Kritik: Arten & Tipps für Umgang mit Bewertungen

Kritik kommt da zum Einsatz, wo wir Verhältnisse oder Personen analysieren und bewerten. Und genau da beginnt das Problem: Wann ist diese Bewertung gerechtfertigt, wann unverhältnismäßig? Wie können Sie konstruktive Kritik formulieren, so dass der Dialog aufrechterhalten bleibt? Gelingt das nicht, nehmen Beziehungen Schaden. Wir erklären, was konstruktive beziehungsweise destruktive Kritik kennzeichnet. Außerdem geben wir Beispiele und Tipps, wie Sie konstruktiv kritisieren und Ihrerseits mit kritischen Einschätzungen umgehen…

Kritik: Arten & Tipps für Umgang mit Bewertungen

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Definition: Was ist Kritik?

Kritik stammt vom griechischen Verb „krínein“ und bedeutet auf Deutsch so viel wie „unterscheiden“ oder „trennen“. Dem Ursprung nach hat der Begriff eine neutrale Bedeutung: Gemeint ist die Analyse oder Begutachtung einer Sache, um von dort aus zu einem Urteil zu gelangen. Synonym lässt sich von Anmerkung oder Einschätzung, bei Literatur von einer Rezension (auch: Literaturkritik) oder allgemein von einer kritischen Würdigung sprechen.

Wesentlich häufiger ist Kritik jedoch in seiner negativen Bedeutung geläufig. Dann steht der Begriff synonym zu Beanstandung, Bemängelung. Eine negative Literaturkritik oder Beurteilung künstlerischer Werke ist auch als Verriss bekannt. Letztlich ist Kritik jedoch eine subjektive Meinungsäußerung.

Arten von Kritik

Ob im Privatleben oder im Beruf: In den verschiedensten Situationen sind wir mit Kritik konfrontiert. Auch wir selbst kritisieren andere: Mittels Schulnoten beurteilen wir die Leistungen von Schülern. Mit der Rezension des Hotels Ihres letzten Urlaubs bewerten Sie Service, Sauberkeit und Leistung Ihrer Unterkunft. Bei alledem kommt es auf das WIE an. Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Kritik, die hier nachfolgend erläutert seien:

  • Konstruktive Kritik

    Wer konstruktiv kritisiert, bemängelt nicht einfach nur. Er weist sachlich im Ton auf Fehler hin. Gleichzeitig ist er bemüht, eine Lösung zu finden. Als Kritiker nennt er mögliche Alternativen und trägt so dazu bei, eine Leistung zu verbessern. Die Begegnung ist stets auf Augenhöhe, das ermöglicht dem Gegenüber, sein Gesicht zu wahren.

  • Destruktive Kritik

    Anders bei dieser Art der Bemängelung: Der Kritikübende versucht gar nicht erst, dem Kritisierten zu helfen. Seine Tadel sind unsachlich und wenig hilfreich. Aber darum geht es auch gar nicht. Überwiegendes Motiv seines destruktiven Vorgehens ist, den anderen niederzumachen. Seine persönlichen Angriffe sind verletzend und zielen auf das Selbstwertgefühl seines Gegenübers ab.

  • Positive Kritik

    Im Gegensatz zu den vorgenannten Arten von Kritik bezieht sich positive Kritik auf den Inhalt des Gesagten und nicht auf die Art und Weise. Synonym könnte man auch von Lob oder Anerkennung sprechen. Das Urteil fällt in jedem Fall positiv aus. Äußerlich erkennbar an Applaus oder Schulterklopfen. In der öffentlichen Würdigung durch Orden, Zertifikate oder Schulnoten.

  • Negative Kritik

    Wie beim vorherigen Punkt bezieht sich diese Kritikart ebenfalls auf den Inhalt. Der Kritikgeber fällt in diesem Fall ein negatives Urteil. Er bemängelt eine Leistung, findet sie ungenügend oder maximal ausreichend. Gleichwohl steht dies nicht im Widerspruch zum konstruktiven Kritisieren: Man kann sehr wohl höflich und sachlich auf Missstände hinweisen. Letztlich ist diese Kritikart der Wahrheit geschuldet. Nur lässt der Kritiker den Kritisierten nicht mit der Beurteilung allein, sondern hilft bei der Lösung.

  • Selbstkritik

    Eine wünschenswerte Fähigkeit ist die zur Selbstkritik. In dem Fall beurteilen nicht andere, sondern Sie selbst sich und Ihre Leistungen. Idealerweise ist sie Bestandteil der Selbstreflexion und beinhaltet den Perspektivwechsel. Anderenfalls droht die Selbstkritik in Extreme abzugleiten. Manche finden sich dann sehr unkritisch nur toll, andere hingegen geißeln sich für jedes Missgeschick.

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Konstruktive Kritik äußern

Wer nicht einfach nur etwas monieren, sondern konstruktiv kritisieren will, sollte auf diese vier Punkte Acht geben:

  • Inhalt
    Ihr Kritikpunkt muss berechtigt sein. Das heißt nicht, dass jeder Ihrer Meinung sein muss. Aber sie muss nachvollziehbar sein – beispielsweise, indem Sie sie an bestimmten Beispielen belegen.
  • Tonalität
    Ruhig und sachlich sollte Kritik sein. Wer laut wird oder beleidigende Formulierungen wählt, greift auf persönlicher Ebene an und verhält sich destruktiv.
  • Zeitpunkt
    Idealerweise sprechen Sie Ihr Gegenüber unmittelbar nach dem Fehler an: Die Vorgänge lassen sich leicht erinnern, Alternativen besser nachvollziehen. Warten Sie hingegen länger, ist mit größerer Vergesslichkeit und daher geringerer Einsicht zu rechnen.
  • Motivation
    Wer nur kritisiert, um Dampf abzulassen, verfolgt niedere Motive. Konstruktive Kritik orientiert sich aber an Lösungen und führt zu Verbesserungen. Als Kritiker sollten Sie also immer tragfähige Alternativen präsentieren können.

Warum ist Kritik so wichtig?

Lob und Komplimente sind gern gesehen – Schwächen und Fehler lässt sich keiner gerne vorhalten. Aber: Ohne Kritik ist auch keine Veränderung möglich. Sie reißt einen zwar aus der Komfortzone, gibt aber auch die Chance zu Wachstum. Vielleicht sind Sie dabei, eine Sprache zu lernen. Leider hapert es an der einen oder anderen Stelle an der Aussprache. Nur indem Sie jemand darauf hinweist, Sie korrigiert und die richtige Aussprache mit Ihnen übt, können Sie sich verbessern.

Kritik annehmen (und angemessen äußern) zu können, ist daher unerlässlich im Umgang mit Menschen. Das gilt für die Partnerschaft gleichermaßen wie für den Job. Wer bei den kleinsten Anzeichen von kritischen Bemerkungen direkt dichtmacht, erschwert eine solide Basis für die Beziehung. Und nur wenn Sie sich berechtigte Kritik anhören und etwas ändern, gewinnen Sie neue Erkenntnisse. Diese können im Job eine Beförderung ermöglichen.

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Kritikfähigkeit beweisen

Den Dorn im Auge des anderen, aber den Balken im eigenen nicht sehen: Manche Menschen sind gut im kritisieren, die Selbstkritik fällt hingegen gering aus. Da kann es helfen, auf andere zu hören. Auch wenn es schwerfällt: Hier gilt es, Kritikfähigkeit zu beweisen. Dazu folgende Tipps:

  • Lassen Sie den anderen ausreden
    Vielleicht fühlen Sie sich zu Unrecht angegriffen. Der erste Impuls ist dann oft, dem anderen zu widersprechen. Unterdrücken Sie dieses Verlangen und geben Sie Ihrem Gesprächspartner Gelegenheit, seinen Punkt auszuführen.
  • Hören Sie aktiv zu
    Aktives Zuhören heißt: Sie lassen sich von nichts ablenken – auch nicht von einer Gegenantwort in Gedanken. Das Smartphone ist ausgeschaltet, Sie blenden andere Dinge aus. Mit Ihrer Konzentration sind Sie ganz beim Gesprächspartner und seinen Ausführungen.
  • Reflektieren Sie das Gesagte
    Setzen Sie sich mit dem Inhalt auseinander. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, haken Sie durch Rückfragen nach: „Heißt das, dass…“, „Verstehe ich das richtig, dass…“ Gegebenenfalls können Sie sich zwischendurch Notizen machen.
  • Verstehen Sie die Kritik als Hilfsangebot
    Sehen Sie die Kritik nicht als Kritik an Ihrer Person, sondern an der Sache oder bestimmten Verhaltensweisen. Nicht Sie als Mensch, sondern etwas, das Sie getan haben, ist kritikwürdig. Und lässt sich ändern. Das ermöglicht Ihnen fachliches und/oder persönliches Wachstum.
  • Gleichen Sie das Gesagte mit sich ab
    Es besteht keine Verpflichtung, unsachliche oder destruktive Kritik anzunehmen. Bevor Sie also Ihrerseits unkritisch etwas übernehmen, sollten Sie das Gesagte mit Ihrer Wahrnehmung abgleichen. Aber: Ganz im Sinne der Selbstkritik sollten Sie hier auch ehrlich zu sich sein und überlegen, ob ein Körnchen Wahrheit am Gesagten sein könnte.

Tipps: Diese Fehler bitte vermeiden

Folgende Regeln sollten Sie beachten, wenn Sie Ihrerseits Kritik üben:

  • Pauschalurteile
    Schnell geht es bei einem Streit hoch her, ein Wort gibt das andere. Aber: Wer pauschale Kritik äußert, liegt immer daneben. Worte wie „immer“ oder „nie“ lassen keine differenzierte Betrachtung zu. Außerdem orientieren Sie sich damit nicht konkret an einem (gegenwärtigen) Vorfall, sondern fällen ein generelles Urteil.
  • Du-Botschaften
    Mit Sätzen wie „Du hast dies und das gemacht“ treiben Sie Ihr Gegenüber in die Enge und provozieren eine Verteidigungshaltung. Das endet meist in einem bösen Schlagabtausch. Sinnvoller ist es, die eigene Wahrnehmung auszudrücken, also: „Ich habe den Eindruck, dass…“, „Ich fühle mich unter diesen Umständen…“
  • Emotionalität
    Wer selbst emotional aufgewühlt oder schlecht gelaunt ist, kann schwer sachliche Kritik vortragen. In so einem Fall passiert es schnell, dass der eigene Frust aus der Rückmeldung spricht. Besser, Sie warten noch ein wenig, bis sich die Wogen geglättet haben.
  • Fremdurteile
    Vermeiden Sie, Ihre eigene Kritik mit der anderer Personen (vermeintlich) zu legitimieren, Motto: „Die finden Dich auch doof…“ Das provoziert unmittelbare Ablehnung, denn letztlich kann jeder nur für sich selbst sprechen. Wer sich auf andere bezieht, schwächt seine eigene Position – verständlich, dass sich der Kritisierte diesen Schuh nicht anzieht.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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