Hausarzt: Vertrauensperson mit Kompetenz

Es gibt viele Gründe, sich einen neuen Hausarzt suchen zu müssen: Sei es, dass der bisherige Hausarzt in den Ruhestand gegangen ist, sei es fehlende Vertrauen oder schlichtweg ein Umzug.

Da im Alter die Krankengeschichte meist länger und die Frequenz der Arztbesuche häufiger werden, nimmt auch die Bedeutung, die ein Hausarzt einnimmt, zu.

Wir zeigen Ihnen, worauf es bei einem guten Hausarzt ankommt und wie Sie den besten in Ihrer Umgebung finden. Außerdem beleuchten wir die Alternativen für dringende Fälle.

Hausarzt: Vertrauensperson mit Kompetenz

Definition: Was ist ein Hausarzt?

Als Hausarzt gilt ein Allgemeinmediziner, der sich mit einer eigenen Praxis oder in einer Praxisgemeinschaft freiberuflich niedergelassen hat.

Für die allermeisten körperlichen und psychischen Leiden ist er für die Patienten die erste Anlaufstelle. Falls der Betroffene nicht mehr in die Praxis kommen kann, übernimmt der Hausarzt auch Hausbesuche.

So oder so: Die erste Aufgabe eines Hausarztes ist es, zunächst die Krankengeschichte eines Patienten und seine aktuellen Leiden und Symptome im Blick zu haben. Dies geschieht zunächst mittels eines Gespräches. Die sich daraus ergebende Bestandsaufnahme nennt sich Anamnese – eine der wichtigsten Aufgaben, die ein Hausarzt zu leisten hat.

Zudem übernimmt der Hausarzt auch allgemeinmedizinische Untersuchungen. Sobald das Leiden des Patienten eine zielgerichtetere Therapie erfordert, überweist er diesen entweder zu einem Facharzt oder sofort ins Krankenhaus.

In der Regel betreut ein Hausarzt seine Patienten über viele Jahre hinweg und übernimmt auch entsprechende Vorsorgeuntersuchungen. Allerdings ist kein Patient an seinen Hausarzt gebunden. Da in Deutschland freie Arztwahl herrscht, kann er jederzeit seinen Hausarzt dauerhaft oder auch nur für eine gewisse Zeit wechseln beziehungsweise sich eine zweite Meinung einholen.

Das zeichnet einen guten Hausarzt aus

Über viele Jahre hinweg fristete der Hausarzt ein gewisses Schattendasein: Kollegen, die eine fachspezifische Ausbildung genossen hatten, schauten etwas überheblich auf sie herab und Patienten begaben sich häufig lieber direkt in die Hände von Spezialisten, nachdem sie selbst das Internet nach ihren Symptomen befragt hatten.

Doch das hat sich wieder geändert. Nachdem viele Hausärzte – vor allem auf dem Land – ihre Praxen geschlossen hatten beziehungsweise keinen Nachfolger mehr fanden, wurde offensichtlich, dass hier ein wichtiger Bestandteil in der ärztlichen Versorgung dabei war, verloren zu gehen.

So ist der Berufsstand heute wieder gefragter denn je. Doch Hausarzt ist nicht gleich Hausarzt. Wer nach einem geeigneten Allgemeinmediziner sucht, sollte auf folgende Punkte achten, um auch sicherzustellen, den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben:

  • Vertrauen
    Die wichtigste Voraussetzung für einen guten Hausarzt ist, dass er es schafft, dass die Patienten Vertrauen zu ihm aufbauen. Dazu gehört auch, dass er sie fair berät bezüglich möglicher Therapien und Untersuchungen und dabei keine eigenen finanziellen Interessen verfolgt.
  • Erreichbarkeit
    Es gibt Hausärzte, die sind Montags und Donnerstags von neun bis elf Uhr und Mittwochs von 14 bis 16 Uhr erreichbar. Ein bißchen ausgedehnter sollten die Sprechstunden aber durchaus sein, auch wenn ein Hausarzt viele Verwaltungs- und Bürokratieaufgaben hat. Gute Hausärzte erreicht man außerdem auch außerhalb der üblichen Sprechzeiten.
  • Empathie
    Ein guter Hausarzt muss zuhören können und Klartext mit Ihnen reden. Lieder gibt es immer noch zu viele Allgemeinmediziner, die sich hinter Fachbegriffen verstecken und auch schwer in der Lage sind, Schweigen und Betroffenheit der Patienten auszuhalten. Niemals sollte Ihnen ein Hausarzt das Gefühl geben, dass sie seine Praxis mit mehr Fragen als Antworten verlassen.
  • Wartezeiten
    Gutes Zeitmanagement zählt bei jedem Hausarzt zum A und O seiner Kompetenzen. Dazu gehört, dass er genügend Spielräume zwischen den Terminen vorhält, falls etwas Ungeplantes geschieht. Wenn jedoch das Wartezimmer regelmäßig voll mit Patienten ist, die seit einer halben Stunde oder länger auf ihre Untersuchung warten, dann scheint das Gegenteil eher der Fall zu sein.
  • Hygiene
    Hände waschen und eine ausreichende Desinfektion gehört zu den Grundregeln in einer allgemeinmedizinischen Praxis. Dies gilt nicht nur für den Arzt, sondern auch für das Personal. Auch sonst sollte die Praxis sauber sein. Schlampereien in diesem Punkt deuten auch auf andere Nachlässigkeiten hin und sollten nicht akzeptiert werden.
  • Gleichbehandlung
    Privat- oder Kassenpatient – dies sollte bei der Behandlung keine Rolle spielen. Ein guter Hausarzt behandelt alle Patienten gleich – auch wenn er hinterher unterschiedlich abrechnen kann.
  • Diskretion
    Im Wartezimmer und im Behandlungsraum sollte absolute Diskretion herrschen. Keinesfalls sollten andere Patienten mitbekommen, was die Personen vor ihnen haben oder gar eine Beratung beziehungsweise Untersuchung beobachten können. Dies disqualifiziert jeden Hausarzt von vornherein.

Tipp: Den richtigen Hausarzt finden

Bewertungsportale im Internet wie Jameda, Imedo oder Docinsider rühmen sich damit, den besten Hausarzt für Sie zu finden. Hier bewerten Patienten ihre Eindrücke – vergleichbar einem Hotelbewertungsportal.

Zwar können diese Seiten vielleicht eine erste Orientierung bieten, allerdings sollte man die Ergebnisse auch mit Vorsicht genießen. Das hat Gründe:

  • Die Bewertungen sind stark subjektiv eingefärbt. Kann ein Patient nicht geheilt werden oder erhält er eine negative Diagnose, neigt er auch zu schlechteren Bewertungen.
  • Viele dieser Seiten bieten auch kostenpflichtige Zusatzfunktionen an, die der jeweilige Arzt kaufen kann. Investiert er ein bißchen Geld, kann er sich gleich positiver darstellen.
  • Kein Bewertungsportal kann eine Aussage darüber treffen, ob die zwischenmenschliche Ebene, die Wellenlänge, zu Ihrem Hausarzt passt. Dies ist von Patient zu Patient anders.
  • Menschen neigen dazu, eher negative Bewertungen ins Internet zu stellen als positive. Wer zufrieden war, deutet dies oft genug als Selbstverständlichkeit und macht sich daher nicht mehr die Mühe, andere daran teilhaben zu lassen. Wer unzufrieden war, schon. Hier sucht sich der Frust seine Bahn und Bewertungen werden schnell einmal ungerecht.

Daher hilft nur: ausprobieren. Sie können den Hausarzt jederzeit wieder wechseln, wenn Sie nicht zufrieden sind. Wichtig ist, dass Sie sich von Anfang an wohlfühlen. Die oben erwähnten Punkte können Ihnen dabei eine Richtschnur geben. Fragen Sie Ihren Arzt dabei ruhig alles, was Sie in Bezug auf die Behandlung wissen möchten. Ein gutes persönliches Verhältnis ist wichtiger als alle moderne, technische Ausstattung.

Und wenn Sie schon auf Empfehlungen hören möchten, dann von Personen, denen Sie vertrauen: Freunde, Familienmitglieder, Nachbarn, gute Kollegen. Diese können Sie auch befragen – anders als die anonymen Bewerter im Internet.

Verteilung der Hausärzte in Deutschland

Ungefähr 60.000 Hausärzte gibt es in Deutschland. Das sind knapp zwanzig Prozent aller Mediziner im Land.

Vor allem in Städten ist die Versorgung mit Hausärzten gut. Auf dem Land sieht es teilweise schon anders auch. Hier ist das Einzugsgebiet für einen Allgemeinmediziner mitunter riesig – gerade in strukturschwachen Regionen wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen.

Hier versuchen die Gesundheitspolitiker seit Jahren gegenzusteuern, in dem sie finanzielle Anreize für neue Landärzte geben. Bis zu 100.000 Euro Zuschuss können junge Absolventen als Unterstützung erhalten, wenn sie ich mit einer eigenen Praxis auf dem Land selbstständig machen.

Der hausärztliche Notdienst: Wenn es schnell gehen muss

Es gibt Situationen, da ist der Hausarzt nicht erreichbar. Sei es am Wochenende oder bei einer vorübergehenden Praxisschließung während des Urlaubs. Doch nicht jede Erkrankung kann tagelang warten. Daher bieten sich hier für die Patienten einige Alternativen:

  • Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Hausärzten, die sich Nachts und am Wochenende die Rufbereitschaft in einer Stadt untereinander aufteilen. Dieser Dienst ist unter der Telefonnummer 116117 erreichbar und übernimmt auch spontane Hausbesuche.
  • Meist an größere Kliniken angeschlossen ist eine Notfallpraxis. Ähnlich dem ärztlichen Bereitschaftsdienst übernehmen hier niedergelassene Allgemeinmediziner die wechselten Schichten. Allerdings ist hier oft mit langen Wartezeiten zu rechnen, da viele Menschen das Angebot ausnutzen, um sich eine reguläre Versorgung zu sichern, die ihnen besser in ihren persönlichen Zeitplan passt – ohne dass ein Notfall vorherrscht. Gerade in der Erkältungszeit sieht man dies leider viel zu häufig.
  • Gute Hausärzte organisieren während ihrer Urlaubszeit eine Praxisvertretung. Diese Ärzte praktizieren entweder in der Praxis ihres Hausarztes oder in ihrer eigenen. So oder so: Wenn Ihr Hausarzt diesen Medizinern vertraut, sollten Sie das zunächst auch tun.
  • Im schlimmsten Fall sollten Sie den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 rufen. Dies ist insbesondere bei plötzlicher Atemnot, Bewusstlosigkeit oder anderen schweren akuten und lebensbedrohlichen Szenarien dringend angesagt.

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[Bildnachweis: Rocketclips, Inc. by Shutterstock.com]
1. September 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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