Herzinsuffizienz: Leben mit der Herzmuskelschwäche

Wird der Herzmuskel schwach und pumpt nicht mehr ausreichend Blut in den Körper, kommt es zu einer Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff. In diesem Fall spricht man von einer Herzinsuffizienz.

Dies ist tatsächlich – auch wenn es medial kaum präsent ist – eine der häufigsten Todesursachen hierzulande.

Wie Sie eine Herzinsuffizienz frühzeitig erkennen, welche Risikofaktoren Sie minimieren können und wie Diagnose und Therapie ablaufen, erfahren Sie hier.

Herzinsuffizienz: Leben mit der Herzmuskelschwäche

Was ist eine Herzinsuffizienz?

Der Begriff der Herzinsuffizienz beziehungsweise der Myokardinsuffizienz bezeichnet eine Schwäche des Herzmuskels. Lässt das Herz an Kraft nach, wird zu wenig Blut und somit auch zu wenig Sauerstoff in den Blutkreislauf gepumpt. Die Folge ist eine gefährliche Unterversorgung des Körpers.

In Deutschland sind im Schnitt ungefähr 1,8 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen – viele davon leiden unter erheblichen Einschränkungen. Gerade ältere Menschen ab 60 betrifft diese Erkrankung oft. In vielen Fällen führt eine Herzinsuffizienz letztendlich dazu, dass die Betroffenen daran versterben.

Eine Herzinsuffizienz ist nicht heilbar, jedoch gibt es Möglichkeiten, mit dieser zu leben und die Einschränkungen für die Erkrankten so gering wie möglich zu halten. Dennoch ist es für sie immer wichtig, in ihrem Lebensstil auf Ihre Beeinträchtigung Rücksicht zu nehmen.

Herzinsuffizienz ist nicht gleich Herzinsuffizienz. Es gibt verschiedene Unterteilungen:

  • Nach betroffenem Bereich des Herzens (linke, rechte oder beide Herzhälften)
  • Nach Verlauf (chronisch oder akut)
  • Nach Auftreten (nur unter Belastung oder dauerhaft)
  • Nach Schweregrad (von geringen bis hin zu erheblichen Beschwerden)

Gerade der betroffene Bereich spielt dabei eine wesentliche Rolle, da die unterschiedlichen Teile des Herzens verschiedene Aufgaben haben: Die rechte Herzkammer ist dafür verantwortlich, das sauerstoffarme Blut in die Lunge zu pumpen, von wo es sauerstoffgesättigt in die linke Herzkammer kommt, die wiederum dafür verantwortlich ist, dieses sauerstoffreiche Blut in den restlichen Körper zu Pumpen.
„Herz – Lunge – Herz – Körper“, so lautet der Blutkreislauf daher.

Ist die rechte Herzkammer von einer Insuffizienz betroffen, entsteht ein Rückstau im Körper. Da nicht genügend Blut in die Lunge gepumpt wird, erhöht sich der Druck auf die Venen und es kommt zu Ödemen, also Flüssigkeitsansammlungen – meist in den tiefsten Körperregionen: den Beinen und dem Unterbauch.

Bei einer Herzinsuffizienz der linken Herzseite, entsteht der Rückstau in der Lunge, da der Herzmuskel das Blut nicht mehr in ausreichender Form in den Körperkreislauf pumpen kann. Die Flüssigkeitsansammlungen bilden sich daher in den Gefäßen der Lungenbläschen, was zu Atemnot führt.

Sind beide Kammern von einer Herzinsuffizienz betroffen, zeigen sich demnach auch beiderlei Symptome. Je nach Schweregrad entweder nur bei körperlichen Belastungen wie beim Sport oder mitunter sogar im Ruhezustand.

Symptome einer Herzinsuffizienz

Je nachdem, welche Art der Herzinsuffizienz vorliegt, äußern sich unterschiedliche Symptome. Diese können plötzlich oder binnen weniger Tage auftreten – hier spricht man von einer akuten Herzinsuffizienz – oder sich langsam anbahnen und sich unbehandelt über Monate oder gar Jahre verschlimmern – die chronische Herzinsuffizienz.

Daher sollten Sie auf jeden Fall aufmerksam sein, wenn Sie eine oder mehrere der folgenden Symptome verspüren:

  • Atemnot, röchelnde Atemgeräusche und Husten bei körperlicher Belastung oder gar im Ruhezustand
  • Ödeme an den Füßen, Schienbeinen oder über dem Kreuzbein
  • Schmerzen im Oberbauchbereich (Magen, Leber), was zu Übelkeit und Appetitlosigkeit führen kann
  • Schnelle Gewichtszunahme (ein oder zwei Kilogram pro Woche) durch die Flüssigkeitseinlagerungen
  • Häufiges Wasserlassen, gerade nachts
  • Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
  • Niedriger Blutdruck
  • Schnelle Erschöpfung und Müdigkeit

Zudem kann es in akuten und fortgeschrittenen Fällen auch zu bläulichen Verfärbungen der Haut kommen. In diesem Fall sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Ursachen einer Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz kann schnell lebensbedrohlich werden. Daher lohnt ein Blick darauf, wie es überhaupt dazu kommt. Denn die Ursachen für eine Herzmuskelschwäche können durchaus unterschiedlicher Natur sein:

  • Verstopfung der Herzkranzgefäße, die sogenannte koronare Herzkrankheit
  • Bluthochdruck
  • Entzündungen am Herzmuskel
  • Angeborene Herzfehler
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Lungenerkrankungen wie zum Beispiel COPD
  • Blutarmut
  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Einnahme bestimmter Medikamente wie Appetitzügler, Mittel gegen Krebs oder gegen Migräne

Lässt sich einer Herzinsuffizienz vorbeugen?

Einer Herzinsuffizienz selbst lässt sich direkt nur schwer vorbeugen. Allerdings können Sie die Wahrscheinlichkeit deutlich reduzieren, in dem Sie einigen der oben genannten Vorerkrankungen vorbeugen. Dazu gehört die Minimierung gewisser Risikofaktoren. Die Tipps dazu sind im Endeffekt die gleichen, die auch allgemein die Chancen auf ein gesundes Leben erheblich erhöhen, zu denen Sie über die Links auch noch genauere Informationen finden:

  • Legen Sie ein Augenmerk auf eine gesunde Ernährung, also insbesondere auf Obst und Gemüse. Reduzieren Sie Zucker, Salz und tierische Fette.
  • Trinken Sie ausreichend. Mindestens 1,5 Liter pro Tag sollten es dabei schon sein. Besonders gut geeignet sind Tee und Wasser.
  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht. Bei einem BMI (Body-Mass-Index) von über 40 sollten Sie dringend zusehen, dass Sie gesund abnehmen.
  • Bewegen Sie sich täglich. Eine halbe, besser eine Stunde sollte es dabei durchaus sein. Spazieren gehen, Wandern, Schwimmen, Nordic Walking, Gymnastik und Krafttraining sollten dabei möglichst abwechselnd verteilt sein.
  • Minimieren Sie die Aufnahme von Giftstoffen, insbesondere von Alkohol. Auch auf das Rauchen sollten Sie möglichst verzichten.
  • Verringern Sie die Wahrscheinlichkeit einer Herzmuskelentzündung durch Viren und Bakterien, in dem Sie sich entsprechend impfen lassen (insbesondere die Grippeimpfung kann das Risiko einer Herzinsuffizienz vermindern).

Wenn Sie Beschwerden haben, sollten Sie umgehend Ihren Hausarzt aufsuchen. Für diesen ist es äußerst hilfreich, wenn Sie Ihre Beschwerden bereits schon schriftlich protokolliert haben wie in einem Tagebuch.

Diagnose und Behandlung einer Herzinsuffizienz

Wenn Sie mit Beschwerden zum Arzt kommen, wird dieser zunächst im Gespräch eine Anamnese erheben. Dies bedeutet, dass er Ihre Krankenvorgeschichte aufnimmt, also Lebensstil, Vorerkrankungen und Medikation sowie die aktuellen körperlichen Einschränkungen und Veränderungen.

Im Anschluss wird der Arzt Ihre Lunge und Ihr Herz abhören sowie den Blutdruck messen. Zudem wird er Ihren Körper nach Ödemen absuchen und diese genau begutachten, in dem er die Reaktion auf Druck beobachtet.

Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, ein Belastungs-EKG (also die Aufzeichnung der Herzleistung während Sie auf einem Fahrrad-Ergometer sitzen) sowie ein Anlegen eines Langzeit-EKG über 24 Stunden ist ebenfalls Teil der ausführlichen und unkomplizierten Voruntersuchung. All dies ist vollkommen schmerzlos.

Unter Umständen müssen die Herzkranzgefäße genauer unter die Lupe genommen werden – im wahrsten Sinne des Wortes: Unter örtlicher Narkose wird ein Herzkatheter in die Gefäße eingeführt um diese entsprechend zu begutachten. Werden Verengungen entdeckt, werden sogenannte Stents eingesetzt, also winzige Schläuche, welche die verengten Gefäße stützen und offen halten sollen.

Abschließend wird eine Blut- und eine Urinprobe noch im Labor auf die Zusammensetzung von Elektrolyten, Zuckerwerten, Enzymen und anderen Parametern untersucht, um die Funktion der Leber, der Nieren und der Schilddrüse beurteilen zu können.

Je nach Ursache, Schwere und Bereich der festgestellten Herzinsuffizienz, wird dann auch eine entsprechende Therapie eingeleitet. Folgende Möglichkeiten stehen dabei zur Auswahl:

  • Medikamentöse Therapie mittels AT1- und ACE-Hemmer (diese blockieren die Wirkung bestimmter Hormone und Eiweiße, welche die Blutbahn verengen), Beta-Blocker (diese senken den Blutdruck), wasserausscheidender Medikamente und / oder Digitalis (was die Pumpleistung des Herzens verbessert)
  • Operativer Eingriff, bei dem die Herzkranzgefäße durch Bypässe oder Stents entlastet werden beziehungsweise ein Einbau künstlicher Herzklappen
  • Einbau eines Herzschrittmachers oder gar eine Herztransplantation

Durch diese Maßnahmen werden die Symptome gemildert und unter Umständen ist es sogar wieder möglich, völlig unbeeinträchtigt sein Leben zu führen. Dennoch sollten sich die Patienten bewusst sein, dass sie auch selbst ihren Lebensstil verändern müssen. Denn Herzinsuffizienz ist nicht heilbar, nur symptomatisch zu behandeln.

Wer also in dieser Hinsicht nicht auf sich achtet, läuft Gefahr, über kurz oder lang der Herzmuskelschwäche zu erliegen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Santoelia by Shutterstock.com]
19. Oktober 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite