Gelassenheit: So finden Sie Ihr Gleichgewicht

So mancher, der schwierigen Situationen mit Gelassenheit begegnet, wird von seinen Mitmenschen bewundernd angeschaut. „Das könnte ich nicht“, heißt es dann meist.

Dabei ist es häufig gar nicht so schwer, Gelassenheit zu lernen. Gerade im Alter gelingt es nicht selten, ruhiger und entspannter mit Problemen umzugehen, in dem wir uns bewusst machen, welche Schwierigkeiten wir im Leben bereits schon bewältigt haben.

Wie Sie zu noch mehr Gelassenheit finden und warum das gerade im Alter wichtig ist…

Gelassenheit: So finden Sie Ihr Gleichgewicht

Definition: Was ist Gelassenheit?

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Dieses bekannte Gebet, das der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr verfasst hat, mögen wohl die meisten kennen.

Mit zunehmendem Alter fehlt es vielen Menschen weniger an der Weisheit und auch selten an Mut, doch die Gelassenheit, manche Situationen einfach anzunehmen, fehlt des Öfteren.

In diesem Zusammenhang könnte man Gelassenheit auch mit Souveränität oder Angstfreiheit gleichsetzen. Diese kann nicht nur uns, sondern auch unserem Umfeld Ruhe und Sicherheit geben – gerade, wenn die Welt aus den Fugen zu geraten scheint.

Durch Gelassenheit schafften wir es, handlungsfähig zu bleiben, da wir Situationen, die sich nicht ändern lassen, annehmen und es schaffen, uns gedanklich den Parametern widmen, die wir beeinflussen können.

Darum ist Gelassenheit so wichtig

Wer beneidet nicht den Bär Balu aus dem Film Das Dschungelbuch für sein gelassenes und vermeintlich angenehmes Leben. Sein Lebensmotto dürfte wohl den meisten bereits in der Kindheit bewusst gemacht worden sein:

Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg.

Es scheint sich also zu lohnen, gelassener an Dinge heranzugehen und dadurch weniger Stress aber umso mehr Zufriedenheit zu empfinden.

Gelassenheit hat somit eine Reihe von Vorteilen:

  • Weniger Grübeln führt zu schnelleren Entscheidungen.
  • Mehr Abstand führt zu häufig zu besseren, vor allem aber lösungsorientierten Entscheidungen.
  • Ruhepole sind beliebter und wirken positiver auf andere Menschen.
  • Sich weniger zu sorgen, bedeutet eine bessere psychische und physische Gesundheit.
  • Gelassenheit beugt der Gefahr von Beeinflussung durch Angstmacherei vor.

Tipp: So legen Sie mehr Gelassenheit an den Tag

Es mag einleuchten, dass Gelassenheit wichtig ist, um sein eigenes Leben besser im Griff zu haben und es angst- und stressfreier zu meistern. Aber lässt sich Gelassenheit auch trainieren? Die Gute Nachricht ist: Ja!

Das ist jedoch nicht immer ganz einfach, denn es geht darum, täglich aufs Neue seine Haltung zu hinterfragen und eine veränderte Lebenseinstellung an den Tag zu legen. Doch der Aufwand, an sich zu arbeiten, lohnt sich.

Daher hier einige Tipps, wie Sie zu mehr Gelassenheit finden können:

  • Leben Sie im Hier und Jetzt.
    Machen Sie sich in schwierigen Augenblicken die positiven Aspekte Ihrer momentanen Situation bewusst und richten Sie den Fokus gezielt darauf, anstatt auf eine unsichere Zukunft oder vermeintlich bessere Vergangenheit. Finden Sie Facetten Ihres Lebens, für die Sie dankbar sein können.
  • Hinterfragen Sie Ihre Wahrnehmung.
    Nichts ist nur schlecht oder negativ. Lassen Sie sich davon nicht beherrschen. Suchen Sie nach der hellen Seite der Medaille und schreiben Sie diese am besten auf. Manchmal können dabei auch Selbstgespräche helfen.
  • Nehmen Sie es nicht persönlich.
    Oft scheinen andere Personen Schuld an unserer aussichtslosen Situation zu sein. Doch jeder Mensch hat Gründe für sein Handeln, die sich Ihnen auf den ersten Blick oft nicht erschließen. Versuchen Sie sich in die Lage Ihres Gegenübers hinein zu versetzen, anstatt sein Verhalten als Angriff auf Sie zu deuten.
  • Wählen Sie bewusst eine positive Sprache.
    Anstatt von Katastrophen oder Desastern zu sprechen, betrachten Sie die Situationen zum Beispiel als Herausforderungen. Auch häufiges Lachen im Übrigen hilft dabei.
  • Nutzen Sie Wartezeiten.
    Nichts ist so nervtötend wie auf etwas warten zu müssen. Die Zeit scheint stillt zu stehen. Betrachten Sie sich in solchen Momenten nicht als ausgeliefert, sondern führen Sie immer etwas mit sich, mit dem Sie sich vernünftig beschäftigen können. Eine gute Möglichkeit ist zum Beispiel, ein kleines Notizbuch dabei zu haben und die Gedanken, die Sie in dem Moment bewegen, aufzuschreiben.
  • Setzen Sie Prioritäten.
    Dazu gehört auch, dass Sie sich trauen, öfters Nein zu sagen und klar zu kommunizieren, wo Ihre Grenzen liegen. Damit geraten Sie seltener in Momente, in denen Sie sich ausgeliefert fühlen und behalten häufiger das Heft des Handelns in der Hand.
  • Lassen Sie bei Streitigkeiten los.
    Anstatt Diskussionen eskalieren zu lassen, atmen mehrmals langsam Sie ruhig durch, schweigen Sie und gehen aus der Situation heraus. Jede Meinungsverschiedenheit kann auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen und gelöst werden, wenn sich beide Parteien beruhigt und den Zwist in Ruhe analysiert haben. oft sogar besser. Kleine Spitzen oder Angriffe tragen hingegen nur zur Eskalation bei. Überhören Sie diese lieber souverän, anstatt darauf einzugehen oder gar noch einen draufsetzen zu wollen.
  • Suchen Sie sich einen Ausgleich.
    Wer etwas tut, was einem Spaß macht, gewinnt das Gefühl der Kontrolle zurück. Am besten eignen sich körperliche Betätigungen oder aktive Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditationen oder ähnliches für diesen Zweck. Aber auch das Reden mit einem gutem Freund helfen Ihnen, loslassen zu können.
  • Vergeben Sie.
    Jeder Mensch macht Fehler, das ist eine Binsenweisheit. Akzeptieren Sie diese Tatsache und vergeben Sie Fehlverhalten anderer. Vergessen Sie es auch und tragen es nicht nach. Diese Souveränität wird früher oder später positiv auf Sie zurückfallen. Denn niemandem ist damit geholfen, wenn Sie nachtragend sind.

Sie merken also, es geht darum, die eigene Einstellung jeden Tag ein kleines bisschen zu verändern. Auch auf diesem Weg sollten Sie Gelassenheit und Geduld mit sich üben. Es geht um kleine Schritte. Oder etwas flapsig ausgedrückt:

Halb so schlimm ist fast schon doppelt so gut.

Gelassenheit im Alter – ein Mythos?

Gemeinhin wird behauptet, ältere Menschen seien gelassener. Dies trifft insbesondere bei großen gesellschaftlichen Problem und Missständen zu, wie beispielsweise der Corona-Krise. Der bekannte Altersforscher und Sozialexperte Professor Dr. Thomas Kie meint dazu:

Gelassenheit ist eine Tugend, die generell gelingendes Altern auszeichnet– nicht zu verwechseln mit Ignoranz. Ältere Menschen sind typischerweise eher gelassen im Umgang mit Risiken. Sie sind lebenserfahren. Rückblickend haben sie sowohl persönlich als auch historisch kritische Zeiten überstanden. Es verleiht ihnen subjektiv Zuversicht: Auch diese Krise werden wir schon überstehen. Auf der anderen Seite wissen sie: Uns bleibt nur noch eine begrenzte Lebensspanne, irgendwann ist es ohnehin zu Ende.

Dennoch ist diese Gelassenheit nicht in jeder Situation gegeben. Kleine, persönliche Auseinandersetzungen können sehr wohl auch älteren Menschen genauso zusetzen wie jüngeren. Manchmal sogar noch stärker, da die zwischenmenschliche Verletzbarkeit im Alter durch immer wiederkehrende Trigger zunehmen kann.

Darum lohnt es sich, auch und gerade im Alter weiter an seiner Gelassenheit zu arbeiten – weniger was den Umgang mit gesellschaftlichen Umwälzungen betrifft, aber sehr wohl in der Herangehensweise mit persönlichen Kränkungen.

Was hindert uns daran, gelassen zu sein?

Wie so viel von unserem Verhalten, ist auch der Umgang mit Problemen größtenteils erlernt. Wir reagieren häufig unüberlegt, automatisiert und reflexartig. Dies ist zunächst völlig normal und natürlich – wir müssen nur dessen bewusst werden und immer wieder aufs Neue reflektieren.

Denn diese automatisierten Verhaltensmuster schaukeln Situationen – wie zum Beispiel Konflikte – meist nur noch unnötig hoch. So schaden wir uns im Endeffekt selbst.

Es geht also nicht darum, zurück zu schauen und die Schuld irgendwo zu suchen, wie wir es lange Jahre gewohnt waren, sondern gelassen Lösungen oder Wege des Umgang zu finden.

Dieser Ansatz ist uns in aller Regel jedoch nicht geläufig und wir müssen uns immer wieder erneut dazu zwingen, ihn zu wählen. Das scheint schwierig – die gewohnte Reaktion wirkt oftmals verführerisch einfacher. Kurzfristig mag das stimmen, langfristig jedoch fahren wir jedoch mit Gelassenheit besser.

Eine weitere Schwierigkeit, die der Gelassenheit im Wege steht, liegt darin begründet, dass es uns oftmals ein Gefühl der Zugehörigkeit gibt, wenn wir uns gemeinsam über etwas aufregen können. Doch auch diese Gemeinschaft ist trügerisch, da der gemeinsame Fokus auf negative Dinge nur unnötige Ressourcen frisst.

[Bildnachweis: goodluz by Shutterstock.com]
30. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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