Leihoma: Liebevoller Kontakt zwischen den Generationen

Wer im Alter weiterhin einen generationsübergreifenden Austausch sucht, aber keine eigenen Enkelkinder hat, kann sich eine Beschäftigung als Leihoma oder Leihopa suchen.

Dabei geht es nicht darum, hin und wieder als Babysitter-Notnagel zu fungieren, sondern in einer bis dato fremden Familie zu einer festen Vertrauens- und Bezugsperson zu werden.

Wie das geht, was Ihnen das bringen könnte und auf welchem Weg Sie Leihoma beziehungsweise Leihopa werden können, erfahren Sie hier.

Leihoma: Liebevoller Kontakt zwischen den Generationen

Was ist eine Leihoma?

Wohnen die eigenen GroĂźeltern zu weg, sind verstorben oder haben kein Interesse an ihren Enkeln, bemĂĽhen sich manche Familien um einen Ersatz: eine Leihoma oder ein Leihopa. Das Konzept stammt ursprĂĽnglich aus den USA und GroĂźbritannien und ist seit Ende der 90er auch in Deutschland mehr und mehr verbreitet. Insbesondere Frauen finden dabei zunehmend Gefallen an diesem Modell.

Eine Leihoma ist dabei keine Babysitterin. Sie ist eine ehrenamtliche Unterstützung der Familie, die all jene Aufgaben übernimmt, die echte Großeltern auch übernehmen. Je nach Vereinbarung mit der Leihfamilie können dies völlig unterschiedliche Tätigkeitsbereiche sein. Auch der zeitliche Umfang hängt vom Einzelfall ab – klare Vorgaben gibt es hier nicht.

Das wichtigste ist, dass Sie als Leihoma Spaß daran haben, mit Kindern und jungen Menschen zusammen zu sein. Und dies am besten nicht nur für einige Tage oder Wochen, sondern über einen längeren Zeithorizont von meist mehreren Jahren oder in Einzelfällen sogar Jahrzehnten.

Das bedeutet, dass Leihoma kein Nebenjob ist, sondern es hier vielmehr um Familienanschluss geht. So holen Sie beispielsweise die Kinder aus der Schule oder vom Kindergarten ab, unternehmen mit ihnen einen Ausflug oder beaufsichtigen sie beim Spielplatz. Eine Leihoma spielt, singt, backt oder bastelt zusammen mit ihren Leihenkeln oder sie liest ihnen vor – je nach Vorlieben der Familie und den Stärken der Leihoma. Auch bei den Hausaufgaben kann sie mitunter mal helfen. Außerdem ist sie zum Beispiel bei Geburtstagen oder anderen Festivitäten zugegen.

Damit ist sie definitiv keine Haushaltshilfe und auch mehr als nur ein Babysitter, der spontan einspringt, wenn die Eltern kurzfristig keine Zeit haben. Sie ist eine feste Vertrauensperson. Dieser Bezug zu den Kindern und der Familienanschluss sind der Hauptantrieb für eine Leihoma – es geht hier also nicht vorrangig ums Geld.

Auf diese Weise wird ein Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen hergestellt, der in unserer Zeit zunehmend schwindet. Auch der gegenseitige Rückhalt und die emotionale Wärme steht auf diese Art wieder mehr im Fokus.

So können Sie Leihoma werden

Wenn Sie eine Leihoma werden möchten, benötigen Sie formal gesehen keine besonderen Voraussetzungen. Weder müssen Sie eine spezielle Ausbildung durchlaufen haben oder über ein Zertifikat verfügen, noch über bestimmte Fertigkeiten.

Das wichtigste ist, dass Sie die Fähigkeit und die Bereitschaft mitbringen, sich auf andere Menschen einzulassen und sich Ihre Neugier auf sie bewahrt haben. Wenn beides vorhanden ist, kommt das nötige Einfühlungsvermögen meist ganz von alleine.

Fragen Sie sich daher selbst, was Sie gerne als Leihoma geben können und was Sie wiederum von der Tätigkeit erwarten:

  • Warum möchten Sie Leihoma werden?
  • Wieviel Zeit möchten Sie als Leihoma aufwenden?
  • Was können Sie den Leihenkeln geben?
  • Wie mobil sind Sie?
  • Wo sollen die Treffen mit Ihr Leihenkeln stattfinden?

Danach gibt es verschiedene Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen. So gibt es spezielle Internetportale (siehe unten) aber auch die Möglichkeit, über eine Zeitungsanzeige oder einen Aushang im Stadtteil zueinander zu finden.

Um eine passende Leihfamilie zu suchen, braucht es dann vor allem Geduld. Das wird höchstwahrscheinlich nicht die erstbeste Begegnung sein, denn die Vorstellungen müssen zum einen zueinander passen und zum anderen muss auch die Wellenlänge die gleiche sein – Sie sollten also ein gutes Gefühl haben und nicht mit der Leihfamilie fremdeln.

Für diese Suche können schon gut und gerne einmal mehrere Monate ins Land gehen. Setzen Sie sich dabei nicht unter Druck. Besprechen Sie beim ersten Treffen mit der Familie alles, was Ihnen wichtig ist und hinterfragen Sie anschließend in Ruhe für sich selbst, ob die Sympathie da ist und ob Sie sich nach dem ersten Kennenlernen eine Tätigkeit als Leihoma vorstellen können. Die Familie wird das gleiche tun.

Au Pair: Als Leihoma ins Ausland

Wer eine besondere Herausforderung sucht, kann sich auch bei einem der zahlreichen Au-Pair-Anbieter fĂĽr deren spezielle Programme bewerben, um als Leihoma ins Ausland zu gehen. Hier greifen Sie fĂĽr ein halbes oder ganzes Jahr GroĂź- oder Kleinfamilien unter die Arme und wohnen entsprechend auch bei diesen.

Sie sind also fĂĽr eine Zeit fester und selbstverständlicher Bestandteil der Familie und teilen mit ihr deren Alltag. Das bietet fĂĽr Sie als Leihoma ganz neue Chancen und Möglichkeiten. So können Sie zum Beispiel…:

  • eine neue Sprache lernen
  • eine fremde Kultur entdecken
  • ein Abenteuer erleben
  • einen lang gehegten Traum von einer Auszeit verwirklichen
  • eigene Erfahrungen teilen
  • eigene Wertevorstellungen hinterfragen und erneuern
  • eigene Grenzen kennenlernen und ĂĽberwinden

Verdienst als Leihoma

Wer sich als Leihoma beschäftigt, macht dies nicht des Geldes wegen. Es geht hier nicht darum, finanziell reich zu werden, sondern zwischenmenschlich.

Dennoch sollen Sie am Ende nicht drauflegen. Da es sich dabei jedoch um ein Ehrenamt handelt, ist ein Stundenlohn zwar nicht üblich, aber doch eine gewisse Aufwandsentschädigung.

Diese ist im Einzelfall zu verhandeln. Manche Familien einigen sich dabei auf die Benzin- oder Fahrtkosten, andere erstatten der Leihoma pauschal fünf oder sechs Euro pro Stunde – klare Vorgaben gibt es hier nicht.

Das spricht noch für eine Tätigkeit als Leihoma

Wenn sich als Leihoma kein Geld verdienen lässt – warum sollten Sie das dann machen? Wer sich diese Frage stellt, sollte vielleicht noch einmal seine eigene Motivation und den persönlichen Zugang zu einer Tätigkeit als Leihoma hinterfragen. Denn ebenso wie richtige Großeltern profitieren Sie auf eine ganz andere Weise:

  • Sie bauen eine zwischenmenschliche Beziehung auf.
  • Sie erleben das Heranwachsen und die Entwicklung von Kindern hautnah und können daran mitwirken.
  • Sie erhalten Liebe und Dankbarkeit.
  • Sie erleben regelmäßig etwas Neues und haben Abwechslung in Ihrem Alltag.
  • Sie können Ihren Charakter und Ihre Lebenserfahrung einbringen.
  • Sie haben die Möglichkeit, Ihr Wissen weiter zu geben.
  • Sie prägen die Erinnerung der Leihenkel und bleiben so fĂĽr ihr ganzes Leben in deren Gedächtnis.
  • Sie steigern Ihre Lebensfreude und den SpaĂź in Ihrem Leben.
  • Sie geben Ihrem Leben einen zusätzlichen Sinn durch das GefĂĽhl, etwas Gutes getan zu haben.

Leihoma-Vermittlung

Wer Lust bekommen hat, als Leihoma zu fungieren, kann sich entweder über Gemeinde- oder Stadtteiltreffs beziehungsweise Aushänge in Supermärkten oder anderen schwarzen Brettern bekannt machen. Viele Leihomas antworten aber auch direkt auf Kleinanzeigen oder geben selbst welche auf.

Es gibt aber außerdem spezielle Seiten im Internet, über die eine Leihfamilie und eine Leihoma zusammenfinden können:

  • www.aktivpaten.de
  • www.leihomas-leihopas.de
  • www.patenschaften-aktiv.de
  • www.granny-als-nanny.de
  • www.granny-aupair.com
  • www.bagfa.de
  • www.betreut.de

Hier werden die gegenseitigen Erwartungen und WĂĽnsche meist im Vorfeld bereits schon mittels eines Fragebogens entsprechend vorsortiert.

Außerdem vermitteln viele gemeinnützige Organisationen wie das Rote Kreuz, HELP, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, die Diakonie oder Mütterzentren Leihomas. Auch das örtliche Jugendamt kann als Ansprechpartner fungieren.

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[Bildnachweis: KlaraBstock by Shutterstock.com]
12. November 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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