Konstruktive Kritik: Tipps für Ihr Feedback

Kritik fühlt sich meistens nicht gut an, aber sie kann berechtigt sein. Richtig gute Kritik hilft sogar weiter und trägt zur persönlichen Entwicklung bei. Voraussetzung ist, dass sie wohlwollend und respektvoll vorgetragen wird. Diese konstruktive Kritik ist wertvoll und lässt den anderen wachsen. Was Sie in einem Feedback-Gespräch unbedingt beachten sollten erfahren Sie hier.

Konstruktive Kritik: Tipps für Ihr Feedback

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Was ist Kritik?

Mit Kritik assoziieren wir nichts Gutes; denken wir doch direkt daran, dass unsere Leistung beurteilt und negativ bewertet wird.

Dabei ist der Begriff „Kritik“ zunächst einmal neutral. Unter Kritik versteht man „die Beurteilung einer Sache oder Handlung mithilfe von objektiven oder subjektiven Maßstäben“. Das muss kein zerstörerisches Gemeckere sein. Im Gegenteil: Es gibt verschiedene Kritikarten und eine ist sogar aufbauend.

Welche Formen der Kritik gibt es?

Kritik ist ein Oberbegriff. Folgende Formen der Kritik werden unterschieden:

  • positive und negative Kritik
  • konstruktive und destruktive Kritik.

Spontan könnte man meinen, positive und konstruktive Kritik sowie negative und destruktive Kritik seien das Gleiche. Sind sie aber nicht. Die Unterschiede sind fein, haben jedoch große Auswirkungen, die man kennen und nutzen sollte.

  • Konstruktive Kritik

    Wer konstruktiv kritisiert, will nicht nur auf einen Fehler hinweisen. Er möchte seinem Gegenüber helfen und ihn weiterbringen, deshalb weist er auf Alternativen hin und macht dabei Verbesserungsvorschläge. Dabei nimmt er immer eine respektvolle Haltung ein.

  • Destruktive Kritik

    Wer destruktiv kritisiert, macht genau das Gegenteil: Er will den anderen runtermachen, ihm schaden und greift an. Dabei ist er nie wohlwollend oder am persönlichen Wachstum des anderen interessiert. Er will verletzen und zerstören.

  • Positive Kritik

    Ein anerkennendes Schulterklopfen, ein Lob, ein Daumen hoch – all das ist positive Kritik. Oft merkt der andere gar nicht, dass es sich hierbei um eine Form der Kritik handelt, denn sie fühlt sich einfach gut an und motiviert zu neuen Taten.

  • Negative Kritik

    Negative Kritik kennt man als Tadel oder Rüge. Natürlich fühlt sich negative Kritik erst einmal nicht gut an, aber sie muss keine zerstörerische Wirkung haben. Wenn jemand getadelt oder etwas bemängelt wird, kann dies durchaus konstruktiv geschehen.

  • Selbstkritik

    Diese Kritik kommt nicht von außen, sondern der Kritisierende hinterfragt sein eigenes Verhalten und Tun kritisch. Das kann positiv oder negativ, konstruktiv oder destruktiv sein. Auf jeden Fall ist eine Form der Selbstreflexion.

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Was ist konstruktive Kritik?

Wer konstruktiv kritisieren möchte, ist an seinem Gegenüber interessiert. Er will ihm weiterhelfen und seine persönliche Entwicklung fördern. Es geht nicht darum, den anderen „klein“ zu machen. Im Gegenteil: Der Kritisierende möchte, dass der Kritisierte über sich hinaus wächst.

Neben der wohlwollenden Haltung des Kritisierenden ist eine vertraute Umgebung wichtig. Das Gespräch sollte nicht gestört oder unterbrochen, sondern in aller Ruhe unter vier Augen geführt werden. Das setzt voraus, dass der richtige Augenblick abgewartet und für ein geschützten Rahmen gesorgt wird.

Die konstruktive Kritik besteht im Wesentlichen aus den folgenden fünf Elementen:

  1. Absicht

    Konstruktive Kritik ist wohlwollend, deshalb zeigt der Kritiker Respekt, wenn er korrigiert und weiterhelfen möchte. Er lässt sich empathisch auf seinen Gesprächspartner ein, überlegt sich die richtigen Worte und verdeutlicht immer wieder, dass ihm der persönlichen Wachstum des anderen wichtig ist.

  2. Schwerpunkt

    Wer konstruktiv kritisiert, überlegt sich genau, was sein thematischer Schwerpunkt ist. Es geht nicht darum, Sinn befreit Kritik runter prasseln zu lassen. Am besten überlegen Sie sich nur ein Thema und bereiten dieses genau vor. Ihre Ansicht muss berechtigt sein, das heißt, sie hat eine belastbare Basis und ist wahr. Alle anderen Inhalte wären falsch.

  3. Lösungen

    Bieten Sie Lösungsvorschläge an. Etwas nicht gut zu finden, ist einfach. Aber es besser werden zu lassen, das ist die Herausforderung. Darum überlegen Sie sich Lösungen. Dies bedeutet nicht, dass Ihre Ideen von dem Kritisierten angenommen werden müssen. Vielleicht entwickeln Sie im Gespräch gemeinsam noch weitere gute Lösungsalternativen.

  4. Tonfall

    Im Volksmund heißt es immer: Der Ton macht die Musik. Das gilt erst recht für das Feedback. Wer nur meckert, der hilft nicht weiter. Wer kritisiert, muss unbedingt auf seine Wortwahl und Stimme acht geben, damit seine Worte den Kritisierten erreichen.

  5. Setting

    Die konstruktive Kritik darf auf keinen Fall jemand bloß stellen, deshalb sollte das Gespräch ohne Zuhörer, ganz persönlich stattfinden. Die Frage ist immer, wie schnell muss ein Gesprächstermin gefunden werden. Direkt im Anschluss sind die Gemüter oft zu erhitzt. Ein wenig „runterkommen“ hilft, um eine gute Gesprächsbasis zu finden. Doch sollte bis zum Termin nicht zu viel Zeit verstreichen: Mit zeitlicher Nähe lässt sich das Geschehene besser rekonstruieren.

Konstruktive Kritik: Vorbereitung eines Feedback-Gesprächs

Bevor Sie jemanden kritisieren, machen Sie sich bewusst, in welcher Rolle Sie kritisieren. Die Kritik eines Vaters sieht ganz anders aus als die eines Chefs oder Freundes.
Wenn Ihnen Ihre Haltung gegenüber dem Kritisierten klar ist, können Sie für sich selbst ein Ziel formulieren und lenken das Gespräch in eine gute Richtung. Die folgenden Fragen unterstützen Ihren inneren Leitfaden:

  • Wie stehe ich zu dem anderen?
  • Was ist vorgefallen?
  • Kenne ich die wahren Umstände?
  • Was ist das Problem?
  • Was soll sich konkret ändern?
  • Wie kann das erreicht werden?
  • Wie kann ich mein Gegenüber unterstützen?


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Die fünf Kennzeichen einer konstruktiven Kritik

Wenn Sie die folgenden fünf Kennzeichen beherzigen, kann Ihr Gegenüber von dem Feedback profitieren. Konstruktive Kritik ist immer …

  • fokussiert

    Verallgemeinern Sie nie den Fehler Ihres Gegenübers. Pauschale Vorwürfe helfen keinem, damit machen Sie nur sich selber unglaubwürdig. Suchen Sie sich einen konkreten Fall aus und erklären Sie daran Ihre Gedanken. Das macht Ihre Kritik begreif- und nachvollziehbar.

  • sachlich

    Eine distanzierte, rein sachliche Haltung ist richtig. Bereiten Sie sich auf ein kritisches Gespräch vor, in dem Sie die Problematik nüchtern betrachten. Lassen Sie sich nicht von Ihren Emotionen mitreißen, sondern nehmen Sie innerlich Abstand. Ihr Ton wird dadurch im Gespräch ruhiger, während Sie Ihrem Gegenüber Respekt zeigen. Auf der Sachebene kann er das Thema besser annehmen.

  • analytisch

    Helfen Sie Ihrem Gegenüber zu verstehen, wie es zu dieser Situation überhaupt kam. Blicken Sie auf das Geschehene und gehen Sie den Ursachen auf den Grund. Wie fühlte er sich? Welche Erfahrungen brachte er mit? Was waren seine Beweggründe? Wie geht es ihm aktuell? Wenn Sie reflektiert Ihren Standpunkt wiedergeben, sind Sie gefeit vor vorschnellen Meinungsäußerungen, sondern geben durchdachte Gedanken wieder, die den Kritisieren weiterhelfen.

  • lösungsorierentiert

    Im Vordergrund steht die Lösung. Es gibt selten nur einen richtigen Weg, sondern mehrere, zwischen den abgewogen werden muss. Wenn Sie Feedback geben, meckern Sie nicht nur, sondern machen Sie umsetzbare Vorschläge und erläutern Sie dabei mögliche Schwierigkeiten und Konsequenzen.

  • persönlich

    Senden Sie immer „Ich-Botschaften“. Es geht nicht um die Meinung anderer, sondern um Ihre persönliche Meinung. Oft wirkt es unglaubwürdig, wenn Sie nicht anwesende Dritte als Argument anführen. Ihre Meinung, Ihre Gedanken sind vollkommen ausreichend.

Wenn Sie diese Punkte beherzigen, tragen Sie wertvoll zum persönlichen Wachstum Ihres Gegenübers bei.

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Diese Fehler sollten Sie in Kritik vermeiden

Wir alle brauchen Feedback, um uns weiterzuentwickeln. Nur mit Ihr gelingt ein persönlicher Fortschritt. Und dennoch fällt es vielen schwer Kritik zu äußern. Hinter dem Rücken etwas zu sagen ist leicht, aber ins Gesicht?

Kritik soll nicht verletzen oder demotivieren. Wie schafft man es mit Feingefühl, dem anderen die eigenen Gedanken mitzuteilen, ohne dass er sich direkt wehrt und sogar selbst in den Angriff übergeht?

Diese drei Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden, dann hört der Kritisierte Ihnen zu:

  • Die Kritik ist zu scharf.

    Es ist schon ein schwieriger Grat: Ehrlich und klar sein – und dennoch den anderen nicht verletzen. Sie müssen sensibel agieren und Taktgefühl mitbringen. Wie reagiert der Kritisierte? Oft müssen die Worte dosiert werden. Ein offenes Bombardement zerstört. Ihr Gegenüber muss sein Gesicht wahren dürfen. Schauen Sie ihm in die Augen, beobachten Sie seinen Gemütszustand. Bleiben Sie barmherzig und ermutigen Sie.

  • Die Kritik ist pauschalierend.

    Vermeiden Sie unbedingt das Wort „immer“. Beziehen Sie sich auf eine Situation, an der Sie ein Verhalten beschreiben können. Dann versteht der Kritisierte leichter, was Ihnen auf dem Herzen liegt. Verallgemeinerungen wirken unglaubwürdig und werden als Übertreibung abgetan.
    Und senden Sie „Ich-Botschaften“ wie „Auf mich wirkt es …“. Das lässt dem Kritisierten Entscheidungsspielraum, ob er Ihre Bewertung annehmen möchte. Im folgenden Meinungsaustausch können Sie Ihre Sichtweise mit Fakten stützen.

  • Ihre Kritik ist gereizt.

    Manchmal ist Schweigen besser. Wenn Sie feststellen, dass Sie schlechte Laune haben, dann vertagen Sie Ihren Vorsatz ein kritisches Gespräch zu führen, denn aus Ihnen wird die schlechte Stimmung sprechen und auf Ihre Worte abfärben. Lassen Sie Ruhe einkehren, entspannen Sie sich. Wenn Sie gelassen sind, wird Ihnen die konstruktive Kritik gelingen.

Konstruktive Kritik annehmen

Kritik fühlt sich zunächst nicht gut an. Es ist völlig normal, wenn der Kritisierte verhalten reagiert. Aber im Feedback verbirgt sich eine Chance auf Veränderung. Wenn Sie merken, dass Ihr Gegenüber es gut mit Ihnen meint, sollten Sie in dieser Reihenfolge reagieren:

  1. Hören Sie zu.

    Was teilt Ihnen der oder die andere mit? Lassen Sie sie erst einmal ausreden. Unterdrücken Sie eine impulsive Reaktion, atmen Sie ruhig und finde Sie Gelassenheit. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Rechtfertigungen.

  2. Reflektieren Sie über das Gesagte.

    Werten Sie die Kritik nicht als persönlichen Angriff, auch wenn Ihr Gegenüber sich negativ über Ihr Verhalten oder Leistung äußert. Sehen Sie die wohlwollende Haltung und verstehen Sie die Worte als Hilfsangebot.

  3. Zeigen Sie Einsicht.

    Sehen Sie in der Kritik eine Berechtigung? Trifft etwas zu? Wenn ja, übernehmen Sie die Verantwortung und flüchten Sie nicht in Erklärungen und Ausreden. Falls es nötig ist, entschuldigen Sie sich.

  4. Widersprechen Sie.

    Sie dürfen die Kritik auch anders bewerten. Erläutern Sie in diesem Fall Ihren Standpunkt. Greifen Sie die Gedanken auf, stellen Sie das Geschehene in den Zusammenhang, belegen Sie mit Fakten, korrigieren Sie, wo nötig, und widersprechen Sie.

  5. Nutzen Sie Ihre Chance auf persönliches Wachstum

    Es liegt an Ihnen, ob Sie aus der Situation lernen. Sie haben die Möglichkeit sich in Zukunft anders zu verhalten und es besser zu machen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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