Kurzzeitpflege: Definition, Anspruch & Kosten

Es kann Situationen geben, in denen Angehörige ihr pflegebedürftiges Familienmitglied nicht selbst pflegen können. Die Kurzzeitpflege ist dann eine Möglichkeit, die Angehörigen zu entlasten. Zuständig für die Organisation der Kurzzeitpflege ist die Pflegekasse. An sie sollten sich Angehörige wenden, um ihren Anspruch geltend zu machen. Wer dafür infrage kommt, wie hoch die Kostenübernahme ausfällt und was Sie dazu noch wissen müssen…

Kurzzeitpflege: Definition, Anspruch & Kosten

Definition: Was ist Kurzzeitpflege?

Der Name sagt es eigentlich schon: Kurzzeitpflege – das ist die Pflege für eine kurze Zeit, genau genommen geht es um die Dauer von acht Wochen pro Jahr. In dieser Zeit wird der oder die Pflegebedürftige aus der häuslichen Pflege genommen und in einer Pflegeeinrichtung untergebracht.

Es gibt verschiedene Gründe, warum das notwendig sein kann:

  • Kurzzeitpflege als Entlastung

    Angenommen, eine Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern geht in Teilzeit arbeiten, während sie sich außerdem um ihre pflegebedürftige Mutter kümmert. In den Schulferien möchte sie mit ihren zwei Kindern wegfahren, gleichzeitig möchte sie ihre Mutter gut versorgt wissen. Dann kommt die Kurzzeitpflege ins Spiel. Allerdings sind Heimplätze in Pflegeeinrichtungen in der Ferienzeit besonders gefragt, daher sollten Sie frühzeitig planen.

  • Kurzzeitpflege als Nachsorge

    Ebenso kann eine Kurzzeitpflege nötig sein, wenn jemand beispielsweise infolge eines Unfalls einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich gebracht hat. Er ist noch nicht wieder vollständig genesen und benötigt vollstätionäre Pflege – das kann die häusliche Pflege nicht leisten. Gleichzeitig fallen Krankenhäuser aus den Zuständigkeitsbereich, weshalb der Pflegebedürftige in eine Pflegeeinrichtung verlegt wird.

  • Kurzzeitpflege als Erprobung

    Eine Kurzzeitpflege kann auch dann infrage kommen, wenn Sie erst einmal gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen schauen wollen, ob Ihnen beziehungsweise dem Pflegebedürftigen die Einrichtung zusagt. Ist das der Fall, geht die Kurzzeitpflege in diesem Pflegeheim in eine dauerhafte Pflege über.

  • Kurzzeitpflege zwecks Organisation

    Möglich ist die Kurzzeitpflege bei einem Notfall, etwa wenn sich der Gesundheitszustand eines Pflegebedürftigen so sehr verschlechtert, dass die häusliche Pflege nicht mehr geleistet werden kann und kurzfristig ein Pflegeheim gesucht wird. Nicht immer ist ein nahtloser Übergang möglich, die Kurzzeitpflege springt dann vorübergehend ein. Ebenso wenn bauliche Anpassungen (etwa ein Treppenlift) vorgenommen werden müssen, um die häusliche Pflege weiterhin gewährleisten zu können.

  • Kurzzeitpflege zur Überbrückung

    Denkbar natürlich auch der Fall, dass die pflegende Person selbst krank wird und entweder die psychische Kraft nicht aufbringt oder beispielsweise in eine Reha-Klinik muss.

Anspruch: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Um eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen zu können, muss zuvor ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Außerdem erfahren Sie hier, welche Pflegeeinrichtungen die Kurzzeitpflege anbieten und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen: Pro Jahr werden nämlich nur 1.612 Euro übernommen.

Anspruch auf Kurzzeitpflege haben allerdings nur Pflegebedürftige, bei denen einer der folgenden Pflegegrade festgestellt wurde:

  • Pflegegrad 2: Hierunter fallen Personen, deren Selbständigkeit erheblich eingeschränkt ist.
  • Pflegegrad 3: Erfasst Personen, bei denen eine schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit vorliegt.
  • Pflegegrad 4: Bei diesen Versicherten liegen schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit vor.
  • Pflegegrad 5: Der höchste Pflegegrad gilt für Pflegebedürftige mit schwerster Beeinträchtigung der Selbständigkeit, die besondere pflegerische Versorgung erfordern.

Keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege haben somit Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, bei denen nur geringe Beeinträchtigungen vorliegen, so dass sie nach dem alten System der Pflegestufen ohnehin nicht erfasst worden wären.

Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad

Eine Ausnahme gibt es allerdings, wie eingangs aufgeführt, ist eine Kurzzeitpflege auch als Nachsorge möglich. So beispielsweise nach einer schweren Krankheit oder einem Krankenhausaufenthalt (etwa infolge eines Unfalls). Hier hat eine Gesetzesänderung vor einigen Jahren eine Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad möglich gemacht.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Welche Leistungen werden in der Kurzzeitpflege erbracht? Die Kurzzeitpflege ist nicht einfach nur eine Hotelunterbringung – es ist ein bisschen das Rundum-Sorglos-Paket für Pflegebedürftige und Angehörige, die ihr Familienmitglied in guten Händen wissen wollen. Das leistet die Kurzzeitpflege:

  • Kost und Logis
  • Behandlungspflege wie Körperpflege und -hygiene, Hilfe beim An- und Auskleiden
  • Medizinische Versorgung wie Verbandswechsel, physiotherapeutische und logopädische Maßnahmen wie Gehübungen, Sprachübungen
  • Unterhaltungsprogramme zwecks Einbeziehung der Pflegebedürftigen beispielsweise durch gemeinsames Singen und Musizieren, Spazieren, Gesellschaftsspiele und Gymnastik
  • Sprechstunden beim Sozialdienst

Grundsätzlich entstehen bei der Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung Kosten, ganz gleich, ob zur Kurzzeitpflege oder dauerhaft. Dreierlei Faktoren machen diese Kosten aus:

  • Kosten für die Pflegeleistung
  • Kosten für Unterbringung und Verpflegung
  • Investivkosten zur Instandhaltung der Einrichtung

Diese Kosten müssen in Form eines Eigenanteils übernommen werden. Teilweise können Sie diese bei der Pflegekasse geltend machen, erstattungsfähig sind aber nur die Kosten für die eigentliche Pflegeleistung, also für pflegebedingte Aufwendungen, Betreuung durch den Sozialdienst oder die medizinische Versorgung.

Unterbringung und Verpflegung (auch als Hotelkosten bezeichnet) sowie die Investivkosten müssen Pflegebedürftige also selbst zahlen. Wie hoch diese ausfallen, hängt von der jeweiligen Pflegeeinrichtung ab. Beispielsweise können die Investivkosten wegfallen, wenn das Pflegeheim aus öffentlichen Mitteln erbaut wurde. Selbst hingegen aufkommen müssen Sie auch für Transportkosten zum Pflegeheim und wieder zurück nach Hause.

Dank des sozialen Netzes in Deutschland gibt es Regelungen, falls ein Versicherter die Zusatzkosten nicht aus eigener Tasche zahlen kann. In solchen Fällen prüft das Sozialamt, ob eine Kostenerstattung (zumindest anteilig) möglich ist.

Mithilfe der Düsseldorfer Tabelle wird ermittelt, ob Angehörige – Ehepartner oder Kinder – für die Pflegeheimkosten aufkommen müssen. Dank Angehörigen-Entlastungsgesetz ist das allerdings erst ab einem Bruttoeinkommen von 100.000 Euro der Fall, so dass das Sozialamt in der Regel einspringt.

Kostenübernahme bei Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Die gute Nachricht: Angehörige werden mit den Kosten für die Unterbringung ihrer Familienmitglieder nicht allein gelassen. Auch ist der Höchstbetrag von 1.612 Euro pro Jahr unabhängig vom Pflegegrad – solange der Pflegebedürftige einen der Pflegegrad 2 bis 5 hat oder unter die Ausnahmeregelung fällt, kann er also mit der vollen finanziellen Unterstützung rechnen.

Allerdings deckt dieser natürlich nicht den tatsächlich anfallenden Betrag, sondern nur einen bestimmten Teil bei der Kurzzeitpflege. Und dieser ist umso schneller erschöpft, je höher der Pflegeaufwand und die damit verbunden Kosten eines Pflegeheims sind. Jemand mit Pflegestufe 2 kommt also länger mit dem Betrag aus als ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe 5.

Unser Tipp: Erkundigen Sie sich vorab nach den Tagessätzen der Pflegeeinrichtung. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, das zur Verfügung stehende Budget besser einzuplanen.

Eine Möglichkeit ist die Kombination von Kurzzeitpflege mit Verhinderungspflege. Diese kann im Gegensatz zur Kurzzeitpflege auch zuhause stattfinden und greift dann, wenn ein Pflegender eine kurze Auszeit braucht. Beispielsweise für eigene Besorgungen und Termine oder zur Erholung von der pflegerischen Tätigkeit.

Der Anspruch auf Verhinderungspflege besteht für längstens sechs Wochen und wird ebenfalls mit 1.612 Euro von den Pflegekassen unterstützt. Wird die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, erhöht sich das Budget um 100 Prozent, so dass 3.224 Euro für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen.

Versicherte erhalten außerdem je nach Pflegegrad von den Pflegekassen das Pflegegeld. Dieses steht ihren Angehörigen für die pflegende Tätigkeit zur Verfügung. Wird nun ein Antrag auf Kurzzeitpflege gestellt, wird für die Dauer von acht Wochen (beziehungsweise 56 Tagen) das Pflegegeld zu 50 Prozent weitergezahlt.

Kurzzeitpflege beantragen: Wer ist Ansprechpartner?

Zuständig für die Kurzzeitpflege sind die Pflegekassen, die den Krankenkassen angegliedert sind. Sie erbringen die Leistungen aus der Pflegeversicherung. Um diese beantragen zu können, kann der Pflegebedürftige selbst oder sein Vertretungsberechtigter sich an die Pflegekasse wenden.

Den Antrag füllen übrigens durchaus die Pflegeeinrichtungen selbst aus oder stehen beratend zur Seite. Auch der Sozialdienst eines Krankenhauses oder einer Reha-Einrichtung kann dabei behilflich sein – unterschrieben werden muss er jedoch vom Pflegebedürftigen beziehungsweise seinem gesetzlichen Betreuer.

Weitere Infos erhalten Sie beim Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit mit dem Schwerpunkt Pflegeversicherung, Telefon: 030 3406066-02, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

[Bildnachweis: michaeljung by Shutterstock.com]
27. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite