Erektionsstörung: Ursachen, Selbsttest, Hausmittel

Jeder dritte 60-Jährige ist von einer Erektionsstörung betroffen. Ein befriedigender Geschlechtsverkehr ist ihm nicht möglich. Dennoch handelt es sich um ein Tabuthema. Viele Männer versuchen ihre Probleme durch Hausmittel in den Griff zu bekommen. Aber taugen die etwas? Zu den Ursachen, einem Selbsttest und was Betroffene im Fall von Erektionsstörungen machen können…

Erektionsstörung: Ursachen, Selbsttest, Hausmittel

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Was ist eine Erektionsstörung?

Wer an einer erektilen Dysfunktion (ED) leidet, so der Fachbegriff für Erektionsstörung, hat Schwierigkeiten mit der Versteifung des Gliedes. Umgangssprachlich Impotenz genannt, geht es bei dieser Störung nicht um gelegentliche Erektionsprobleme. Die können immer mal vorkommen. Aus medizinischer Sicht ist Merkmal einer ED, wenn es innerhalb von wenigstens einem halben Jahr in zwei Dritteln aller Fälle zu Schwierigkeiten kommt.

Für viele Betroffene ist das Thema mit großer Scham verbunden: Funktioniert ihr „bestes Stück“ nicht wie gewohnt, fühlen sie sich nicht mehr als „ganzer Mann“. Oft ignorieren sie die Probleme. Dabei betreffen Erektionsstörungen nicht nur Männer im fortgeschrittenen Alter – jeder vierte ist unter 40 Jahre alt. Das belastet auf Dauer nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die Psyche. Und muss nicht sein: Es gibt verschiedene Medikamente und Therapieformen, um Abhilfe zu schaffen.

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Welche Ursachen kann eine Erektionsstörung haben?

Um den Ursachen einer Erektionsstörung auf den Grund gehen zu können, muss man den Ablauf einer Erektion verstehen. Biologisch gesehen handelt es sich dabei um ein komplexes Zusammenspiel aus Nerven, Gefäßen, Muskeln und Hormonen. Bei sexueller Erregung laufen bestimmte biochemische Prozesse ab: Blut strömt in die Aterien, die den Schwellkörper befüllen. Das Glied wird steif und richtet sich auf. Gleichzeitig sorgt festes Bindegewebe dafür, dass der Abfluss des Blutes über die Venen blockiert ist. Folgende Ursachen sind möglich:

Bestehende Vorerkrankungen

Dazu können einerseits chronische Krankheiten wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck sowie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen. Auch neurologische Ursachen können eine Erektionsstörung hervorrufen, beispielsweise Multiple Sklerose, Alzheimer oder Morbus Parkinson. Des Weiteren können Verletzungen im Bereich des Rückenmarks, im Beckenbereich oder eine Entfernung der Prostata und Operationen am Enddarm zu Erektionsproblemen führen.

Ungesunder Lebensstil

Die Mehrzahl der Ursachen für eine Erektionsstörung liegt allerdings im Verhalten: Ein ungesunder Lebensstil wirkt sich auf die Blutgefäße aus, die für die Durchblutung des Schwellkörpers zuständig sind. Schädigend wirken sich Rauchen, Alkohol, Übergewicht und Mangel an Bewegung aus.

Medikamentöse Gründe

Leider kommen nicht nur bestimmte Erkrankungen, sondern gleichzeitig auch ihre Medikamente als Ursache für Erektionsstörungen infrage. Dazu zählen beispielsweise Beta-Rezeptoren-Blocker, ACE-Hemmer, Diuretika, Digoxin oder Antiarrhythmika – allesamt Medikamente gegen diverse Herz-Kreislaufstörungen. Aber auch Psychopharmaka (zum Beispiel Medikamente gegen Depressionen, Beruhigungsmittel oder Neuroleptika), Medikamente gegen Parkinson oder sogar bei Magen-Darm-Problemen können Potenzprobleme auslösen. Meist verschwinden diese Störungen nach Absetzen des Medikaments – das sollte aber immer in Absprache mit dem Arzt passieren.

Hormonelle Gründe/Stoffwechsel

Seltener lassen sich endokrine Ursachen für eine Erektionsstörung ausmachen. Dazu würde etwa Testosteronmangel, Schilddrüsenerkrankungen und Störungen des Fettstoffwechsels (Hyperlipidämie) gehören. Der Testosteronspiegel sinkt im Laufe des Lebens ab, bei manchen Männern ist er allerdings von Geburt an sehr gering. Fettstoffwechselstörungen hingegen sind oft eine Folge zu fettigen Essens. Das erhöht wiederum den Cholesterinspiegel. Bei dauerhaft erhöhten Cholesterinwerten kommt es zur Arteriosklerose („Arterienverkalkung“). Von den Durchblutungsstörungen sind auch der Schwellkörper und die Venen betroffen, die normalerweise eine Erektion aufrechterhalten.

Psychische Gründe

Aber auch die Psyche ist an einer Erektion beteiligt. Daher kommen als Ursache für eine ED nicht nur Störungen in den genannten Abläufen infrage. Während jüngere Männer eher aufgrund psychischer Probleme Erektionsstörungen haben, sind es bei älteren Männern eher körperliche Probleme. Gleichzeitig kann das eine das andere bedingen: Kommt es immer häufiger zu Erektionsstörungen, können sich leicht Versagensängste und ein geringeres Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen entwickeln.

Symptome und Diagnose bei einer Erektionsstörung

Jeder Mann hat im Schnitt fünf bis sechs Erektionen pro Nacht. Diese dienen dem Schwellkörpertraining, um eine funktionierende Erektion zu bekommen. Bleiben sie aus, ist das bereits ein Indiz für eine Erektionsstörung. Diese kann sich so äußern:

  • Der Mann hat nie eine Erektion.
  • Er hat nur kurzfristige Erektionen, die keinen Geschlechtsverkehr ermöglichen.
  • Das Glied wird nicht hart genug für den Geschlechtsverkehr.

Zwar ist eine Erektionsstörung nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Aber sie schränkt meist die Lebensqualität ein und kann ein Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauferkrankungen und Durchblutungsstörungen sein. Manchmal zeichnet sich so bereits Jahre zuvor ein Herzinfarkt oder Schlaganfall ab. Männer mit genannten Problemen sollten einen Arzt aufsuchen. Der wird eine gründliche Untersuchung mit diversen Fragen durchführen. Dazu zählt:

  • Fragen
    Zu Vorerkrankungen, Verletzungen, Operationen, Medikamente oder Lebensstil
  • Laboruntersuchungen
    Zu Blutzucker, Blutfettwerten und Hormonstatus (Testosteronspiegel)
  • Tests
    Untersuchung des Gliedes auf Nervenschädigung, Schwellkörper-Injektionstest, Tumeszenzmessung im Schlaflabor
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Medizinische Maßnahmen und Hausmittel bei Erektionsstörung

Viele Pülverchen und Naturheilmittel versprechen Abhilfe bei einer Erektionsstörung. Egal ob Spargelpulver in Milch, Aphrodisiaka („Sex Food“) wie Austern und Chili oder Aminosäuren wie L-Arginin: Die Techniker Krankenkasse betont ausdrücklich, dass die Wirksamkeit solcher Rezepte und Mittelchen fragwürdig ist. Selbst wenn wie bei letzterem die blutdrucksteigernde Wirkung belegt ist, fehlen Zusammenhänge zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit.

Das ist auch der Grund, warum die Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen. Hinzu kommt die schlechte Qualität der Studien, auf denen diese Mittelchen vermeintlich beruhen: Oft basieren sie auf Tierversuchen oder können mit nur wenigen Studienteilnehmern aufwarten. Einzig zwei pflanzliche Mittel, Ginseng und Yohimbin, weisen in geringem Umfang potenzsteigernde Wirkung auf. Nach Meinung von Experten zu gering jedoch bei stärkeren Erektionsproblemen.

Hausmittel, die helfen

Viele denken bei Potenzstörungen sofort an eine blaue Pille namens Viagra. Medikamente sind aber nur eine Möglichkeit der Therapie. Auch wenn es schwerfällt: Eine Umstellung des Lebensstils (etwa bei Übergewicht oder hohem Tabak-/Alkoholkonsum) steht ganz weit vorne. Daneben gibt es folgende Optionen:

  • Penispumpe

    Bei der Vakuumtherapie setzt der Mann eine Vakuum- oder Penispumpe auf das Glied. Durch mechanisches Pumpen erzeugt er Unterdruck. So fließt Blut in den Schwellkörper und führt zu einer Erektion. Gleichzeitig sitzt ein Gummiring an der Peniswurzel, der den Rückfluss des Blutes verhindert.

  • Medizinischer Sattel

    Wer viel Fahrrad fährt, sollte über einen Prostata-Sattel nachdenken. Das ist ein ergonomisch geformter Sattel, dessen Sattelspitze weniger ausgeprägt ist oder sogar fehlt.

  • Sport

    Neben allerlei mechanischen Hilfen ist Sport unbedingt empfehlenswert. Er trägt zur Durchblutung der Gefäße bei und beugt Aterienverkalkung vor. Speziell Beckenbodentraining kann bei einer Erektionsstörung sinnvoll sein.

Tabletten gegen Erektionsstörung

Sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) wirken, indem sie den Abbau eines Botenstoffs hemmen. Infolgedessen erhöht sich die Penisdurchblutung. Die Erektion entsteht beziehungsweise dauert länger an. Dazu zählen sämtliche Medikamente (unter anderem Viagra) mit den Wirkstoffen Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Diese sind allesamt verschreibungspflichtig und nicht geeignet bei Männern mit Herzerkrankungen oder Leberkrankheiten. Vorsicht auch bei gleichzeitiger Einnahme von PDE-5-Hemmern und Nitraten oder Molsidomin. In dem Fall kann ein gefährlicher Blutdruckabfall die Folge sein.

Weitere Therapien und Maßnahmen

  • Implantat

    Möglich ist zudem, über ein Implantat eine Erektion herbeizuführen. Dabei setzen Ärzte beispielsweise ein Implantat in den Schwellkörper und eine Pumpe in den Hodensack ein. Mittels Knopfdruck kann der Mann dann eine Erektion herbeiführen. Diese Operation will allerdings gut überlegt sein, denn sie ist nicht rückgängig zu machen.

  • SKAT

    Die Abkürzung steht für Schwellkörper-Autoinjektionstherapie und ist eine Alternative zu Medikamenten. Hierbei spritzt sich der Mann vor dem Geschlechtsverkehr durch eine dünne Nadel ein Medikament in den Schwellkörper. Die in etwa 15 Minuten folgende Erektion dauert etwa eine Stunde. Die meisten Anwender kommen mit dieser Methode mühe- und schmerzlos klar.

  • MUSE

    Hierbei befördert der Mann mittels Applikator ein winziges Medikament in die Harnröhre. Nach etwa einer Viertelstunde folgt die Erektion für etwa 30 bis 60 Minuten.

  • Therapie

    Stress und Erektionsstörungen bedingen sich gegenseitig. In dem Fall ist es für Betroffene ratsam, bestimmte Entspannungstechniken zu lernen. In einer Psychotherapie können Sie zudem den Ursachen für Stress auf den Grund gehen und bei einer psychisch bedingten Erektionsstörung Auswege finden.

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Selbsttest: Bin ich betroffen?

Der nachfolgende Selbsttest soll Ihnen eine Orientierung geben. Er kann jedoch keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose ersetzen. Folgende Fragen können Sie direkt im Browser abhaken, anschließend zählen Sie die Buchstaben. Die jeweils zutreffende Aussage ist nur für Sie erkennbar und verschwindet, sobald Sie die Seite aktualisieren oder schließen:

  • Wenn ich erregt bin, bekomme ich sehr wahrscheinlich eine Erektion. – A
  • Bei sexueller Aktivität gelange ich seltener zur Erektion. – B
  • Meine Erektion kann ich für gewöhnlich lange halten. – A
  • Ich bin nicht sehr zuversichtlich, Erektionen zu bekommen und zu halten. – B
  • Meine Erektion reicht fast immer aus, um beim Sex einzudringen. – A
  • Trotz sexueller Stimulation reicht die Erektion manchmal nicht für eine Penetration. – B
  • Nach dem Eindringen konnte ich immer die Erektion halten. – A
  • Meistens hatte ich Probleme, nach dem Eindringen die Erektion zu halten. – B
  • Es war nicht schwierig, die Erektion bis zum Ende des Geschlechtsverkehrs zu halten. – A
  • In den letzten vier Wochen hatte ich häufig Schwierigkeiten, die Erektion bis zur Vollendung des Geschlechtsaktes zu halten. – B
  • Der Geschlechtsverkehr war fast immer befriedigend. – A
  • In weniger als der Hälfte der Falle war der Geschlechtsverkehr befriedigend. – B

Konnten Sie sechsmal mit A antworten? Dann gibt es keine Anzeichen für Erektionsstörungen bei Ihnen. Bei bis zu zwei B-Antworten gibt es Hinweise dafür, dass eine erektile Dysfunktion vorliegt. Sollten Sie ausschließlich B angekreuzt haben, empfiehlt sich dringend ein Arztbesuch, vor allem, wenn es sich bereits um längerfristige Probleme handelt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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