Graue Haare: Ursachen und Tipps für die Pflege

Graue Haare haben oft keinen guten Ruf. Sie gelten als sichtbarstes Zeichen des Alters. Zu unrecht. In einer jugendfixierten Gesellschaft sind sie ein unattraktives Merkmal, das weithin erkennbar ist. Anfangs werden einzelne Haare noch gezupft. Aber irgendwann werden es zu viele. Nicht wenige Frauen (und auch Männer) greifen daher regelmäßig zu Tönungen und Färbemittel, um sich optisch zu verjüngen. Dabei sind graue Haare längst nicht nur eine Alterserscheinung. Welche Ursachen dazu führen, dass wir graue Haare bekommen und welche Tipps Sie bei der Pflege beachten sollten…

Graue Haare: Ursachen und Tipps für die Pflege

Woher kommen graue Haare?

Kopfhaar ist nicht nur Schmuck und lässt sich individuell frisieren, es erfüllt auch eine Funktion: Bei Hitze schützen die Haare die Kopfhaut vor Verbrennungen durch die Sonne, im Winter bieten sie Schutz vor Kälte.

Haare an sich sind totes Material, sie bestehen aus verhornten Keratinfäden. Das, was sichtbar aus der Kopfhaut herausragt, ist der Schaft. In der Kopfhaut befindet sich die Haarwurzel, an deren kugeligen Ende (Haarzwiebel) die Haarzellen wachsen. Hier wird auch Melanin produziert.

Welche Haarfarbe – übrigens auch: Augen- und Hautfarbe – wir haben, hängt davon ab, wie hoch die Konzentration an Melanin in den verhornten Haarzellen ist. Je geringer der Melaninanteil, desto heller die Haare. Fakt ist, dass mit zunehmenden Alter weniger Melanin produziert wird.

Aber das Alter ist längst nicht der einzige Grund. Weitere Gründe sind:

  • Anhaltender Stress
  • Genetische Veranlagung
  • Autoimmunerkrankungen
  • Ungesunde Ernährung
  • Schädlicher Lebensstil (Alkohol und Nikotin)
  • Starkes Übergewicht

Dass allerdings plötzlich der Eindruck entsteht, es würden graue Haare wachsen, hängt nicht nur mit dem Melaninanteil zusammen. Vielmehr wird statt der fehlenden Farbpigmente nun Sauerstoff im Haar eingeschlossen. Diese Haare sind weiß oder farblos. Dies ist allerdings ein Prozess, der über einen längeren Zeitraum vonstatten geht.

Kommen weiße mit pigmentierten Haarsträhnen zusammen, entsteht der optische Eindruck, jemand hätte graue Haare. Bei dunklen Haaren wirken die ersten Haare silbrig. Die Haare von Blonden und Rothaarigen verblassen hingegen.

Oft beginnt der Prozess an den Schläfen. Dass hier die ersten grauen Haare auftauchen, liegt daran, dass die Wachstumsphase der Schläfenhaare deutlich kürzer als die des restlichen Haupthaares ist. Wie bei den Barthaaren, aber auch Wimpern, Augenbrauen, Ohr- und Nasenhaaren beträgt die Wachstumsphase zwischen 100 und 150 Tagen.

Anders beim Haupthaar: Das kann über mehrere Jahre wachsen und deutlich über einen Meter lang werden, solange Sie es nicht schneiden.

Graue Haare bei Männern und Frauen: Ein Beauty-Trend?

Wie jemand persönlich seine grauen Haare bewertet, ist natürlich eine Frage des Selbstbildes. Wer sich mit 50 Jahren noch für einen jungen Hüpfer hält, mag im Herzen jung geblieben und körperlich fit sein, ist aber nach allgemeinem Verständnis natürlich nicht mehr „jung“.

Allerdings ist „nicht jung“ nicht gleichbedeutend mit „alt“, und „jung“ nicht gleichbedeutend mit attraktiv. Abgesehen davon, dass Schönheit ohnehin im Auge des Betrachters liegt, gelten graue Haare – beispielsweise in Form ergrauter Schläfen bei Männern – schon seit jeher als Merkmal von Reife und Lebenserfahrung. Zwei Merkmale, die von vielen Frauen als attraktiv angesehen werden.

Und da sich das Frauen- und Männerbild im Laufe der letzten Jahre immer stärker gewandelt hat, wird grauen Haare auch bei Frauen eine neue Bedeutung zugesprochen. Plötzlich ist es „cool“ mit grauen Haaren herumzulaufen. Vor einigen Jahren färbten sich junge Frauen wie Lady Gaga und Rihanna die Haare bewusst grau. Es war als Provokation gedacht und half dabei, sich von der Masse der anderen Stars und Sternchen abzusetzen.

Die Reichen und Berühmten machten diesen Trend vor, andere Frauen zogen nach. Die Rede ist von Granny Hair beziehungsweise Granny Look oder auch Outgrow Hair, wenn Frauen bewusst graue Haare tragen. Ersteres kann unter Beihilfe von Färbemitteln geschehen, letzteres ist der natürliche Prozess, der akzeptiert wird.

Das spiegelt sich auch zunehmend in der Werbung, die Senioren als interessante Zielgruppe für sich entdeckt hat. In einer immer älter werdenden Gesellschaft auch höchste Zeit, dass diese sich repräsentiert sieht. Also sieht man nun vermehrt ältere Models im Fernsehen. Und längst nicht nur für Inkontinenzvorlagen und Medizinprodukte, sondern ebenso für Mode und Kosmetik: Models mit Falten, aber eben auch grauen Haaren.

Was tun gegen graue Haare?

Die vielen Stilikonen sind eine Sache. Tauchen ab Mitte 30 die ersten grauen Haare auf, ist das zwar medizinisch gesehen nicht ungewöhnlich. Dennoch sind viele Menschen nicht gerade begeistert, wenn sie das erste graue Haar bei sich entdecken. Was können Sie tun?

  • Entfernen

    Die denkbar schlechteste Methode, nichtsdestotrotz häufig praktiziert ist das Herausreißen oder Abschneiden von grauen Haaren. Das mag bei einzelnen Haaren vorübergehend helfen, ist aber nicht besonders angenehm und letztlich nicht zielführend, sobald das Haupthaar überwiegend grau ist.

  • Färben

    Beim Färben werden Farbstoffe in die Haare eingebracht. Mittels chemischer Verbindungen quillt es auf, so dass sich Farbpigmente innen ablagern können. Der Vorteil beim Färben ist, dass die Haarfarbe recht lang erhalten bleibt. Nachteile sind jedoch, dass diverse chemische Bestandteile äußerst ungesund sind. Sie kommen direkt mit der Kopfhaut in Berührung, die ohnehin sehr aufnahmefähig ist.

    Allergien können die Folge sein. In manchen Fällen wird sogar Krebs vermutet – so beispielsweise durch Resorcin, das in Haarfarben enthalten ist. Amoniak hilft beim Aufquellen des Haares. Es riecht nicht nur meist unangenehm, sondern weicht ebenfalls Ihre Kopfhaut auf, die somit stärker angreifbar für schädliche Stoffe ist. Zudem leidet auf Dauer auch das Haar unter der strapaziösen Behandlung, so dass es bei wiederholtem Färben stumpf aussieht.

  • Renaturieren

    Renaturieren ist eine Möglichkeit, die derzeit nur Brünetten und Schwarzhaarigen zur Verfügung steht. Eumelanin ist nämlich die Farbe, die künstlich hergestellt wird und den dunklen Anteil des körpereigenen Melanins imitiert. Für eine Renaturierung Ihrer grauen Haare müssen Sie das Mittel mehrmals anwenden, damit der Farbstoff sich an die pigmentfreien Stellen anreichern kann.

    Für blondes und rötliches Haar ist der Melanintyp Phaeomelanin zuständig, der bisher noch nicht künstlich hergestellt werden kann. Auch wenn „Renaturieren“ so schön natürlich klingt: Manche Mittel enthalten Bleiacetat. Auch das ist alles andere als gesundheitlich unbedenklich. Über die Kopfhaut wird es vom Körper aufgenommen und lagert sich als giftiges Schwermetall dort ab. Die Folgen können ein geschädigtes Nervensystem sowie ein erhöhtes Risiko für Blutarmut sein.

  • Annehmen

    Die gesundheitlich unbedenklichste Alternative ist, seine grauen Haare anzunehmen. Zu akzeptieren, dass graue Haare ein Teil des Alterungsprozesses sind, den jeder Mensch durchmacht. Blondinen haben gegenüber Brünetten und Schwarzhaarigen den Nachteil, dass sie selbst mit natürlichen Pflanzenfarben auf Henna-Basis ihr Blond nicht erhalten können. Andererseits haben sie den Vorteil, dass die grauen oder weißen Haarpartien nicht so schnell wie bei Dunkelhaarigen auffallen. Und graue Haare an sich haben noch einen Vorzug: Sie sind stabiler und dicker als dunkle Haare, fallen also auch nicht so schnell aus.

Tipps zur Pflege Ihrer Haare

Graue Haare werden mit der Zeit trockener und brüchiger. Sie können dadurch stumpf und kraftlos aussehen. Glänzendes Haar hingegen sieht immer gesünder aus, ungeachtet der Haarfarbe. Die Auswahl an Haarpflegeprodukten, die spezielle Pflegesubstanzen enthalten, ist enorm. Das können Sie tun:

  • Spülung: Gönnen Sie Ihren grauen Haaren von Zeit zu Zeit eine Pflegekur, mit der Elastizität und Glanz erhalten bleiben.
  • Schnitt: Lassen Sie die Spitzen häufiger schneiden. Vor allem ab Schulterlänge entsteht schnell Spliss, der die Haare zusätzlich kaputt und stumpf aussehen lässt. Eine Frisur mit etwas kürzerem Schnitt oder eine längere Haarlänge hilft dabei, diesen Spliss zu vermeiden.
  • Shampoo: Durch chlorhaltiges Wasser bekommen manche grauen Haare hin und wieder eine gelbliche Verfärbung. Dem können Sie mit einem blaustichigen Shampoo entgegenwirken.

Wer findet, dass die grauen Haare bei ihm oder ihr einen eher fahlen Gesichtston bewirken, kann seine Vorzüge mit etwas Farbe herausstreichen. Getönte Tagescremes, ein dezentes Make-up und ein kräftiger Lippenstift, so wie verschiedene Lidschatten oder Rouge können Wunder bewirken.

[Bildnachweis: Lipik Stock Media by Shutterstock.com]
4. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite