Gedenkseiten: Gemeinsame Erinnerung im Internet

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, möchte sich gerne auch weiterhin an ihn erinnern. FĂĽr viele ist der Friedhof nach wie vor noch der dafĂĽr passende Ort, dieses Andenken zu pflegen. Aber auch im Internet gibt es inzwischen diverse Möglichkeiten, wertvolle Erinnerungen an den Verstorbenen mit anderen zu teilen: Gedenkseiten zum Beispiel. Was es damit genau auf sich hat, welche Angebote es gibt und wie Sie Gedenkseiten anlegen, verraten wir Ihnen hier…

Gedenkseiten: Gemeinsame Erinnerung im Internet

Definition: Was sind Gedenkseiten

Gedenkseiten sind spezielle Seiten im Internet, auf denen man ein Profil fĂĽr einen verstorbenen und lieb gewonnen Menschen hinterlassen kann. Auf diese Weise kann man sich an gemeinsame Zeiten mit ihm erinnern und dieses Gedenken auch mit anderen Personen teilen.

Dabei ist das Angebot inzwischen groß und die Möglichkeit, einfach eine solche Seite zu gestalten, vielfältig. Im Prinzip muss man sich das vorstellen, wie einen Social Media Account – man kann Bilder hinzufügen, Posts hinterlassen, Grafiken gestalten und manchmal sogar kleine Videos, sogenannte Clips hochladen. Zudem bieten manche Anbieter von Gedenkseiten die Möglichkeit, eine passende Hintergrundmusik auszuwählen.

Dazu muss sich der Hinterbliebene einmalig registrieren – hier kann er meist zwischen einer kostenfreien Basisvariante und einer kostenpflichtigen Gedenkseite wählen, die einen größeren Umfang bietet – entweder an Speicherplatz oder auch an Gestaltungsmöglichkeiten.

Man könnte also sagen, Gedenkseiten sind Portale, die eine Homepage für einen Verstorbenen anbieten und so auf eine gewisse Art wie virtuelle Trauerkerzen funktionieren – sie sollen die Erinnerung wach und präsent halten und auf diese Weise den Trauer- und Abschiedsprozess erleichtern.

Das Ganze ist in der Regel recht unkompliziert und ohne große Computer-Kenntnisse möglich. Erfahrungen in der Homepage-Gestaltung benötigt man nicht – zumeist hat der Hinterbliebene verschiedene Bausteile zur Auswahl, die er entsprechend auswählen und individuell gestalten kann.

So laden viele zum Beispiel Fotos von besonderen Momenten, einen Lebenslauf oder Zitate und SprĂĽche des Verstorbenen hoch, um die Erinnerung an sein Leben aufrecht zu erhalten. Andere legen mehr wert auf den Prozess des Trauerns und schmĂĽcken das Profil mit Trauerreden, Bilder der Beerdigung, einer Sammlung von Traueranzeigen und –karten beziehungsweise digitalen KondolenzbĂĽchern.

Nach welchem Geschmack auch immer das Profil gestaltet wird, eines haben alle Gedenkseiten gemeinsam: Sie können ein Anlaufpunkt für alle Hinterbliebenen sein, der von überall auf der Welt zu jeder Zeit erreichbar ist, ohne dass man sich nach den Begrenzungen von Friedhofsöffnungszeiten oder ähnlichem richten muss. Gedenkseiten sind also immer zugänglich.

DafĂĽr eignen sich Gedenkseiten

Grundsätzlich gibt es keinerlei Einschränkungen, wann oder für wen Gedenkseiten eingerichtet werden sollten. Die Gedenkportale sind sehr frei in den Angeboten. Doch die Hinterbliebenen haben in folgenden Fällen meist ein besonders großes Bedürfnis, Gedenkseiten einzurichten:

  • Ăśberraschend Verstorbene

    Wer ohne große Vorwarnung aus dem Leben gerissen wird, bietet den Hinterbliebenen meist keine Möglichkeit, Dinge zu klären oder zu sagen, die vor dem Tod noch ins Reine gebracht werden wollen. Für diese Menschen sind Gedenkseiten eine schöne Art, ihre Seele zu erleichtern.

  • Jung Verstorbene

    Jugendliche oder junge Erwachsene sollten nicht sterben – zumindest unserem Bewusstsein nach. Wenn jemand gefühlt noch sein ganzes Leben vor sich gehabt hätte, aber dennoch von uns geht, ist die Trauer meist erheblich größer, als bei älteren Menschen. Diesen Schmerz kann eine Gedenkseite mitunter etwas lindern.

  • Selbstmordopfer

    Wer sich das Leben nimmt, sieht meist keinen anderen Ausweg mehr – umso größer ist häufig das Schuldbewusstsein der Hinterbliebenen. Meistens jedoch zu Unrecht. Dennoch sind Gedenkseiten eine Möglichkeit, sein Gewissen ein wenig zu erleichtern und seinen Gedanken Luft zu verschaffen. Die Reflexion erleichtert es, das eigentlich Unmögliche etwas besser zu erfassen.

  • Mordopfer

    Nicht nur bei einem Suizid, auch bei einem Mord wird ein Mensch gewaltsam und plötzlich aus dem Leben gerissen. Der Tod ist auch hier vielmals unfassbar und muss lange Zeit verarbeitet werden. Auch hier können Gedenkseiten dabei eine wichtige Hilfestellung leisten.

  • Anonym Beigesetzte

    FĂĽr Menschen, die mit einer Seebestattung, in einem anonymen Urnengrab oder auf einem Friedwald beigesetzt sind und fĂĽr die kein festes Grab mit Grabstein als Erinnerung fungiert, eignen sich Gedenkseiten als eine Art Ersatz. Auf diese Weise haben alle Trauernden einen Anlaufpunkt zum Innehalten.

Gedenkseiten fĂĽr Kinder

Bei verstorbenen Kindern wirkt der Tod noch einmal grausamer als ohnehin schon. Verwaiste Eltern trauern stärker um ihr geliebtes Kind, weil es für uns alle unnatürlich ist, dass Söhne und Töchter vor ihren Eltern gehen.

Diese sogenannten Sternenkinder nehmen auf den Portalen, die Gedenkseiten anbieten, einen besonderen Raum ein, da viele Eltern sich ausmalen, was das eigene Kind noch alles hätte erleben können. Diese Trauer ist noch einmal stärker und oftmals schwerer zu überwinden. Es hilft daher einigen, zu sehen, dass sie damit nicht alleine sind und auch andere Eltern diesen Schmerz verspüren.

Das sollten Sie beim Anlegen einer Gedenkseite beachten

Bei Gedenkseiten geht es darum, die Erinnerung an einen verstorbenen Menschen wach zu halten. Wie Sie das tun, ist prinzipiell an keine Regeln geknĂĽpft, auĂźer an die des guten Geschmacks und des Respekts vor dem Toten.

Wählen Sie aus den unten genannten Portalen für Gedenkseiten das für Sie passende aus und entscheiden Sie, ob für Sie eine kostenlose Basisversion ausreichend ist oder ob Sie weitere Funktionen benutzen möchten. Auch der benötigte Speicherplatz und das Design spielen bei dieser Entscheidung eine Rolle.

Ebenso können Sie auswählen, ob Sie die Seite öffentlich oder nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich machen möchten. In zweitem Fall bietet sich ein Passwortschutz an.

Dann können Sie an die Gestaltung gehen: Wählen Sie den geeigneten Hintergrund und laden Sie Bedarf Fotos, aber auch Trauersprüche oder Traueranzeigen auf die Seite. Sie können diese jederzeit ergänzen oder abändern.

Bedenken Sie dabei aber auch die Grundregel: Das Internet vergisst nichts. Einmal hochgeladene Inhalte können langlebig sein und sind unter Umständen auch nach Löschung über Umwege weiterhin abrufbar. Gehen Sie daher mit feinem Gespür an den Aufbau einer Gedenkseite.

Achten Sie zudem darauf, dass Sie die Gedenkseite auch gezielt für den Verstorbenen einrichten. Manches Portal ist noch etwas unübersichtlich gestaltet, so dass es schon vorgekommen ist, dass ein Angehöriger unwissentlich seine eigene Seite gestaltet hat, was durchaus zu makaberen Missverständnissen geführt hat.

Anbieter von Gedenkseiten

Die Portale, bei denen Sie Gedenkseiten anlegen können, sind inzwischen vielfältig. Neben Tageszeitungen wie zum Beispiel der Süddeutschen Zeitung, die zusätzlich zur gedruckten Todesanzeige auch noch eine virtuelle Gedenkseite unterschiedlichen Umfangs im Angebot haben, gibt es eine Reihe weiterer Anbieter:

Dabei bieten die meisten von ihnen eine kostenfreie Basisvariante oder ein Premiummodell an. Die kostenlosen Angebote bieten in der Regel schon sehr viele Möglichkeiten. Wer jedoch mehr Speicherplatz oder weitere Funktionen beziehungsweise exklusivere Layouts möchte, kann für circa 30 Euro pro Jahr seine Gedenkseite weiter verschönern.

Alternativen zu Gedenkseiten

Wer dem Verstorbenen einen virtuellen Gedenkstein hinterlassen möchte, ist nicht zwangsläufig auf einen der oben genannten Portalanbieter angewiesen. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, ein Denkmal im Internet zu setzen:

  • Eigene Homepage

    Hier sind keine Grenzen der Gestaltung gesetzt, jedoch sollten Sie sich mit HTML auskennen und mĂĽssen viel Zeit investieren. Oder Sie beauftragen einen Programmierer damit, dies kann jedoch schnell ins Geld laufen.

  • Trauerforum

    Es gibt Foren, in denen sich Trauernde und Angehörige über ihren Schmerz austauschen können. Ebenso können Sie hier eine Erinnerungsseite gestalten. Aber auch in diesem Fall kostet es etwas Zeit und Mühe, die Sie investieren müssen.

  • Blog

    Es gibt viele Bloganbieter, die auch für Trauernde eine Möglichkeit bieten, digitale Bilderrahmen, Tagebücher oder ähnliche Gedenkmöglichkeiten zu erstellen. Die gestalterischen Optionen sind jedoch häufig begrenzt.

  • Soziale Netzwerke

    Viele pflegen auch auf Facebook, Instagram und Co das Gedenken an den Verstorbenen. Allerdings mit dem Nachteil, dass oftmals vom Zuschauer nicht genau differenziert werden kann, ob es sich hier um eine lebende oder tote Person handelt, da diese Netzwerke in der Regel nicht fĂĽr Trauer und Erinnerung an Verstorbene vorgesehen sind.

[Bildnachweis: Smileus by Shutterstock.com]
16. Mai 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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