Hospiz: Begleitet auf dem letztem Weg

Wie wir einmal sterben werden, können wir nicht beeinflussen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist leider nicht gering, dass dies nach einer unheilbaren Krankheit sein kann. Ein Hospiz ist daher für viele Menschen ein Ort, an dem sie dies würdevoll tun können.

Hier geht es nicht mehr um medizinische Therapiemöglichkeiten, sondern um Schmerzfreiheit sowie um psychologische und seelsorgerische Begleitung auf dem letzten Weg – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.

Was Sie über Hospize wissen müssen, wie sie arbeiten und welche Hospiz-Angebote es gibt, erläutern wir hier.

Hospiz: Begleitet auf dem letztem Weg

Definition: Was ist ein Hospiz?

In einem Hospiz werden sehr alte oder schwerkranke Menschen in ihrer finalen Phase des Lebens begleitet. Der Begriff leitet sich aus vom lateinischen Wort hospitium ab, was so viel bedeutet wie „Herberge“ oder „Gastfreundschaft“.

In einem Hospiz steht nicht mehr die Therapie im Vordergrund, da eine Heilung ohnehin nicht mehr möglich ist. Es geht also nicht mehr darum, das Leben zu verlängern, sondern die verbleibende Zeit für die Patienten möglichst angenehm und vor allem schmerzfrei zu gestalten.

Zudem werden die Sterbenden psychosozial von Seelsorgern oder Sozialarbeitern begleitet. Dies schließt die Unterstützung und die Trauerbegleitung der Angehörigen mit ein.

Daher sind Hospize in der Regel recht klein, das Umfeld persönlich und behaglich. Die Besuchszeiten sind flexibel gestaltet – die Angehörigen können mitunter sogar dort übernachten.

Zuweilen gibt es auch in Kliniken oder Pflege- beziehungsweise Altenheimen spezielle Palliativabteilungen oder -zimmer. Wer keinen Hospiz-Platz findet oder lieber zuhause sterben will, kann jedoch auch einen ambulanten Hospiz-Dienst wahrnehmen.

In Deutschland gibt es Hospize seit dem Jahr 1986 – die Hospizbewegung nahm bereits schon 1967 in England ihren Anfang. Inzwischen existieren deutschlandweit rund 250 reine Hospize und mehr als 1.500 ambulante Hospiz-Dienste.

Ziel all dieser Hospiz-Angebote ist nicht nur, den Sterbenden einen würdevollen und schmerzfreien letzten Weg zu gestalten, sondern auch das Thema des Sterbens und der Trauer zurück in die Mitte der Gesellschaft und heraus aus der Tabuzone zu holen.

Voraussetzungen für die Unterbringung in einem Hospiz

Um in einem Hospiz aufgenommen zu werden, muss die Diagnose eindeutig dahingehend sein, dass eine Krankheit zum einen unheilbar ist und zum anderen innerhalb einer nahen, absehbaren Zeit zum Tode führen wird.

Die Erkrankungen selbst sind dabei durchaus vielseitig:

  • Krebs
  • Aids
  • Nervenkrankheiten mit Lähmungen (zum Beispiel ALS oder Multiple Sklerose)
  • Organerkrankungen (beispielsweise an Herz, Nieren, Lunge, Verdauungstrakt oder Leber)

Wer sich in einer solchen Situation befindet, kann sich vom behandelnden Arzt eine Unterbringung in einem Hospiz verordnen lassen. Dabei muss dieser neben der Diagnose detailliert darlegen, welche Therapiemaßnahmen unternommen wurden, wie die Erfolgsaussichten weiterer Behandlungen wären, warum ein Krankenhausaufenthalt keinen Sinn mehr macht und was gegen eine ambulante Versorgung in den eigenen vier Wänden spricht.

Nur dann besteht eine Chance, einen Platz in einem Hospiz zu bekommen und dies auch von der gesetzlichen Krankenversicherung beziehungsweise der Pflegeversicherung zu großen Teilen (95 Prozent) finanziert zu bekommen.

Den Rest der Kosten trägt das jeweilige Hospiz über Spenden oder die Unterstützung Ehrenamtlicher. Lediglich die übliche Selbstbeteiligung für Medikamente und Heilmittel müssen die Patienten tragen – ähnlich wie bei einer ambulanten Behandlung.

Info: Sterben in einem Hospiz

Die Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross hat sich in ihren Arbeiten über viele Jahre hinweg mit dem Thema des Sterbens beschäftigt. Dabei hat sie fünf verschiedene Phasen bei Sterbenden beobachtet, die jedoch nicht zwangsläufig als immer gleich ablaufender und linearer Prozess zu sehen sind:

  1. Leugnen
    Kurz nach einer schwerwiegenden Diagnose, die besagt, dass keine Heilung mehr möglich ist, erleben viele Betroffene die Phase des Leugnens. Sie wollen nicht wahrhaben, dass der Tod so nahe ist, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
  2. Wut
    Die zweite Phase ist die Wut. Der Betroffene fragt sich: „Warum ich?“ Der Zorn richtet sich dabei oftmals unkoordiniert gegen alles und jeden – insbesondere gegen die Menschen, die leben dürfen, während man selbst doch dem Tode geweiht ist.
  3. Verhandeln
    In der Phase der Verhandlung versuchen die Patienten noch ein Fünkchen Hoffnung irgendwo hervor zu kratzen. Sowohl mit den Ärzten, als auch zuweilen mit Gott werden Verhandlungen geführt: „Wenn Sie mich gesund machen, gebe ich Ihnen…“, „Wenn ich geheilt werde, werde ich ein besserer Mensch.“
  4. Niedergeschlagenheit
    Sobald die Betroffenen realisieren, dass es keine Chance mehr für sie gibt, ein langes und gesundes Leben zu führen, tritt die Verzweiflung ein. Für viele führt diese Niedergeschlagenheit auch in eine depressive Episode. Sie sehen keinen Ausweg mehr.
  5. Annahme
    Als letztes folgt die Phase der Akzeptanz. Der eigene Tod wird als unweigerliches Schicksal angenommen und es geht nun primär darum, sich auf das Sterben vorzubereiten und seine Dinge zu regeln.

In einem Hospiz sind Betroffene aller Phasen vertreten. Diese können sich im Einzelfall auch wiederholen oder übersprungen werden.

Ziel der Hospiz-Arbeit ist es, sowohl die Patienten als auch die Angehörigen dabei zu unterstützen, in die fünfte Phase der Akzeptanz zu kommen.

Dazu sind viele Gespräche notwendig. Wo in einem Krankenhaus keine Zeit und keine Mittel für eine solche Zuwendung zur Verfügung stehen, ist dies in einem Hospiz die Kernaufgabe.

Es geht darum, den Tod als Vollendung des Lebens begreifbar zu machen und frei nach Hugo von Hofmannsthal zu verdeutlichen: Jedermann wird sterben. Auf diesem Weg geht es aber nun darum, das Leid zu mindern.

Dies geschieht zum einen durch Schmerztherapie. Etwa 90 Prozent der Menschen in einem Hospiz können so behandelt werden, dass Sie keine oder kaum Schmerzen und ausreichend Atemluft bekommen. Knapp zehn Prozent von ihnen müssen sediert werden – gerade im letzten Stadium vieler Erkrankungen.

Zum anderen ist die psychosoziale Betreuung unheimlich wichtig für die Patienten. Das reicht von praktischen Dingen wie der Hilfe beim Verfassen eines Testaments oder der Unterstützung von Abschiedsgesprächen mit Angehörigen bis hin zu gemeinsamen Gebeten oder dem Singen, um Glücksgefühle oder zumindest Erleichterung zu ermöglichen.

Ziel ist es, das Sterben aus der Anonymität herauszuholen und individuell und menschlich zu gestalten. Obwohl wir alle im Tod gleich sind, liegt der Fokus bei der Sterbebegleitung auf der Selbstbestimmtheit.

Ambulante Hospizdienste

Wer keinen Platz in einem Hospiz in der näheren Umgebung findet oder sich lieber wünscht, zuhause in der vertrauten Umgebung sterben zu können, der kann einen ambulanten Hospiz-Dienst in Anspruch nehmen.

Hier kommen meist ehrenamtliche Helfer zu den Patienten nach Hause, um sich in Gesprächen Zeit für Betroffene und Angehörigen zu nehmen. Dies kann sogar über Nacht sein.

Pflegerische Aufgaben übernehmen diese Helfer nicht – dafür ist nach wie vor der ambulante Pflegedienst da.

Auch nach dem Tod sind die ambulanten Hospiz-Dienste für die Angehörigen da und begleiten diese in ihrer Trauer.

Tipp: So finden Sie das richtige Hospiz

Jedes Hospiz ist anders. Daher empfiehlt es sich, sich frühzeitig mit den Angeboten in der Umgebung zu beschäftigen – am besten gemeinsam mit den Angehörigen. So gibt es beispielsweise spezielle Hospize für:

  • Patienten mit ansteckenden Krankheiten
  • Patienten mit Migrationshintergrund
  • Kinder und Jugendliche
  • Krebspatienten

Schauen Sie sich die Hospize ruhig an – viele von ihnen öffnen sich gerne nicht nur den Betroffenen, sondern auch Besuchern – sofern diese sich dezent verhalten.

Wenn Sie sofort eine angenehme, wertschätzende Atmosphäre erkennen und wahrnehmen, dass sich nicht nur die Seelsorger, sondern auch das pflegerische und medizinische Personal Zeit für die Patienten nimmt, wissen Sie, dass Sie sich in einem würdevollen und professionellen Hospiz befinden.

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[Bildnachweis: Diego Cervo by Shutterstock.com]
20. August 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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