Gallensteine: Entfernen oder Ignorieren?

Gallensteine bleiben oftmals unbemerkt, können aber auch heftige Probleme und Schmerzen auslösen. In diesem Fall müssen sie häufig operativ entfernt werden.

Wie Gallensteine zustande kommen, wie man sie vermeiden kann, ob es noch Alternativen zur Operation gibt und ob man sie nicht vielleicht sogar völlig ignorieren kann, beleuchten wir an dieser Stelle genauer für Sie.

Gallensteine: Entfernen oder Ignorieren?

Was sind Gallensteine?

Die Leber bildet unter anderem auch eine Flüssigkeit, welche die Verdauung von Fett erleichtert – die Gallenflüssigkeit. Diese wird vom entsprechenden Organ – der Galle – gespeichert und je nach Bedarf von dort gesteuert abgegeben.

Die Gallenflüssigkeit besteht neben Wasser aus Säuren, Eiweißen, Cholesterin und einem Stoff namens Bilirubin. Die letzten beiden Bestandteile können kleine Kristalle bilden, die sich dann in der Galle ablagern – die Gallensteine. In den meisten Fällen sind diese aus Cholesterin gebildet, das Bilirubin ist nur in circa zwanzig Prozent der Fälle für die Gallensteine verantwortlich.

Wie gefährlich sind Gallensteine?

Je nach Veranlagung, Gewicht und Stoffwechsel zeigen sich die Gallensteine mehr oder weniger häufig. Ungefähr zehn Prozent der Menschen sind davon betroffen, wobei dies bei Frauen in der Regel doppelt so häufig vorkommt wie bei Männern. Je älter ein Mensch wird, umso wahrscheinlicher ist die Bildung der Gallensteine. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich noch, wenn eine Darmentzündung oder eine Leberzirrhose vorhanden sind.

Sind die Gallensteine klein und nicht so zahlreich, verursachen sie keine oder kaum Beschwerden. Wachsen diese aber in Anzahl und insbesondere Größe deutlich an, dann kann es sein, dass sie den Gallengang verstopfen oder das Organ der Galle als solches belasten. Bis zu mehreren Zentimetern können Gallensteine in einem solchen Fall groß werden. Nicht selten wurden schon Gallensteine in Größe eines Hühnereis entfernt.

Symptome von Gallensteinen

Schätzungsweise 75 Prozent der Betroffenen wissen und merken gar nicht, dass sie an Gallensteinen leiden, denn diese sind so klein, dass sie keinerlei Symptome auslösen. Manchmal werden sie zufällig bei einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung entdeckt, die eigentlich aufgrund völlig anderer Krankheitsverdachtsfälle durchgeführt wird.

Wenn die Gallensteine jedoch groß und zahlreich genug sind, damit sie den betroffenen Patienten belasten, dann verursachen sie folgende Beschwerden:

  • Völlegefühl
    Im frühen Stadium führen die Gallensteine zu Völlegefühlen und zum häufigen Aufstoßen sowie zu unverhältnismäßig vielen Blähungen. Es fühlt sich an, als würde ein Druck auf dem Oberbauch lasten. Gerade nach üppigen und fettreichen Mahlzeiten können sich diese Symptome verstärkt zeigen.
  • Schmerzen
    Diese Druckgefühle können sich bei einem weiteren Wachstum der Gallensteine verstärken und Schmerzen hervorrufen. Diese nehmen ihren Ausgang im Oberbauch, können aber bis in den Rücken und sogar bis zur rechten Schulter ausstrahlen.
  • Übelkeit
    In Zusammenhang mit den Schmerzattacken tritt auch häufig eine Übelkeit auf, die mit Erbrechen und Schweißausbrüchen einher geht. Der bittere Geschmack beim Erbrechen rührt dabei von der Gallenflüssigkeit her. In diesem Fall spricht man von einer Gallenkolik, die eine halbe bis mehrere Stunden andauert. Gerade bei fettigen Speisen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich diese regelmäßig wiederholt. Aber auch Kaffee, Alkohol, Hülsenfrüchte oder Stress können eine Gallenkolik auslösen.

Gerade im Stadium einer akuten Kolik zeigt sich auch eine dunkle Verfärbung des Urins sowie eine Aufhellung des Stuhls. Dies ist ein Zeichen eines Gallenstaus. Solche Hinweise gilt es ernst zu nehmen, da sich ansonsten mit der Zeit eine Gelbsucht, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder gar Krebs entwickeln können.

Ursachen von Gallensteinen

Je älter der Mensch wird, umso wahrscheinlicher ist die Bildung von Gallensteinen – insbesondere bei Frauen, die bereits mehrere Kinder geboren haben. Zudem spielt die familiäre Vorbelastung eine große Rolle: Litt einer Ihrer Eltern an Gallensteinen, dann dürfte Ihr Risiko diesbezüglich erhöht sein. Untersuchungen ergaben zudem, dass hellhaarige und hellhäutige Menschen anscheinend eher dazu prädestiniert sind, Gallensteine zu bilden. Die Vermutungen gehen dahin, dass dafür bestimmte Gene verantwortlich sind.

Es gibt jedoch zusätzlich zu diesen Vorbelastungen noch Risikofaktoren, die dafür mitentscheidend sind, ob und wie stark sich Gallensteine bilden:

  • Vorerkrankungen an der Leber oder am Darm (wie zum Beispiel Morbus Crohn)
  • Diabetes
  • Unausgewogene Ernährung mit wenig Ballaststoffen und viel Fett, Zucker und Kohlehydraten
  • Regelmäßige Einnahme von Antibiotika oder Hormonen (zum Beispiel der Anti-Baby-Pille)
  • Blutarmut
  • Übergewicht
  • Infektionen an der Galle

Tipp: So können Sie Gallensteinen vorbeugen

Die genetischen Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, ebenso wenig wie Geschlecht oder Alter. Andere Risikofaktoren können Sie jedoch minimieren. Einige Tipps dazu:

  • Ernähren Sie sich fettarm und ausgewogen. Essen Sie viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte.
  • Vermeiden Sie Übergewicht. Wenn Sie bereits daran leiden, haben wir in unserem entsprechenden Artikel einige Tipps für Sie, wie Sie nachhaltig und gesund abnehmen können.
  • Bewegen Sie sich täglich. Egal, ob Sie eine Stunde spazieren gehen, wandern, schwimmen, Gymnastik oder Nordic Walking betreiben.

Gallensteine: Untersuchung und Behandlung

Sobald Sie die oben genannten Symptome zu Teilen verspüren, sollten Sie Ihren Hausarzt darauf ansprechen. Dieser wird Sie im Anamnesegespräch zunächst auf Ihre genetische Vorbelastung und Ihren Lebensstil hin befragen und genau auf Ihre Beschwerden eingehen – also wie oft und wie lange Sie darunter leiden. Im Anschluss wird er Sie körperlich untersuchen und Ihren Bauch abtasten. Zudem wird er eine Blutprobe entnehmen, um anhand des Bilirubin-Spiegels aber auch an anderen Blutwerten die Schwere der Beeinträchtigung festzustellen.

Um Gallensteine letztendlich genau nachweisen zu können, benötigt Ihr Arzt bildgebende Verfahren. Daher wird er sowohl eine Sonografie (also eine Ultraschalluntersuchung) anordnen als auch eine Röntgenuntersuchung. Kleine Gallensteine lassen sich zwar darauf nicht nachweisen, aber ab fünf Millimetern sind diese recht deutlich sichtbar. Außerdem kann Ihr Arzt krankhafte Veränderungen der Gallenblase und der Gallenblasenwand erkennen. Ist der Befund weiter unklar, hilft eine Magnetresonanztomografie (kurz: MRT, auch Kernspintomografie genannt) weiter.

Die Röntgenuntersuchung wird anhand eines kleinen Endoskops durchgeführt, mit dem sich auch kleinere Steine sofort entfernen lassen. Sind die Gallensteine zu groß, müssen sie mitunter operativ entfernt werden. Ob dies der Fall ist und notwendig ist, hängt auch von Ihren Symptomen und Beschwerden ab.

Eine Entfernung der Gallensteine wird dann entweder mit einer Bauchspiegelung vorgenommen oder chirurgisch. In beiden Fällen ist eine Narkose obligatorisch. In schweren Fällen kann es sogar Sinn machen, dass die Gallenblase komplett entfernt werden muss. Die Gallenflüssigkeit wird zukünftig dann im Gallengang gespeichert. Beide Eingriffe sind inzwischen Routine-Operationen.

Es gibt jedoch auch Alternativen zu einem operativen Eingriff. So kann dem Patienten auch ein Medikament verschrieben werden, welches er über mehrere Monate regelmäßig einnehmen muss, um die Gallensteine aufzulösen. Größere Steine können zudem auch mittels Stoßwellen zertrümmert werden.

Beides ist jedoch langwierig und die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges ist längst nicht so hoch wie bei einer Operation. Außerdem ist die Rückfallquote nach einer Operation deutlich geringer. Sie liegt in diesem Fall bei nur zehn Prozent. Dennoch sollten Patienten, die einmal an Gallensteinen gelitten haben, zukünftig besser auf Ihre Ernährung achten, um diese Wahrscheinlichkeit weiter zu minimieren.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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[Bildnachweis: Crevis by Shutterstock.com]
23. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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