Manipulation erkennen: Definition, Tricks & Beispiele

Bei Manipulation schwingen Fremdbestimmung und Unfreiwilligkeit mit. Andere müssen uns erst beeinflussen, um etwas zu bekommen, das wir ihnen nicht freiwillig geben würden. Niemand möchte sich derart überrumpelt fühlen. Um so wichtiger, dem vorzubeugen: Wie kann man jemanden manipulieren? Wir zeigen die Tricks, damit Sie Manipulation erkennen und geben Beispiele, damit sie diese abwehren können.

Manipulation erkennen: Definition, Tricks & Beispiele

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Definition: Was ist Manipulation?

Manipulation ist die gezielte Einflussnahme auf andere. In der Psychologie bezeichnet es den Einsatz psychologischer Mittel, um etwas beim Gegenüber zu erreichen. Das muss nichts Verwerfliches sein – etwa ein freundliches Lächeln. Manche jedoch nutzen bei anderen Kniffe, die zu deren Nachteil gereichen können. Auch verbergen diese Personen ihre eigentliche Absicht. Dieser negative Aspekt entspricht auch mehr dem heutigen umgangssprachlichen Verständnis.

Synonym zu Manipulation ist daher von Täuschung, List oder sogar Betrug die Rede. Der Begriff Manipulation leitet sich vom lateinischen manus (= Hand) und plere (= füllen) ab. Dem ursprünglich neutralem Wortsinn nach bedeutet Manipulation schlicht Hand- oder Kunstgriff. Im medizinischen und technischen Bereich bedeutet er nach wie vor auch „Handhabung“.

Manipulation von Menschen

An sich ist es nichts Ungewöhnliches, andere Menschen zu beeinflussen. Man würde je nach Kontext auch nicht von „manipulieren“ sprechen. So etwa nehmen Eltern durch die Erziehung ihrer Kinder gezielt Einfluss auf sie. Viel häufiger wird Manipulation aber negativ gesehen: Eine Person verschleiert ihre wahren Beweggründe und erreicht mithilfe psychologischer Tricks einen Vorteil. Die Opfer manipulativer Tricks fühlen sich im Nachgang hereingelegt und ausgenutzt. Die Grenzen zwischen Wissen und freier Entscheidung einerseits und Unwissen und Zwang andererseits sind oft fließend.

Und es gibt noch einen düsteren Anteil von Manipulation: Nämlich sobald der Schaden einer Person billigend in Kauf genommen wird. Der amerikanische Psychologe Stanley Milgram konnte in Experimenten nachweisen, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen, wenn sie sich einer Autorität gegenüber glauben.

Im sogenannten Milgram-Experiment musste ein vom Versuchsleiter instruierter Lehrer einem Schüler (gespielt von einem Schauspieler) bei Falschantworten Stromstöße verabreichen. Die Stärke des Stromschlags stieg mit der Anzahl der Fehler. Der angebliche Schüler war im Nachbarraum, für den Lehrer nicht erkennbar. Allerdings waren seine (gespielten) Schmerzensschreie hörbar. Das Experiment zeigte den Zusammenhang von Autorität und Gehorsam. Etwa ein Drittel aller Menschen lassen sich leicht manipulieren und legen moralische Bedenken ab.

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Tricks der Manipulation: Diese Techniken gibt es

Nachfrage

Dieser Manipulationstrick ist von diversen Verkaufssendern im Internet bekannt: „Nur noch 99 Stück“ und zeitgleich rattert ein Countdown, der die Verkäufe anzeigt. Durch künstliche Verknappung wird eine hohe Nachfrage simuliert. Die Manipulation wirkt so: Was viele kaufen, muss offenbar gut sein. Dahinter steckt der Gedanke, wenn Sie jetzt zuschlagen, sind Sie clever und sichern sich einen Vorteil.

Bedürfnisse

Ebenfalls aus der Werbung stammt der Trick, ein Bedürfnis zu erzeugen. Der so Manipulierte gewinnt den Eindruck, dass er ein bestimmtes Produkt unbedingt benötigt. Ohne diese unglaublich praktische/wichtige Sache wird er nicht leben können. Oder aber Nachteile empfinden.

Wiederholung

Diese Manipulationstechnik kommt besonders bei Fake News und Verschwörungstheorien zum Einsatz: Je häufiger etwas behauptet wird, desto leichter nehmen Menschen irgendwann an, es sei wahr. Durch die ständige Berieselung mit Begriffen tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Der Manipulierte benutzt Aussagen und Begriffe nun ganz selbstverständlich.

Angst

Angst ist eine starke, meist negativ empfundene Emotion und Teil effektiver Manipulation. Das funktioniert so: Um sein Ziel zu erreichen, führt der Manipulator seinem Gegenüber die negativen Konsequenzen seines Handelns oder Nichthandelns vor Augen. Leider setzt unter Angst auch das logische Denken aus, daher lassen sich Menschen leicht von ihrer Angst (fehl-)leiten.

Informationen

Die Aufbereitung und Präsentation von Informationen nimmt Einfluss auf Menschen. Das ist beispielsweise das Ziel von Propaganda. Durch verfälschte oder unvollständige Informationen können Meinung und Handlungen von Personen beeinflusst werden.

Gaslighting

Diese Form der Manipulation kommt besonders in toxischen Beziehungen vor. Es handelt sich um emotionalen Missbrauch, denn die Opfer stellen ihre eigene Wahrnehmung infrage. Typisch sind Schuldzuweisungen und Vorwürfe. Die Opfer bekommen Sätze wie „Du bist immer so emotional“ oder „Das bildest Du Dir nur ein“ zu hören. Sobald der Betroffene Konflikte anspricht, werden seine Bedenken und Gefühle als übertrieben dargestellt.

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Beispiele für Bereiche der Manipulation

Nach Ansicht mancher ist jede menschliche Interaktion bereits Manipulation. Jeder hat ein Anliegen, dass er durchsetzen oder mit dem er den anderen beeinflussen will. Lediglich die Art und Weise unterscheidet sich. Daher erleben wir täglich verschiedene Formen der Manipulation. Viele davon sind subtil, andere weniger. Nachfolgende Beispiele zeigen Ihnen, wo überall andere versuchen uns zu beeinflussen:

Werbung

Sinn und Zweck von Werbung ist, potenzielle Konsumenten zum Kauf zu animieren. Das lässt sich besonders im Einzelhandel beobachten. Produkte werden extra im Kassenbereich in Sicht- und Greifhöhe von Kindern platziert: So fällt es Eltern schwerer, ihrem Kind das Produkt zu verwehren. Spezielle Beleuchtung lässt Obst und Gemüse besonders reizvoll und frisch aussehen, Sonderposten animieren zum Spontankauf. Andererseits ist niemand gezwungen und offensichtliche Nachteile gibt es ebenso wenig.

Partnerschaft

Selbst in der Partnerschaft kommt es vor, dass sich Menschen manipulativ verhalten – und das noch nicht mal immer bewusst. Das beginnt schon beim Kennenlernen: Lachen weckt Sympathie. Kommt es zum Konflikt, sind mehrere Verhaltensweisen möglich. Der offene Austausch lässt Motive schnell erkennen. Zieht sich aber eine Seite schmollend zurück, greifen psychologische Mittel wie Angst vor Liebesentzug beim anderen.

Beruf

Lob und Anerkennung sind wichtige Triebfedern für menschliches Handeln. Gerade durch den Job erfahren viele Bestätigung. Relativ durchschaubar sind Kollegen, die sich Unterstützung sichern wollen. Beispielsweise geben sie vor, der andere sei ja so versiert und könne diese eine Sache besonders gut. Aber wer will schon ernsthaft dem Chef einen Gefallen abschlagen, wenn dieser so gewichtige Argumente wie Qualität und Vertrauen ins Spiel bringt, während er Sie mit einer neuen Aufgabe betreut?

Politik

Manipulation lässt sich für politische Zwecke nutzen. So versuchen Parteien die Gunst der Wähler zu gewinnen. Beispielsweise kann Partei A in Ansprachen Informationen weglassen oder verfälschen und so Partei B in einem schlechten Licht dastehen lassen. Fliegt die Täuschung nicht auf, kann Partei A womöglich das Wahlverhalten zu ihrem Vorteil beeinflussen.

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Manipulation erkennen: 5 Tipps zum Entlarven

Wer andere manipulieren will, kann also auf eine Fülle von Taktiken zurückgreifen. Wichtig ist für Sie, potenziell kritische Situationen zu erkennen, in denen andere Sie in ihrem Sinne bearbeiten wollen. Nur dann können Sie ebenso gezielt dagegenhalten:

  • Informationen hinterfragen

    Manipulierende haben leichtes Spiel, wenn ihr Gegenüber sie nicht hinterfragt. Andersherum: Wer kritisch Aussagen überprüft, dem fallen eher Ungereimtheiten auf. Das gibt Ihnen die Chance, nein zu sagen.

  • Zeit nehmen

    Klingt im ersten Moment alles ganz plausibel, sagen manche Menschen spontan zu. Damit Sie solche Impulshandlungen nicht im Nachhinein bereuen, sollten Sie sich Zeit lassen. Horchen Sie in sich hinein und fragen Sie sich: Wie fühlen Sie sich damit? Fühlen Sie sich unter Druck gesetzt oder ängstlich, können das bereits Warnzeichen dafür sein, dass jemand Sie manipulieren will.

  • Entscheidung reflektieren

    Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie kurz überlegen: Basieren die nächsten Schritte auf Ihrer Entscheidung und Ihrem Willen? Oder fußen sie auf der Manipulation durch andere? Gutgemeinte Tipps und Ratschläge können hilfreich sein – oder anderen zum Vorteil gereichen. Das ist nicht per se schlimm, aber dann sollten Sie bewusst diese Entscheidung treffen.

  • Gefälligkeiten dosieren

    Vorsicht, wenn andere Ihnen zu bereitwillig Hilfe anbieten. Nicht selten wird damit eine „Abhängigkeit“ bezweckt, Motto: „Ich habe Dir geholfen, jetzt hilfst Du mir.“ Gegenseitigkeit ist lobenswert. Aber Sie sollten sich damit nicht erpressen lassen.

  • Charme abwehren

    Nicht jede freundliche Person will andere sofort manipulieren. Aber: Mit Charme und Komplimente lassen sich manche Menschen leicht einwickeln. Bevor Sie besonders charmanten Zeitgenossen auf den Leim gehen, sollten Sie also besonders Punkt eins erneut berücksichtigen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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