Hinzuverdienst Rente: Das dürfen Sie dazuverdienen

Schnell noch ein paar Euros dazuverdienen – so mancher Rentner überlegt, doch noch einmal arbeiten zu gehen. Aber wie sieht das mit dem Hinzuverdienst zur Rente eigentlich aus: Darf jeder so viel arbeiten und verdienen, wie er will? Sind Kürzungen zu befürchten? Wie wird versteuert? Diesen Fragen gehen wir nach und zeigen, was beim Hinzuverdienst zur Rente zu beachten ist, damit Sie Ihren Rentenanspruch nicht gefährden…

Hinzuverdienst Rente: Das dürfen Sie dazuverdienen

Hinzuverdienst zur Rente flexibler geregelt

Mit der gesetzlichen Rente ist – so zumindest die Theorie – das Einkommen eines Rentners abgedeckt, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Trotzdem kann es in einigen Fällen erwünscht oder sogar notwendig sein, einen Hinzuverdienst zur Rente zu erarbeiten.

Ist das überhaupt möglich? Und wenn ja, wie hoch darf der Hinzuverdienst sein?

Die gute Nachricht: Seit dem 1. Juli 2017 ist der Hinzuverdienst zur Rente viel flexibler für Rentner gestaltet als zuvor. Zu diesem Zeitpunkt trat das sogenannte Flexirentengesetz in Kraft. Das soll den Übergang zwischen Erwerbstätigkeit und Renteneintritt vereinfachen und Arbeitnehmern die Möglichkeit geben, mit einem Nebenjob noch die Haushaltskasse aufzubessern.

Abgesehen davon hängt die Möglichkeit zum uneingeschränkten Hinzuverdienst zur Rente vom Alter ab. Grundsätzlich ist zwischen zwei Fällen zu unterscheiden:

  • Hinzuverdienst zur Rente nach Erreichen der Regelaltersgrenze

    Wer seine Regelaltersgrenze erreicht hat, muss sich beim Hinzuverdienst zur Rente wenig Gedanken machen – Sie dürfen unbegrenzt hinzuverdienen. Die Regelaltersgrenze liegt für alle ab 1964 Geborenen bei 67 Jahren, für ältere Jahrgänge etwas davor. Auch müssen Rentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze ihre Tätigkeit nicht beim Rentenversicherungsträger melden. Es können aber Steuern anfallen.

  • Hinzuverdienst zur Rente vor Erreichen der Regelaltersgrenze

    Wer bereits eine Altersrente bezieht, obwohl die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht wurde, muss bestimmte Regeln beachten. Das betrifft:

    • langjährig Versicherte,
    • besonders langjährig Versicherte,
    • schwerbehinderte Menschen,

    die jeweils eine Altersrente beziehen. Diese Rentner müssen ihren Job dem Rentenversicherungsträger melden. Dank der Flexirente haben Sie nun keine festen Hinzuverdienstgrenzen mehr, wenn Sie früher in Rente gegangen sind. Bis zu einem Verdienst von jährlich 6.300 Euro bleibt alles anrechnungsfrei. Heißt, bis zu 525 Euro monatlich wären ohne Weiteres für Sie drin, ohne irgendwelche Abzüge befürchten zu müssen. Ab 6.300 Euro werden 40 Prozent davon auf Ihre Rente angerechnet. Ebenfalls wird die Rentenhöhe bei der Erwerbsminderungsrente vom Hinzuverdienst beeinflusst.

Wann erreichen Sie die Regelaltersgrenze?

Seit 2012 gibt es eine schrittweise Erhöhung der Regelaltersgrenze. Damit werden demographische Veränderungen stärker berücksichtigt. Wer vor 1947 geboren ist, geht mit 65 Jahren in die Rente von Alters wegen. Ab dem Geburtenjahrgang 1948 wird das Renteneintrittsalter stufenweise auf 67 Jahre angehoben.

Bis zum Jahr 2029 erhöht sich das Renteneintrittsalter um einen Monat pro Jahrgang, ab 2024 erhöht es sich um zwei Monate. Beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1947 bedeutet das für zukünftige Rentner folgendes Renteneintrittsalter:

  • Geburtsjahr: 1947 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 1 Monat
  • Geburtsjahr: 1948 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1949 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 3 Monate
  • Geburtsjahr: 1950 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1951 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 5 Monate
  • Geburtsjahr: 1952 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1953 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 7 Monate
  • Geburtsjahr: 1954 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1955 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 9 Monate
  • Geburtsjahr: 1956 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1957 Renteneintrittsalter: 65 Jahre und 11 Monate
  • Geburtsjahr: 1958 Renteneintrittsalter: 66 Jahre
  • Geburtsjahr: 1959 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 2 Monate
  • Geburtsjahr: 1960 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 4 Monate
  • Geburtsjahr: 1961 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 6 Monate
  • Geburtsjahr: 1962 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 8 Monate
  • Geburtsjahr: 1963 Renteneintrittsalter: 66 Jahre und 10 Monate
  • Geburtsjahr: 1964 Renteneintrittsalter: 67 Jahre

Hinzuverdienst zur Rente kann Rentenhöhe beeinflussen

Vor Erreichen der Regelaltersgrenze müssen Rentner aufpassen: Ihr Hinzuverdienst kann die Rente dahingehend beeinflussen, dass sie je nach Einnahmen nur noch vermindert ausgezahlt wird, also als Teilrente. Bei sehr hohen Einnahmen kann sogar eine vollständige Anrechnung möglich sein, so dass Ihre Rente ganz entfällt: Je mehr Sie verdienen, desto stärker reduziert sich die Rente.

Wichtig für Rentner zu wissen: Als Hinzuverdienst zur Rente gelten nicht nur Einnahmen aus Nebenjobs, sondern auch weitere Gewinne oder Einnahmen, beispielsweise aus selbständiger Tätigkeit. Die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro gilt für den Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember eines Jahres.

In welchem Monat Sie wie viel verdienen, um anrechnungsfrei zu bleiben, ist dabei egal, solange die 6.300 Euro insgesamt nicht überschritten werden. Verdienen Sie mehr, wird der darüber hinausgehende Hinzuverdienst zur Rente durch 12 geteilt. Davon rechnet die Rentenversicherung 40 Prozent auf Ihre Rente an, so dass am Ende die Altersrente als Teilrente ausgezahlt wird.

  • Beispiel 1

    Wenn Sie vor der Regelaltersgrenze als Rentner arbeiten, könnten Sie also das ganze Jahr über „untätig“ sein und dann im Dezember einen besonders lukrativen Job mit Weihnachtsgeld und Prämie ausüben, bei dem Sie exakt 6.300 Euro verdienen. Oder Sie verdienen von Januar bis Dezember gleichbleibend jeden Monat 525 Euro, dann kommen Sie ebenfalls bei 6.300 Euro heraus.

  • Beispiel 2

    Angenommen, Sie sind Rentner vor der Regelaltersgrenze und beziehen monatlich eine Altersrente in Höhe von 950 Euro. Sie nehmen einen Nebenjob an und Ihr monatlicher Hinzuverdienst zur Rente beträgt 1.510 Euro. Damit liegen Sie im Jahr bei 18.120 Euro. Von diesen 18.120 Euro bleiben 6.300 Euro anrechnungsfrei, 11.820 Euro werden nun also durch 12 geteilt, macht 985 Euro. Hiervon werden 40 Prozent (= 394 Euro) auf die Rente angerechnet. Ihre monatliche Vollrente von 950 Euro reduziert sich um 394 Euro auf 556 Euro und wird nunmehr als Teilrente ausgezahlt.

Tipp: Lassen Sie sich bei der Rentenversicherung beraten

Sollten Sie zusammen mit Teilrente und Einkünften aus Ihrem Nebenjob über dem liegen, was Sie in den vergangenen 15 Jahren vor Renteneintritt verdient haben, greift der sogenannte Hinzuverdienstdeckel. Der führt dazu, dass der über die Hinzuverdienstgrenze liegende Betrag zu 100 Prozent auf die verbliebene Rente angerechnet wird.

Als Rentner vor der Regelaltersgrenze sind Sie verpflichtet, der Rentenversicherung Ihren Job zu melden. Bei dieser Gelegenheit teilen Sie die voraussichtliche Verdiensthöhe mit. Die Rentenversicherung errechnet auf dieser Basis Ihre Rentenhöhe. Im Folgejahr wird dann geschaut, ob der erwartete Hinzuverdienst zur Rente dem tatsächlichen entspricht.

Sofern das nicht der Fall ist, wird Ihre Rente neu berechnet. Für den Fall, dass Ihnen zu viel gezahlt wurde, müssen Sie diese Beträge zurückzahlen. Wurde Ihnen andersherum zu wenig ausgezahlt, erhalten Sie eine Nachzahlung. Danach wird eine erneute Prognose über Ihre Einkünfte gestellt.

Sie können übrigens ebenso gut von vornherein selbst eine Teilrente vereinbaren. Diese muss mindestens 10 Prozent beziehungsweise darf höchstens 99 Prozent der Vollrente betragen. Die Hinzuverdienstgrenze müssen Sie allerdings einhalten.

Ob und wie sich Ihr Hinzuverdienst zur Rente auswirkt, können Sie hier überprüfen:

Flexirentenrechner der Deutschen Rentenversicherung

Auswirkungen auf verschiedene Rentenarten

Für den Hinzuverdienst zur Rente müssen Sie besondere Regelungen zu beachten, wenn Sie noch Sie eine Erwerbsminderungsrente oder eine Hinterbliebenenrente beziehen. Zunächst wird unterschieden zwischen diesen beiden Formen der Erwerbsminderung:

  • Bei voller Erwerbsminderungsrente

    Wer erwerbsgemindert ist und nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann und eine volle Erwerbsminderungsrente bezieht, unterliegt denselben Regelungen wie jemand bei der vorgezogenen Altersrente. Das heißt, bis zu 6.300 Euro können ohne Weiteres verdient werden, danach wird durch 12 geteilt und 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

  • Bei teilweiser Erwerbsminderung

    Können Sie hingegen zwischen drei und unter sechs Stunden täglich arbeiten, haben Sie Anspruch auf die halbe Erwerbsminderungsrente. Es gelten dann höhere Freibeträge, die die Rentenversicherung individuell berechnet. Dabei werden die letzten 15 Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung zugrunde gelegt. Wird diese individuelle Grenze überschritten, werden ebenfalls 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Einschränkungen beim Hinzuverdienst zur Rente haben auch Empfänger einer Hinterbliebenen- oder Witwenrente. Wer keine Kürzungen möchte, muss den jeweils aktuellen Freibetrag beachten. Dieser wird angepasst und ist mit dem aktuellen Rentenwert verbunden.

Derzeit dürfen Rentner bis einschließlich Juni 2021 in den alten Bundesländern 872,52 Euro, in den neuen Bundesländern 841,90 Euro hinzuverdienen, ohne Kürzungen befürchten zu müssen. Wer außerdem noch ein Kind erzieht, das waisenberechtigt ist, erhält eine monatliche Erhöhung des Freibetrags um das 5,6-fache des aktuellen Rentenwerts.

Waisenberechtigt heißt, dass auch nicht leibliche Kinder berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob sie Waisenrente beziehen oder nicht. Das gilt für:

  • leibliche und adoptierte Kinder,
  • Stief- und Pflegekinder, (sofern sie im Haushalt des Verstorbenen wohnten),
  • Enkelkinder und Geschwister, (die im Haushalt des Verstorbenen wohnten).

Konkret bedeutet dies, dass bis Juni 2021 sich der Freibetrag um 185,08 Euro in den alten und um 178,58 Euro in den neuen Bundesländern erhöht. Überschreiten Ihre Einkünfte diesen Freibetrag, werden 40 Prozent des übersteigenden Gehalts auf Ihre Rente angerechnet.

Beispiel: Übersteigt Ihr Nettoeinkommen den für Sie gültigen Freibetrag um 300 Euro, würde die Hinterbliebenenrente um 120 Euro (40 Prozent von 300 Euro) gekürzt.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
23. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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