann beginnt „Betrug“ für mich?
  • Ist eine emotionale Affäre eine richtige Affäre?
  • Würden wir einen Beziehungsberater oder eine Paartherapie suchen?
  • Was können wir tun, um die Beziehung spannend zu halten?
  • Woran merken wir, dass die Beziehung zuende ist?
  • Ist Streit in der Beziehung immer etwas Schlimmes?
  • Oder kann man daraus auch gestärkt hervorgehen?
  • Funktionieren Beziehungen auch ohne Sex und Liebesleben?
  • Falls es zur Trennung kommt: Wie möchten wir mit den Kindern umgehen?

Sie sehen: Es gibt Vieles, worüber man nachdenken kann, wenn man wichtige Entscheidungen in der Liebe treffen muss. Wie man die richtige Entscheidung trifft und warum das manchmal schwer fällt – dazu kommen wir jetzt…

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Wie trifft man Entscheidungen?

Die beste Entscheidung ist die, die beide Partner zusammen treffen und mit der beide glücklich sind. Um aber dazu zu kommen, muss man einige Schritte beachten.

1. Für sich selbst entscheiden

Der erste Schritt, um eine gute Entscheidung in der Liebe zu treffen, ist, mit sich selbst im Reinen zu sein. Sie müssen erst selbst alle diese Fragen beantworten, um zu erkennen, was Sie von einer Partnerschaft und einem Partner erwarten. Nehmen Sie sich dazu die nötige Zeit und denken Sie gründlich darüber nach. Es kann ebenfalls helfen, gute Gründe für oder gegen eine Entscheidung aufzuschreiben und abzuwägen.

Gleichzeitig gibt es mehrere Methoden, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können. Je nach Situation können Sie einige der folgenden wählen:

  • Best case and worst case
    Stellen Sie sich vor, wie Ihr Leben im besten Fall aussehen würde, wenn Sie sich für eine Option entscheiden würden. Aber auch das schlimmstmögliche Szenario, mit welchem Sie zurechtkommen müssten, sollten Sie sich ausmalen. Jetzt machen sie dasselbe für sämtliche alternative Option. Welches Szenario möchten Sie unbedingt vermeiden? Welches Szenario bringt Ihnen die meiste Freude? Danach wissen Sie schon instinktiv, für welche Option sie sich entscheiden.
  • Pro- und Contra-Liste
    Listen sie für jede Option gute Gründe beziehungsweise Vorteile sowie Nachteile auf. So bekommen Sie einen Überblick, wovon Sie am meisten profitieren würden.
  • Stellen Sie sich Ihre Zukunft vor
    Für jede Option, die Sie haben, sollten Sie sich vorstellen, wie diese Ihr Leben in einem Jahr, in fünf Jahren oder zehn Jahren beeinflussen wird. Ist es etwas, was Ihnen nur zurzeit passt? Oder glauben Sie, dass Sie auch in Zukunft dieser Entscheidung etwas abgewinnen können?

Nicht jede dieser Methoden kann bei jeder Frage helfen, aber gerade deshalb ist es gut, dass Ihnen mehrere Optionen offenstehen.

2. Prioritäten und Dealbreaker erkennen

Jetzt, wo Sie Ihre eigene Entscheidung getroffen haben, ist es wichtig, diese zu bewerten: Was hat für Sie Priorität? Worauf möchten Sie auf keinen Fall verzichten? Was ist ein Dealbreaker für Sie? Es kann zum Beispiel sein, dass es Ihnen egal ist, ob Sie einen Partner inklusive Haustier bekommen – Sie möchten unbedingt zusammenwohnen! Aber was, wenn der Partner nicht bereit ist, alle Kosten 50:50 zu teilen? Ist das vielleicht eine rote Linie für Sie? Bei den meisten Fragen werden Sie wahrscheinlich spontan wissen, wie wichtig sie Ihnen sind, aber vielleicht haben Sie früher nie bewusst darüber nachgedacht.

3. Das Gespräch führen

Wenn Sie wissen, was Sie möchten, ist es Zeit, mit dem Partner über dessen Wünsche und Erwartungen zu reden. Man kann das auf zwei verschiedene Arten angehen: ein Gespräch vorher planen, dem Partner Bescheid sagen, worüber Sie sprechen wollen, sodass er oder sie sich im Vorfeld über das Thema Gedanken machen kann. Oder einfach spontan ein Gespräch anfangen, wenn sich die Gelegenheit bietet…

Wenn Sie beispielsweise eine Einladung zur Hochzeit bekommen, könnte das ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch über die Ehe sein. Falls Sie merken, dass Ihr Partner nicht sicher ist, was er oder sie möchte, forcieren Sie kein Gespräch in diesem Moment. Sagen Sie ihm oder ihr, dass das wichtig für Sie ist und bitten Sie den Partner, darüber nachzudenken um demnächst wieder darauf zurückzukommen. Versuchen Sie nicht, solche Gespräche in kurzer Zeit „zu erledigen“. Und vermeiden Sie, irgendwelche Entscheidungen zu treffen, wenn Sie oder Ihr Partner gerade schlecht gelaunt oder gestresst sind.

4. Die Antworten vergleichen

Im besten Fall haben Sie und Ihr Partner dieselbe Meinung über all die wichtigen Themen im Leben. Leider kommt das selten vor. Und gerade dann, wenn Sie nicht dieselbe Meinung haben, ist es wichtig, dass Sie wissen, was für Sie eine Priorität oder ein Dealbreaker ist.

Nehmen wir an, dass Sie gerne heiraten würden, aber es ist keine Priorität für Ihren Partner. In diesem Fall ist es eine gute Entscheidung für beide, erst einmal nicht zu heiraten. Zu Problemen kommt es erst, wenn beide eine klare, aber gegensätzliche Meinung zu einem Punkt haben und die Thematik für beide von großer Bedeutung ist. Dann ist es Zeit für den nächsten Schritt.

5. Nach Kompromissen suchen

Ihrem Partner gefällt Option A und Ihnen Option B? Und beiden ist das wichtig? Dann ist es Zeit, nach Option C zu suchen. Und möglicherweise auch Option D… Kompromisse bedeuten nicht, dass keiner zufrieden ist, sondern gerade das Gegenteil: Man sollte eine Lösung finden, die beiden zumindest teilweise gefällt. Suchen und finden Sie den größten gemeinsamen Nenner. Es gibt fast immer Aspekte, über die sich beide einigen können.

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Wir können keine Lösung finden: Beziehung beenden?

Manchmal kommt es vor, dass beide durch all diese Fragen einsehen, dass es keine einvernehmliche Entscheidung gibt. Wenn Sie und Ihr Partner rein gar keine Übereinstimmungen ausfindig machen können und nicht in der Lage sind, Kompromisse zu finden, sollten Sie sich fragen, ob diese Beziehung gut für Sie beide ist.

Manchmal ist Liebe allein nicht genug. Bevor Sie sich aber endgültig für eine Trennung entscheiden, können Sie es noch mit Beziehungsberatung oder einer Auszeit versuchen. Ein frischer Blick von außen oder die Erkenntnis, dass Sie ohne den Partner nicht sein möchten, können helfen, neue Prioritäten zu setzen und das eigene Mindset anzupassen oder kompromissfreudiger zu werden.

Warum fällt es manchen Menschen schwer, Entscheidungen zu treffen?

Der schwerste Teil einer Entscheidung ist nicht die Entscheidung selbst, sondern das Leben mit den Konsequenzen und Folgen der Entscheidung. Viele haben Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen, die dann ihr ganzes Leben negativ beeinflusst. Besonders Entscheidungen in der Liebe und Partnerschaft haben dieses Gewicht. Wir möchten nichts riskieren, weil die Wahl nicht nur unser Leben beeinflusst, sondern auch das des Partners.

Weder wollen wir mit Schuldzuweisungen leben oder der Grund für eine Enttäuschung sein. Erst recht nicht, wenn Kinder im Spiel sind. Dabei vergessen viele aber, dass keine Entscheidung lebenslänglich sein muss und dass ähnliche oder noch größere Veränderungen ständige Begleiter unseres Lebens sind.

Herz oder Kopf? Sowohl als auch!

Kopf oder Herz? – Das ist die große Frage, wenn es um die Entscheidungen in der Liebe und im Leben geht. Wenn wir Entscheidungen über unsere Partnerschaft treffen müssen, sollten wir beides berücksichtigen: sowohl Gefühle und Intuition wie auch rationale Überlegungen. Wenn Sie einen liebevollen und für Kompromisse bereiten Partner haben, müssen Sie nichts davon ausschließen. Wir wünschen Ihnen natürlich, dass Sie einen Partner finden, mit dem jede gemeinsame Entscheidung eine leichte sein wird. Und wenn es doch mal kriselt, kennen Sie jetzt ein oder zwei Methoden, die im Ernstfall helfen können.

Über die Autorin
Sofia Müller ist Beziehungsexpertin, die ihr Leben dem Schreiben über die Höhen und Tiefen von romantischen Beziehungen gewidmet hat. Sie ist die Betreiberin des Blogs Ihr Weg, auf dem sie Frauen Unterstützung zu diversen Themen bietet.

[Bildnachweis: Inside Creative House by Shutterstock.com]

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