Grippeimpfung: Unverzichtbar oder überflüssig?

Herbst und Winter sind Grippesaison. Die Menschen halten sich verstärkt in Innenräumen auf, die zudem häufig mit ihrem Klima ein ideales Feld für Aerosole (also kleine Feuchtigkeitspartikel) sind, die Viren beherbergen können. Spätestens seit der Erreger SARS-CoV-2, umgangssprachlich als Corona-Virus bezeichnet, in der Welt ist, wissen das viele Menschen.

Um den Körper zumindest vor der Grippe, also den Influenzaviren zu schützen, raten Mediziner jedes Jahr zur Grippeimpfung. Denn die Gefahr wird immer noch unterschätzt und ist medial wenig präsent: Eine echte Grippe (also nicht der grippale Infekt, die herkömmliche Erkältung) kann gerade im Alter zu schweren Komplikationen führen und sogar lebensbedrohlich werden.

Welcher Personenkreis sich einer Grippeimpfung unterziehen sollte, wann dafür der beste Zeitpunkt ist und wie lange der Schutz anhält – all dies erläutern wir an dieser Stelle detailliert.

Grippeimpfung: Unverzichtbar oder überflüssig?

Gegen was hilft die Grippeimpfung

Die Influenza, also die sogenannte Grippe, ist eine Atemwegserkrankung, die jedes Jahr schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung befällt.

Viele von ihnen sind „nur“ einige Tage mit Fieber, Schüttelfrost, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten ans Bett gefesselt, bei anderen jedoch verläuft die Krankheit deutlich schwerwiegender. Gerade ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen müssen häufig stationär behandelt werden.

Doch die gute Nachricht ist: Es gibt eine Grippeimpfung, welche die Gefahr, an Influenza zu erkranken, ganz erheblich minimiert. Bereits seit 1942 sind Impfstoffe gegen diese immer noch unterschätzte Krankheit verfügbar.

Gegen die oftmals unangenehme, aber harmlose Erkältung, also den grippalen Infekt, den viele Menschen auch gerne fälschlicherweise als „Grippe“ bezeichnen, hilft die Grippeimpfung übrigens nicht. Diese wird nämlich häufig durch Rhino-Viren ausgelöst, also einer völlig anderen Art, auch wenn hierdurch ebenfalls die Atemwege betroffen sind.

Nach einer Grippeimpfung benötigt der Körper ungefähr zwei Wochen, um einen entsprechenden Immunschutz gegen die Influenza-Viren aufzubauen. Daher sollte die Impfung immer rechtzeitig vor Beginn der sogenannten „Grippesaison“ durchgeführt werden – am besten im Herbst.

Aber auch wer diesen Termin verpasst, kann sich durchaus noch im Winter impfen lassen, da erfahrungsgemäß der Höhepunkt einer jeden Grippesaison um den Februar herum erreicht ist und auch zu Beginn des Frühjahrs nicht selten noch viele Fälle auftreten.

Die Ansteckung mit der Grippe verläuft sowohl über kontaminierte Oberflächen, die mit der Hand berührt werden, mit der anschließend unwillkürlich Gesicht gefasst wird, als auch über Tröpfchen und Aerolose, die Infizierte in die Umgebung abgeben.

Da die Influenza-Viren sich schnell verändern und mutieren, hält der Immunschutz nur jeweils eine Saison. Im nächsten Winter muss die Impfung also erneuert werden.

Gegen Coronaviren der Gattung SARS-CoV-2 hilft eine Grippeimpfung ebenso wenig wie gegen eine Erkältung. Allerdings kommt ein Virus selten alleine, insofern empfehlen Ärzte, zumindest die Gefahr der Influenza durch eine Impfung zu minimieren, um einen erkrankten Organismus nicht noch zusätzlichen Risiken auszusetzen.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen

Mediziner raten insbesondere Risikogruppen dazu, sich gegen die Influenza impfen zu lassen. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hat dazu eine Empfehlung ausgesprochen, wer sich einer Grippeimpfung unterziehen sollte:

  • Ältere Menschen ab 60 Jahren
  • Personen mit einem schwachen Immunsystem
  • Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko (zum Beispiel Pflegekräfte und Mediziner aber auch Personen, die regelmäßigem Publikumsverkehr unmittelbar ausgesetzt sind)
  • Bewohner von Pflege- und Altenheimen
  • Personen mit Vorerkrankungen (zum Beispiel Atemwegs-, Herz-Kreislauf- oder Organerkrankungen, sowie Diabetes und Multiple Sklerose)
  • Schwangere Frauen

Von einer Grippeimpfung ausdrücklich abgeraten wird lediglich Personen, die an hohem Fieber leiden (nach Abklingen des Fiebers sollte die Impfung nachgeholt werden) und Allergikern, die sensibel auf Hühnereiweiß reagieren, da der Impfstoff auf der Basis von Hühnereiern gezüchtet und hergestellt wird. Unter Umständen kann unter bestimmten Bedingungen und ärztlicher Aufsicht jedoch selbst dieser Personenkreis geimpft werden.

Zuverlässigkeit und Kosten der Grippeimpfung

Eine Grippeimpfung gilt zwar als relativ zuverlässig, bietet jedoch keinen hundertprozentigen Schutz. So kann es vorkommen, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs unter bestimmten Bedingungen nachlässt:

  • Virenmutation
    Viren mutieren ständig und verändern ihre Form. Dies kann auch innerhalb einer Grippesaison geschehen. So kann es sein, dass die durch die Impfung im Körper gebildeten Antikörper weniger wirksam werden und es dennoch zu einer (abgeschwächten) Infektion kommen kann.
  • Zeitlicher Faktor
    Nach der Grippeimpfung baut der Organismus langsam Antikörper auf. Nach zwei Wochen ist solch ein Schutz vorhanden, der ungefähr nach weiteren ein bis zwei Wochen auf dem Höhepunkt ist. Diese Antikörper halten sich jedoch nicht ewig im Körper. Untersuchungen zufolge nimmt die Schutzwirkung ungefähr alle vier Wochen um circa 16 Prozent ab.
  • Wiederholte Impfung
    Bei einer jährlichen Grippeimpfung nimmt die Wirksamkeit mit den Jahren leicht ab. Gerade Menschen, die sich in jungen Jahren regelmäßig impfen lassen (zum Beispiel medizinisches Personal), weisen im Alter eine geringere Immunität auf. Dennoch sind sie selbstverständlich immer noch besser geschützt als komplett ohne eine Impfvorsorge.
  • Saison
    Die Produktion eines Grippeimpfstoffs im Sommer ist quasi immer eine Wette auf die Zukunft. Zwar haben die Hersteller inzwischen einige Erfahrung mit der Entwicklung der Viren, dennoch kann es sein, dass der Impfstoff in einer Saison besser wirkt und in der anderen Saison weniger gut auf den aktuellen Virustyp passt.

Statistiken und Voraussagen, welche Wirksamkeit eine Grippeimpfung aufweist, sind daher aus den genannten Gründen schwer. Dennoch beziffern Experten die Schutzwirkung einer Grippeimpfung je nach Hintergrund auf weit über 80 Prozent, meist sogar auf über 90 Prozent.

Insofern ist unbestritten, dass eine weite Verbreitung der Grippeimpfung die Krankheit gesellschaftlich gut eindämmen kann, da geimpfte Personen auch deutlich weniger ansteckend sind.

Aus diesem Grund übernehmen auch immer mehr private und gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten für eine Grippeimpfung. Insbesondere Personen über 60 müssen in der Regel nichts für die Impfung bezahlen.

Wer keiner Risikogruppe angehört und die Kosten nicht erstattet bekommt, muss mit einem Betrag zwischen 15 und 30 Euro rechnen, was also durchaus noch erschwinglich ist, wenn es um die eigene Gesundheit geht.

So wird die Grippeimpfung durchgeführt

Wie erwähnt, ist der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung der Herbst. Meist Ende Oktober, Anfang November sollte eine Impfung durchgeführt sein, um für die komplette Saison einen ausreichenden Schutz zu bieten.

Dies passiert am besten bei Ihrem Hausarzt. Aber auch Internisten, Frauenärzte und sogar bestimmte Apotheker mit einer entsprechenden Zusatzausbildung sind dazu berechtigt, den Impfstoff zu verabreichen.

Dieser wird in der Regel entweder in den Muskel injiziert (intramuskulär) oder unter die Haut gespritzt (subkutan). Der kleine Stich verursacht dabei nahezu keine Schmerzen.

Dabei wird dem Körper ein sogenannter Totimpfstoff verabreicht. Es handelt sich also um inaktiviere Viren und Virenbestandteile.

Nebenwirkungen der Grippeimpfung

Da es sich bei der Grippeimpfung um einen Totimpfstoff handelt, ist die Verträglichkeit im Allgemeinen sehr hoch. Es können jedoch einige leichte Nebenwirkungen auftreten, die bei ungefähr 13 Prozent der Patienten zu vermerken sind. Diese können unter anderem folgende sein:

  • Gliederschmerzen
  • Müdigkeit
  • Rötung oder leichtes Anschwellen der Einstichstelle
  • Leicht erhöhte Temperatur

Diese Nebenwirkungen lassen spätestens ein bis drei Tage nach der erfolgten Impfung allerdings wieder nach und verursachen keinerlei weitere Beschwerden.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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7. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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