Gesundheitsapps: Anwendungen für Ihr Smartphone

Smartphones gehören inzwischen wie selbstverständlich zu unserem Alltag – es ist fast immer bei uns. Daher liegt es nahe, dort auch entsprechende Anwendungen für unsere medizinische Versorgung und Unterstützung zu nutzen: Gesundheitsapps.

Doch welche Gesundheitsapps gibt es und wie können Sie uns helfen? Wir zeigen einige Beispiele und schauen uns die bekanntesten Gesundheitsapps genauer an. Außerdem beleuchten wir für Sie, worauf Sie in puncto Sicherheit achten sollten und wie Sie eine Gesundheitsapp auf Rezept erhalten.

Gesundheitsapps: Anwendungen für Ihr Smartphone

Was sind Gesundheitsapps?

Der Begriff „Gesundheitsapp“ ist nicht geschützt. Daher können sich strenggenommen alle Apps, die behaupten, etwas für die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Nutzers zu tun, so nennen. Dies reicht von einer Erinnerungsfunktion für Arzttermine oder Tabletteneinnahme über ein umfangreiches Verzeichnis an Krankheiten bis hin zur Messung und Analyse bestimmter Werte.

Das Angebot ist dabei vielfältig und unübersichtlich. Klare Empfehlungen, für wen welche Gesundheitsapp geeignet ist, kann es auch gar nicht geben, da der Bedarf bei jedem Menschen naturgemäß unterschiedlich ist.

Grundsätzlich lässt sich daher feststellen, dass die allermeisten der vielen Gesundheitsapps, die in den App-Stores von Apple oder Android angeboten werden, im Einzelfall durchaus ihre Berechtigung haben. Ein Blick auf die Bewertungen und Kommentare dieser Apps sowie deren Beschreibung lohnt sich daher vor dem Download, damit Sie wissen, ob Sie der Zielgruppe entsprechen.

Eines gilt jedoch für alle Gesundheitsapps: Im Falle einer Erkrankung ersetzt eine App niemals einen Arzt. Sie kann diesem aber durchaus eine hilfreiche Unterstützung sein.

Diese Gesundheitsapps gibt es

Der Markt an Gesundheitsapps ist riesig. Täglich kommen neue hinzu und andere fallen weg. Daher können wir Ihnen hier nur einen allgemeinen Überblick über die gebräuchlichsten Gesundheitsapps aufzeigen mit den Stand von November 2020. Eine Empfehlung für bestimme Apps können wir Ihnen hingegen nicht geben.

Neben sogenannten Bewegungs- und Fitnesstrackern sowie Ernährungsapps gibt es etliche Spezialapps, die entweder von Krankenkassen oder Gesundheitsexperten entwickelt oder unterstützt wurden und die der Erkennung beziehungsweise Behandlungsunterstützung einer Erkrankung dienen. Dies reicht vom allgemeinen Service einer Beratung bis beispielsweise zur Überwachung der Blutzuckerwerte.

Allgemeine Gesundheitsapps

Allgemeine Gesundheitsapps bieten entweder eine allgemeine Analyse von bestimmten Symptomen oder stellen einen Arztkontakt her. Beispielsweise diese hier:

  • Ada: Kostenlose App zur Symptomanalyse
  • TK-App: Für Versicherte der Techniker Krankenkasse kostenlose App für einen Arztkontakt
  • Vivy: kostenlose Gesundheitsakte
  • App zum Doc: kostenlose App für einen Arztkontakt
  • DRK-Mobilruf-App: umfangreiche Notfall-App für 120 Euro pro Jahr
  • Erste-Hilfe-App: kostenlose App für die Grundlagen der Ersten Hilfe
  • Echo 112: kostenlose App zur internationalen GPS-Ortung für einen Notarzteinsatz

Spezielle Gesundheitsapps

Neben allgemeinen Apps gibt es Apps für bestimmte Krankheiten oder Lebenslagen, die teilweise sogar von Krankenkassen bezahlt werden können. Viele von ihnen setzen dabei den Fokus auf Entspannung oder auf Zusatzfunktionen, wie zum Beispiel diese hier:

  • Tinnitracks: App zur Tinnitus-Therapie für 19 Euro im Monat oder kostenlos auf Rezept
  • Calm: Entspannungsapp für 15,99 Euro im Monat
  • 7mind: Meditationsapp für 11,99 Euro im Monat
  • Fabulous: ganzheitliche App zur Meditation und bei Schlafstörungen mit verschiedenen Abo-Modellen – je nach gewünschtem Umfang
  • FreeStyle Libre: App, die zusammen mit einem Chip auf der Haut regelmäßig den Blutzucker misst – kostenlos für Diabetes-Patienten auf Rezept

Gesundheitsapps zur Ernährungskontrolle

Wer genau wissen möchte, was er so den Tag über an Inhaltsstoffen und Kalorien zu sich nimmt oder das tägliche Trinken überwachen möchte, kann sich auch hier mit einer App behelfen. Zum Beispiel:

  • Code-Check: kostenlose App zur Nährwertbestimmung bestimmter Lebensmittel
  • Was ich esse: kostenlose App zur Ernährungsberatung
  • Trink Wecker: kostenlose App zur Trinkerinnerung
  • Runtasty: Rezept-App mit verschiedenen Preismodellen
  • Down Dog: Yoga-App für 29,99 Euro

Gesundheitsapps zum Abnehmen

Neben den vielen reinen Sport- und Fitness-Apps, gibt es auch Apps, die sich speziell an Leute richten, die gesund abnehmen möchten. Einige Beispiele:

  • Abnehmen in 30 Tagen: Fitness-App mit verschiedenen Abo-Modellen
  • Noom: Gewichtskontroll-App mit verschiedenen Abo-Modellen
  • MyFitnessPal: Sportanleitungen mit Kalorienzähler für 9,99 Euro im Monat
  • Fastic: App zum Intervallfasten für 79,99 Euro im Jahr
  • Lifesum: Fitness- und Diät-App mit verschiedenen In-App-Käufen
  • Get Slim: Hypnose-App zum Abnehmen für einmalig 2,29 Euro

Gesundheitsapps auf Rezept

Das sogenannte Digitale Versorgungs-Gesetz (DVG) ermöglicht es Krankenkassen, bestimmte Gesundheitsapps für die Patienten zu bezahlen, sofern diese ärztlich notwendig und somit per Rezept verschreiben sind. Dafür muss die App aber im Verzeichnis der digitalen Gesundheitsanwendungen (kurz DiGA) gelistet sein.

Dies trifft nur auf wenige Gesundheitsapps zu. Meist handelt es sich um Apps zur Behandlung von Tinnitus, Depressionen, Diabetes oder Rückenschmerzen. Die Voraussetzungen, dass eine App im DiGA-Verzeichnis geführt wird, sind jedoch streng:

  • Datenschutz und Funktionalität müssen gesetzlich geprüft und gewährleistet sein.
  • Der Nutzen muss medizinisch belegt sein.
  • Die Gesundheitsapp muss die Wirksamkeit aufgrund einer klaren Diagnose definiert haben.

Manche Apps können auch direkt bei Ihrer Krankenkasse beantragt werden, also ohne ein Rezept. Meist handelt es sich dabei um Eigenentwicklungen der Krankenversicherungen oder um allgemeine Diagnose-Apps. Grundvoraussetzung ist jedoch immer, dass die App über eine Zulassung als Medizinprodukt verfügt und das CE-Kennzeichen besitzt, welches die Einhaltung minimaler Sicherheitsstandards bestätigt. Beides sagt jedoch noch nichts über Qualität und Wirksamkeit aus.

Sicherheit von Gesundheitsapps

Längst nicht jede App, die auf dem Markt ist, erfüllt die notwendigen Sicherheitsaspekte. Das CE-Siegel kann zwar einen ersten Hinweis geben, doch selbst, wenn dies vorhanden ist, bedeutet das noch nicht, dass die Gesundheitsapp auch wirklich zu einhundert Prozent vertrauenswürdig ist.

Gerade beim Datenschutz zeigen viele Gesundheitsapps Lücken. So sind in Fitness-Apps häufig Schrittzähler eingebaut, für die eine Ortung des Smartphones vorgenommen wird. Dies muss per se noch nicht bedenklich sein, jedoch sollten Sie sich immer klar machen, ob hier Kosten und Nutzen im Verhältnis stehen. Wobei die Kosten nicht ausschließlich finanziell gemeint sind, denn insbesondere Ihre Daten stellen einen beträchtlichen Wert dar, auch wenn Sie für die App auf den ersten Blick keinen Cent bezahlen müssen.

Daher lohnt es sich, genau darauf zu schauen, welche Daten erhoben werden und welche davon gespeichert beziehungsweise anschließend verarbeitet werden. Jede Erleichterung des Lebens mit einer App auf dem Smartphone hat auch immer den Preis, dass Sie dafür ein Stückchen Ihres Lebenswandels transparent machen müssen. Gerade im Gesundheitsbereich handelt es sich dabei häufig um sehr sensible Daten, die bislang nur Sie und Ihr Arzt kannten.

Es ist darum unerlässlich, sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des App-Anbieters genau durchzulesen. Gerade dann, wenn Ihre Daten an Dritte (meist zu Werbezwecken an Unternehmen) weitergeleitet werden, sollten Sie vorsichtig sein. Sollte dies nicht klar, seriös und transparent dargelegt werden, sollten Sie besser Abstand von der App nehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Berechtigungen, welche die App erfordert. Je mehr dieser Berechtigungen (Ortung, Kamera- und Mikrofonzugriff, Auslesen von persönlichen Gerät-, Speicher- und Kontaktdaten, Analyse von Surfverhalten, Zugriff auf Telefon- und SMS-Funktion, Bluetooth-Zugriff, eigenständige Kommunikationsmuster) benötigt werden, umso vorsichtiger sollten Sie sein.

Um wirklich sicher zu stellen, dass Ihre Gesundheitsapps den Sicherheitsstandards entsprechen und Sie nicht unnötig ausspionieren, sollten Sie sich daher folgende Fragen stellen:

  • Braucht die App diese Berechtigung(en) wirklich, um die entsprechende Funktionalität zu gewährleisten?
  • Ist der Hersteller oder der Anbieter ein wissenschaftliches Institut oder eine Krankenkasse? Oder handelt es sich um Pharmakonzerne oder einen anderen privatwirtschaftlichen Anbieter?
  • Wie finanziert sich die App? Je weniger Sie bezahlen, umso mehr müssen sich die App-Anbieter auf andere Einkommensquellen fokussieren.
  • Wenn die App werbefinanziert ist: Ist diese personalisiert, so dass personenbezogene Daten dafür erhoben werden müssen?
  • Wo werden meine Daten gespeichert? Nur auf meinem Smartphone oder auf einem externen Server über den ich keine Kontrolle habe?

Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, was Sie bereit sind, an Daten preis zu geben. Eine App, die Daten speichert ist per se natürlich noch längst nicht unseriös. Es geht vielmehr darum, dass Sie genau abwägen, welchen Nutzen Sie davon haben.

Dazu gehört auch, dass Sie die Genauigkeit der Werte, Ergebnisse und Analysen in Augenschein nehmen und mit Ihrem Arzt besprechen. Sind diese zu wenig hilfreich, kann die App getrost wieder von Ihrem Smartphone verschwinden.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]
9. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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