Liebesleben: Bedeutung, Veränderungen + Tipps

Ein erfülltes Liebesleben im Alter ist möglich. Der Wunsch nach Sexualität und Intimität ist etwas, das Menschen ihr ganzes Leben lang begleitet. Gleichzeitig stellen sich altersspezifische Herausforderungen ein: Körperliche Gebrechen und Krankheiten nehmen zu. Die können sich negativ auf die Lust auswirken, aber es gibt Hilfe. Über die Bedeutung eines intakten Liebeslebens, welche Veränderungen das Alter mit sich bringt und Tipps, wie Sie damit umgehen…

Liebesleben: Bedeutung, Veränderungen + Tipps

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Liebesleben im Alter

Das Liebesleben älterer Menschen findet in der öffentlichen Wahrnehmung nicht statt. Schon Kinder glauben, ihre Eltern seien jenseits von Gut und Böse. Und Filme zeigen meist unglaublich attraktive Menschen in jüngeren Jahren, die ständig fantastischen Sex haben. Dass aber im Alter die Häufigkeit abnimmt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ältere Menschen gar keinen oder schlechten Sex haben.

Im Gegenteil – zu dem Ergebnis kommen deutsche Wissenschaftler in einer Berliner Studie. Demnach haben zwar 60- bis 80-Jährige durchschnittlich weniger Sex. Dafür gibt jedoch ein Drittel der älteren Befragten an, häufiger an Sex zu denken und entsprechend aktiv zu sein als 20- bis 30-Jährige im Durchschnitt. Bei den über 80-Jährigen haben zwar nur noch zehn Prozent der Männer, aber immerhin 20 Prozent der Frauen Sex. Das Verlangen und Gedanken an Sexualität bleiben bis ins hohe Alter. Dennoch ist das Thema öffentlich ein Tabu – dabei ist ein erfülltes Liebesleben ein entscheidender (wenngleich nicht der einzige) Aspekt für Lebensqualität.

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Wie sich Veränderungen auf Sexualität auswirken

Mit dem Alter verändert sich der Körper, verändern sich Bedürfnisse. Diese Veränderungen sind völlig normal und Teil menschlichen Lebens. Dennoch tun sich manche Menschen schwer damit, sie zu akzeptieren. Das fängt bereits damit an, dass diese Veränderungen sich auch auf das Liebesleben auswirken können. Plötzlich „funktionieren“ bestimmte Dinge nicht mehr wie gewohnt. Die Gründe dafür sind häufig hier zu finden:

Wechseljahre

Die Zeit der Wechseljahre markieren eine hormonelle Umstellung bei Frauen. Vielfach werden sie dafür verantwortlich gemacht, dass Frauen die Lust am Sex vergeht. Der Körper produziert immer weniger Östrogen, erst nach der Menopause pegeln sich die Hormone wieder ein. Diese wirken sich auf die Emotionen und den Körper aus. Zu den häufigsten Symptomen zählen neben Hitzewallungen und Schlafstörungen emotionale Verstimmungen und eine trockene Scheidenhaut. Diese wird dünner und kann beim Sex schmerzen. Auch berichten einige Frauen von einer verringerten Libido. Diese kann wiederum mit schmerzlichen Erfahrungen beim Sex zusammenhängen. All das belastet und fördert nicht gerade ein intaktes Liebesleben.

Erektionsstörungen

Erektile Dysfunktion – auch als Impotenz oder Erektionsstörung bekannt – betrifft ein Drittel aller 60-Jährigen. Das heißt, dass sie über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in zwei Dritteln aller Fälle keinen oder keinen befriedigenden Geschlechtsverkehr haben. Betroffene können die Erektion nicht halten oder das Glied wird nicht hart genug für den Geschlechtsverkehr. Kommt es immer häufiger zu Erektionsstörungen, können Versagensängste und ein geringeres Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen die Folge sein.

Erkrankungen

Zahlreiche Krankheiten, aber auch Operationen infolge von Krankheiten oder Medikamente können sich negativ aufs Liebesleben auswirken.

  • Prostata

    Bei Männern kann sich beispielsweise eine vergrößerte Prostata schmerzhaft bemerkbar machen: Bei der „benignen Prostatahyperplasie (BPH)“ kommt es zu Gewebewachstum. Der dadurch entstehende Druck auf Blase und Harnröhre kann zu Harndrang, Harnverhalt, aber auch Harninkontinenz und Schmerzen beim Samenerguss führen. Letzteres hält Betroffene dann zunehmend vom Geschlechtsverkehr ab.

  • Herz-Kreislauferkrankungen

    Verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch ihre medikamentöse Behandlung führen zu Erektionsproblemen. Dazu zählen Bluthochdruck, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose), Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Herzinfarkt. Gleichzeitig können auch Mittel gegen Bluthochdruck (Antihypertensiva) und entwässernde Medikamente (Diuretika) Erektionsprobleme begünstigen.

  • Operationen

    Neben den Erkrankungen beeinträchtigen manche Operationen das Liebesleben. Zum einen körperlich, weil beispielsweise Schmerzen auftauchen, etwa nach einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie). Auch die Entfernung der Prostata oder Operationen am Enddarm können mit Scham und Einschränkungen verbunden sein. Zudem kann vernarbendes Gewebe besonders empfindlich sein. Zum anderen können psychische Probleme und eine negative Selbstwahrnehmung die Folge sein, etwa bei einer Brustamputation infolge von Brustkrebs.

Ganz gleich, worin die Ursachen möglicher Schwierigkeiten zu suchen sind: Betroffene sollten in jedem Fall einen Arzt aufsuchen und über die Probleme reden. Manche Medikamente können beispielsweise (unter ärztlicher Aufsicht) abgesetzt oder ausgetauscht werden.

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Tipps für ein erfülltes Liebesleben

Ein erfülltes Liebesleben ist nicht ans Alter gebunden. Es bedarf manchmal lediglich einiger zusätzlicher Vorkehrungen und einer erweiterten Sichtweise. Letztere dürfte den meisten aufgrund ihrer Lebenserfahrung und Weisheit gar nicht so schwerfallen.

Der Blick auf körperliche Veränderungen führte in der Vergangenheit dazu, dass man älteren Personen ein Liebesleben quasi absprach. Gleichzeitig bedeutet Altern im neuen Jahrtausend noch etwas anderes als 50, 60 oder 70 Jahre zuvor: Die Menschen werden immer älter, vitaler und vielfach selbstbewusster. Gute Gründe also für ein befriedigendes Liebesleben. Und dazu können diese Tipps beitragen:

Zeit nehmen

Befreien Sie sich vom alten Leistungsdenken à la höher, weiter, schneller. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner darüber, was Sie mögen, was Sie brauchen und was Sie sich wünschen. Offene Gespräche sollten in einer Partnerschaft ebenso wenig ein Problem sein wie die generelle Bereitschaft, Probleme gemeinsam zu lösen. Solche Gespräche sollten einen entsprechenden Rahmen bekommen. Reden Sie nicht im Alltag zwischen Tür und Angel darüber, sondern nehmen Sie sich die Zeit dafür.

Zärtlichkeiten austauschen

Eine Studie der Uni Rostock kommt zu dem Ergebnis, dass älteren Menschen ab 74 Jahren die Zärtlichkeit deutlich wichtiger als die Sexualität ist. Selbst wenn die sexuelle Aktivität zurückgeht: Erotik findet vor allem im Kopf statt. Ein erfülltes Liebesleben muss nicht zwangsläufig Penetration bedeuten. Der Austausch von Zärtlichkeiten kann auch „nur“ Kuscheln, Streicheln und Küssen bedeuten. Für die Zufriedenheit ist das nicht zu unterschätzen: Die Haut als unser größtes Organ braucht diese Zuwendungen. Das baut Stress ab und wirkt lebensverlängernd.

Hilfsmittel probieren

Schwierigkeiten beim Sex missdeuten manche als mangelnde Lust des Partners. Aufgrund dieser Fehleinschätzung vernachlässigen die Partner das Liebesleben. Aber ob trockenere Scheidenschleimhaut, Schmerzen beim Sex oder Probleme mit der Erektion: Solche Einschränkungen sind weder gottgegeben noch unüberwindbar. Neben der Suche nach möglichen Ursachen gibt es allerhand Hilfsmittel, auf die Sie zurückgreifen können. Das müssen nicht zwangsläufig Medikamente sein – mit Gleitgel und Sexspielzeug lässt sich etwa das Vorspiel anregender gestalten. Zusätzliche Kissen oder Variationen in der Position können bei Gelenkproblemen sinnvoll sein.

Entdeckungsfreude bewahren

„Use it or lose“ ist – die Maxime vieler Sportler beim Muskelaufbau gilt auch im Alter im Hinblick auf die Zweisamkeit. Wer sich weniger um seinen Partner bemüht, weniger interessiert, der lässt irgendwann auch sein Liebesleben einschlafen. Solche Paare leben irgendwann nur noch aus Gewohnheit nebeneinanderher. Halten Sie Ihre Beziehung am Leben, indem Sie Konflikte lösen und sich gegenseitige Wertschätzung beweisen. Dazu zählen hier und da Liebesbeweise wie kleine Geschenke und Komplimente. Auch Humor und Kreativität im Umgang miteinander helfen, mögliche Schwierigkeiten im Liebesleben zu überwinden.

Sport treiben

Apropos Muskelaufbau: Sorgen Sie dafür, dass Sie auch im Alter in Bewegung bleiben. Sport beugt Erkrankungen wie Alzheimer vor und hält nicht nur geistig länger fit, sondern auch körperlich. Das kommt wiederum Ihrem Liebesleben zugute. Denn verschiedene Sportarten wirken sich in mehrerlei Hinsicht positiv aus. Dehnübungen beim Yoga halten Sie beweglich und beugen Osteoporose vor. Beckenbodentraining ist sowohl für Frauen als auch Männer gut. Denn eine gestärkte Beckenbodenmuskulatur hilft gegen Inkontinenz und fördert eine kraftvolle Erektion.

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Gründe für ein erfüllteres Liebesleben

Wem das noch nicht reicht: Es gibt einige gute Gründe dafür, warum das Liebesleben im Alter für viele tatsächlich besser ist als in jüngeren Jahren.

  • Wahrnehmung von Attraktivität
    Jüngere Menschen sind noch sehr um Äußerlichkeiten bemüht: Vielen sind ihre Narben, Falten oder Hüftgold peinlich. Ältere Menschen machen Attraktivität des Partners noch an anderen Dingen fest.
  • Wissen um eigene Wünsche
    Die Lebenserfahrung steigert bei älteren Menschen auch das Selbstbewusstsein. Sie kennen ihren Körper, wissen um ihre Wünsche. Und sie sind offener als frühere Generationen und artikulieren ihre Bedürfnisse.
  • Befreiung von Zwängen
    Besonders Frauen erleben im Alter eine befreitere Sexualität. Heutige Seniorengenerationen haben nicht nur die sexuelle Revolution miterlebt und deshalb einen anderen Zugang zum Thema. Sie haben das Klimakterium hinter sich und müssen sich nicht mehr ungewollter Schwangerschaft auseinandersetzen. Das alles trägt zu einem deutlich entspannteren Liebesleben bei.

Allerdings ist damit das Thema Verhütung längst nicht vom Tisch: Wer beispielsweise in einer offenen Beziehung lebt oder Single ist, sollte auf Safer Sex achten. Nur so können Sie Geschlechtskrankheiten und deren Übertragung verhindern.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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