Hantavirus: Unterschätztes Risiko

Aus Asien, Südamerika oder den USA sind alle paar Jahre Nachrichten zu vernehmen, die von einem neuen Ausbruch des Hantavirus berichten. Dieses Virus wird meist von Mäusen und Ratten verbreitet.

Doch was die wenigsten wissen: Auch in Europa kommt das Hantavirus vor. Dass dies selten in den Medien ist, liegt daran, dass der hiesige Virustyp als harmloser gilt. Dennoch ist es wichtig, über das Hantavirus Bescheid zu wissen – nicht nur, wenn Sie verreisen möchten.

Was Sie zu dem Krankheitserreger wissen müssen, wie eine Infektion verläuft und wie Sie sich schützen könne, erfahren Sie hier…

Hantavirus: Unterschätztes Risiko

Definition: Was ist das Hantavirus

Das Hantavirus wird von Nagetieren auf den Menschen übertragen – insbesondere Ratten und Mäuse tragen den Erreger häufig in sich. Bei den Tieren selbst bricht es nicht aus – sie scheinen immun. Daher eignen sie sich jedoch umso besser als Wirt.

Über ihren Kot, ihren Urin und Speichel scheiden Sie das Virus aus, welches sich dann dort mehrere Tage halten kann. Werden diese Ausscheidungen aufgewirbelt – zum Beispiel beim Putzen, Laub rechen, Fegen oder einfach durch den Wind, gelangen diese in die Luft.

Anders als zum Beispiel bei der Tollwut, wird der Krankheitserreger also nicht durch einen Biss übertragen, sondern durch die sogenannten Aerosole. Das sind winzige Feuchtigkeitströpfchen, die sich lange in der Luft halten und aufgrund Ihrer Leichtigkeit nur langsam zu Boden sinken.

Diese Aerosole werden dann vom Menschen eingeatmet – gerade in geschlossenen Räumen können sie sich lange halten. Auf diese Weise infiziert sich der Mensch mit den Hantaviren. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch gilt daher als unwahrscheinlich.

Das Hantavirus ist auf der ganzen Welt verbreitet – jedoch ist das Virus mehrfach mutiert, weswegen sich in unterschiedlichen Regionen auch unterschiedlich gefährliche Virustypen finden. So ist zum Beispiel das in Deutschland und dem restlichen Europa verbreitete Hantavirus weniger gefährlich als das in den USA oder insbesondere Südamerika.

Dort verlaufen knapp die Hälfte aller Infektionen letztendlich tödlich, während in Deutschland nur unter ein Prozent aller Erkrankungen einen letalen Ausgang nehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass pro Jahr etwas 150.000 bis 200.000 Menschen am Hantavirus erkranken. Die meisten davon sind in China zu verzeichnen.

In Deutschland kommt die Krankheit eher selten vor – die Zahlen bewegen sich jährlich stets im unteren vierstelligen Bereich, wobei der Südwesten häufiger betroffen ist, als der Norden. Dies liegt daran, dass Rötelmäuse, die sich in diesen Regionen besser ernähren können und das Virus gerne verbreiten, hier häufiger vorkommen.

Der Name Hantavirus ist auf die Region zurück zu führen, wo das Virus im Jahr 1951 im Koreakrieg zum ersten Mal vorkam: die Gegend um den Fluss Hantangang in Südkorea. Eine genaue Erforschung des Erregers dauerte jedoch bis ins Jahr 1977.

Symptome bei einer Infektion mit dem Hantavirus

Wer sich mit den Hantaviren infiziert, merkt dies nicht sofort: die Inkubationszeit ist mit zwei bis vier Wochen verhältnismäßig lang. Es sind auch schon Fälle beobachtet worden, in denen die Zeit zwischen Ansteckung und Sichtbarkeit der Symptome zwei Monate lagen.

Der Erreger befällt die inneren Organe – meist Lunge und/oder Nieren und breitet sich dort aus. Dies führt zunächst zu grippeähnlichen Symptomen wie zum Beispiel:

  • Fieber mit Schüttelfrost
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Sehstörungen und Überempfindlichkeit gegen helles Licht
  • Rachenrötungen und -entzündungen
  • Erbrechen und Durchfall
  • Kurzatmigkeit und Husten, teilweise mit Auswurf
  • Schmerzen in der Bauchgegend
  • Niedriger Blutdruck und verminderte Herzleistung
  • Blutende Schleimhäute

Je nachdem, ob Nieren oder Lunge betroffen sind, kommt es an diesen Organen mit der Zeit schlimmstenfalls zu Funktionsstörungen wie Nierenschwäche oder Lungenödemen, also Wasseransammlungen in der Lunge.

Dies kann schlussendlich zum Versagen dieser Organe und somit zum Tod führen.

Allerdings bleiben etliche Infektionen auf der anderen Seite auch unbemerkt, weil sich in vielen Fällen nur schwache oder gar keine Symptome zeigen.

Info: So können Sie sich mit Hantavirus infizieren

Wie erwähnt dienen Kleinsäuger – insbesondere weit verbreitete Nagetiere wie die Ratte, die Brand- und die Rötelmaus als Wirtstier, welches das Virus ausscheidet. Selbst wenn diese Ausscheidungen austrocknen, kann sich das Virus noch bis zu zwei Wochen dort und somit auch in der Luft halten.

Menschen infizieren sich dann, indem sie entweder den Staub, der aufgewirbelt wird, mit den Aerosolen einatmen oder indem diese Teilchen mit den Viren auf andere Art in den Körper gelangen wie zum Beispiel durch Verletzungen der Haut.

Daher sollten Sie beim Fegen und Aufräumen von Keller, Dachboden, Schuppen oder ähnlichen Räumen vorsichtig sein. Am besten tragen Sie einen einfachen Atemschutz, der den Staub filtert.

Auch über verunreinigte Lebensmittel kann der Krankheitserreger in den Menschen gelangen. Wenn Sie also über Mäusebefall klagen, sollten sie Lebensmittel immer gut in luftdichten und stabilen Gefäße verwahren, welche die Nager nicht aufbekommen.

Die Krankheit selbst ist in Deutschland meldepflichtig. Daher lässt sich hier sehr gut nachvollziehen, dass sie vor allem auf der Schwäbischen Alb, im Spessart, im Bayerischen und im Teutoburger Wald sowie in Nordost-Hessen und im Münsterland vorkommt. Allerdings auch hier in einer Zahl, die keinen Grund zur Beunruhigung gibt.

Bei einer Reise nach Südamerika oder nach China sollten Sie jedoch staubige und von Nagetieren befallene Räume unbedingt meiden!

Hantavirus: Diagnose, Verlauf und Therapie

Besteht ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Hantavirus, sollten Sie sich umgehend an einen Arzt wenden. Nach einer ausführlichen Anamnese, also einem Gespräch über die Lebensumstände und gegebenenfalls Ihre Reisen, wird er Ihnen Blut abnehmen.

Dort lassen sich anhand verschiedener Parameter wie zum Beispiel der Anzahl der Blutplättchen, möglicher Antikörper sowie der Nierenwerte eine Infektionen mit den Viren nachweisen.

Dies ist wichtig, da die Symptomatik selbst sehr unspezifisch verläuft und auf viele Krankheiten hindeuten kann.

Ob die Infektion dann einen milden, einen ernsten oder gar einen lebensbedrohlichen Verlauf nimmt, hängt vom Virustyp ab. Die Wahrscheinlichkeit eines äußerst milden Verlaufs ist dabei hierzulande wie bereits angesprochen recht hoch – ganz im Gegenteil zu Südamerika.

Haben die Patienten die Krankheit überstanden, sind sie lebenslang immun – allerdings nur gegen diesen bestimmten Erregertyp. Eine Infektion mit einem anderen Hantavirus ist also weiterhin möglich.

Die Erkrankung wird ausschließlich symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass es lediglich möglich ist, die Symptome abzumildern und den Körper in der Immunabwehr zu unterstützen – vor allem mit Ruhe.

In den wenigen ganz schlimmen Fällen, müssen die Patienten auf der Intensivstation betreut werden, um den Kreislauf zu stabilisieren und Blutungen frühzeitig zu erkennen.

Sollte ein Versagen der Nieren auftreten, muss zudem umgehend eine Dialyse, also eine externe Blutwäsche, eingeleitet werden. Bei einem Befall der Lunge werden die Patienten im schlimmsten Fall künstlich beatmet.

Eine wirksame Therapie gegen das Virus selbst konnte bislang noch nicht entwickelt werden.

Tipp: Vorbeugung vor dem Hantavirus

Eine vollständige Vorbeugung gegen das Hantavirus ist schwierig, da es im Prinzip überall vorkommen kann – auch wenn die Wahrscheinlichkeit recht gering ist. Eine Impfung gegen die Viren gibt es nicht, Sie können jedoch einige Vorsichtsregeln befolgen:

  • Vermeiden Sie so gut es geht einen Kontakt zu Nagetieren.
  • Meiden Sie mögliche Infektionsherde wie Scheunen, Ställe, Komposthaufen oder ähnliches.
  • Verwahren Sie Ihre Lebensmittel in stabilen und verschließbaren Behältern
  • Ist Ihre Umgebung von Nagetieren befallen, bekämpfen Sie diese. Benutzen Sie dabei Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Atemschutzmaske. Tote Tiere sowie Ausscheidungen sind in Plastikbeuteln zu entsorgen.
  • Bevor Sie Dachboden oder Keller putzen, lüften Sie gründlich. Putzen Sie anschließend nass statt trocken – auch hier mit Einmalhandschuhen und Atemschutz. Waschen Sie freie Körperstellen im Anschluss gründlich mit Wasser und Seife.
  • Ergreifen Sie Hygienemaßnahmen um keine Nagetiere anzulocken.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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3. Juli 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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