Lavendel: Alles über den duftenden Tausendsassa

Lavendel wird bereits seit vielen Jahrtausenden vielseitig verwendet – sei es als Heilpflanze, Duftspender oder zum Essen. Die ätherischen Öle des Lavendel sind auch heute noch beliebt. Sowohl in industriell verarbeiteten Produkten als auch in der eigenen Anpflanzung spielt Lavendel eine beliebte Rolle. Welche Verwendung Lavendel dabei genau erfährt und wie Sie ihn selbst anpflanzen, schneiden und pflegen, zeigen wir Ihnen hier.

Lavendel: Alles über den duftenden Tausendsassa

Lavendel: Verwendung und Produkte

Lavendel gilt seit jeher als beruhigend und entspannend: Zum einen durch seinen angenehm-aromatischen Duft, zum anderen auch durch seine Inhaltsstoffe. So gibt es eine Reihe von Produkten, die aus Lavendel gewonnen oder zumindest mit ihm angereichert werden:

  • Parfüm
  • Medikamente
  • Tee
  • Badezusatz
  • Desinfektionsmittel
  • Duftspender
  • Beruhigungsmittel
  • Moskitoschutz
  • Butter
  • Honig
  • Öl
  • Essig
  • Süßspeisen

Lavendel: Steckbrief einer alten Kulturpflanze

Seinen Namen hat der Lavendel aus dem Lateinischen. Dort bedeutet „lavare“ soviel wie „waschen“. Dies deutet darauf hin, dass bereits die alten Römer über die reinigende Wirkung von Lavendel Bescheid wussten.

Weitere Fakten über den Lavendel in einem kurzem Steckbrief:

  • Anbaugebiet: Südliches Europa (zum Beispiel Provence) bis hin in unsere Breiten
  • Insekten: Zieht Hummeln, Bienen und Schmetterlinge an, vertreibt Stechmücken
  • Inhaltsstoffe: Über 150 verschiedene, ungiftige ätherische Öle (insbesondere Linalool und Linalylacetat)
  • Höhe: Bis zu einem Meter hoher Strauch
  • Volkstümlicher Name: Kleiner Speik
  • Pflanzenfamilie: Lippenblütler
  • Aussehen: circa 40 Millimeter lange, graugrün-matte Blätter sowie blaue oder lila Blüten
  • Vermehrung: Über Samen oder Stecklinge (Aussaat in den ersten Frühlingstagen)

Lavendel-Sorten selbst anbauen

Wer Lavendel selbst pflanzen möchte, sollte hierzulande bis nach den Eisheiligen warten. Der junge Lavendel ist durchaus noch frostanfällig, selbst, wenn die Winter hierzulande inzwischen eher mild verlaufen.

Besonders beliebt sind hierzulande folgende Lavendel-Sorten:

  • Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas)
  • Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Speik-Lavendel (Lavandula latifolia)
  • Provence-Lavendel (Lavandula intermedia)
  • Zahn-Lavendel (Lavandula dentata)

Es gibt aber insgesamt noch über 200 weitere Lavendel-Sorten und -Unterarten.

Die beliebteste Lavendel-Art: Der Schopf-Lavendel

Der Schopf-Lavendel ist hierzulande besonders beliebt, da er mit acht bis zehn Jahren vergleichsweise alt werden kann und als äußerst robust gilt. Ein bisschen Pflege braucht er aber dennoch.

Zudem ist aufgrund seiner sehr intensiven Farbe und seiner besonders langen Blütezeit (von Mai bis September) sowie seines starken Duftes nicht nur beim Menschen beliebt: Nutzinsekten wie Bienen und Hummeln schätzen den Schopf-Lavendel ebenfalls.

Seinen Namen hat der Schopf-Lavendel von seiner optischen Erscheinung: Die Blüten erinnern ein wenig an menschliche Frisuren.

Lavendel: Standort

Doch egal für welche Lavendel-Sorte Sie sich entscheiden: Die Pflanze mag es sonnig und trocken. Auf mageren, nährstoffarmen Böden und an einem warmen Standort fühlt sich der Lavendel am wohlsten.

Das bedeutet auch, dass Sie den Lavendel nicht oft gießen müssen. Kurz nach der Einsaat sollten Sie die Pflanzen und die sich entwickelnden Wurzeln leicht feucht halten, danach jedoch selbst im heißen und trockenen Hochsommer nur alle paar Tage mal dezent gießen – sofern es nicht ohnehin regnet.

Lavendel: Blütezeit

In der Regel blüht der Lavendel zwischen Juni und August. Manche Lavendel-Sorten wie der Schopf-Lavendel wie erwähnt sogar länger.

Dies ist auch der richtige Zeitpunkt zur Ernte der Blüten. Viele erfreuen sich an der Blütezeit und ernten die kostbaren Pflanzenteile erst, wenn der Lavendel bereits verblüht ist. Doch das ist zu spät – zumindest, wenn Sie den Lavendel weiterverarbeiten möchten.

Zudem sollten Sie darauf achten, die Blüten nur an trockenen Tagen zu ernten. Schneiden Sie dazu die Stängel ungefähr zehn Zentimeter unter der Blüte ab und legen diese zum Trocknen auf ein Tuch oder hängen sie in Büscheln auf. Nach einigen Tagen können Sie die getrockneten Blüten in einem Glas oder einer Dose trocken und dunkel lagern.

Ist Lavendel winterhart?

Da die Winter durch die Klimaveränderung hierzulande inzwischen auch eher mild verlaufen, sind viele Lavendel-Sorten winterhart, die es früher nicht waren.

Der echte Lavendel aber auch der beliebte Schopf-Lavendel sind ohnehin etwas robuster und widerstandsfähiger. Andere Lavendel-Sorten sollten Sie mit einem Vlies oder aber mit Mulch beziehungsweise Reisig schützen oder die Pflanze über den Winter in die Wohnung nehmen. Am besten an einen ungeheizten, hellen Standort.

Tagestemperaturen von fünf Grad und minimale Nachtfröste hält aber fast jeder Lavendel aus, sofern dies nicht mehrere Wochen am Stück der Fall ist.

Lavendel schneiden

Nach dem Winter sollten Sie den Lavendel schneiden. Das Zeitfenster dafür gilt es jedoch genau abzupassen.

Denn die Zeit der Nachtfröste sollte vorüber sein, andererseits sollte der Lavendel aber noch keine frischen Triebe gebildet haben.

Zu diesem Zeitpunkt können Sie bis zu zwei Drittel der Pflanze zurückschneiden, um sie nicht zu ausufernd wuchern zu lassen.

Lavendel kaufen

Wer sich mit dem Gedanken trägt, Lavendel zu pflanzen, kann diesen inzwischen an vielen Orten kaufen. So zum Beispiel in:

  • Gärtnereien
  • Baumärkten
  • Gartencentern
  • Supermärkten

Sie können sich aber auch Ableger oder Samen aus Ihrem Mittelmeer-Urlaub mitbringen und diese heranziehen – sofern dieser wild wächst. Dies erfordert jedoch ein wenig gärtnerisches Geschick und Erfahrung.

Lavendelprodukte

Wer es allerdings nur auf die positiven Wirkungsweisen des Lavendel abgesehen hat und mit Gartenarbeit so gar nichts am Hut hat, der kann Lavendel-Produkte auch fertig hergestellt kaufen.

Je nach Produkt erhalten Sie Lavendel-Präparate in Apotheken, Reformhäusern, Drogerien aber auch sogar schon im Supermarkt. Gerade Nahrungsergänzungsmittel, Tees und rezeptfreie Heilmittel sind dabei besonders beliebt, denn der Lavendel hilft gegen vielerlei Beschwerden:

Hier werden besonders gerne Tabletten und Kapseln eingenommen – meist als Kombiprodukte mit Baldrian, Anis, Kümmel oder Passionsblume.

Zudem wird industriell hergestelltes Lavendel-Aroma gerne als Würzstoff für Lebensmittel (zum Beispiel im Honig) verwendet.

Und auch als Duftspray oder Duftkissen kommt es zum Einsatz – zum Beispiel gegen Mottenbefall. Allerdings sollten geruchssensible Menschen vorsichtig sein, denn manchmal lösen diese Produkte auch Kopfschmerzen aus.

Lavendel verarbeiten

Wer selbstgeernteten und getrockneten Lavendel verarbeiten möchte, hat dazu ebenfalls viele Möglichkeiten. Tee, Duftkissen und Öl können Sie ganz einfach herstellen.

Aber auch Marmelade, Tinktur, Essig oder Gewürzsalz lassen sich mit dem Lavendel-Aroma bereichern.

In der Aroma-Therapie werden getrocknete Lavendel-Blüten zudem gerne in Badewasser, Luftbefeuchter oder Duftlampen gegeben.

Tee und Lavendelsäckchen für den Schrank

Der getrocknete Lavendel duftet intensiv und beinhaltet eine Menge ätherischer Öle. Dies können Sie sich zu Nutze machen: Nähen Sie einige Blüten in ein kleines Stoffsäcken ein und geben dieses in Ihren Kleiderschrank. So duftet Ihre Kleidung nicht nur herrlich, sondern auch die Motten werden ferngehalten.

Auch als Tee eignet sich der getrocknete Lavendel gut: Ein Teelöffel der getrockneten Blüten pro Tasse für zehn Minuten ziehen lassen und im Nu haben Sie einen aromatischen Beruhigungstee, der gegen Wechselbeschwerden, Bauchkrämpfe, leichten Bluthochdruck sowie innere Unruhe wirkt. Sie können diesen Tee auch äußerlich anwenden – zum Beispiel gegen Jucken oder schuppige Haut.

Lavendelöl herstellen

Auch Lavendel-Öl ist schnell selbstgemacht: Geben Sie Blüten und Blätter in ein Einmachglas. Es sollte zu einem Drittel gefüllt sein. Füllen Sie dies nun mit einem kaltgepresstem Pflanzenöl auf (Olivenöl, Mandelöl oder ähnliches). Verschließen Sie das Glas nun luftdicht und stellen es sechs bis acht Wochen an einen warmen Ort.

Anschließend filtern Sie die festen Pflanzenteile heraus. Das Lavendel ist nun fertig und im Kühlschrank bis zu einem halben Jahr haltbar.

Es eignet sich perfekt als Massage- oder Badeöl aber auch zur Hautpflege.

Weitere Ideen aus Lavendel

Wenn Sie 30 Gramm Lavendel-Blüten mit 500 Milliliter Wasser und Gelierzucker aufkochen, abfüllen und abkühlen lassen, erhalten Sie ein köstliches Gelee beziehungsweise Marmelade.

Aber Lavendel eignet sich nicht nur für Süßspeisen: Ein Teelöffel Lavendel-Blüten mit etwas Salz und Petersilie ergeben in 125 Gramm Butter gemischt eine köstliche Kräuterbutter, die hervorragend zu Fleisch, Baguette oder Kartoffeln passt. Ohne Butter, damit mit getrockneten Tomaten, Pfeffer und Rosmarin erhalten Sie ein feines Gewürzsalz.

Und auch Lavendel-Essig ist schnell selbstgemacht: Lavendel-Blüten in für drei Wochen in Weißweinessig einlegen, absieben und fertig ist das leckere Salat-Dressing. Wenn Sie den Essig durch hochprozentigen Schnaps ersetzen, erhalten Sie eine Tinktur, die sich gut zur kosmetischen Verwendung eignet.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informiert Sie nur allgemein. Er kann und soll eine medizinisch-ärztliche Beratung nicht ersetzen. Vor der Einnahme eines Medikamentes lesen Sie bitte die Packungsbeilage sorgfältig durch und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

[Bildnachweis: Fuzul Hanum by Shutterstock.com]
11. Juni 2021 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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