Impfpass: Was Sie über den Impfausweis wissen sollten

Lange hat er ein vernachlässigtes Schattendasein geführt – seit Corona ist er in aller Munde: Der Impfpass. Seitdem Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus möglich sind, ist die Diskussion entbrannt, wie Impfungen fälschungssicher dokumentiert werden sollen. Dabei spielt der digitale Impfpass eine zentrale Rolle. Was es damit auf sich hat, welche Impfungen Sie außer gegen Corona noch durchführen lassen sollten und wie Impfungen funktionieren – all das erfahren Sie hier.

Impfpass: Was Sie über den Impfausweis wissen sollten

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Impfpass: Definition und Hintergrund

Impfungen schützen uns vor gefährlichen Krankheiten. Um einen Überblick zu erhalten, welchen Impfschutz wir besitzen und wann eine Impfung wieder aufgefrischt werden muss, hat sich der Impfpass (offiziell als „Internationale Bescheinigungen über Impfungen und Impfbuch“ bezeichnet, umgangssprachlich auch „Impfausweis“ oder „Impfbuch“ genannt) durchgesetzt.

Dieses kleine gelbe Heftchen wird meist nach der Geburt ausgestellt, da im Kindesalter bereits etliche Impfungen durchgeführt werden, um das Neugeborene in den ersten Jahren vor Kinderkrankheiten zu schützen.

Es beinhaltet die Übersetzung in mehrere Sprachen und sieht überall auf der Welt gleich aus. Für diese Standardisierung sorgte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies ist wichtig, da bestimmte Impfungen für die Einreise in gewisse Länder verpflichtend sind – so zum Beispiel die Gelbfieberimpfung in einigen afrikanischen oder südamerikanischen Staaten.

Impfpass: Fälschung ist eine Straftat

Aus diesem Grund sind immer wieder vereinzelt gefälschte Impfausweise aufgetaucht. Der Bezug eines Blanko-Impfbuches ist legal und gratis möglich – schließlich kann es ja durchaus sein, dass Sie Ihrem Impfpass verloren haben.

Das Eintragen von Impfungen, die nicht durchgeführt wurden, ist hingegen eine Straftat. Es stellt den Tatbestand der Urkundenfälschung dar und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden.

War das bislang kein großes Problem, so haben gefälschte Impfausweise massiv zugenommen, seit eine Corona-Impfung möglich ist. Schließlich sind für Geimpfte Grundrechtseinschränkungen automatisch aufgehoben, ohne dass Sie mittels Test nachweisen müssen, dass Sie das Virus nicht in sich tragen.

Da viele Menschen einer Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus skeptisch gegenüberstehen und auf der anderen Seite in sozialen Netzwerken Impfnachweise gerne gepostet werden, ist die Fälschung eines Impfpasses selbst für Laien ein Kinderspiel.

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Digitaler Impfpass oder gelbes Impfbuch?

Um dieser Tatsache entgegen zu wirken, ist die EU-weite Einführung eines digitalen Impfausweises geplant. Der sogenannte „grüne Pass“ soll fälschungssicher und praktisch sein. Die Farbe „Grün“ steht dabei für das Grün einer Ampel und soll aufzeigen, dass man damit gewissermaßen „freie Fahrt“ für alle Aktivitäten (wie zum Beispiel Reisen) hat, ohne eine Gefahr für die Allgemeinheit zu sein.

Dieser digitale Impfpass kann auf dem Smartphone gespeichert werden oder aber in Papierform ausgedruckt werden. Er erhält einen sogenannten QR-Code, der schnell gescannt werden kann und anzeigt, ob eine Person über einen ausreichenden Schutz vor dem Virus verfügt.

Auch von einer CoViD-19-Erkrankung Genesene sollen den grünen Pass für voraussichtlich sechs Monate erhalten, da sie in dieser Zeit über einen ausreichenden Immunschutz verfügen.

Digitaler Impfpass: Das sind die Fakten

Wie immer, wenn etwas neu eingeführt wird, gibt es in der Bevölkerung Unsicherheiten und Fragen. Wir haben uns die Fakten zum digitalen Impfpass daher einmal genauer angesehen:

  • Der digitale Impfpass wird nicht verpflichtend sein. Es wird weiterhin noch den analogen, gelben Impfpass geben. Allerdings kann es sein, dass die Prüfung im Einzelfall länger dauert, da dieser wie erwähnt nicht fälschungssicher ist.
  • Der digitale Impfpass kann in Arztpraxen und Impfzentren ausgestellt werden. Er soll zunächst nur die Impfung gegen das SARS-CoV-2-Virus beinhalten, später auch alle anderen Impfungen.
  • Der digitale Impfpass ist kostenfrei. Dazu ist eine Smartphone-App erforderlich, die allen datenschutzrechtlichen Bedenken genügend (zum Beispiel dezentrale Speicherung auf dem Telefon und nicht in einer zentralen Datenbank). Wer das dennoch nicht möchte, kann sich den QR-Code auch auf Papier bescheinigen lassen.
  • Der digitale Impfpass ist wie der analoge gelbe Impfausweis nur zusammen mit einem aktuellen Lichtbildausweis gültig.
  • Der digitale Impfpass ist auch nachträglich noch von Ärzten oder Apotheken möglich. Für die Ausstellung benötigen Sie nur einen amtlichen Lichtbildausweis und Ihr gelbes Impfbuch.
  • Der digitale Impfpass kann auch negative Testbescheinigungen sowie eine durchgemachte Infektion speichern und dient somit vollständig als Immunitätsbescheinigung.
  • Der digitale Impfpass ermöglicht es auch, die Daten der Familienmitglieder zusammen zu erfassen.
  • Der digitale Impfpass ist als App unter dem Namen „CovPass“ in den App-Stores vom Apple und Android erhältlich.
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Impfpass: Diese Impfungen sind empfohlen

Zusätzlich zur Corona-Impfung sind weitere Impfungen empfehlenswert, die im Anschluss im Impfpass dokumentiert werden. Dies ist auch abhängig davon, wo Sie leben beziehungsweise wohin Sie reisen. Ein Überblick über die Impfempfehlungen der tändigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts:

  • Masern
    Masern zählt zwar zu den Kinderkrankheiten, was aber nicht bedeutet, dass Erwachsene diese nicht auch bekommen können. In vielen Fällen verläuft diese Krankheit im Alter sogar schwerer. Daher ist eine einmalige Masernimpfung ebenfalls dringend angeraten, falls Sie diese Krankheit nicht bereits schon als Kind hinter sich gebracht und daher die entsprechenden Antikörper gebildet haben. Da die Krankheit hochansteckend ist, ist eine Impfung für einige Berufsgruppen (insbesondere im Gesundheitswesen) sowie für Kinder verpflichtend.
  • FSME
    Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die durch den Biss von Zecken übertragen werden kann. Wer sich daher oft auf Wiesen oder in Wäldern aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen. Es sind innerhalb kurzer Zeit drei Impfungen notwendig, die dann für drei bis fünf Jahre vorhalten.
  • Influenza
    Das Influenza-Virus löst eine heftige Grippe aus, die mit zunehmendem Alter sogar lebensbedrohlich werden kann. Da sich das Virus schnell und stark verändert, ist eine Grippeimpfung jährlich notwendig.
  • Tetanus
    Die Impfung gegen den sogenannten Wundstarrkrampf, also Tetanus wird überall auf der Welt dringend empfohlen. Eine regelmäßige Auffrischung ist alle zehn Jahre notwendig.
  • Diphtherie
    Auch die Impfung gegen Diphtherie ist obligatorisch und muss alle zehn Jahre erneuert werden. Meist geschieht dies in Kombination mit der Tetanus-Impfung.
  • Poliomyelitis
    Die Impfung gegen Kinderlähmung, umgangssprachlich auch kurz Polio genannt, sollte ebenfalls alle zehn Jahre aufgefrischt werden. In der Regel wird ein Kombinationsimpfstoff gegen Polio, Tetanus und Diphtherie verabreicht.
  • Pertussis
    Pertussis ist im Volksmund als „Keuchhusten“ bekannt. Eigentlich eine Kinderkrankheit, kann sie im Alter schwer verlaufen, wenn man sie als Kind noch nicht durchgemacht hat. Daher wird gerade älteren Menschen eine Impfung empfohlen. Sie muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
  • Gürtelrose
    Die Gürtelrose oder auch „Herpes zoster“ ist eine schmerzhafte Entzündung der Nerven, die sich vor allem mit Hautausschlag äußert. Zwar zeigt sich meistens ein milder Verlauf der Krankheit, sicher kann man sich dessen allerdings nicht sein. Daher wird diese einmalige Impfung wärmstens empfohlen.
  • Pneumokokken
    Bei Pneumokokken handelt es sich um Bakterien, die Krankheiten wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder eine Mittelohrentzündung hervorrufen können. Eine Impfung alle zehn Jahre ist daher empfehlenswert.
  • Tollwut
    Tollwut oder auch „Rabies“, ist tödlich und nicht behandelbar. Gerade in Indien kommt diese Krankheit häufig vor, aber auch in anderen asiatischen Ländern sowie in Südamerika und Afrika. Eine Impfung sollte daher unbedingt erfolgen, wenn Sie dorthin reisen.
  • Gelbfieber
    Gelbfieber wird durch Moskitos übertragen und kommt in ganz Asien sowie in Teilen Südamerikas und Afrika vor. In vielen Ländern MUSS eine Impfung daher bei der Einreise nachgewiesen werden – insbesondere, wenn Reisende zuvor in anderen Gelbfiebergebieten unterwegs waren. Eine Impfung ist jedoch schnell durchgeführt und hält ein Leben lang vor.
  • Cholera
    Immer wieder ist von lokalen aber heftigen Cholera-Ausbrüchen in Südostasien zu hören. Zwar kommen Reisende mit diesem Durchfall-Erreger selten in Kontakt, da diese in den üblichen Touristengebieten kaum vorkommen, wer jedoch die üblichen Pfade verlässt, sollte über eine Impfung nachdenken.
  • Typhus
    Typhus kommt in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vor. In den asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern sieht es jedoch anders aus. Diese Magen-Darm-Erkrankung kann durchaus heftig werden. Eine Schluckimpfung hält ein Jahr vor und kann gerade bei Speisen, die auf der Straße angeboten werden, eine Erkrankung verhindern.
  • Hepatitis
    Hepatitis B ist vor allem in Afrika und Asien verbreitet und kann durchaus schwere Verläufe nach sich ziehen. Man kann und sollte sich daher impfen lassen, wenn man diese Region reist.
  • Japanische Enzephalitis
    Diese Krankheit wird von Moskitos übertragen. Sie ist zwar selten, nimmt aber einen ernsten Verlauf, in dem sie eine schwere Hirnhautentzündung verursacht. Sie kommt vor allem in ländlichen Regionen Südostasiens vor.

Wie verträglich ist eine Impfung?

Die meisten dieser Impfungen sind im allgemeinen recht gut verträglich. Typische Impfreaktionen wie Rötungen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit oder Beschwerden, die einem leichten Muskelkater gleichen, können jedoch in den ersten Tagen auftreten. Dies ist ein gutes Zeichen, denn sie zeigen, dass die Impfung wirkt und der Körper eine Immunreaktion bildet.

Obwohl die allermeisten Impfungen ohne große Komplikationen und Nebenwirkungen verlaufen, sollten Sie dennoch jede Impfung mit Ihrem Hausarzt besprechen. Bei bestimmten Vorerkrankungen kann es sein, dass sicherheitshalber von einer Impfung abgeraten wird.

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Unterschiedliche Arten von Impfungen

Die Verträglichkeit einer Impfung hängt auch mit der Art des Impfstoffes zusammen. Grundsätzlich soll eine Impfung das Immunsystem aktivieren. Dazu gibt es verschiedene Arten:

  • Lebend-Impfstoffe
    Bei der Lebend-Impfung wird der Körper durch die Verabreichung von einer kleinen, harmlosen Menge an Erregern dazu gebracht, eigene Antikörper zu bilden.
  • Tot-Impfstoffe
    Gleiches soll mit Tot-Impfstoffen erreicht werden. Allerdings handelt es sich hier nicht um abgeschwächte lebende Erreger, sondern um abgetötete.
  • Passiv-Impfstoffe
    Bei einer Passiv-Impfung werden hingegen bereits gezüchtete, fertige Antikörper dem Körper verabreicht.
  • Vektor-Impfstoffe
    Wie bei den Lebend- oder Tot-Impfstoffen, handelt es sich hier um eine sogenannte „Aktiv-Impfung“ – der Körper soll also selbst aktiv Antikörper bilden. Bei Vektor-Impfstoffen werden jedoch nur Teile des Erregers auf einen anderen, harmlosen Virustyp „draufgesetzt“.
  • M-RNA-Impfstoffe
    Die M-RNA-Impfstoffe ähneln denen der Vektor-Impfstoffe. Allerdings wird hier kein anderes Virus als Träger verwendet, sondern bestimmte Enzyme tragen die entscheidenden Teile des Erbgut des Virus. Der Körper lernt so, den Erreger zukünftig zu erkennen.

Die letzten beiden Impfstoff-Arten kommen im Zuge der Corona-Impfung zum Einsatz. Dabei ist die Wirksamkeit von Impfstoff zu Impfstoff unterschiedlich: Manche schwächen den Krankheitserreger nur ab und/oder müssen regelmäßig aufgefrischt werden. Andere Impfungen sind hochwirksam und halten mitunter sogar ein Leben lang. Dies ist zu allererst vom Krankheitserreger und seiner Mutationsfreudigkeit abhängig.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Marco Ritzi by Shutterstock.com]

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