Gesetzliche Rentenversicherung: Leistungen, Rechner, Tipps

Eine wichtige Rolle bei der Rentenvorsorge spielt die gesetzliche Rentenversicherung. Sie ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems, in das jeder Arbeitnehmer verpflichtend einzahlt. Mit Erreichen des Renteneintrittsalters wird die sogenannte Altersrente ausgezahlt. Und genau hier beginnen die Herausforderungen: Aufgrund demographischer Entwicklungen wird das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben. Was bedeutet das fĂŒr Sie? Wann werden Sie in Rente gehen können? Welche Leistungen stehen Ihnen zu? Die Antworten auf alle wichtigen Fragen zur gesetzlichen Rentenversicherung und Tipps zur Vorsorge…

Gesetzliche Rentenversicherung: Leistungen, Rechner, Tipps

Was und wofĂŒr ist die gesetzliche Rentenversicherung?

gesetzliche Rentenversicherung Leistungen Rechner BeitragHervorgegangen aus dem von Reichskanzler Otto von Bismarck 1889 verabschiedeten Gesetz ĂŒber die InvaliditĂ€ts- und Altersversicherung, ist die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) eine wichtige SĂ€ule des deutschen Sozialversicherungssystems.

Die Deutsche Rentenversicherung ist TrÀger der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie gliedert sich in 14 regionale und zwei bundesweite TrÀger und stellt die Altersvorsorge im Wesentlichen von Arbeitnehmern, einigen SelbstÀndigen und weiteren Personenkreisen sicher.

GemĂ€ĂŸ Gesetz sind angestellte Lehrer, Erzieher, Hebammen und Hausgewerbetreibende als selbstĂ€ndig TĂ€tige in der gesetzlichen Rentenversicherung ebenfalls abgedeckt. BeschĂ€ftigte und Arbeitgeber zahlen zu gleichen Teilen in die Rentenkassen ein.

Mit Erreichen des Rentenalters ersetzt die Rente das Gehalt. Allerdings speist sich die Rente der jetzigen Beitragszahler mitnichten aus ihren eigenen Einzahlungen. Das hat folgende GrĂŒnde:

  • Es wird nur ein geringer Teil des Gehalts abgefĂŒhrt. Aktuell liegt der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung bei 18,6 Prozent, also bei 9,3 Prozent jeweils fĂŒr den Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitgeber.
  • Demographische VerĂ€nderungen machen Anpassungen notwendig, da geburtenstarke JahrgĂ€nge in Rente gehen.

Welche Leistungen ĂŒbernimmt die gesetzliche Rentenversicherung?

gesetzliche Rentenversicherung LeistungenWer den Begriff Rente hört, denkt an erster Stelle an die Altersrente, also die Rente, die nach einem erfĂŒllten Berufsleben auf Arbeitnehmer wartet. Die gesetzliche Rentenversicherung ĂŒbernimmt allerdings verschiedene Leistungen.

Es gibt folgende Rentenarten:

  • Hinterbliebenrente

    Dazu gehört die Witwen- oder Witwerrente im Falle des Todes der Partnerin beziehungsweise des Partners. Verliert eine minderjÀhrige oder in Ausbildung befindliche Person einen Elternteil oder beide Eltern, wird die Halb- oder Vollwaisenrente gezahlt.

  • Erziehungsrente

    Diese Rente wird Alleinerziehenden mit minderjÀhrigem Kind gezahlt, deren Ex-Partner verstorben ist.

  • Erwerbsminderungsrente

    Darauf haben Menschen Anspruch, die aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht mehr arbeitsfĂ€hig sind, aber das Rentenalter noch nicht erreicht haben.

  • Altersrente

    Diese Rente – auch Regelaltersrente genannt – teilt sich noch in andere Altersrenten auf, nĂ€mlich:

    • die Altersrente fĂŒr langjĂ€hrig und besonders langjĂ€hrig Versicherte
    • Altersrente fĂŒr schwerbehinderte Menschen
    • Altersrente fĂŒr Bergleute

Nachfolgend soll es vor allem um die Altersrente, kurz: Rente, gehen.

Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

Neben den AnsprĂŒchen der gesetzlichen Rentenversicherung aus unselbstĂ€ndiger Arbeit bemisst sich die Rente auch aus Erziehungszeiten, Ausbildung und Pflege.

Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert nach einem Umlageverfahren, das heißt, was heutige Rentner ausgezahlt bekommen, hat die gegenwĂ€rtige Arbeitnehmergeneration eingezahlt. Dementsprechend wird die Rente heutiger Arbeitnehmer durch ihre Kinder beziehungsweise Enkelkinder finanziert. Die Rede ist daher auch von einem Generationenvertrag.

Dieses Umlageverfahren (oder Umlagefinanzierung) wurde erst 1957 eingefĂŒhrt. BegrĂŒndung dafĂŒr war, dass dieses System eine unmittelbare und dynamische Anpassung der Rentenhöhe an die jeweiligen Bruttolöhne ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt in Zeiten des Kalten Krieges: Kein Krieg und keine Wirtschaftskrise kann diese Rentenform vernichten – im Gegensatz zu angespartem Kapital.

Allerdings funktioniert diese Umlagefinanzierung eben nur so lange ohne Weiteres, wie nachfolgende Generationen grĂ¶ĂŸer als die Rentengeneration sind. Und genau dieses VerhĂ€ltnis verschiebt sich seit Jahren. Immer weniger Arbeitnehmer finanzieren mit ihren BeitrĂ€gen die Rente von einer wachsenden Rentnergeneration.

Dazu kommt, dass die Menschen immer Ă€lter werden: Hatten Rentner frĂŒher im Schnitt etwa zehn Jahre etwas von ihrem Ruhestand, können heutige Rentner sich zwanzig Jahre lang am Herbst ihres Lebens erfreuen.

Das fĂŒhrt in letzter Konsequenz dazu, dass sich das Renteneintrittsalter erhöht und die BeitrĂ€ge zur gesetzlichen Rentenversicherung ansteigen.

Wann können Sie in Rente gehen?

Um die staatliche Rente zu erhalten, mĂŒssen Sie die sogenannte Wartezeit erfĂŒllt haben, das heißt, Sie waren wĂ€hrend Ihres Berufslebens mindestens fĂŒnf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Dazu haben Sie die Regelaltersgrenze erreicht.

Diese wird seit 2012 schrittweise erhöht, um den demographischen VerÀnderungen Rechnung zu tragen. Bei vor 1947 geborenen Rentner liegt die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren. Ab dem Geburtenjahrgang 1948 wird das Renteneintrittsalter sukzessive auf 67 Jahre angehoben.

Bis zum Jahr 2029 erhöht sich das Renteneintrittsalter um einen Monat pro Jahrgang, ab 2024 erhöht es sich um zwei Monate. Beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1947 heißt das:

  • Geburtsjahr: 1947 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 1 Monat
  • Geburtsjahr: 1948 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1949 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 3 Monate
  • Geburtsjahr: 1950 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1951 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 5 Monate
  • Geburtsjahr: 1952 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1953 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 7 Monate
  • Geburtsjahr: 1954 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1955 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 9 Monate
  • Geburtsjahr: 1956 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1957 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 11 Monate
  • Geburtsjahr: 1958 Renteneintrittsalter: 66 Jahre
  • Geburtsjahr: 1959 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1960 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1961 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1962 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1963 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1964 Renteneintrittsalter: 67 Jahre

Das bedeutet umgekehrt: Wer frĂŒher in Rente geht, hat mit AbschlĂ€gen zu rechnen, erhĂ€lt also weniger Rente.

Wonach bemisst sich die Rentenhöhe?

Die Rentenhöhe ist von vier Faktoren abhÀngig:

  • Welche Art von Rente Sie beziehen
  • Wie hoch Ihr jĂ€hrlicher Bruttoverdienst war und damit die Anzahl der Entgeltpunkte
  • Wann Sie in Rente gehen (regulĂ€r oder vorzeitig)
  • Welcher Rentenwert aktuell vorliegt

Jeder Versicherte sammelt im Laufe seines Berufslebens sogenannte Entgeltpunkte, die sich am Durchschnittsgehalt orientieren. Das liegt 2020 bei 40.551 Euro. Wer auf dieses Durchschnittsgehalt BeitrÀge in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlt, enthÀlt exakt einen Entgeltpunkt.

Entsprechend weniger erhalten Versicherte bei einem Gehalt, das die HĂ€lfte betrĂ€gt (also 0,5 Entgeltpunkte) beziehungsweise mehr, wenn es doppelt so hoch wie der Durchschnitt ist (2 Entgeltpunkte). Bei einem Beitragssatz von 18,6 Prozent brauchen Sie fĂŒr einen ganzen Entgeltpunkt derzeit also 7.542 Euro beziehungsweise 3.771 Euro je Arbeitnehmer-/ Arbeitgeberanteil.

Damit ostdeutsche Rentner angesichts geringerer Löhne in Ostdeutschland nicht automatisch die Altersarmut ereilt, wird fĂŒr die Entgeltpunkte mit dem Umrechnungsfaktor 1,07 multipliziert. Bei gleichem Gehalt gibt es im Osten etwas mehr Entgeltpunkte. Dies bewirkt eine Angleichung der RentenansprĂŒche auf Westniveau.

Allerdings ist bis zum 1. Januar 2025 ein Abbau dieser Unterscheidung geplant, weshalb der Umrechnungsfaktor von Jahr zu Jahr reduziert wird, bis er schließlich ganz wegfĂ€llt.

Übrigens werden RentenbeitrĂ€ge nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze gezahlt. So wird der Höchstbetrag bezeichnet, bis zu dem Ihr Einkommen bei der Berechnung berĂŒcksichtigt wird. Das heißt, auf darĂŒber hinaus gehendes Einkommen werden keine BeitrĂ€ge gezahlt.

Bis zum 31. Dezember 2024 ist die Beitragsbemessungsgrenze in den alten und neuen BundeslÀndern unterschiedlich hoch:

  • 6.900 Euro monatlich beziehungsweise 82.800 Euro jĂ€hrlich in den alten BundeslĂ€ndern
  • 6.450 Euro monatlich beziehungsweise 77.400 Euro jĂ€hrlich in den neuen BundeslĂ€ndern

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LĂŒcken schließen mit freiwilliger Rentenversicherung

Wie eingangs erwĂ€hnt, sind Arbeitnehmer in sozialversicherungspflichtigen ArbeitsverhĂ€ltnissen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Pflichtversicherte SelbstĂ€ndige mĂŒssen die Rentenversicherung allein stemmen, da sie sowohl fĂŒr den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil aufkommen und somit die kompletten 18,6 Prozent selbst zahlen.

GrundsĂ€tzlich kann sich jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung freiwillig versichern, der…

  • mindestens 16 Jahre alt ist,
  • noch nicht die regulĂ€re Altersgrenze erreicht hat und eine volle Altersrente bezieht und
  • fĂŒr den keine Versicherungspflicht besteht.

Das gilt neben geringfĂŒgig BeschĂ€ftigten (fĂŒr die der Arbeitgeber PauschalbetrĂ€ge zahlt) fĂŒr Beamte oder fĂŒr SelbstĂ€ndige, die nicht zu den genannten gehören:

  • Hebammen
  • KĂŒnstler
  • Pflegepersonen
  • Publizisten
  • SelbststĂ€ndige Handwerker
  • SelbststĂ€ndige, die nur einen Auftraggeber haben

Alle anderen SelbstĂ€ndigen sowie Freiberufler genießen Versicherungsfreiheit. Sie können ihre BeitrĂ€ge zur freiwilligen Versicherung selbst bestimmen, sie mĂŒssen lediglich zwischen dem gesetzlichen Mindest- beziehungsweise Höchstbetrag liegen.

Der Mindestbetrag liegt unverĂ€ndert bei 83,70 Euro monatlich. Der Höchstbetrag ist 2020 in den alten und neuen BundeslĂ€ndern gestiegen und betrĂ€gt 1283,40 Euro im Monat. Freiwillige Beitragszahlungen können SelbstĂ€ndigen und MĂŒttern die Möglichkeit geben, Rentenanspruch aufzubauen oder die Höhe der spĂ€teren AuszahlungsbeitrĂ€ge zu steigern.

Das ist wiederum auch fĂŒr einige Menschen Motivation, noch bis 70 arbeiten zu gehen.

[Bildnachweis: Krakenimages.com by Shutterstock.com]
15. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjÀhriger Berufserfahrung. Trotz sorgfÀltiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder Àrztliche Beratung nicht ersetzen.

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