Impfungen: Für welches Reiseziel brauchen Sie welche Vorsorge?

Das Bereisen der Welt ist ein großes Privileg, das sich viele im Alter gönnen. Endlich sind Zeit und finanzielle Mittel dazu vorhanden. Nur: Welche Impfungen sind für welches Reiseziel nötig? Gibt es verpflichtende Impfungen in manchen Ländern? Oder welche, die zumindest dringend empfohlen werden? Wir bringen Licht in den Dschungel der Impfungen und zeigen Ihnen, was Sie wo beachten müssen. In Deutschland und weltweit.

Impfungen: Für welches Reiseziel brauchen Sie welche Vorsorge?

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Impfungen: Mehr als nur Corona

Das Thema Impfungen ist lange Zeit in den Hintergrund geraten – bis Corona kam. Durch die weltweite Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus und der neuartigen Erkrankung CoViD-19 (Corona-Virus-Disease 2019) waren Impfungen und deren Nutzen wieder in aller Munde.

Impfungen schützen uns davor, bestimmte Krankheiten zu bekommen. Sie aktivieren das Immunsystem gegen einzelne Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien. Infektionskrankheiten werden so weniger wahrscheinlich oder wurden durch die breite Impfung der Bevölkerung in einigen Fällen sogar vollends ausgerottet. Man unterscheidet dabei zwischen Aktiv-Impfung und Passiv-Impfung.

Bei der Aktiv-Impfung wird der Körper durch die Verabreichung von einer kleinen, harmlosen Menge an Erregern dazu gebracht, eigene Antikörper zu bilden. Hierbei unterscheidet man wiederum die Lebendimpfung und Totimpfung. Diese Begrifflichkeiten zeigen an, ob dem Körper abgeschwächte lebende oder tote Erreger verabreicht werden.

Bei einer Passiv-Impfung werden hingegen bereits gezüchtete, fertige Antikörper dem Körper verabreicht.

Welche Impfungen für wen empfohlen ist, darüber wacht in Deutschland die STIKO. Dieses Kürzel steht für die „Ständige Impfkommission“ des Robert-Koch-Instituts.

Sonderfall Corona-Impfung

Bei der Corona-Impfung kommen in den meisten Ländern neuartige Impfstoffe zum Einsatz. Bei dieser Passiv-Impfung handelt es sich nicht um abgetötete Viren, sondern um Teile der Genetik des Virus. Diese werden auf Proteine beziehungsweise harmlose oder abgetötete Viren aufgesetzt. Diese neuartige Medizin nennt man mRNA- beziehungsweise Vektor-Impfstoffe.

Obwohl die Art und Weise der Herstellung dieser Impfstoffe neu ist, handelt es sich im Prinzip um eine Totimpfung. Denn das eigentliche Virus SARS-COV-2 ist nicht lebendig, sondern sogar nur teilweise vorhanden. Darüber hinaus gibt es in vielen Ländern wie zum Beispiel China oder Kuba klassisch entwickelte Tot-Impfstoffe gegen das sogenannte Corona-Virus.

Viele Menschen haben aufgrund der neuartigen Impfstoffe Befürchtungen. Erst Recht, da es sich um genmanipulierte Impfstoffe handelt. Immerhin wird die Boten-RNA (=Messenger-RNA oder kurz: mRNA) des Virus injiziert. Diese ist jedoch lediglich dazu bestimmt, dass der Körper Antikörper dagegen bildet. Die mRNA selbst ist sehr instabil und zerfällt nach kurzer Zeit. Die Befürchtungen, dass sie die Erbsubstanz der Körperzellen verändert, ist daher völlig unbegründet.

Langzeitschäden oder Nebenwirkungen?

Nach einer Impfung sind Impfreaktionen vollkommen normal. Dies liegt am Sinn der Impfstoffe. Schließlich soll der Körper gegen die Krankheitserreger Antikörper aufbauen. Es erfordert daher eine Reaktion des Organismus. Diese sind meist durch Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle (bei einer Injektion) sowie mit leichtem, kurzzeitigen Fieber erkennbar. Impfreaktionen sind daher für eine kurze Zeit unangenehm aber durchaus ein gutes Zeichen: Der Körper arbeitet. Viele Menschen merken sogar gar nichts oder sind lediglich etwas abgeschlagen.

Gerade bei den neuen Impfungen gegen Corona befürchten viele aber Langzeitschäden. Das mag auf den ersten Blick eine durchaus verständliche Angst sein. Immerhin handelt es sich um neuartige Impfstoffe.

Allerdings muss man wissen, dass Langzeitschäden durch die Impfungen selbst ausgeschlossen sind. Dies liegt daran, dass die Impfstoffe in der Regel binnen weniger Tage oder Wochen zerfallen. Zurück bleiben die Antikörper. Wenn es Langzeitschäden geben sollte, dann wären sie theoretisch höchstens durch diese möglich. Man spricht dann von Autoimmunreaktionen. Dies ist in der Praxis allerdings extrem unwahrscheinlich.

Das, was man gemeinhin im Volksmund unter Langzeitschäden versteht, sind nichts anderes als sehr, sehr seltene Nebenwirkungen. Diese werden aufgrund ihrer Seltenheit zumeist erst spät entdeckt beziehungsweise mit der Impfung in Verbindung gebracht. Bei der Corona-Impfung ist dies jedoch relativ unwahrscheinlich, da niemals zuvor so viele Menschen in so kurzer Zeit so gut beobachtet geimpft wurden.

Behalten Sie Ihre Impfungen im Blick

Gegen manche Krankheiten verlernt das Immunsystem mit der Zeit, die entsprechenden Antikörper aufrecht zu erhalten. Deshalb muss man diese von Zeit zu Zeit auffrischen. Ebenso haben einige Impfungen Nebenwirkungen, die zwar in den meisten Fällen harmlos sind, aber selten auch zu Komplikationen führen können.

Daher ist es wichtig, sich genau damit auseinander zu setzen, welche Impfungen notwendig sind und welche nicht benötigt werden. Dies hängt von den Lebensgewohnheiten und vor allem von den Ländern ab, in denen sich die betroffene Person aufhält. Schließlich sind viele Krankheiten regional begrenzt.

Die bereits durchgeführten Impfungen werden dabei im Impfpass eingetragen. So erhalten zum einen Ärzte und Geimpfte den Überblick über durchgeführte und gegebenenfalls aufzufrischende Impfungen. Außerdem können Reisende damit bei Einreise in ein bestimmtes Land nachweisen, dass sie eine angemessene Impfung vorweisen können.

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Impfungen Deutschland: Welche sind Pflicht?

Gerade in den westlichen Industrieländern sind viele Krankheiten, die andere Regionen dieser Erde betreffen, keine große Gefahr. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass manche Krankheiten von Insekten oder anderen Wirtstieren übertragen werden, die in unserem Breiten nicht vorkommen, sondern nur in den Tropen.

Zum anderen gelten einige Krankheiten durch eine breit angelegte Impfung der Bevölkerung in der sogenannten „westlichen Welt“ bereits als ausgerottet. Dennoch gibt es auch hier einige übliche Impfungen, zu denen von der STIKO geraten werden:

  • Tetanus

    Die Impfung gegen den sogenannten Wundstarrkrampf (Tetanus) wird überall auf der Welt dringend empfohlen. Eine regelmäßige Auffrischung ist alle zehn Jahre notwendig.

  • Diphtherie

    Die Impfung gegen Diphtherie ist ebenfalls obligatorisch und muss alle zehn Jahre erneuert werden. Meist geschieht dies in Kombination mit der Tetanus-Impfung.

  • Poliomyelitis

    Die Impfung gegen Kinderlähmung, umgangssprachlich kurz „Polio“ genannt, sollte ebenfalls alle zehn Jahre aufgefrischt werden. In der Regel wird ein Kombinationsimpfstoff gegen Polio, Tetanus und Diphtherie verabreicht.

  • Pertussis

    Pertussis ist im Volksmund als Keuchhusten bekannt. Diese Impfung wird ebenso gerade älteren Menschen empfohlen und muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

  • Masern

    Masern zählt zwar wie der Keuchhusten zu den Kinderkrankheiten, was aber nicht bedeutet, dass Erwachsene diese nicht ebenfalls bekommen können. In vielen Fällen verläuft diese Krankheit im Alter sogar schwerer. Daher ist eine einmalige Masernimpfung ebenfalls dringend angeraten. Zumindest falls Sie diese Krankheit nicht bereits schon als Kind hinter sich gebracht und daher die entsprechenden Antikörper gebildet haben. Für Kinder, medizinisches Personal sowie Erzieher besteht sogar eine Impfpflicht.

  • FSME

    Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die durch den Biss einer Zecke übertragen werden kann. Wer sich daher oft auf Wiesen oder in Wäldern aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen. Es sind binnen kurzer Zeit drei Impfungen notwendig, die dann für drei bis fünf Jahre vorhalten.

  • Pneumokokken

    Bei Pneumokokken handelt es sich um Bakterien, die Krankheiten wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder eine Mittelohrentzündung hervorrufen können. Eine Impfung alle zehn Jahre ist daher empfehlenswert.

  • Gürtelrose

    Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine schmerzhafte Entzündung der Nerven, die sich vor allem mit Hautausschlag äußert. Zwar zeigt sich meistens ein milder Verlauf der Krankheit, sicher kann man sich dessen allerdings nicht sein. Daher wird diese einmalige Impfung wärmstens empfohlen.

  • Influenza

    Das Influenza-Virus löst eine heftige Grippe aus, die mit zunehmendem Alter sogar lebensbedrohlich werden kann. Da sich das Virus schnell und stark verändert, ist eine Grippe-Impfung jährlich notwendig.

Alle genannten Impfungen sind relativ gut verträglich. Im Einzelfall können kurzzeitig Rötungen an der Einstichstelle oder Beschwerden, die einem leichten Muskelkater gleichen, auftreten. Eine allgemeine Abgeschlagenheit kann manchmal für einen oder zwei Tage vorkommen. Die Allermeisten vertragen die Impfungen jedoch ohne Nebenwirkungen und Komplikationen.

Welche Impfungen kann man zusammen machen?

In der Regel wird die Tetanus-Impfung in Kombination mit der Impfung gegen Diphtherie und Polio verabreicht. Hier handelt es sich sogar um ein Kombi-Präparat.

Darüber hinaus ist eine Corona-Impfung zusammen mit der Grippe-Impfung möglich und sinnvoll. Gerade im Herbst.

Welche Impfungen ab 60 sinnvoll sind, müssen Sie darüber hinaus für sich selbst entscheiden. Empfehlenswert seitens der STIKO sind alle oben genannten Impfungen ab 60 – vor allem bei einem schwachen Immunsystem. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt darüber.

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Impfungen weltweit: Was ist wo sinnvoll?

Wer die europäischen Breiten verlässt, sollte insbesondere bei Reisezielen, die in den Tropen oder den Subtropen liegen, noch weitere Impfungen vornehmen. Gerade Gegenden in Asien und Afrika, aber auch in Südamerika (gerade in Brasilien) bergen einige zusätzliche Gefahren an gefährlichen Krankheiten.

Gewisse Impfungen, wie zum Beispiel die Gelbfieberimpfung sind in einigen Ländern sogar verpflichtend. Sie müssen unter Umständen bei Einreise mittels Impfpass nachgewiesen werden.

Wo welche Impfungen nötig sind, kann Ihnen Ihr Hausarzt oder ein Tropenmediziner raten. Eine Übersicht haben wir für Sie dennoch schon einmal zusammengestellt:

Empfohlene Impfungen für Asien

Länder wie Thailand, Vietnam, Indonesien – vor allem Bali – oder Indien nehmen an Popularität zu. Leider sind hier viele Krankheiten weit verbreitet. Gegen einige, wie zum Beispiel dem Dengue-Fieber gibt es keine Impfung oder sie wird aufgrund der geringen Schutzwirkung beziehungsweise den hohen Nebenwirkungen nicht empfohlen.

Andere Impfungen hingegen sind dringend angeraten:

  • Hepatitis

    Hepatitis A kann sehr unangenehm werden. Sie verläuft zwar selten schwer, aber nimmt einem doch für einige Tage jegliches Reisevergnügen. Hepatitis B hingegen kann durchaus schwere Verläufe nach sich ziehen. Man kann und sollte sich daher impfen lassen.

  • Typhus

    Typhus kommt in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vor. In den asiatischen Ländern sieht es jedoch anders aus. Diese Magen-Darm-Erkrankung kann durchaus heftig werden. Eine Schluckimpfung als Totimpfung hält mindestens ein Jahr vor. Sie kann gerade bei Speisen, die auf der Straße angeboten werden, eine Erkrankung verhindern.

  • Tollwut

    Tollwut (Rabies), ist tödlich und nicht behandelbar. Gerade in Indien kommt diese Krankheit häufig vor, aber auch in anderen asiatischen Ländern. Eine Impfung sollte daher unbedingt erfolgen.

  • Japanische Enzephalitis

    Diese Krankheit wird von Moskitos übertragen. Sie ist zwar selten, nimmt aber einen ernsten Verlauf, in dem sie eine schwere Hirnhautentzündung verursacht. Sie kommt vor allem in ländlichen Regionen Südostasiens vor.

  • Cholera

    Immer wieder ist von lokalen aber heftigen Cholera-Ausbrüchen in Südostasien zu hören. Zwar kommen Reisende mit diesem Durchfall-Erreger selten in Kontakt, da diese in den üblichen Touristengebieten kaum vorkommen. Wer jedoch die üblichen Pfade verlässt, sollte über eine Impfung nachdenken.

  • Gelbfieber

    Diese heftige und lebensgefährliche Fiebererkrankung wird durch Moskitos übertragen und kommt in ganz Asien außer im Hochgebirge vor. In vielen Ländern muss eine Impfung daher bei der Einreise nachgewiesen werden. Dies betrifft vor allem Reisende die zuvor in anderen Gelbfieber-Gebieten unterwegs waren. Eine Impfung ist jedoch schnell durchgeführt und hält ein Leben lang vor.

Empfohlene Impfungen für Afrika

Gerade Südafrika, aber auch Ägypten oder Kenia sind beliebte Reiseziele. Schon allein daran zeigt sich: Afrika ist nicht gleich Afrika – der riesige Kontinent weist regional erhebliche Unterschiede auf – nicht zuletzt bezüglich Krankheiten. Dennoch gibt es einige allgemeine Empfehlungen:

  • Nordafrika

    In einigen Gebieten spielt bereits die Malaria eine Rolle. Gegen sie gibt es zwar keine Impfung, wohl aber eine Prophylaxe. Je weiter südlich man kommt, umso höher ist dieses Risiko. Außerdem werden in einigen Regionen Impfungen gegen Hepatitis empfohlen.

  • Südlich der Sahara

    Je näher man in Richtung der Tropen kommt, umso mehr Gefahren ist man ausgesetzt bezüglich der Krankheiten. Zusätzlich zu den in Nordafrika empfohlenen Vorsorgen sollte man hier Impfungen gegen Gelbfieber und gegen Tollwut vornehmen. Zudem ist eine Typhus-Impfung in einigen Regionen empfehlenswert.

  • Südliches Afrika

    Im Süden nimmt die Wahrscheinlichkeit von gewissen Krankheiten wieder ab. Gerade in Ländern wie Namibia oder weiten Teilen Südafrikas sind Gelbfieberimpfung oder Typhus-Impfung zum Beispiel nicht mehr unbedingt notwendig.

Empfohlene Impfungen für Südamerika

Wer nach Patagonien oder ins südamerikanische Hochland reist, hat wenig zu befürchten. Doch gerade in den tropischen Gebieten, wie zum Beispiel in manchen Regionen Brasiliens, in Französisch Guayana, Ecuador, Guyana, Paraguay, Surinam und Peru ist eine Gelbfieberimpfung ratsam und teilweise sogar Pflicht.

In Kolumbien und Venezuela wird zudem eine Impfung gegen Cholera dringend angeraten. Hepatitis und Tollwut kommen hingegen in allen Ländern Südamerikas vor und sollten entsprechend vorgebeugt werden.

Wie frühzeitig sollte ich mit den Impfungen beginnen?

Wer sich auf Fernreisen begibt, sollte sich rechtzeitig mit seinem Impfschutz befassen. Manche Impfungen, wie zum Beispiel die gegen die Tollwut, erfordern ein mehrmaliges Injizieren im Abstand von einigen Wochen.

Daher ist von spontanen Reiseplänen in die betroffenen Regionen eher abzuraten. Unser Tipp: Wenden Sie sich am besten spätestens ein halbes Jahr vor Reiseantritt an Ihren Hausarzt, einen Tropenmediziner oder an die entsprechenden Beratungsstellen wie zum Beispiel das Tropeninstitut. Thematisieren Sie dabei genau die Region und die Art, wie Sie Ihren Urlaub verbringen möchten.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]

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